Die Lüge von den schwindenden Ressourcen

Hanns Graaf

Eine zentrale These der „grünen“ Szene, von Teilen des Reformismus und dem Gros der Linken ist die Auffassung, dass die Ressourcen zur Neige gehen. Dafür steht auch der Slogan von der Erde, die zu klein für unsere Lebensweise wäre und wir mehrere Erden (ver)brauchen würden. Lebten und wirtschafteten wir weiter so wie jetzt, müssten wir schon bald an die „Grenzen des Wachstums“ stoßen. Nicht zufällig war auch der Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972 so betitelt.

Die Schlussfolgerung aus dieser Bestandsaufnahme war, sparsamer mit den Ressourcen umzugehen, den Verbrauch von Naturstoffen zu senken und eine „einfachere Lebensweise“ (manche nennen das auch „den Gürtel enger schnallen“) zu praktizieren. Aktuell spielen diese Überlegungen auch eine große Rolle bei der Begründung der Politik der Energiewende mit der Einführung der „Erneuerbaren Energien“ (EE) und der angepeilten Dekarbonisierung. Auch der Ausstieg aus der Kernenergienutzung wird u.a. mit dem Argument begründet, dass die Uranvorkommen zur Neige gingen.

Peak oil?

Am Beispiel des Erdöls lässt sich gut zeigen, wie falsch die These von den schwindenden Ressourcen ist. Lt. den Prognosen des Club of Rome wäre das Erdöl schon längst verbraucht. Der Peak Oil, also jener Moment, da die verfügbaren Öl-Reserven immer weiter abnehmen, wurde jedoch schon mehrfach in die Zukunft verschoben, weil die Voraussagen nicht eingetroffen waren. Trotz immer weiter steigenden Öl-Verbrauchs ist heute nicht nur von einer Ölknappheit nichts zu spüren, im Gegenteil: die Vorräte sind größer als je zuvor. Das hat mehrere Ursachen: Erstens sind die Erkundungsmethoden besser als früher, so dass immer neue Vorräte gefunden werden. Zweitens haben sich die Erschließungstechniken weiterentwickelt. So können z.B. Lagerstätten in der Tiefsee genutzt werden – auch wenn das Tiefsee-Bohren noch sehr risikoreich ist, wie das Unglück im Golf von Mexiko vor einigen Jahren gezeigt hat. Doch die Lösung dieser Probleme ist nur eine Frage der Zeit und keinesfalls unmöglich. Von zunehmender Bedeutung ist auch die Gewinnung von Öl und Gas aus festen Gesteinsschichten durch das hydraulische Brechen (Fracking). Allein dadurch wachsen die verfügbaren Vorräte enorm. Drittens ist auch nicht unwichtig, dass bessere Fördertechniken eine höhere Ausbeutung schon bekannter Quellen erlauben. Früher hatte man die Förderung oft beendet, wenn ein Bohrloch nicht mehr so ergiebig war, obwohl es noch Öl gab. Viertens schließlich arbeiten die Verbrennungsmotoren immer sparsamer, so dass zumindest relativ der Verbrauch sinkt (obwohl dieser Effekt durch immer größere und luxuriöser ausgestattete Fahrzeuge wieder zum Teil  aufgefressen wird).

Diese Fakten zeigen, dass Prognosen über die Verfügbarkeit von Ressourcen, welche die technische Entwicklung nicht berücksichtigen, nicht den geringsten Wert haben, weil sie meilenweit an der  Realität vorbeigehen. Fehleinschätzungen in der Frage der Verfügbarkeit von Ressourcen wiederum können zu fatalen Konsequenzen für die Gesellschaft führen. So werden milliardenschwere Investitionen in die EE, v.a. in Wind- und Solartechnik, auch damit begründet, dass die Öl- und Gasvorräte zur Neige gingen. Das Absurde ist dabei, dass dadurch nicht Ressourcen eingespart, sondern noch mehr verbraucht werden, weil die traditionellen Stromerzeuger technisch gesehen nicht ersetzt werden können und daher die EE zusätzlich zu diesen als zweites Erzeugersystem unterhalten werden müssen. Wenn man dazu noch bedenkt, dass in einem modernen onshore-Windrad 5-6.000 Tonnen Material verbaut sind, darf man berechtigte Zweifel daran haben, dass so Ressourcen gespart werden.

