Abwege der Kritik: Zur Szene der „Klima-Kritiker“

Hanns Graaf

Wer die Beiträge dieses Blogs zu den Bereichen Umwelt, Klima und Energie gelesen hat, könnte den Eindruck haben, dass die Positionen der „Klima-Kritiker“ einfach übernommen werden. Das ist tatsächlich auch oft der Fall, weil die wissenschaftlich-technischen Argumente dieser Szene mich  mehr überzeugen, als die der „Gegenseite“.

Bevor ich mich mit der Klima- und Energiefrage beschäftigt habe, war ich mir – wie auch viele andere „Kritiker“ – sicher, dass der Mensch (oder wie Linke sagen würden: der Kapitalismus) das Klima „ruiniert“ und eine katastrophale Entwicklung in Gang setzt. Auch ich war deshalb davon überzeugt, dass die Einsparung von CO2 durch die Einführung von „erneuerbaren Energien“ (EE) notwendig wäre. Das alles schien mir als Anti-Kapitalisten geradezu selbstverständlich.

Eher durch Zufall geriet ich dann an einige Artikel (u.a. zur Sonnenforschung und zur Geschichte der alpinen Vereisung), die in klarem Widerspruch zu dem standen, was tagtäglich von Politik und Medien dazu verbreitet wurde. Etwa ab Ende 2013 beschäftigte ich mich – als Laie – dann intensiv und nahezu täglich mit diesen Fragen, las Bücher und verfolgte den Stand und die Debatte in der Klimawissenschaft. Auch wenn ich mich nie als Klimaexperte bezeichnen würde – im Unterschied zu allen möglichen kompletten Laien in Politik und Medien, die sich als solche ausgeben -, glaube ich, recht gut informiert zu sein und die verschiedenen Positionen und Streitpunkte in der Klimawissenschaft zu kennen.

Als Marxist versuche ich, materialistisch und historisch-kritisch vorzugehen und nicht (im Marxschen Sinn) ideologisch. Das unterscheidet mein Herangehen deutlich etwa von dem der Medien oder in den Beiträgen von Mojib Lativ u.ä. „Angsttrompetern“ als auch vom Gros der Linken, denen eine eigenständige Analyse völlig abgeht und die daher im Grunde gezwungen sind, die Positionen der links-kleinbürgerlichen grünen Szene zu übernehmen.

Die zwei „Lager“

Bevor ich meine Kritik am Milieu der „Kritiker“ darlege, ist es notig, einen Blick auf die Situation der Klimaforschung insgesamt zu werfen. Die Klimawissenschaft (und in ihrem Gefolge die Frage der „Energiewende“ (EW) teilt sich bzw. wird in der öffentlichen Darstellung in „Alarmisten“ und „Kritiker“ eingeteilt. Diese unterscheiden sich v.a. dadurch, dass erstere meinen, dass „der Mensch“ das Klima durch vermehrten Ausstoß von Gasen wie CO2, Methan usw. gefährlich aufheizt, während die andere Seite eine solche Entwicklung für unmöglich oder mindestens für völlig überzogen hält.

Die Situation zweier Lager ist aber schon Ausdruck des Dilemmas, in dem sich die Klimaforschung befindet. Das, was die „Kritiker“ heute vertreten, war de facto die allgemeine Position der Klimaforschung noch bis in die 1980er Jahre. Diese stützte sich v.a. auf empirische Daten der Geologie und ging davon aus, dass der Hauptfaktor für das Klima die Sonne ist und im Zusammenspiel mit dem Wasserkreislauf das Wetter (und damit das Klima, das ja nur eine vom Wetter abgeleitete statistische Größe ist) und auch die Temperaturen bestimmt. Jedem Klimaforscher war klar, dass die wesentlichen Veränderungen des Klimas, z.B. der Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten, noch nicht gut oder gar nicht wissenschaftlich verstanden sind. Dass der Mensch bzw. die Spurengase wie CO2 einen wesentlichen Einfluss auf das Klima haben könnte, wurde als absurd angesehen. Es gab bis dahin nur ein kleine Minderheit von Klimatologen,  die sich auf die Treibhaus-Theorie des Chemikers Svante Arrhenius beriefen, welche dieser 1896 in den wesentlichen Zügen analog der heutigen Treibhaustheorie (THT) aufgestellt hatte. Doch schon Arrhenius scheiterte daran, diesen klimatischen CO2-Effekt zu beweisen. Zudem wurde seine Auffassung von bedeutenden Physikern ihrer Zeit, z.B. von Kirchhoff und Bunsen, als physikalisch falsch verworfen. Bis in die 1970er spielte die THT fast keine Rolle.

