Plastikmüll – Welche Lösung?

Hanns Graaf

Das alte Rom wurde nicht nur auf sieben Hügeln erbaut, es hat auch selbst einen Hügel erschaffen: den Monte Testaccio. Er besteht vollständig aus Tonscherben, die bis zu 50 Meter in die Tiefe reichen und einen Umfang von rund 1.000 Metern haben. Die aus gebranntem Ton bestehenden Amphoren, Krüge und Geschirrteile gingen irgendwann zu Bruch und landeten, da sie nicht repariert werden konnten, auf der Deponie. Allerdings sind Tonscherben kein Problem für die Umwelt, sondern stellen „nur“ vergeudete Arbeit und Ressourcen dar.

Im Zuge der Entwicklung der Produktivkräfte erzeugte die Menschheit Materialien, mit denen nicht nur bestimmte Bedürfnisse besser befriedigen konnten als mit Ton bzw. Keramik, sondern die auch bedeutend haltbarer waren und damit schonender mit Arbeitsvermögen und Rohstoffen umgingen. Zu diesen Materialien gehörten v.a. Metalle und – mit Beginn des 20. Jahrhunderts – die inzwischen sehr große Zahl verschiedener Kunststoffe. Das „historische“ Problem, dass Gefäße oder Verpackungen schnell kaputt gingen, nicht reparabel oder recyclebar waren und daher durch neue ersetzt werden mussten, könnte sich mittels dieser Werkstoffe objektiv einer Lösung immer mehr annähern. Doch die Realität sieht leider ganz anders aus. Immer mehr Plastik wird produziert – und großteils weggeworfen.

So ist es kein Wunder, dass sich in letzter Zeit die Schlagzeilen über die Zunahme von Plastikmüll in der Umwelt, insbesondere in den Meeren, häufen. Obwohl wir grundsätzlich skeptisch ob solcher Medienbeiträge sein sollten, die in alarmierender Weise von katastrophalen Veränderungen der Umwelt oder des Klimas berichten: der zunehmende Plastikmüll ist ein reales Problem, das wir wirklich ernst nehmen sollten, denn ein großer Teil der Plastikprodukte ist nicht oder nur sehr schwer in der Natur abbaubar und wirkt oft als Schadstoff für die Natur.

Einige Fakten

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Kunststoffe zur Massenware. Seitdem wurden 8,3 Mrd. Tonnen Plastik produziert. Der größte Teil davon, ca. 79%, landet auf Deponien oder in der Umwelt, 12% werden verbrannt. 1950 wurden weltweit nur 2 Mill. Tonnen Kunststoffe hergestellt, 2015 waren es bereits 380 Mill. Tonnen. Lt. verschiedenen Studien fielen bis 2015 6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an, von denen nur etwa 10% wieder verwertet wurden. Doch auch das recycelte Plastik landet irgendwann in der Umwelt. Allein 2010 gelangten etwa 8 Mill. Tonnen dieses Mülls in die Ozeane.

Die höchste Recyclingrate hat Europa (30%), gefolgt von China (25%). In den USA sind es nur 9%. Auch bei der Plastikmüll-Verbrennung führt Europa mit 40% vor China (30%). Die USA weisen nur 16% auf. Man schätzt, dass bis 2050 weltweit weitere 34 Mrd. Tonnen Kunststoff produziert werden – das Vierfache (!) dessen, was bis dato von der Menschheit erzeugt wurde. Deutschland produzierte 2017 19,9 Mio. Tonnen Plastikartikel. Die Umsätze der deutschen Kunststofferzeuger stiegen zuletzt um 12,1% auf 27,1 Mrd. Euro. Wichtigstes Einsatzgebiet mit einem Anteil von 35 % sind Verpackungen.

Die in den Medien und in Studien genannten Zahlen wirken Besorgnis erregend, müssen allerdings relativiert werden. Angenommen ein Kubikmeter kompakter Plastikmüll wöge ein Tonne, so hätte ein Kubikkilometer (1.000×1.000×1.000 Meter) ein Gewicht von einer Milliarde Tonnen. Von diesen hypothetischen Plastikwürfeln sind bislang also „nur“ ca. 6 in die Umwelt gelangt – nicht viel angesichts der Größe der Erde bzw. der Ozeane. Doch die in der Gesamtrelation geringe Menge kann trotzdem großen Schaden anrichten. Allein schon deshalb, weil gegenwärtig in nur 3 Jahren jeweils ca. eine Milliarde Tonnen Plastikabfall hinzukommen, Tendenz steigend.