Natürlich würden bei unveränderter Technik zur Erkundung, Förderung und Nutzung von Öl die uns heute bekannten Quellen in absehbarer Zeit, vielleicht in 5-6 Jahrzehnten, verbraucht sein. Andererseits enthält die Erdkruste aber noch sehr viel Öl. Seit über zwei Milliarden Jahren bildet sich Erdöl. Man schätzt, dass ca. eine Million Gigatonnen Öl vorhanden sind. Der aktuelle globale Ölbedarf beträgt gerade etwa 4 Gigatonnen jährlich. Theoretisch haben wir also noch Öl für weit über 200.000 Jahre. Knappheit ist wahrlich etwas anderes.

Das ist freilich nur eine theoretische Rechnung, da es unwahrscheinlich ist, dass wir irgendwann einmal Erdöl aus 30 Kilometer Tiefe fördern. Technisch ausgeschlossen ist das jedoch nicht. Viel unwahrscheinlicher ist es aber, dass wir in tausend oder auch nur in 200 Jahren noch massenhaft Öl als Energierohstoff verwenden, da es energetisch gehaltvollere Energierohstoffe bzw. effizientere Methoden der Energieumwandlung gibt. Dazu zählt die aktuell schon gut beherrsche Kernspaltung (von der Kernfusion ganz abgesehen). Die sehr wenigen, aber tw. mit gravierenden Folgen verbundenen Reaktorunfälle resultieren nicht aus der Nichtbeherrschung der Technik an sich, sondern aus – gesellschaftlich bedingten – unzureichenden Bau-, Betriebs- und Sicherheitspraktiken. Entgegen den permanenten Unkenrufen der Atomkraftgegner, dass die Rohstoffe für die Kernspaltung zur Neige gingen, sind auch diese Vorräte praktisch unendlich. Ganz abgesehen von anderen Kern-Brennstoffen wie z.B. Thorium besteht die Erdkruste zu ca. 0,1% aus Uran, was bedeutet, dass diese Menge – auf Basis des derzeitigen Verbrauchsniveaus – für etwa einhundert Millionen Jahre reicht. Knappheit sieht anders aus!

Vor nur etwa 150 Jahren begann die Förderung von Erdöl. Nachdem zuerst nur bestimmte Quellen (in weichen Gesteinsformationen) genutzt werden konnten, ist es seit einigen Jahren mittels des Frackings möglich, auch Öl und Gas aus festen Gesteinsschichten zu gewinnen (die Technik wird  für die Abdichtung von Stauseen schon seit den 1930ern genutzt). Welch enorme Möglichkeiten das Fracking eröffnet, wird schon daran deutlich, dass etwa 50% des Öls in solchen festen Gesteinsschichten lagert. Parallel zum Fracking hat sich das Bohren in große Tiefen weiterentwickelt, die Nutzung von Vorkommen in der Tiefsee hat begonnen.

Angesichts dieser Entwicklungen in – historisch gesehen – sehr kurzer Frist davon zu sprechen, dass uns das Öl ausgeht, kann nur als absichtliche Lüge oder als Ausdruck von Dummheit gewertet werden. Wenn dieselben „Mahner“ und die „grüne“ Szene dann noch fordern, das Fracking zu verbieten und die Rohstoffe in der Erde zu lassen, um Mutter Gaia nicht zu schädigen, dann handelt es sich einfach nur um ein Verbrechen an den Entwicklungschancen der Menschheit allgemein und den Lebensinteressen Milliarden von Menschen, die ein Bedürfnis und ein Recht haben, vernünftig zu leben. Dafür brauchen sie Energie oder – genauer gesagt – ein Energiesystem, das jedem jederzeit überall möglichst kostengünstig und zuverlässig Energie zur Verfügung stellt. Die Nutzung der EE zielt gerade in die entgegengesetzte Richtung.

Geschichte der Skepsis

Theorien über angebliche Grenzen der Entwicklung sind nicht neu. Schon Karl Marx lehnte die Überbevölkerungs-Theorie von Malthus und dessen Schlussfolgerungen strikt ab. Malthus behauptete – kurz gesagt -, dass die Menschheit schneller wachse als die Nahrungsmittelproduktion. Daraus leitete er ab, dass die Hungernden am Hunger selbst schuld wären, weil sie sich zu stark vermehrten. Marx kritisierte, dass Malthus sich auf eine völlig unzureichende, nur einen Ort und nur eine kurze Zeitreihe umfassende, empirische Grundlage stützt und seine Erkenntnisse schon deshalb unwissenschaftlich seien. Zugleich warf er Malthus vor, dass er nur den Armen Vorwürfe mache, nicht jedoch den Reichen; dass er also eine reaktionäre Klassenposition einnimmt. Marx war empört, dass eine so hahnebüchene „Theorie“ überhaupt ernst genommen wurde.