Das änderte sich erst, aber dafür sehr schnell, als bestimmte Kräfte in Politik und Staat daran gingen, Umweltprobleme – reale wie konstruierte – als Anlass zu nutzen, um sie steuerlich, ideologisch und ökonomisch auszuschlachten. U.a. kam das der Atomwirtschaft zupass, da diese sich nur oder besser etablieren konnte, wenn sie die Kohleverbrennung als klimaschädlich verteufelte und damit, marxistisch gesagt, entwertet. So wurde z.B. in Deutschland der Begriff der „Klimakatastrophe“ zuerst von der Führungsriege der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), die mehrheitlich aus Atomlobbyisten bestand, quasi in einer Nacht- und Nebelaktion „verkündet“, ohne dass das bis dato eine relevante Position oder gar „die“ Theorie in der Physik gewesen wäre.

Der zweite Schritt, die Klimaforschung auf ein neues Gleis zu lenken, erfolgte dann 1988 mit der Gründung des IPCC. Dieses Gremium wird oft als „Weltklimarat“ bezeichnet, der die Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung zusammenfassen würde. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. 1. ist das IPCC v.a. ein zwischenstaatliches und damit primär politisches (UN)-Gremium und kein irgendwie ernannter oder gewählter Ausschuss der Klimaforscher-Szene. 2. ist es auch nicht  Ausdruck „der Klimaforschung“, sondern dazu da – wie es auch selbst erklärt -, die Auffassung des menschlichen (anthropogenen) Klimawandels auf Basis der THT zu vertreten. Damit waren alle jene ForscherInnen und Auffassungen ausgeschlossen, die diese Theorie nicht vertraten, mehr noch, sie wurden öffentlich diskreditiert, als vom Kapital bestochen, als fachfremde Laien usw. beschimpft. All das kommt auch in der völlig unhaltbaren und vielfach widerlegten These eines angeblichen Konsensus in der Klimaforschung zum Ausdruck.

Die Spaltung der Klimaforschung und die Eingrenzung (wenn auch zum Glück nicht Beseitigung) der inner-wissenschaftlichen Diskussion ging also ganz klar von der Seite der „Alarmisten“, genauer von politisch-staatlich-wirtschaftlichen Interessengruppen aus und ist keinesfalls nur oder v.a. Ergebnis einer inner-wissenschaftlichen Entwicklung.

Die „Inthronisierung“ des klimapolitischen Alarmismus ist jedoch nicht Ergebnis einer Verschwörung oder der Machenschaften einer kleinen Clique, sondern vielmehr Ausdruck politischer, ideologischer und ökonomischer Interessen bestimmter Teile der Bourgeoisie und ihres staatlich-politischen Machtapparates. Der Klimaalarmismus der IPCC-Richtung ist die notwendige  argumentative und massenpsychologische Voraussetzung für das forcierte Erheben von „Öko-Steuern“, die Etablierung des CO2-Zertifikate-Handels und v.a. der Umstellung des Energiesystems auf die „Erneuerbaren Energien“ (EE). Hier geht es global um über 100 Milliarden Euro – pro Jahr! Mit diesen Investitionen in die EE ist zugleich eine massive Umverteilung von unten nach oben verbunden. Zudem kann sich die bürgerliche Politik mit dem Verdienst der Weltrettung per Klimapolitik schmücken und von der tatsächlichen Ursache vieler Probleme – der kapitalistischen Produktionsweise – ablenken und sie auf den Klimawandel, als einer Frage der Technologie, schieben.

