Lügen statt Fakten

Eine Kritik am Artikel „Kapitalismus bedeutet Klimakollaps“ der Sozialistischen Alternative Voran (SAV) vom 18.11.17 (www.sozialismus.info/2017/11/kapitalismus-bedeutet-klimakollaps)

Hanns Graaf

Der Autor Christian Walter malt, wie in der Linken üblich, das Horrorbild vom drohenden Klimakollaps. Dabei führt er „Fakten“ an, die er offensichtlich völlig unkritisch den bürgerlichen (!) Mainstream-Medien entnimmt. Wie wollen hier einige seiner Behauptungen einem Faktencheck unterziehen.

Walter schreibt: Stürme, Überschwemmungen, Dürren: Wetterextreme nehmen zu. Als Beleg dafür führt er etliche Beispiele an. So etwa hier: Ende August 2017 steht die texanische Metropole Houston unter Wasser. Mindestens 33 Menschen sterben in den durch HurrikanHarveyverursachten Fluten, der Sachschaden wird auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Achtzig Prozent der Betroffenen sind nicht gegen die Schäden versichert, mehr als eine Million Menschen werden obdachlos.Und hier: Teile Indiens, Bangladeschs und Nepals stehen nach den heftigsten Monsun-Regenfällen seit Jahren (??) unter Wasser, mindestens Vierzig Millionen Menschen sind betroffen.Oder hier: Auch Teile Niedersachsens wurden diesen Sommer überflutet, dramatische Bilder waren unter anderem aus Goslar zu sehen.Und noch ein Beispiel: Währenddessen leiden die Menschen in Teilen Ostafrikas seit vielen Jahren unter Wassermangel.

All diese „Beispiele“ beweisen jedoch keineswegs eine Zunahme von Wetterextremen, sondern nur das Auftreten solcher Ereignisse. Es ist problemlos möglich, auch andere Beispiele anzuführen, die genau das Gegenteil „beweisen“. So sind etwa Häufigkeit und Heftigkeit von Hurrikanen über den USA seit Jahrzehnten rückläufig, wie die zuständige US-Behörde feststellt.

Der methodische Fehler des Autors liegt hier darin, dass er einzelne Wetterextreme für Klima hält.  Lt. Definition der WMO (Weltorganisation der Meteorologie) ist jedoch die kürzeste Frist, um Wetterextreme als klimarelevant zu bezeichnen, 30 Jahre. Einige Jahre Trockenheit oder eine Folge von Starkregen in einigen Jahren können, müssen aber nicht Anzeichen einer klimatischen Veränderung sein – und selbst wenn: das Klima hat sich schon immer geändert und wird sich immer ändern.

Ein methodisch sauberes, wissenschaftliches Vorgehen würde vorliegen, wenn globale Wetterdaten  oder aber für regionale Ereignisse regionale Daten ausgewertet würden. Das aber macht Walter eben nicht. Er bezieht sich ganz offensichtlich nur auf das, was in den deutschen Medien berichtet wird.

Es ist kein Zufall, dass diese, nur auf Klimakatastrophe gebürsteten Medien, seit einiger Zeit die Berichte des Weltklimarates IPCC nicht mehr erwähnen, seit diese einige für die Alarmisten heikle Feststellungen enthalten. So wird darin u.a. dargelegt, dass die Klimamodelle falsch liegen und daran gescheitert sind, brauchbare Aussagen (selbst für das Klima der Vergangenheit) zu liefern. Auch eine Zunahme von Extremwetterereignissen wird nicht festgestellt. Das alles ignoriert der Autor. Stattdessen behauptet er – ohne Angabe von Quellen oder Beweisen: „WetterforscherInnen sind sich weitgehend einig: Sogenannte Extremwettersituationen nehmen drastisch zu. Zurückgeführt wird das im wesentlichen auf die Erderwärmung.“

Und hier kommt nun wie immer die erwartete und unvermeidliche Breitseite gegen alle, die den Klima-Katastrophen-Zirkus nicht mitmachen: „ZynikerInnen und Rechte, die den Klimawandel leugnen.“ Freilich leugnet kein Klimakritiker, dass sich das Klima wandelt, nur teilen sie eben nicht die Auffassungen, dass a) eine Klimakatastrophe droht und b) der Mensch einen maßgeblichen Einfluss auf das Klima hätte.