Heute können wir noch besser als Marx beurteilen, ob Malthus recht hatte. Zu Malthus´ Zeit lebte etwa eine Milliarde Menschen auf der Erde, heute sind es über sieben Milliarden. Davon, dass die Menschheit ein generelles Hungerproblem durch Überbevölkerung hätte, kann keine Rede sein. Ernährungsprobleme gibt es natürlich in vielen Ländern. Doch diese haben Ursachen, die in den sozialen Verhältnissen liegen und nicht darin, dass zu wenig Lebensmittel produziert werden oder werden könnten. Die Krise von 2008/09 zeigte das sehr deutlich. Damals gab es in über 40 Ländern Hungerrevolten – aber eben nicht, weil es an Lebensmitteln gefehlt hätte, sondern weil deren Preise – u.a. durch Börsenspekulationen – in die Höhe getrieben wurden bzw. die Kaufkraft aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Währungsschwankungen eingebrochen war.

Schon immer gab es Situationen, wo bestimmte Naturstoffe durch exzessiven Gebrauch knapp wurden. So meinte ein früherer US-Präsident anlässlich der Einweihung der ersten Ölbohrung Mitte des 19. Jahrhunderts, dass die Ölförderung aufgrund der geringen Vorkommen nur eine unbedeutende Rolle für eine kurze Zeit spielen würde.

1840 warnte der Abgeordente Coffin vor dem britischen Unterhaus, dass sich die Eisenpreise bald verdoppelt würden – aufgrund der Knappheit von Eisenerz. Zum Glück folgte man nicht seinem Rat, den weiteren Ausbau der Eisenbahn zu beenden.

In der Antike waren die Zedernwälder im Libanon von den Phöniziern weitgehend abgeholzt worden, weil dieses Holz ideal für den Schiffbau war. Als man merkte, dass die intensive Nutzung zum Verschwinden der Zedernwälder führen würde, begann man mit der Wiederaufforstung.

Auch im Europa des Mittelalters führten extensive Rodungen zur Ackerlandgewinnung und die Nutzung von Holz für den Haus- und Schiffbau sowie als Heizmaterial dazu, dass die Bewaldung immer mehr zurückging und Holz immer knapper und teurer wurde. Letztlich nahm aber der Bedarf an Holz relativ und tw. absolut ab; die Wälder wurden gerettet, weil es durch andere Materialien – Stein als Baustoff, Kohle als Heizmaterial und Stahl für den Schiffbau – ersetzt wurde. Hätte es den Club of Rome und seine Vorhersagemethode schon früher gegeben, würde er das Verschwinden der Wälder vorausgesagt haben. So aber können wir auch heute noch entspannt im Wald spazieren gehen und uns im Stillen über die Entwicklung der Produktivkräfte freuen und über die falschen Propheten a la Club of Rome amüsieren.

Methodische Fehler

Im Verhältnis Mensch – Natur (eigentlich ist es ein Verhältnis in der Natur, denn der Mensch ist selbst Teil dieser) ist der Mensch gezwungen, sich der Natur einerseits anzupassen, sie andererseits aber umzuformen und dem Menschen anzupassen. Diese Konstellation ist ein dynamisches Widerspruchsverhältnis. Auch die Nutzung von Ressourcen macht da keine Ausnahme. Immer aufs Neue gibt es Situationen, da Ressourcen übernutzt werden und bei weiterer Nutzung bald nicht mehr zur Verfügung stünden. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht mehr vorhanden wären; sie sind nur bei einem bestimmten Niveau der Technik für uns (noch) nicht nutzbar.

Wie die Geschichte der Menschheit (und unsere Beispiele) zeigen, führte die Ressourcen-Not immer dazu, dass die Menschen andere Ressourcen zu nutzen begannen und Techniken dafür  entwickelten. Noch nie kam die Menschheit bisher in eine Lage, in der sie an Ressourcen-Mangel litt.

