Alten Freunden

Hanns Graaf

Wisst ihr noch, wie oft wir warn gesessen
Hier im grauen Hof, im gelben Licht?
Hatten alle Zeit im Kopf durchmessen
Bis zum Dämmern. Habt ihr das vergessen?
Sagt, warum erinnert ihr euch nicht?

Spürt ihr noch das rauhe Holz, ihr Hände?
Wie viel Gläser sind uns drauf zerschellt!
Ob die derben Sprüche ich noch fände,
Die wir eingekratzt in blasse Wände,
Denen nun der letzte Putz abfällt.

Wisst ihr noch: die dunkelroten Weine
Stiegen uns zu Kopf. Ein Taumel Glück.
Wälzten Theorie wie schwere Steine,
Stritten uns und kamen nie ins Reine.
Nein, ich nehm noch heut kein Wort zurück!

In den kahlen Ranken der Taverne
Grinsen im Gezweig wie Ironie
Bleiche Lampions wie fahle Sterne.
Dass wir einig wärn in Zukunftsferne,
War wohl unsre größte Utopie.

Seid zu Haus in andrer Herren Länder,
Wo ich euch bis jetzt nicht wieder fand.
Tragt die Haare anders, die Gewänder.
Fremd klingt euer Wort im fremden Sender.
Hab euch nur am Namen noch erkannt.

Kies zerknirscht mir unter meinen Sohlen.
Schnellbahnlärm. Ein Hund, der Reste frisst.
Hab nichts zu bestellen. Unverhohlen
Schaut der Kellner. Will den Mantel holen,
Den der Kleiderständer schwarz gehisst.

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