Es hätte jedoch auch genügt, sich die konkreten Ereignisse, die Walter selbst anführt, genauer anzuschauen. So waren die Niederschläge durch Harvey in Houston zwar stark, doch gab es historisch dort schon größere Niederschlagsmengen. Die Auswirkungen waren aber deswegen so groß, weil es keine ausreichenden Maßnahmen gegen Hochwasser gab (wie schon 2005 bei Katrina in New Orleans). Natürliche Überflutungs- und Versickerungsflächen waren zugebaut worden. Diese sozialen (!) Ursachen der Katastrophe betrachtet Walter jedoch nicht.

Genauso ist es bei den – überdies seltenen und sehr begrenzten – Überflutungen der letzten Jahre in Deutschland. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen keine Zunahme von Niederschlägen. Doch sich diese Daten anzuschauen, ist Walter offenbar zu bequem. Es geht ihm ja – in typischer Manier linker Autoren – auch nicht etwa darum, einen Sachverhalt darzustellen, um danach politische Schlüsse zu ziehen. Ihm geht es nur darum, eine vorgefasste Meinung zu bestätigen; in dem Fall die von Menschen verursachte Klimakatastrophe, die er so deutet, dass der Kapitalismus diesen Klima-Kollaps verursacht. Selbst wenn es so wäre, müsste das bewiesen und nicht nur behauptet werden. Walter offenbart sich hier als Ideologe, in dem negativen Sinn, den ihm Marx gab.

Doch damit nicht genug. Fehlen schon naturwissenschaftliche Fakten und Beweise, so mangelt es nicht an (wieder den Medien entnommenen) Lügen. Walter schreibt: „Die Sahara wächst, vor allem nach Süden und Westen.“ Satellitenbilder zeigen jedoch ganz klar, dass die Sahara (und sogar der gesamte Planet) grüner ist als noch vor Jahrzehnten. Auch das Hungerproblem im Saharagebiet bzw. im Sahel ist – u.a. weil die Begrünung zugenommen hat – geringer geworden. Diverse Probleme, die es natürlich trotzdem gibt, haben durchaus soziale und keine klimatischen Ursachen. Auch hier kein Wort des linken (!) Autors Walter über diese Fragen und ihre grundsätzlich im Kapitalismus liegenden Ursachen.

Walters „Wissenschaft“

Nach seinem dramatischen Eingangsszenario versucht sich Walter danach an einer wissenschaftlichen Untermauerung seiner Thesen.

Er bezieht sich dabei auf die Treibhaustheorie (THT). Walter schreibt: „In der Erdatmosphäre sammeln sich sogenannte Treibhausgase an – vor allem Kohlendioxid (wird freigesetzt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl und Kohle) und Methan (wird in großen Mengen produziert durch die Massentierhaltung). Haben die sich in der Atmosphäre festgesetzt, erschweren sie die Wärme-Abstrahlung von der Erde in den Weltraum. Auch Wasserdampf ist ein Treibhausgas, auf das der Mensch allerdings nur regional Einfluss nehmen kann (beispielsweise für Aufforstung oder Abholzung von Wäldern). Besonders an heißen Tagen, wo die Wasserdampf-Konzentration in der Luft zunimmt, steigt dadurch der Treibhauseffekt weiter an: Wie in einem Treibhaus kann Wärme schlechter entweichen, die Erde (bzw. das Innere des Treibhauses) heizt sich auf.“

Natürlich geht Walter hier mit keinem Wort darauf ein, dass es weltweit tausende Forscher gibt, darunter mehr als ein Dutzend Nobelpreisträger in Physik u.a. Naturwissenschaften, welche die THT als unwissenschaftliche und gegen physikalische Gesetze verstoßende Theorie ablehnen. Aber ein Mindestmaß an Lauterkeit darf man von solchen Ideologen wie Walter wohl kaum erwarten. Sei´s drum. Schauen wir uns Walters „Wissenschaft“ an.

Walter meint, „Kohlendioxid (wird freigesetzt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl und Kohle) und Methan (wird in großen Mengen produziert durch die Massentierhaltung).“ CO2 wird jedoch zu 96% von natürlichen Quellen freigesetzt, also nur 4% von technischen Prozessen.  Auch Methan entstammt zum größten Teil nicht der Massentierhaltung. Letzteres ist schon deshalb Unsinn, weil es mehr „wilde“ Tiere gibt als „Nutztiere“. Nur nebenbei: Vor ihrer Fast-Ausrottung  gab es in Nordamerika schätzungsweise über 100 Millionen Bisons, von denen jeder doppelt so viel Methan und CO2 emittiert wie ein Rind. In welcher „Theorie“ taucht dieser Absenkungs-Faktor auf?!

