Laudatio des Tages vom 19.1.2017

HaHo

Eine zweistimmige Lobeshymne in Fortefortissimo singen wir heute Frankreichs Energieministerin Ségolène Royal, die ein wahrhaft revolutionäres Projekt zur Rettung des Weltklimas fördert, und dem Internet-Portal Klimaretter.Info, das darüber euphorisch berichtet hat.

In der Kleinstadt Tourouvre-au-Perche in der Normandie wurde die erste „Solarstraße“ gebaut, auf der man nicht nur fahren, sondern mit der man auch Strom erzeugen kann. Dazu werden auf den Strassenbelag sieben Millimeter dünne Solarpaneele aufgebracht. Es war sicher ein rauschendes Fest, als Mitte Dezember bei strahlendem Sonnenschein von schwitzenden Massen die Einweihung gefeiert wurde. Hoffentlich bekam die Ministerin keinen Sonnenbrand. Die Normandie liegt ja bekanntlich im besonders sonnenreichen Süden Frankreichs.

Das Projekt ist sogar sehr preiswert. 1.000 Kilometer Solarstraße kosten lt. Klimaretter.Info nur fünf Millionen Euro. Da zeigt sich, was Solartatechnik möglich macht. Mit ihrer Hilfe können offenbar trotz Mehraufwands für die Solarpeneelen die Straßenbaukosten auf einen Bruchteil der sonst üblichen Kosten gesenkt werden. Die andere Vermutung, dass die Klimaretter-Autoren nicht rechnen können, weisen wir empört zurück.

Nur vier Straßenmeter bzw. 20 Quadratmeter Solarstraße könnten rein rechnerisch den Strombedarf eines Haushalts decken. Natürlich nur rein rechnerisch, denn ausgerechnet, wenn es dunkel und kalt ist, wenn wir also am meisten Strom brauchen, scheint die Sonne nicht so richtig. Doch mit einem üppigen Förderprogramm für permanenten Sonnenschein lässt sich doch auch dieses Problem sicherlich beheben.

Hocherfreut teilen uns die Klimaretter auch mit, dass nur 1.000 „Wattway“-Meter (…)  nach dieser Rechnung schon die komplette Straßenbeleuchtung einer 5.000-Einwohner-Stadt übernehmen könnten. Kein Problem, wenn die Straßenlampen künftig nur noch tagsüber statt nachts leuchten. Dazu gehört v.a. viel Klimabewusstsein, für das ja die Klimaretter sorgen.

Die spendable Frau Royal will in Frankreich zunächst 1.000 Kilometer Solarstraßen bauen. Warum nicht mehr? Schließlich sind ja nur einige winzige technische Detailfragen noch nicht ganz geklärt – z.B., ob die ganze Sache überhaupt funktioniert. Materialforscher bezweifeln das. So würde durch das Zerkratzen und den witterungsbedingten Verschleiß der Paneelen deren Wirksamkeit weit stärker leiden als bei den üblichen Solarpaneelen auf Dächern. Das führe zu einem Leistungsverlust von ca. 20%. Statt wie bei den heute üblichen Anlagen bei 20%, läge die Effizienz der Straßen-Paneele bei nur noch ca. 16%. Das ist aber nicht schlimm, denn wenn die Straßenlampen dann nur noch flimmern, kann man ja problemlos die stets mitgeführte Taschenlampe anschalten. Wozu braucht es überhaupt Straßenlampen?! Sind die nicht nur überflüssige Relikte der Fossil-Gesellschaft? Und gilt nicht auch: Im Dunkeln ist gut munkeln?

Solarinvestoren wittern schon Morgenluft. Klimaretter.Info berichtet freudig: Das Unternehmen Somove beispielsweise schätzt das Potenzial der Idee als gewaltig ein: ´Rund 1,4 Milliarden Quadratmeter könnten theoretisch in Deutschland auf diese Weise ausgestattet werden und damit beispielsweise 20 Millionen Elektroautos mit Strom versorgen.´“ Ob die Solarwege überhaupt funktionieren, kann ihnen ja sowieso egal sein, denn die Kosten und eventuellen Verluste tragen ja die Kommunen. Und denen geht’s ja bekanntlich blendend.