Nun wird von den Vertretern der Auffassung, dass es Grenzen des Wachstums gebe, argumentiert, dass durch die immer größer werdende Menschheit und ihre Produktions- und Konsumgewohnheiten die Erde geradezu ausgeplündert und unsere derzeitige Lebensweise perspektivisch weit mehr verbrauchen würde, als unser Planet zu bieten hätte. Zweifellos träfe das zu, wenn sich die Art und Weise, wie wir produzieren, nicht verändern, d.h. wenn sich die Produktivkräfte nicht weiterentwickeln würden. Einen solchen Stillstand des technischen Fortschritts hat es jedoch bisher noch nie gegeben und er ist wohl gerade für den Kapitalismus, der seine produktive Basis permanent umwälzt, umso weniger wahrscheinlich.

Schon die „Theorie“ von Malthus offenbarte wesentliche Züge späterer und gerade heute grassierender Auffassungen bezüglich schwindender Ressourcen und Grenzen der Entwicklung.

Ein Merkmal dieser Auffassungen ist die Methode, kurzfristige Trends mechanisch in die Zukunft zu projizieren, um dann mit dramatischer Geste zu beklagen, dass es ein Problem geben wird. Ein weiterer Grundfehler besteht darin, dass ein bestimmtes Verhältnis von Produktion und Verbrauch unterstellt wird. So ging man immer davon aus, dass Wirtschaftswachstum auch mit einem ebensolchen Wachstum des Energieverbrauchs einher gehen würde. Das traf bis in die 1980er Jahre in etwa auch zu. Doch seitdem zeigt sich, dass sich in entwickelten Industrieländern dieser Trend umzukehren beginnt. Hauptgrund dafür ist, dass die Energie-Effektivität sich immer weiter verbessert, d.h. der Energieverbrauch pro Produktionseinheit sinkt.

Die „Verknappungsvorstellungen“ übersehen im Endeffekt den wichtigsten Aspekt der Entwicklung: die Weiterentwicklung der Produktivkräfte Wissenschaft und Technik.

Wir haben zwar – solange wir noch nicht andere Himmelskörper nutzen können – nur die eine Erde zur Verfügung, doch diese ist größer, als viele denken. Alle Ressourcen, die wir nutzen, befinden sich auf oder in der Erdkruste. Diese hat eine mittlere Dicke von 35 Km. Bisher hat der Mensch nur deren oberste Schicht erschlossen – und auch nur sehr vereinzelt. Der Bereich der Erdkruste, wo es Tagebaue, Bergwerke oder Bohrungen gibt, ist anteilig so gering, dass man sie kaum als Nadelstiche in der riesigen Erdkruste bezeichnen kann. Die Menge noch vorhandener Ressourcen ist derart groß, dass auch eine noch zahlreichere Menschheit sie nicht in den nächsten Jahrhunderten verbrauchen kann. Eine ganz andere Sache ist, wie aufwändig oder lohnenswert es ist, diese Ressourcen zu erschließen – so stoßen wir aber auch hier nur wieder auf den einzig relevanten Faktor: die Entwicklung der Produktivkräfte. Durch sie können einmal Rohstoffe verwendet werden, die heute noch gar keine Rolle spielen – etwa die riesenhaften Vorräte an Methanhydrat (Gas in fester Form) in den Festlandssockeln der Meere zur Energiegewinnung, oder das Meerwasser selbst zur Gewinnung von Wasserstoff.

Zweifellos kann es zeitweilig und begrenzt durchaus auch zu einer Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bestimmter Resourcen – genauer: zwischen den vorhandenen Rohstoffen und den technischen Erschließungsmöglichkeiten – kommen. Diese könnte aber durch Kooperation und Hilfe innerhalb der globalen Gemeinschaft durchaus gelöst werden. Geschieht dies nicht – und das ist oft genug der Fall, wie Hunger, Wassermangel, Armut usw. in vielen Teilen der Welt zeigen -, liegt die Ursache aber grundsätzlich darin, dass die kapitalistische Weltordnung mit ihrem Profitstreben, ihrer Ungleichheit und ihren Unterdrückungsmechanismen eine kooperative und solidarische Problemlösung verhindert. Die Ursache ist also nicht die Begrenztheit von Mutter Gaia, sondern die Begrenztheit des Systems. Die inner-gesellschaftliche Problematik wird also tendenziell zu einem Problem zwischen „der Gesellschaft“ (die noch dazu oft unpräzise als „die Menschheit“  oder „der Mensch“ bezeichnet wird) und der Natur gemacht.