Hier wird von Walter so getan, als sei der Mensch, der jedoch nur 4% der CO2-Emmissionen beiträgt, der entscheidende Faktor. Um das zu beweisen, müsste aber wissenschaftlich klar sein, welche Quellen wie viel CO2 u.a. Spurengase emittieren bzw. absorbieren. Von einer solchen genauen Kenntnis ist die Wissenschaft leider noch ein gutes Stück entfernt. Wenn man diese natürlichen Faktoren und deren Wirkung (darunter z.B. etwa 30.000 unterseeische Vulkane) aber kaum quantifizieren kann, so kann man auch den anthropogenen Anteil nicht genau bestimmen. Wie überall hantiert die alarmistische „Wissenschaft“ auch hier mit Annahmen, Behauptungen und Modellen – nicht mit wissenschaftlich gesicherten Beweisen.

Weiter. Walter behauptet: „Haben die (Spurengase, d.A.) sich in der Atmosphäre festgesetzt, erschweren sie die Wärme-Abstrahlung von der Erde in den Weltraum.“ Das ist falsch. Richtig ist, dass Spurengase elektromagnetische Strahlung bestimmter Wellenlängen absorbieren. Das kann (!) zu einer Erwärmung von Teilen der Atmosphäre führen. Diese „Zusatzwärme“ wird tw. in Form  von Strahlung wieder abgegeben. Dabei gibt es (in homogenen Gasen wie der Atmosphäre) aber keine Reflexion, sondern nur Re-Emission in alle Richtungen. Die Atmosphäre ist aber (von unbedeutenden Ausnahmen abgesehen) immer kälter als die Erdoberfläche bzw. die unterste Luftschicht. Um diese geht es aber, und deren Erwärmung – nicht die der Atmosphäre – wird gemessen, wenn es um die Klimaerwärmung geht.

Jeder Körper bzw. jeder Stoff strahlt ab, doch nicht jede Strahlung führt zu einer Erwärmung. Das ist nur dann möglich, wenn die Temperatur des abstrahlenden Körpers höher ist als die des Empfängers (2. Hauptsatz der Thermodynamik). Die Wärmeabstrahlung der Erdoberfläche bzw. der untersten Luftschicht wird also nicht (von wenigen Ausnahmen abgesehen) behindert, weil die Wärme immer noch nach oben steigt. Es ist sogar so, dass der Wärmetransport (Abstrahlung) in den oberen Atmosphärenschichten Richtung Weltall nur durch Spurengase erfolgen kann und – mangels Materie – nicht durch Konvektion oder Wärmeleitung. Mindestens in dieser Hinsicht verstärken CO2 und Co. also den Kühleffekt.

Wenn Walter meint, „Wie in einem Treibhaus kann Wärme schlechter entweichen, die Erde (bzw. das Innere des Treibhauses) heizt sich auf“, dann ist das schlicht falsch. Erstens hat die Atmosphäre kein Glasdach, ist also ein (nach oben) offenes System und zweitens beruht der Treibhauseffekt (im wirklichen Gärtner-Treibhaus) nicht auf irgendwelcher Strahlungswirkung, sondern darauf, dass durch das Glasdach die Konvektion (Aufsteigen warmer Luft) unterbunden wird.

Wenn man sich also mit Klimawissenschaft befasst, muss man die Wissenschaft (inkl. der wissenschaftlichen Diskussion) betrachten und nicht ARD, ZDF, den Parteitag der Grünen oder NGOs und „grüne“ Kapitalisten, die von der Klimapolitik leben.

Wirklich absurd wird es aber, wenn Walter behauptet: „Die Sonne trifft also erstens intensiver und härter auf die Erde ..“. Die Intensität der Sonnenstrahlung ist, von minimalen Schwankungen abgesehen, immer gleich. Von „intensiver und härter“ (was härter überhaupt bedeuten soll, bleibt unklar) kann also kein Rede sein. Was es gibt, sind diverse positive Rückkopplungen, welche die kleinen Schwankungen der Sonnenaktivität verstärken (z.B. der Svensmark-Effekt).

Walter kommt schon bei der Wissenschaft sehr ins Schwimmen, bleibt aber dem nassen Element auch weiter treu. So schreibt er: „Auf der Erde selber schmelzen Schnee- und Eisschilde. Das setzt einen gefährlichen Prozess in Gang: Schnee- und Eisschilde reflektieren bis zu neunzig Prozent der auf sie einstrahlenden Sonnenenergie zurück in den Weltraum. Das darunter liegende Land hingegen reflektiert nur noch zehn bis vierzig Prozent, absorbiert also, je nach Boden, zwei Drittel oder sogar mehr der Energie. Und wenn nicht Erde, sondern Wasser frei wird, ist es noch dramatischer, denn Wasser absorbiert über neunzig Prozent. Deswegen ist das Abschmelzen von Gletschern und insbesondere der Eisschilde, die immer noch Teile der Pole bedecken, so dramatisch.“