Wenn z.B. eine Kommune nicht mehr in neue Windparks investiert, weil die alten sich trotz der enormen Subventionen nicht rechnen und deshalb das Loch im Stadtsäckel noch etwas größer geworden ist, kann man ja stattdessen in eine Solarstraße investieren. Wenn die dann keinen Strom liefert, kann man immerhin noch drauf fahren, während das Wäschetrocknen mit Verlust-erzeugenden Windrädern nicht so gut funktioniert.

Probleme kann es natürlich immer geben. Am wichtigsten ist deshalb Optimismus. Den verbreiten die medialen Klimaretter ja reichlich. Und bekanntlich ist desto mehr Optimismus erforderlich, je mehr Angst vor der Klimakatastrophe erzeugt wird. Angst als Produktivkraft. Wunderbar! Funktioniert auch bei der US-Waffenlobby prächtig.

Mit diesem Optimismus kann man auch Rückschläge verdauen. So z.B. die Tatsache, dass ein 70 Meter langer Solar-Radweg in Holland schon wenige Monate nach Inbetriebnahme kaputt war. Die Holländer fahren eben einfach zu viel Rad!

Doch unser Lob hat sich nicht nur Frau Ministerin verdient, weil sie Millionen an Steuergeldern für  erwiesenermaßen funktionierende Projekte ausgibt. Vor allem gilt unser Lob den Redakteuren von Klimaretter.Info für ihren Mut, sich zu technischen und naturwissenschaftlichen Fragen zu äußern, weil sie davon wirklich etwas verstehen. Die Garantie dafür erwächst allein schon daraus, dass die  Klimaretter-Journalisten fast alle ein Politologie-Studium absolviert und die Zahl von Leuten mit  einer naturwissenschaftlichen Ausbildung fast gegen Null geht. Dieses Top-Niveau könnte nur noch durch die Aufnahme von Bischöfen, Kulturwissenschaftlern und Wahrsagern in die Redaktion erhöht werden. So prägt man den Zeitgeist! Magst du schwimmen lernen? Geh in die Wüste! Bist du krank? Auf zum Autoschlosser! Willst du dich über den Stand des Flugwesens informieren? Frag den Imker!

Ein schönes und wirklich beeindruckendes Beispiel für seriöse Wissenschaftlichkeit liefern die Klimaretter auch mit dem Verweis auf eine Studie, die der Frage nachgeht, warum es global nicht mehr wärmer wird. Instinktsicher wird da zuerst Mal ignoriert, dass man selbst sonst immer die These vom Stillstand des Temperaturanstiegs vehement ablehnt. Umso unvorbelasteter kann man dann das Ergebnis der Studie präsentieren, die sich aber genau deshalb angefertigt wurde, weil es  eben seit dem Jahrhundertwechsel keinen weiteren Temperaturanstieg gibt. Die Wärme, die nach den Modellen da sein müsste, aber leider leider nicht gemessen werden kann, habe sich – so die Studie – im Meer versteckt. So vermeldet es Klimaretter.Info am 7.1.17 im Beitrag „Keine Erwärmungspause in Sicht“. Würde diese Wärmemenge freigesetzt, wäre es lt. Studie an der Oberfläche heute 35 Grad (!) wärmer – obwohl seit über 15 Jahren die Aktivität der Sonne schwächer wird!

Wenn wir nun diese 35 Grad zu den jetzt ungefähr gemessenen durchschnittlichen +15 Grad globaler Mitteltemperatur dazu rechnen, kommen wir auf +50 Grad. Das entspricht ungefähr der Körpertemperatur der Autoren von Klimaretter.Info, wenn sie ihre Artikel verfassen.

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