Allein die Tatsache, dass die Linke diese Veränderungen der Klimawissenschaft nicht hinterfragt, versteht und die – für MarxistInnen eigentlich selbstverständliche – Frage nach den damit verbundenen sozialen Strukturen und Klasseninteressen nicht stellt, entlarvt ihre Sichtweise als nicht-marxistisch, als ahistorisch und tendenziell idealistisch, weil sie nur die ideell-“wissenschaftliche“ Oberfläche betrachtet, jedoch nicht deren Wurzeln in der gesellschaftlichen Realität sieht.

Die Etablierung der THT war auch mit einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der Klimawissenschaft verbunden. Jetzt galt das Klima nicht mehr „multikausal“ von vielen, tw. noch wenig verstandenen Faktoren beeinflusst, sondern wurde tendenziell „monokausal“, als v.a. vom CO2 gesteuert, aufgefasst. Anstatt der empirischen Befunde der Klimageschichte waren nunmehr Computer-gestützte Modelle maßgebend. Anstatt der notwendigen Schutzmaßnahmen gegen Wetterunbilden sollte nun „das Klima“ geschützt werden.

Materialismus vs. Spekulation und Impressionismus

Die materialistische Betrachtungsweise drückt sich in der Naturwissenschaft darin aus, dass alle  Hypothesen und Theorien durch Beobachtungen, empirische Befunde, Experimente und theoretische Begründungen bestätigt werden müssen. Nach der – von den Linken meist abgelehnten – These Karl Poppers kann eine naturwissenschaftliche Theorie letztlich nicht positiv bewiesen werden, weil sie immer auf bestimmten Grundannahmen beruht, die a priori vorausgesetzt, jedoch  selbst (noch) nicht bewiesen sind. Das heißt jedoch weder, dass die Welt nicht erkennbar wäre, noch dass Theorien wertlos wären. Es bedeutet nur, dass wir die Welt immer nur partiell erkennen können, dass unsere Wahrheiten nur relative sind. Die gesamte Geschichte der Naturwissenschaft bestätigt das: alte Wahrheiten werden durch neue Erkenntnisse ergänzt, modifiziert, ganz oder in Teilen verworfen – eine Entwicklung vom Niederen zum Höheren. Für Popper war eine Theorie aber so lange gültig – quasi als Arbeitshypothese -, so lange sie nicht widerlegt (falsifiziert) ist.

Die auf dem „CO2“ basierende Richtung der Klimawissenschaft hätte nun die bis dahin dominierende Auffassung falsifizieren müssen, um diese „rechtmäßig“ ablösen zu können. Das ist jedoch nie erfolgt – und kann auch nie erfolgen, solange nicht eine neue Physik erfunden wird und  etwa der 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht mehr gilt.

Warum ist die „alarmistische“ Richtung wesentlich spekulativ? Diese Einschätzung trifft in mehrfacher Hinsicht zu. 1. deshalb, weil sie sich in hohem Maße auf die Computer-Modellierung stützt. Dagegen, dass diese als wissenschaftliches Hilfsmittel verwendet wird, ist an sich nichts zu sagen. Doch ein zentrales Problem dabei ist, dass die Daten in einen bestimmten Algorithmus eingefügt werden, der wesentlich darüber bestimmt, wie das Ergebnis aussieht. So wird z.B. der Einfluss des CO2 a priori als sehr hoch angenommen, so dass alle Klimamodelle eine starke Abhängigkeit des Klimas vom CO2 zeigen. Ein typischer Zirkelschluss. Wie aber selbst das IPCC in seinem letzten Bericht AR 5 (2014) einräumt, haben die Klimamodelle insgesamt die Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem werden sie immer noch dazu benutzt, Entwicklungen des Klimas für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte voraus zu sagen und damit eine Milliarden schwere Klimapolitik zu begründen.