Was ist daran falsch? Erstens schmelzen nicht die Eisschilde. Das Nordpoleis ist in den letzten Jahrzehnten zurück gegangen, das Südpoleis (enthält 90% des globalen Festlandeises) jedoch nicht – im Gegenteil: dessen Masse und Ausdehnung haben sogar zugenommen. Auch das Grönlandeis, das ca. 8% des Festlandeises umfasst, geht zurück. Allerdings ist dessen Schmelzrate so gering, dass es etwa 10.000 Jahre dauern würde, bis es komplett abgetaut wäre. Die Klimawissenschaft spricht bezüglich der Eis-Relation zwischen Nord- und Südpol von der „Klimaschaukel“, die übrigens v.a. von den Meeresströmungen, nicht von der Temperatur angetrieben wird.

Zweitens: Es stimmt, dass sich mit dem Schwinden der Eis-und Schneebedeckung die Reflexionseigenschaften der Erdoberfläche (Albedo) ändern. Dunklere Flächen reflektieren weniger, die Oberfläche heizt sich also stärker auf. Doch spielt die Eisdicke für die Albedo keine Rolle. Zudem sind die schwindenden weißen Flächen global so gering, dass sie kaum eine Temperaturwirkung haben, da sind andere Faktoren (Entwaldung, Be- und Entwässerungsmaßnahmen und v.a. der Wärmeinseleffekt), bes. regional bedeutender.

Von irgendeiner Dramatik bezüglich der Auswirkungen der Eisschmelze, soweit sie überhaupt stattfindet, kann also kein Rede sein. Trotzdem behauptet Walter: „Eine direkte Folge ist das Abschmelzen der polaren Eisschilde und der Gletscher, was dazu führt, dass der Meeresspiegel ansteigt. Seit 1900 ist der Meeresspiegel global um etwa zwanzig Zentimeter angestiegen. Derzeit steigt er jährlich um etwa drei Millimeter, etwa doppelt so schnell wie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Die Geschwindigkeit wird weiter zunehmen. Sollte sich die Jahresmitteltemperatur (gegenüber 1900) bis zum Jahr 2100 um zwei Grad Celsius erhöhen, wird von einem weltweiten Anstieg um 1 bis 1,7 Meter gerechnet. Neben dem Schmelzwasser hat die Erwärmung des Wassers die Folge, dass es sich ausdehnt.“

Das Schmelzen des Nordpoleises (schwimmendes Eis) hat keinen Einfluss auf den Meeresspiegel, der Südpol wächst, Grönland schmilzt – wenn überhaupt – sehr sehr langsam. Die Binnengletscher, von denen nur ein Teil zurückgeht, enthalten nur 1-2% des globalen Festlandeises. Ergo: Woher soll also ein dramatischer Meeresspiegelanstieg kommen?!

Der Anstieg des Meeresspiegels findet schon seit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 11.000 Jahren statt. In den letzten Jahrhunderten betrug er ca. 20-30 cm pro Jahrhundert. Diese Anstiegsrate hat sich aktuell nicht erhöht. Andere Meldungen sind Lügen. Aktuell wurde z.B. wieder der Untergang von Südseeinseln behauptet, um vor der letzten Klimakonferenz Stimmung zu machen. Die konkreten Daten zur Entwicklung der Pegelstände entlarven diese Behauptungen als pure Propaganda. Von einem „weltweiten Anstieg um 1 bis 1,7 Meter“ bis 2100 zu faseln, zeigt, dass Walter jeden Blödsinn der Medien und dem in Deutschland maßgeblichen „Fakten“-Lieferanten PIK glaubt. Wie, bitte schön, soll sich der Meeresspiegelanstieg plötzlich verfünf- oder verachtfachen?! Wenn es diesen Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Meeresspiegelanstieg geben sollte, hätte die Anstiegsrate bereits jahrzehntelang viel höher liegen müssen, als sie tatsächlich war. Einige Klima“forscher“ vom PIK behaupten sogar, dass es bis 2100 über 4 Meter Anstieg geben könnte – eine Verzwanzigfachung! Wer bietet mehr? Wer macht besser aus Wissenschaft eine Karnevalsveranstaltung? Immerhin: Gutgläubige gibt es zuhauf, und Leute wie Walter liefern ihnen die Klima-Horoskope. Die restliche Welt hat für diese Irrationalität in Deutschland einen guten Begriff gefunden: „German Angst“.