Das Umweltproblem bei Plastik besteht also weniger darin, dass große Mengen davon in der Umwelt landen und auf die eine oder andere Weise „entsorgt“ werden, sondern v.a. darin, dass Plastikteilchen in die Nahrungskette gelangen und letztlich auch im menschlichen Organismus landen. Die oft sehr kleinen Plastikteilchen (Mikroplastik) werden v.a. von Fischen und Seevögeln gefressen. Sie sterben dann oft daran, dass die Luftröhre oder der Magen mit Abfällen verstopft ist. Die kontaminierten Fische dienen anderen Tieren und dem Menschen als Nahrung, so dass die Plastikteilchen auch in deren Organismus angereichert werden. Es gibt allerdings noch kaum  Langzeitstudien, die belegen, wie, ob oder welche Kunststoffverbindungen schädlich sind. In letzter Zeit werden Mikroplastik-Teilchen auch Hygieneartikeln, z.B. Zahnpasta, und Kosmetika zugesetzt, die dann im Abwasser landen. Ein Herausfiltern dieser Mikroteilchen ist zwar grundsätzlich möglich, erfolgt jedoch oft nicht und ist in jedem Fall sehr aufwändig. Die Inseln aus Plastikmüll, die im Ozean schwimmen, entstehen meist durch das oft völlige Fehlen eines Müllaufbereitungssystems v.a. in Entwicklungsländern.

Natur und Gesellschaft

Ausgehend vom Müllproblem der alten Römer stellt sich die Frage, warum wir heute Dank besserer Werkstoffe und Verarbeitungstechniken nicht (relativ) weniger, sondern sogar wesentlich mehr Verpackungsmüll erzeugen und damit die Umwelt verschmutzen?

Sicher spielt dabei eine Rolle, dass der Menschheit erst nach und nach mit dem Anwachsen der  Zivilisation und ihrer Produktion klar wurde, dass ihr Einfluss auf die natürliche Umgebung eine zerstörerische Dynamik annehmen kann.

Die Umweltprobleme haben erst mit dem Kapitalismus eine globale Dimension angenommen, weil erst dann die Menschheit und ihre Produktionstätigkeit eine Größe erreicht hatten, die überhaupt nennenswerte Schäden anrichten konnte, weil die Industrialisierung in einem vorher nicht gekanntem Umfang die Natur nutzte und beeinflusste und zudem immer mehr dazu überging, Stoffe zu erzeugen, die so in der Natur nicht vorkommen und nicht Teil des natürlichen Stoffwechsels sind.

So haben die Fortschritte in Wissenschaft und Technik mit sich gebracht, dass das Bedrohungspotential für die Natur größer wurde – sie haben aber zugleich auch dazu geführt, dass die Erkenntnisse über die Wirkungen und Gefahren größer wurden und die Möglichkeiten, entstandene Probleme zu lösen, zugenommen haben. Letztlich ist das Verhältnis Mensch-Natur (eingedenk dessen, dass der Mensch selbst ein Teil der Natur ist) ein dynamisches: immer entstehen neue Problem, die auf neue Art gelöst werden müssen – und auch gelöst werden können. Auch eine kommunistische Gesellschaft wäre mit diesem Problem konfrontiert und müsste permanent daran arbeiten, Lösungen zu finden.

Auch im Kapitalismus findet diese Auseinandersetzung statt. Immer wieder erzeugt der Kapitalismus neue Umweltprobleme, oft aus Profitgier, weil Umwelt-gerechtere Lösungen die Profite schmälern würden. So werden die Folgekosten von Produktion und erzwungenem Konsumismus auf die Gesellschaft abgewälzt bzw. der Staat muss sich darum kümmern. Auf der anderen Seite liegt Umwelt-gerechte(re) Produktion aber auch im Interesse des Kapitals, insofern die Einsparung von Energie oder die Wiedernutzung von Stoffen, Abfall usw. nicht nur die Gewinnmarge erhöhen und neue Geschäftsfelder erzeugen kann, sondern durch den Konkurrenzdruck auch erzwungen wird.

Die tiefere Ursache dieses absurden Mechanismus´ – erst unnötige Umweltprobleme zu erzeugen, um sie dann mit viel Aufwand wieder zu reparieren – ist der Umstand, dass die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich darauf beruht, dass das Privatinteresse von Produktionsmitteleignern die Wirtschaft und darüber hinaus die Lebensweise der Gesellschaft bestimmt. So kann „die Gesellschaft“ meist erst ex post, im Nachhinein, darauf reagieren, anstatt ex ante, im Voraus, zu bestimmen, wie und was produziert wird und wie die Gesellschaft funktionieren soll. Dieses Grundübel der bürgerlichen Gesellschaft kann letztlich nur überwunden werden, wenn das Privateigentum an den Produktionsmitteln und die Konkurrenz überwunden und durch eine gesamtgesellschaftliche Planung ersetzt werden. Marx sprach wiederholt davon, dass die „genossenschaftlich assoziierten Individuen“ – oder anders ausgedrückt: die ProduzentInnen und  KonsumentInnen direkt, d.h. nicht über einen Staat vermittelt, über die Produktion und alle gesellschaftlichen Prozesse entscheiden.