Ein anderer klar spekulativer Zug der „Alarmisten“ ist es – auch unabhängig von Modellen – die Entwicklung des Klimas einzuschätzen oder gar vorauszusagen, obwohl die Klimawissenschaft durchaus weiß, dass sie „nichts weiß“, d.h. dass ihr wesentliche klimatische Zusammenhänge und Ursachen eben noch nicht bekannt sind. Es ist gerade so, also ob man den Durchschnitt einer Klassenarbeit kennen könnte, wenn man die Einzelzensuren von nur 5 Schülern von 20 kennt.

Warum ist der „Alarmismus“ impressionistisch? Dieser Vorwurf lässt sich v.a. daran festmachen, dass er – oft sogar weniger die Wissenschaftler selbst als die Journalisten – einzelne Phänomene, ein Temperaturniveau oder Extremwetterereignisse, aus dem klimatischen Zusammenhang reißen und behaupten, dass diese „außergewöhnlich“ wären oder eine neue Qualität darstellen würden, obwohl es all diese und noch schlimmere Ereignisse immer wieder in der Klimageschichte gegeben hat. Anstatt diese Ereignisse in langfristige Vorgänge einzuordnen, wird ständig Wetter mit Klima verwechselt. Eine Betrachtungsweise, welche die Zusammenhänge einzelner Phänomene verdunkelt oder ignoriert, kann jedoch schwerlich als wissenschaftlich angesehen werden.

Die stark impressionistische Methode äußert sich v.a. in der Ignorierung oder Verzerrung des „Faktors Zeit“. Das zeigt sich z.B. darin, dass fast nie jene Klimaperiode, in der wir uns befinden, das seit ca. 10.000 Jahren – dem Ende der letzten Eiszeit – andauernde Holozän erwähnt wird. Würde man die „gegenwärtige“, sich seit etwa 150 Jahren vollziehende leichte Erwärmung im Rahmen des Holozäns betrachten, würde offenbar werden, dass von außergewöhnlichen Veränderungen überhaupt kein Rede sein kann – im Gegenteil: die klimatischen Schwankungen und Temperaturspitzen waren früher sogar stärker ausgeprägt als heute.

Dieses (zumindest partielle) Ignorieren der historischen Klimaentwicklung, äußert sich konkret auch darin, dass man meist verschweigt, dass der Startpunkt der Erwärmung um 1850 die (im Rahmen des Holozäns) besonders kalte Phase der „Kleinen Eiszeit“ war. Damals war es nicht nur relativ kalt, auch die Vereisung des Nordpols oder der Alpen war besonders ausgeprägt. Was heute als Katastrophe angesehen wird, der Rückgang der Vereisung, ist also ganz normal und geschieht auch nicht zum ersten Mal.

Besonders markant tritt uns der Impressionismus als Methode auch in Form des „Hockeysticks“ entgegen. Diese Grafik von M. Mann, einem „Alarmisten der ersten Stunde“, behauptet ein stabiles Klima in den letzten knapp zwei Jahrtausenden, die Mittelalterliche Warmzeit (MAW), die etwa vom 9.-12. Jahrhundert dauerte, wurde „ausradiert“, um den aktuellen Temperaturanstieg als besonders außergewöhnlich darstellen zu können. Inzwischen ist durch hunderte Studien eindeutig belegt, dass die MAW tatsächlich ein globales Phänomen war (vgl. das „MAW-Projekt“ auf dem blog „Kalte Sonne“). Nicht nur an diesem Beispiel wird deutlich, dass die Alarmisten zuweilen auch bewusst manipulieren – was nicht passt, wird passend gemacht. Der „Hockeystick“ wurde, obwohl er inhaltlich und methodisch widerlegt war, erst nach langem Zögern vom IPCC zurückgezogen.