Auch zur Temperatur äußert sich Walter: „Die Erderwärmung nimmt also zu. Im Jahr 2015 lag die durchschnittliche Erdoberflächentemparatur etwa ein Grad Celsius höher als im Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900, und 0,76 Grad Celsius über den Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. 2015 war das bis dahin heißeste jemals gemessene Jahr, genauso wie das Jahr 2014 davor. Immer öfter werden solche Rekordwerte gemessen.“

Einen weltweiten Anstiegstrend der Temperaturen seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gab es. Auch kein Klimakritiker bestreitet das. Dieser Anstieg war aber 1. nach der Phase der „Kleinen Eiszeit“, der kühlsten Phase der seit ca. 10.000 Jahren andauernden interglazialen Warmphase des „Holozäns“, normal, da das Klima bzw. die Temperaturen während des gesamten Holozäns wie eine Sinuskurve geschwankt haben (Amplitude ca. 3 Grad). 2. waren die Warmphasen des Holozäns alle genauso warm oder meist sogar wärmer als die jetzige (z.B. die Minoische Warmzeit, die Römische oder die Mittelalterliche). Von einer außergewöhnlichen Erwärmung hinsichtlich Temperaturniveau oder Anstiegstempo kann also keine Rede sein. Die Behauptung, dass das Klima wegen des menschlichen Einflusses außer Rand und Band geraten wäre und noch würde, ist aber das Mantra der Klima-Alarmisten, das unverzichtbar ist, um Milliarden schwere Investitionen zu tätigen und den Massen diverse Zusatzsteuern aufzuhalsen. Und Linke wie Walter unterstützen diesen unwissenschaftlichen und unsozialen Unfug auch noch!

Ein beliebtes Argument – auch bei Walter – sind die Rekordjahre. 2014, 2015 und 2016 waren tatsächlich ziemlich warm. Doch warum? Ganz einfach: weil es zu dieser Zeit einen sehr starken El Nino gab, der – wie jeder El Nino – auf der Nordhalbkugel für eine Erwärmung sorgt. Schon 1998 gab es einen sehr starken El Nino. Danach sanken die Temperaturen wieder ab bzw. stagnierten. Dieser Stillstand  (Hiatus) erfolgte entgegen allen Klimamodellen, die eine weitere Erwärmung von 0,2 bis 0,6 Grad voraussagten. Die gesamte Klimawissenschaft (außer ein paar Obskuranten vom PIK) erkennen das an, auch der letzte Weltklimabericht AR 5 des IPCC. Wenn auf diesem „Temperatur-Plateau“ eine kleine Zusatzerwärmung erfolgt, z.B. durch einen El Nino, kann es natürlich zu einem Rekordjahr kommen. Das besagt aber zunächst noch gar nichts bezüglich eines längerfristigen Trends.

Das Rekordjahr 2015 erreichte übrigens den Wert von 14,8 Grad °C. Man vergleiche damit die Angaben über die sog. Globale normale Mitteltemperatur ohne oder vor dem angeblichen anthropogenen Treibhauseffekt. Lt. IPCC liegt diese bei 15 Grad, seit den letzten Jahren (ohne Angabe von Gründen) ist von 14 Grad die Rede. Egal, welchen Wert wir nehmen: der 14,8 Grad-Rekordwert zeigt entweder a) eine Abkühlung (im Vergleich zum zum 15 Grad-Normalwert) oder stellt b) keinen Spitzenwert dar, da die Erwärmung seit ca. 100 oder 150 Jahren (der „vorindustrielle Normalwert“) schon ohne Rekord ca. 0,8 Grad betrug. So ist es kein Zufall, dass in den Medien immer nur entweder der Anstieg oder die Absoluttemperatur genannt werden – nie beide Werte zugleich, weil dann der ganze Hokuspokus der Klima“wissenschaft“ sofort offenbar werden würde.

Doch Walter malt – unbeirrt von exakten Daten und der Positionen und Debatten in der Klimawissenschaft – weiter an seinem Horrorszenario. So ist von der „Versauerung der Meere“ die Rede, die von der Fachwissenschaft längst widerlegt ist. Da behauptet Walter: „In Deutschland ist die Temperatur durchschnittlich etwas stärker angestiegen als weltweit (was generell für nördliche Regionen gilt). Spürbare Folgen sind, neben dem steigenden Meeres- und teilweise Flusspegel die Zunahme von Starkregen sowie eine Abnahme von Schneefall im Winter.“

Komisch nur, dass die Daten der (relativ wenigen) Wetterstationen, die nicht in den wärmeren Ballungsgebieten stehen, seit mehreren Jahrzehnten keine Erwärmung mehr zeigen. Diese Daten (z.B. vom DWD) kann man im Internet nachlesen. Dasselbe gilt für die angebliche Zunahme von Starkregen. Walter sollte Märchenstunden für Kinder veranstalten, anstatt erwachsene Leute zu veräppeln.