Reale Grenzen

Natürlich gibt es auch natürliche Ressourcen, die begrenzt sind. So kann nicht jeder Mensch pro Jahr 10 Liter Eiswein tinken, 10 Kilo Goldschmuck oder ein privates Grundstück von 10 Hektar besitzen, allerdings muss er das auch nicht. Bestimmte Ressourcen sind knapp und bedürfen daher eines Verteilmechanismus´. Im Kapitalismus ist das der höhere Preis, im Kommunismus eine demokratische gesellschaftliche Übereinkunft, die den individuellen Anteil am Gesamtprodukt regelt.

Eine begrenzte Ressource ist auch die Erdoberfläche – es sei denn, die Menschheit freundet sich mit einer Ameisenexistenz unter der Erdoberfläche an. Die Erde ist zu fast 75% von Wasser bedeckt. Die Landfläche besteht noch dazu aus vielen Bereichen, die für Menschen nicht oder kaum besiedel- und nutzbar sind: Wüsten, Steppen und Tundren, Hochgebirgen, Eisflächen und Gletschern, Urwäldern und Mooren. Die übrig bleibende real nutzbare Fläche ist tatsächlich sehr begrenzt. Immer mehr bereits urbanisierte Gebiete der Erde können kaum mehr Menschen aufnehmen, die Megastädte platzen aus allen Nähten – oft in Form von riesigen Slums. Zugleich leiden viele ländliche Gebiete unter einer Landflucht. Nicht erst der „Brundlandbericht“ der UN aus den 1970ern wies auf viele solcher dramatischer Entwicklungen hin, schon Marx benannte die Überwindung des Widerspruchs zwischen Stadt und Land als eine wesentliche Aufgabe des Kommunismus. Allerdings verstärken sich diese Fehlentwicklungen unter kapitalistischen Bedingungen eher noch, als dass sie beendet oder wenigstens entschärft würden.

Obwohl es gegenwärtig – allgemein – noch genug Platz, genug Nahrung und Ressourcen für eine weiter wachsende Menschheit gibt, nähern wir uns in Zukunft zweifellos immer mehr einer Situation, wo schlicht nicht mehr genug Platz für 20 oder 30 Milliarden Menschen vorhanden sein wird, v.a. unter der Bedingung, dass alle menschenwürdig leben sollen. Das bedeutet ohne Frage auch, genug Platz, also Fläche zur Verfügung zu haben: eine gute Wohnung, ausreichende Infrastruktur usw. brauchen selbstverständlich mehr Platz als ein Slum oder ein Ghetto, wo Menschen einfach zusammengepfercht sind. In Deutschland wird täglich eine Fläche in der Größe von 87 Hektar zugebaut – das enstpricht 120 Fußballfeldern! Dieser Flächenverbrauch kann natürlich nicht ewig so weitergehen, wenn das Land nicht nur aus Städten und Gewerbeparks bestehen soll. Doch gerade die „grüne“ Politik der Energiewende mit dem massenhaften Zubau von Windrädern, Solarparks, Biogasanlagen, Leitungstrassen und den dafür notwendigen monokulturell bewirtschafteten, biologisch „toten“ Äckern verstärkt den Flächenraub, die Landschaftszerstörung und schädigt die biologische Vielfalt.

Die Regulierung des Bevökerungswachstums ist eine zentrale Aufgabe für die Zukunft der Menschheit. Regulierung bedeutet freilich nicht nur Begrenzung des Wachstums durch niedrigere Geburtenraten. In etlichen hochentwickelten Ländern geht es vielmehr darum, die Reproduktion der einheimischen Bevölkerung durch eine Erhöhung der Geburtenrate zu sichern. Der Schlüssel zur Lösung dieser Frage ist aber auch hier die Frage der sozial-ökonomischen Verhältnisse und keine Frage objektiv fehlender Ressourcen. In Deutschland ist die Geburtenrate schon lange zu niedrig, um – ohne auf Zuwanderung angewiesen zu sein – die Reproduktion zu sichern. Die Ursachen dafür sind schon häufig beschrieben worden: zu wenig Kinderbetreuungsmöglichkeiten, soziale Nachteile durch Kinder, zu geringe Vereinbarkeit von Beruf und Kind usw. In vielen Ländern der „3.Welt“ mit (zu) hohen Geburtenraten sind die Probleme ganz anders gelagert: mangelnde Verhütungsmöglichkeiten, Unterdrückung der Frau, fehlende Sozial- und Alterssicherungssysteme usw. In jedem Fall sind die sozialen Strukturen die Hauptursache der Probleme; mit fehlenden natürlichen Ressourcen oder Überbevölkerung an sich hat das nichts zu tun.