Diese etwas längeren Ausführungen waren nötig, um die Spezifik und die Unterschiede zwischen den beiden „Lagern“ der Klimaforschung wenigstens grob zu beschreiben. Wir sollten aber nicht vergessen, dass die Zuordnung zu zwei „Lagern“ durchaus auch etwas Willkürliches, Holzschnittartiges hat. Viele Forscher würden sich selbst nämlich nicht einem Lager zuordnen und forschen nach bestem Wissen und Gewissen. Nur ein Teil der ForscherInnen sind als SkeptikerInnen oder AnhängerInnen der IPCC-Richtung aktiv oder haben überhaupt Einfluss darauf, was als Stand der Wissenschaft gilt. Diese Deutungshoheit obliegt dem IPCC und seinen nationalen Agenturen wie dem deutschen PIK bzw. den Medien, die sich stark nach Schlagzeilen, also letztlich Umsatzzahlen richten. Alles zusammen ist nichts anderes als eine Pervertierung, ja Unterminierung der (Klima)wissenschaft im Kapitalismus. Wissenschaft wird zur Ware bzw. zur Werbung für die Waren der „grünen“ Politik. Wie jede Werbung macht auch diese vor Einseitigkeiten, Übertreibungen und sogar Lügen nicht halt.

Damit die Wissenschaft als Herrschaftsideologie funktionieren kann, muss sie alles  Wissenschaftlichen entkleidet und zu einem dogmatischen Glaubensbekenntnis gemacht werden. Und wie bei jeder Religion gibt es für ihre Hohepriester Kanzeln und Knete genug.

Was ist falsch bei den „Klimakritikern“?

Wenn die LeserInnen von Aufruhrgebiet den Eindruck haben, dass wir einfach die Thesen der „Klimakritiker“ übernehmen, so ist das insofern verständlich, weil wir tatsächlich zentralen Thesen der Kritiker zustimmen bzw. sie für seriöse wissenschaftliche Meinungsäußerungen halten und den Klima-Alarmismus und die EW ablehnen. Es gibt allerdings auch etliche Positionen dieser Szene, die ja nicht nur Bücher schreibt und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, sondern sich auch im Internet „tummelt“, die wir nicht teilen, ja dezidiert ablehnen. Hier wollen wir nun einige Aspekte unserer Kritik verdeutlichen.

Vorausschicken möchten wir, dass es „die“ Kritiker ebenso wenig gibt wie „die“ Alarmisten. Tatsächlich ist das Meinungsspektrum innerhalb beider „Lager“ durchaus vielfältig – schon deshalb ist es ja auch absurd, einen Konsens zu behaupten. Unsere Kritik an der Kritiker-Szene bezieht sich v.a. auf Meinungen, die in den zahlreichen Foren-Beiträgen im Internet auftauchen, die aber, wie schon gesagt, nicht ohne weiteres verallgemeinert werden sollten.

Sehr verbreitet ist die Ansicht, dass die These von der drohenden Klimakatastrophe Ergebnis einer  Verschwörung ist. Diese diene einerseits der Abzocke der Massen durch den Staat, die CO2-Zertifikate-Händler und die EE-Investoren. Letzteres stimmt sicherlich, doch mit Verschwörungstheorien kann das nicht erklärt werden. Vielmehr ist die Existenz eines „Klima/Energie-Kartells“ letztlich Ausdruck des ganz normalen Kapitalismus, wo ein Kapital immer versucht, seine Position auf Kosten der Konkurrenten zu verbessern. In diesem Fall betrifft es v.a. die Branche der „Erneuerbaren“, welche die Kohleverstromung ablösen wollen. Dass sie dafür politisch, ideologisch und „wissenschaftlich“ Werbung machen, ist nicht neu. Auch wenn viele Kungeleien der Wind- und Solarlobby mit der Politik durchaus etwas Verschwörerisches an sich haben (wie der Filz zwischen Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft auch in anderen Bereichen), so handelt es sich doch letztlich um wirtschaftliche Interessen eines Teils des Kapitals  und Teilen der Mittelschichten. Die Mär von einer Verschwörung verstellt also nur den Blick auf die Realität der bürgerlichen Klassengesellschaft und ihr zentrales Motiv: den Profit.