Beliebt ist auch die Horror-Saga von der Eis-Schmelze. „Die grönländischen Eismassen, würden sie komplett abschmelzen, reichen aus, um den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen zu lassen, das gesamte Eis in der Antarktis sogar um 65 Meter.“

Anscheinend kennt Walter die Temperatursituation in Grönland und in der Antarktis nicht. In der Antarktis etwa herrschen im Durchschnitt ca. minus 40 Grad Celsius. Wie soll da das Eis schmelzen, selbst wenn es ein paar Grad wärmer wäre?! Und warum sind Antarktis und Grönland nicht schon früher während des Holozäns abgeschmolzen, als es noch wärmer war als heute – und das tw. bis zu 1.000 Jahre lang?!

Und weiter geht’s in Walters wundersamer Klimawelt: „Auch tropische Wirbelstürme nehmen zu und werden härter. Wie beim Monsun ist vor allem die gestiegene Oberflächentemperatur der Meere dafür verantwortlich.“ Das mag eine Rolle spielen, doch eine mindestens genauso große Rolle für die Entstehung etwa von Hurrikanen spielt die Differenz zwischen Temperatur (und Luftdruck) der Nordhemisphäre und der Tropen. Je größer diese Differenz, desto stärker und häufiger die Stürme. Durch eine globale Erwärmung verringert sich aber diese Differenz, weil sich die Polarzone stärker aufheizt als die Tropen. Die Folge davon wäre ein Rückgang der Häufigkeit von Hurrikanen oder Taifunen – und genau das ist der Fall.

Der nächste Walter´sche Unfug folgt hier: „Regionen, die ihr Wasser in niederschlagsarmen Zeiten aus der Gletscherschmelze gewinnen, werden verdürren, wenn die Gletscher abgeschmolzen sind. Manche Regionen sind kaum noch bewohnbar, BewohnerInnen wurden zum Wegzug bzw. zur Flucht gezwungen.“

Erstens speisen sich Gletscher wie auch jeder Wasserverbrauch aus Niederschlag. Nimmt dieser aber lt. Klimamodellen bei weiterer Erwärmung infolge von mehr Verdunstung zu – was auch Walter annimmt -, gibt es mehr und nicht weniger Niederschläge. Die Gletscher beeinflussen das für die Bewohner insgesamt verfügbare Wasservolumen überhaupt nicht, lediglich die saisonale Verteilung des Wassers ändert sich, weil der Niederschlag im Gletscher bleibt und erst verzögert im Rahmen der Schmelze wieder talwärts abgeleitet wird. Diese Veränderungen von Schmelzprozessen vollziehen sich aber über viele viele Jahrzehnte, der Mensch hat also Zeit, sich darauf einzustellen, z.B. durch den Bau von Wasserspeicheranlagen. Das ist auch ganz unabhängig von Klimaveränderungen nötig, da soziale Veränderungen (z.B. Bevölkerungswachstum) das erzwingen.

Wie immer von den Alarmisten wird hier auch von Walter der Faktor Klima über- und der Faktor soziale Verhältnisse – sprich: Kapitalismus – unterbewertet. Übrigens wird eine generelle Zunahme der Luftfeuchte – wie in den Klimamodellen behauptet – gar nicht beobachtet. Auch hier erweisen sich die Klimamodelle und die Treibhaustheorie als falsch.

Nachdem Walter nun die ganze Zeit den Klimakollaps an die Wand gemalt und dabei die sozialen Ursachen von Problemen „vergessen“ hat, versucht er, das am Ende seines Artikels nachzuholen. Er schreibt: „Das kapitalistische Wachstum hat unbestreitbar massive Fortschritte in der Produktivität gebracht. Allerdings hat es gleichermaßen dramatische Folgen gebracht (die, wie meistens, vor allem die Ärmsten und am Wenigsten die Superreichen ausbaden müssen). Was mittlerweile auch in bürgerlichen Wissenschaftskreisen angekommen ist, ahnten MarxistInnen schon vor über hundert Jahren.“ Das ist sicher richtig, doch sagt das für das Klima überhaupt nichts aus. Ob es eine Klimakatastrophe geben kann oder nicht, kann einzig und allein die zuständige Naturwissenschaft beantworten.