Falsche Propheten

Der Club of Rome ist mit seinen „Grenzen des Wachstums“ nur einer von vielen „Bedenkenträgern“ aus der „grünen“ Ecke, die uns einreden wollen, dass wir „über unsere Verhältnisse“ leben und an Ressourcengrenzen stoßen. Der Cub of Rome hatte 1972 das Ende des Kupfers für 2006 vorhergesagt, die Goldvorräte sollten 1981 erschöpft sein, Quecksilber 1983, Zinn 1987, Erdöl 2001, Erdgas seit 2008 usw. usf. Selten lag eine Prognose so falsch.

Diese Voraussagen waren aber nicht nur hinsichtlich des Zeitpunkts falsch, sie leiden an einem grundsätzlichen methodischen Irrtum. Die Nichtberücksichtigung der menschlichen Kreativität, die Nichtbeachtung der Entwicklung der Produktivkräfte ist der Kardinalfehler solcher Thesen von „Wachstumsgrenzen“. Die Menschheit hat keine Wachstumsgrenzen. Die wichtigste Quelle, aus der wir schöpfen, ist keine Ölquelle, Kohlenmine oder Ackerfläche – die wichtigste Quelle ist unser Denken, ist unsere Phantasie, ist unsere Kreativität, die sich aus unseren Bedürfnissen ergeben. Der Verzicht auf Wachstum bedeutet letztlich Verzicht des Menschen auf das, was ihn ausmacht.

Vor Jahren gab es einmal einen bekannten Werbe-Slogan der Grünen: „Wir brauchen die Natur. Doch die Natur braucht uns nicht.“ Diese durchaus Menschen verachtende Sicht offenbart die völlig mechanischen, entwicklungsfeindlichen und romantisierenden Tendenzen der „grünen“ Ideologie. Auch wenn die „Umwelt-Bewegung“ auf ein reales Problem des Kapitalismus reagiert, auf dessen oft zerstörerische Auswirkungen auf die Natur, so ist ihre Analyse in weiten Teilen falsch und die Alternativen sind oft falsch oder sogar reaktionär, wie die Eneregiewende zeigt.

Die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten findet nur eine Grenze in uns selbst, sie ist gesetzt von den sozialen Verhältnissen, in denen wir produzieren. Unsere Verhältnisse sind noch kapitalistisch. Solange sie bestehen, verhindern sie, dass die Entwicklung von Wissenschaft und Technik wirklich der ganzen Menschheit zugute kommt. Der Kapitalismus deformiert die Entwicklung, er bremst und beschleunigt zugleich die Entwicklung der immer stärker systemisch-gesellschaftlich verwobenen Produktivkräfte; er treibt sie in einen immer größeren Widerspruch zu den privaten Eigentumsverhältnissen. Dieser Widerspruch – und nicht ein Mangel an Ressourcen – bildet gewissermaßen die Grenze des Wachtums. Nicht das Bescheiden unserer Ansprüche, nicht der Verzicht, nicht ein Zurück zur Natur, sondern das Überschreiten der vom System gesetzten Grenzen, das revolutionäre Niederreißen der kapitalistischen Hindernisse sichert uns die Zukunft.

Das Reaktionäre und Rückwärtsgewandte all jener grünen und linken Kräfte, die uns vom Weg weiterer Höherentwicklung abbringen wollen, indem sie uns einen Ressourcen-Konflikt vorgaukeln, den es so nicht gibt, anstatt den Konflikt in der Gesellschaft selbst zu sehen, den Konflikt zwischen der herrschenden Bourgeoisie und ihren Verhältnissen und den Interessen des Proletariats und 99% der Menschheit. Sie plädieren für einen reformerischen Weg zurück zu (vorkapitalistischen) Lebensweisen, die eine Harmonie zwischen Mensch und Natur sichern sollen, die es so aber nie gab. Kommunisten hingegen plädieren für den Weg nach vorn: für die sozialistische Revolution. Dafür gilt es, alle – sozialen – Ressourcen zu mobilisieren!

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