Ein durchgehender Zug bei nahezu allen „Kritikern“ ist die Auffassung, dass die stark etatistische Klima- und Energiepolitik „links“ oder „sozialistisch“ wäre. Das stimmt zunächst insofern, als diese Politik tatsächlich zwar nicht von der „grünen Szene“ entwickelt wurde, sondern von einigen think-tanks des Kapitals, z.B. dem Club of Rome, doch manifestiert sich „grüne“ Politik natürlich v.a. in den grünen Parteien, Bewegungen und NGOs. Diese sind inzwischen fast vollständig vom bürgerlichen Establishment domestiziert worden und stehen, trotz bisweilen immer noch radikaler Attitüden, für eine Spielart bürgerlicher Reformpolitik, die sich sehr „menschheitlich“ gibt, aber v.a. die Interessen der Mittelschichten im Auge hat und sich auch wesentlich auf diese stützt.

Diese Szene wurzelt also nicht im Proletariat und hat auch nur wenige strukturelle Verbindungen zur Arbeiterbewegung. Auch politisch gibt es wenig direkte Bezüge zu den proletarischen Lohnabhängigen, ihre spezifischen Interessen werden kaum aufgegriffen. Dass die Szene „links“ ist, trifft in einem ganz allgemeinen Sinn tw. zu, doch sagt „links“ natürlich nichts Genaues aus.

Auf jeden Fall hat grüne Politik mit „sozialistisch“ und „marxistisch“ inhaltlich absolut nichts zu tun – was jedoch nicht heißt, dass sie immer nur falsch wäre. Wie kommen nun aber viele Kritiker trotzdem zu dieser Annahme? 1. deshalb, weil die grüne Szene durchaus einen linken Flügel enthält, der anti-kapitalistisch ist oder sich so gibt; 2., weil die Grünen einen Teil der radikalen Linken in Gestalt der 68er aufgesogen haben und 3. schließlich auch deshalb, weil die Linke – von SPD und Linkspartei bis hin zur radikalen Linken – die grünen Positionen zu Klima und Energie, mehr oder weniger mit anti-kapitalistischen Phrasen garniert, übernommen hat.

Doch die Identifizierung der Klima- und Energiewendepolitik mit „links“ und „sozialistisch“ resultiert auch aus dem, was Bürgerliche darunter verstehen, nämlich staatlich-“diktatorischen“ Zentralismus. Diese Auffassung kommt natürlich nicht von ungefähr. Sie ist die – sogar verständliche – Reaktion auf die Realität des sozialdemokratischen Reformismus einerseits und des Stalinismus andererseits. Beide betonen ja gerade die zentrale Rolle des Staates als Mittel der Politik, der Stalinismus setzt dabei noch besonders auf Staatseigentum und Zentralisierung. Beides hat bekanntlich nicht zum Sozialismus geführt (auch wenn das der Stalinismus für sich behauptet), dafür aber beinahe jede Vorstellung von Sozialismus pervertiert. Die Position von Marx und Engels zum Staat ist hingegen eine ganz andere. Sie sahen die Entwicklung zum Kommunismus damit verbunden, dass der Staat abstirbt.

Obwohl also die Identifizierung von staatlicher Klima- und Energiepolitik als „links“ und „sozialistisch“ durch die bürgerlichen Klimakritiker „verständlich“ ist, müssen MarxistInnen sie klar zurückweisen.