Walter zitiert nun Karl Marx, der 1867 im ersten Band des „Kapital“ schrieb: „Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. […] Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“

Walter bringt dieses Zitat, um Marx als Kronzeugen seines Klimakatastrophismus anzuführen. Doch  das von Walter angeführte Marx-Zitat ist für unser Thema einfach irrelevant, zudem Marx nirgendwo dezidiert behauptet hat, dass der Kapitalismus alle natürlichen Bedingungen unserer Existenz untergräbt. Es wäre Aufgabe von MarxistInnen, zu untersuchen, ob oder inwieweit sich Marx` These in 150 Jahren kapitalistischer Entwicklung seit dem Erscheinen des „Kapitals“ bestätigt hat oder nicht. Was „Marxisten“ wie Walter machen, ist, Marx als Dogma anzusehen, anstatt ihn historisch-kritisch zu hinterfragen. Marx selbst hätte für solche „Marxisten“ wie Walter nur Hohn und Spott übrig gehabt.

Marx´ Aussage hier ist sehr allgemein gehalten. Und neben konkreten Erscheinungen, die Marx durchaus bestätigen, gibt es auch generelle Entwicklungen, die seinen Prognosen widersprechen. So ist z.B. nicht nur das absolute Lebensniveau der Arbeiterklasse global (und umso mehr in den entwickelten Ländern) gestiegen und nicht gesunken. Auch die Umweltbedingungen sind nicht überall schlechter geworden. Gerade in den hochentwickelten Ländern wird die Umwelt (Luft, Wasser usw.) tw. besser und nicht schlechter – was man u.a. an der steigenden Lebenserwartung ablesen kann. Zugleich wachsen die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten der Menschheit, um Probleme zu lösen, beständig an. Das Unglück der Klima- und Energiepolitik besteht ja auch darin, dass immense Mittel – jährlich weltweit ca. 100 Milliarden Euro – in unnötige, ja schädliche Projekte fließen, anstatt sinnvolle Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen.

Nach seinem etwas verunglückten Ausflug zu Marx begibt sich Walter nun in die Gefilde der bürgerlichen Wirtschaft. Er schreibt: „Das Problem ist: Beginnt ein Konzern, umweltfreundlicher zu wirtschaften, hat er im Wettbewerb Nachteile. Denn Umweltschutz kostet nun mal Geld. Das will sich niemand leisten. Denn statt Wettbewerbsnachteilen möchte man Wettbewerbsvorteile haben. Das kapitalistische System ist damit als ganzes ein Problem und macht wirkliche Maßnahmen in Umweltschutzfragen unwahrscheinlich.“

Offenbar kennt Walter einen anderen Kapitalismus als den real existierenden. Was heißt Umweltschutz? In letzter Instanz nichts anderes als rationellere Nutzung von Ressourcen. Nur so ist es möglich, Ressourcen zu schonen, nachhaltig zu wirtschaften, Abfälle zu vermeiden usw. Ein Unternehmen, das diese Prämissen ignoriert, wird tendenziell höhere Kosten haben und auf Dauer nicht konkurrenzfähig sein. Das schließt freilich nicht aus, dass es – technisch gesehen – „unnötige“ Naturbelastungen aus Gründen der Profimaximierung gibt. Doch einen solch grundsätzlichen, unauflösbaren Widerspruch zwischen Produktion und Umwelt, wie ihn Walter (und tendenziell durchaus auch Marx) sehen, gibt es eben nicht, wie die Realität von 150 Jahren Kapitalismus nach Marx zeigt. Die immer weiter fortschreitende Naturzerstörung ist keine solche Grundbedingung kapitalistischer Produktion wie etwa das Privateigentum an Produktionsmitteln, die Konkurrenz oder die Ausbeutung von Lohnarbeit. Wer`s nicht glaubt, der schaue sich die Situation bzw. die Entwicklung in Deutschland an. Das Land wird „sauberer“, nicht schmutziger – sogar bei den Dieselabgasen!

Das heißt nicht, dass es einen „grünen Kapitalismus“ geben wird, es heißt nur, dass ein pauschaler Umwelt-Katastrophismus unangemessen ist. Denken wir nur an die diversen grünen Untergangsszenarien der vergangenen Jahre: Ozonloch, Waldsterben, peak oil usw. Nichts davon ist eingetreten! Leider ist das kein Grund für die Linke, die „grüne“ Ideologie einmal zu hinterfragen. Diese Linke hat ihr materialistisches und dialektisches Denkpotential – soweit es überhaupt je vorhanden war –  weitgehend eingebüßt.