Die Kritik der Kritiker-Szene an der staatlichen Gängelei z.B. in Form der Klimaschutzauflagen  und -normen und der EEG-Regelungen ist allerdings zum großen Teil berechtigt. In diesem Zusammenhang kritisieren sie auch Bestrebungen aus den Reihen des IPCC, der UN, der Klimakonferenzen u.a., globale Klimaschutzauflagen zu dekretieren – unter Umgehung demokratischer Prozesse, es soll „durchregiert“ werden können. Damit im Zusammenhang steht auch die Praxis, dass imperialistische Staaten Ländern der „3. Welt“ vorschreiben, wie sie ihre Energiepolitik auszurichten haben: Wind und Sonne ja, Kohle nein. Das verhindert oft die Nutzung billiger einheimischer Ressourcen und verstärkt die technologische Abhängigkeit dieser Länder. Das ist nichts anderes als eine Form neokolonialer Politik. Auch das begreift die Linke, die sich ja sonst immer gern als anti-imperialistisch geriert, nicht. Sie glaubt stattdessen, dass das Geld aus den „Klimafonds“ den armen Ländern helfen würde.

Die meisten „Kritiker“ halten Klimaschutz und EW für bewusste Versuche der „links-grünen Szene“, den Kapitalismus zu bekämpfen. Sicher glauben das auch manche Linke und Grüne. Doch das ändert nichts daran, dass diese „grüne“ Politik kein Kampf gegen den Kapitalismus ist, sondern nur ein Kampf zwischen verschiedenen Kapitalfraktionen – „EE-Kapital“ vs. „Fossil-Kapital“ darstellt und in jedem Fall ein Klassen- und Kassenkampf von denen „oben“ gegen die „unten“ ist. Die bürgerliche Kritiker-Szene versteht all das nicht so recht, weil sie kein Verständnis dafür hat, dass der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist.

Oft begegnet uns auch die Ansicht, die „links-grüne Szene“ betriebe willentlich die Deindustrialisierung Deutschlands. Zwar ist es richtig, dass die Verteuerung des Stromes oder etwa das absurde Theater um die Diesel-Abgase den Konzernen schaden, doch es geht dabei nicht darum,  die Industrie zu zerstören, sondern darum, sie „umzubauen“. Wie sinnig dieser „Umbau“ ist, sei hier dahingestellt, doch v.a. geht es darum, den Marktanteil „grüner“ Produkte und Hersteller zu erhöhen. Den Auto-Konzernen ist es auch grundsätzlich egal, ob sie Verbrenner oder E-Autos verkaufen, ja es ist geradezu ein Vorteil für sie, wenn in großem Stil etwa Dieselautos aus dem Verkehr gezogen – also entwertet werden -, weil dadurch umso mehr Neuproduktion von E-Autos generiert wird.

Die Kritiker-Szene ist – ideologisch gesehen – eine Mischung aus Liberalen und Konservativen. Sie stützt sich bzw. repräsentiert sozial die Mittelschichten: v.a. höhere Schichten der Lohnabhängigen (Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler). Es gibt zwar die oft argumentativ ins Feld geführten Verbindungen zwischen der Kritiker-Szene und Teilen des Kapitals und konservativer Politik, doch das trifft in noch weit stärkerem Maße auf die „Alarmisten-Szene“ zu, die enorme Mittel vom bürgerlichen (!) Staat und von der „Öko-Industrie“ erhalten. Doch MarxistInnen müssen zuerst die soziale Basis und die Klasseninteressen betrachten, die ein „Milieu“ prägen. Das Liberale der Kritiker äußert sich v.a,. darin, dass sie 1. eine zu starke Einmischung des Staates in die Wirtschaft ablehnen und oft der Ideologie „der Markt wird es schon richten“ frönen. Diesen Markt-Liberalismus teilen MarxistInnen natürlich nicht. 2. zeigt sich der Liberalismus in der Ablehnung aller politischen Diktaturen. Die Einschätzung – besser: der Glaube –  vieler Linker, die Kritiker seien alle reaktionäre, rechts-konservative Leute stimmt so nicht, zeigt aber, dass die Linke sich nicht sachlich mit der Kritiker-Szene (und damit auch mit einem Teil der Klimawissenschaft) befasst, sondern bequemen Vorurteilen anhängt.