Die Klimapolitik und die Energiewende sind nichts anderes als bürgerlicher Reformismus im Interesse bestimmter Teile des Kapitals, die von der „grünen“, auf den Mittelschichten basierenden Bewegung in Kooperation mit Staat und Kapital umgesetzt werden. Wie die gesamte Linke macht auch Walter nicht den geringsten Versuch, die sozial-ökonomischen Wurzeln und Interessen des Klimakatastrophismus aufzudecken. Allein damit disqualifizieren sich Walter und die SAV in dem Punkt als „marxistisch“. Sie sind allerdings ein schlagendes Beispiel dafür, wie degeneriert die „marxistisch-revolutionäre“ Linke ist und dass sie grundsätzlich erneuert werden muss.

Am Schluss fügt Walter noch eine „sozialistische Perspektive“ an: „Ganz anders sähe es in einer sozialistischen Demokratie aus. Im Gegensatz zum Kapitalismus, wo die Wirtschaft chaotisch nach Marktmechanismen funktioniert, gäbe es einen gesamtgesellschaftlichen Plan. Er würde sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren – und diese würden ihn gemeinsam diskutieren, aufstellen und umsetzen.“ Soweit so gut. Doch dann folgt sofort wieder der argumentative Kurzschluss: „Es ist klar, dass so weitgehende Klimaschutzmaßnahmen schnell beschlossen und umgesetzt werden könnten und würden. Die SAV kämpft für eine solche Gesellschaft, international an der Seite von Schwesterorganisationen in 45 Ländern auf allen bewohnten Kontinenten. Bis es so weit ist, verbinden wir alltägliche Kämpfe mit der Idee solch einer Gesellschaftsordnung.“

Als Marxist hätte Walter sagen müssen, dass es nötig ist, auch die „alltäglichen Kämpfe“, d.h. ihre grundlegenden Ideologien, ihren Klassencharakter, ihre Ziele und Methoden einer grundsätzlichen Kritik zu unterwerfen. Walter hingegen unterstützt diese „alltäglichen Kämpfe“ einfach kritiklos. So viel zur „Alternative“ der SAV, die keine ist, sondern nur die linke Flanke des (klein)bürgerlichen Öko-Reformismus.

2 Gedanken zu „Lügen statt Fakten“

  1. „Erschreckend auf welchem Niveau sich Linke bewegen, die sich auf den Marxismus berufen.“
    So ist es leider. Wer sich einmal die Mühe macht und sich auf linken homepages und in linken Publikationen zum Thema Klima und Energie umsieht, der wird feststellen, dass es nur sehr selten so etwas wie eine Recherche gibt. Letztlich werden fast immer nur die bürgerlichen Medien bzw. die grüne Szene nachgeäfft. Traurig, aber wahr!

    „Aber diese Anpassung an kleinbürgerlich-grüne Ideologie hat ihren Preis: der Selbstzerstörung.“

    Dieser Zustand ist nicht neu. Schon Trotzki verwies auf die Führungskrise des Proletariats. Die Adaption des „grünen“ Reformismus durch das Gros der radikalen Linken ist nur ein neuer Aspekt ihrer Anpassung an bürgerliches Denken. Man lese sich nur die entsprechenden Passagen im Komm. Manifest durch und man wird erschreckende Parallelen zu den Linken heute finden.

  2. Erschreckend auf welchem Niveau sich Linke bewegen, die sich auf den Marxismus berufen. Statt zu recherchieren und sich Grundlagen der Wissenschaft: Physik, Chemie und Mathematik anzueignen, werden gängige, längst widerlegte Thesen, Halbwahrheiten und aufgebauschte katastrophale Weltuntergangsszenen zitiert. Jeder Linke, ja jeder kritische Geist sollte doch bei den sich endlos wiederholenden „Klimakonferenzen“, auf denen sich die Mächtigsten der Welt treffen um diese zu retten, zuerst ein gesundes Misstrauen entwickeln. Fehlanzeige. Traurig, dass offensichtlich nur die Afd Zweifel äußert. Schlimmer, dass diese Partei den Linken auch noch ein Beispiel dafür liefert, wie mit man sich mit Gegnern auseinander setzt. Siehe auf Youtube: „Chemikerin Frauke Petry erklärt die Afd-Sicht auf CO2 Ausstoß“. Wo aber haben die rrrevolutionären Klimaschützer auf Kritik jemals geantwortet? Nirgendwo. Können und wollen sie nicht. Man kann sich diese „linke“ Politik nur durch ihr Scheitern und Niedergang erklären. Ohnmächtig sehen sie zu wie weltweit 1.000de durch die grüne Religion mobilisiert werden. Aber warum sollten sie winzigen Splittergruppen folgen, die sich angepasst haben? Man wählt immer das Original. Aber diese Anpassung an kleinbürgerlich-grüne Ideologie hat ihren Preis: der Selbstzerstörung.

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