Trotz dieser Kennzeichnung der „Kritiker“-Szene (die natürlich auch etwas pauschalisiert, denn es  gibt in ihr auch Linke) soll hier nicht verschwiegen werden, dass es z.B. in Deutschland direkte  Verbindungen zwischen den Kritikern und der AfD gibt. So ist z.B. Michael Limburg, Vize-Präsident von EIKE, Europäisches Institut für Klima und Energie, der wichtigsten Internet-Plattform der Kritiker in Deutschland, Mitglied der AfD und beeinflusst deren Klimaposition maßgeblich). Diese Verbindung verwundert natürlich nicht, weil die AfD die einzige Partei ist, die sich gegen den „mainstream“ in der Klima- und Energiepolitik stellt. In den diversen Internetforen tauchen dann auch schon Mal Aufforderungen auf, die AfD zu wählen.

Für MarxistInnen ist es natürlich völlig unakzeptabel, die AfD in irgendeiner Weise zu unterstützen. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass diese im Klima-und Energiebereich eindeutig bessere Positionen hat als alle anderen, weil ihre Politik insgesamt nichts anderes ist als bürgerlich und populistisch, tw. völkisch und rassistisch. Das Problem besteht aber darin, dass alle Parteien von rechts bis links quasi eine Klima- und Energie-Volksfront bilden. Eine sachliche, gar wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den „Kritikern“ oder der AfD-Position gibt es fast nicht, es dominieren Ignoranz und Verleumdung. Im Internet kann man etwa verfolgen, wie der bekannte TV-Wissenschaftler Prof. Lesch die Klimapositionen des AfD-Programms auf höchst unseriöse und unwissenschaftliche Weise „zerpflückt“. Noch abstoßender und nur noch peinlich sind die Auftritte der Bundestagsabgeordneten aller (!) Fraktionen gegen die Beiträge der AfD zu Klima und Energie. Unglaublich, was da an Ignoranz, Dummheit und Demagogie zu erleben ist.

Hieran und an der Position der Linken zu den Klima-Kritikern zeigt sich, welcher Dogmatismus, welch rein ideologische Sichtweise in der Klima- und Energiefrage dominieren. Alles verfährt nach dem Motto: „die Rechten“ können ja gar nicht recht haben. Dass weltweit zehntausende (!) WissenschaftlerInnen, darunter mehrere Physik-Nobelpreisträger den Klima-Alarmismus und dessen „theoretische“ Grundlagen ablehnen, ficht die Klimaschützer nicht an. Genauso wenig schert sie das komplette Scheitern aller Klimaschutzmaßnahmen und der EW nicht nur, aber u.a. hinsichtlich des Klimaschutzes. Gerade die Naturwissenschaft zeigt, dass ideologische Fragen bei ihrer Beurteilung fehl am Platz sind. Auch der konservativste und religiöseste Physiker kann richtige und bahnbrechende Erkenntnisse haben und als Wissenschaftler einer materialistischen Erkenntnismethode folgen.

Das Problem der Linken ist nicht, dass sie die Klima-Kritiker kritisieren, das Problem ist, dass ihre Kritik falsch ist, dass sie einer idealistischen, unmaterialistischen Methode folgen. Daraus ergibt sich das Desaster, dass die Linke in dieser Frage nicht nur im politischen Windschatten der Grünen (u.a. bürgerlichen Kräfte) segelt. Sie stellt sich damit auch objektiv auf die falsche Seite der Barrikade: sie unterstützt die auf Manipulation und Gewinnmaximierung gerichtete Politik eines Teils des Kapitals, sie befürwortet grundsätzlich den völlig sinnlosen „Klimaschutz“ und die technische Unterminierung des Energiesystems. All das zeigt, wie tief die Degeneration der gesamten Linken inkl. ihres „marxistischen“ Teils ist.

Cervantes stellte einst den Obskuranten Don Quichotte im Kampf gegen die damals fortschrittliche Wind-Technik dar. Heute bejubelt die Linke eine überholte und unbrauchbare Technik und verunglimpft deren Gegner. Marx würde im Grab schneller rotieren als jede Windmühle, könnte er erleben, welcher Unfug inzwischen in seinem Namen vertreten wird.

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