Wer ist der Buhmann?

In den Medienberichten über die Vermüllung der Umwelt durch Plastikabfälle entsteht oft der Eindruck, dass Kunststoffe an sich das Problem wären und daher die Vermeidung oder Abschaffung von Plastikprodukten sinnvoll sei. In diesem Sinn häufen sich die neuerdings Verbote von bestimmten Plastikartikeln wie z.B. Einweggeschirr, Cafe to go-Bechern, Strohhalmen, Plastiktüten usw. durch die EU oder durch nationale Regierungen. In bestimmten Fällen kann das durchaus richtig sein. Doch im Grunde weist es in die falsche Richtung, weil die verschiedenen Vorzüge von Kunststoffen so gar nicht zur Wirkung kommen können.

Das Beispiel der Verpackungen, die rund 1/3 aller Plastikprodukte ausmachen, zeigt das anschaulich. Wären die Plastikprodukte auf Haltbarkeit ausgelegt und nicht wie heute meist auf Billigkeit, könnten sie ihren Vorteil der langen Haltbarkeit und der fast perfekten Unzerstörbarkeit gut ausspielen. So können etwa stabile PET-Flaschen, wie sie früher z.B. bei CocaCola verwendet wurden, fast tausend Mal wiederverwendet werden. Solche haltbaren Verpackungen, wie wir sie etwa auch von Tupper-Dosen kennen, könnten durchgängig als Pfandartikel im Kreislauf bleiben. Ein entsprechend hoher Pfand würde die „Wegwerfmentalität“ sofort drastisch einschränken. Das wäre auch besser als etwa eine Beteiligung der Unternehmen an den Müll-Kosten, weil diese ihre Mehrkosten auch nur wieder an die Verbraucher weitergeben würden.

Statt der Abschaffung von Plastikverpackungen wäre es also sinnvoll, deren Qualität hinsichtlich Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit zu erhöhen. Warum erfolgt das aber nicht oder zu wenig?

Auch hier spielt wieder die Eigentumsfrage die entscheidende Rolle. Die Einsparung oder die Entsorgung von Abfällen ist meist nicht Aufgabe der Unternehmen (weder der Hersteller noch des Handels), diese Kosten werden der Gesellschaft, d.h. den Kunden und Steuerzahlern, aufgebürdet. Die ökonomische Rechnungsweise im Kapitalismus ist wesentlich eine rein betriebswirtschaftliche, was logisch ist, denn auch der Profit der Einzelkapitalisten entsteht und berechnet sich in diesem Rahmen. Eine rationellere und ökologischere Wirtschaftsweise müsste also dieses Primat des Profitinteresses von Einzelunternehme(r)n durch eine gesamtgesellschaftliche Planung ersetzen, in der gesamtgesellschaftliche Interessen wie der Erhalt der Umwelt und die Vermeidung von Abfällen eine adäquate Rolle spielen.

Ein anderes Problem ist die Notwendigkeit für den Kapitalismus, möglichst viel Neuproduktion zu generieren, weil nur so immer wieder erneut Profit gemacht werden kann. Diesem Ziel dient nicht nur das bürgerliche Steuersystem, z.B. Abschreibungen und Investitionsförderungen, sondern auch das Produkt“design“, z.B. die Sollbruchstellen von Geräten. Die umfängliche Einführung eines Pfandsystems würde bedeuten, dass die Chemie- und Verpackungsindustrie deutlich weniger produzieren müssten. In der bürgerlichen Politik würde das aber sofort zum üblichen Affentanz um den „Erhalt der Arbeitsplätze“ führen. Im Kommunismus würde es bedeuten, dass weit weniger Ressourcen verbraucht würden und die Arbeitszeit verkürzt werden könnte. Somit wäre – gesamtgesellschaftlich gesehen – der Kommunismus allein dadurch schon rationeller und humaner.

Ein generelles Pfandsystem setzt aber voraus, dass Verpackungen stark standardisiert sind. Das würde wiederum mit den egoistischen Marken- und Werbeinteressen der Hersteller kollidieren. Der Trend im Kapitalismus zeigt aktuell aber eher in Richtung größerer „Individualisierung“. Ein Beispiel ist die Pfandflasche: früher gab es nur wenige Sorten Bierflaschen, heute hat fast jede große Brauerei ihre eigene Flaschenform, was dazu führt, dass die Flaschen mühsam einzeln sortiert werden müssen.

Verpackungsfrei und Spaß dabei?

In den Medien wie in der „grünen“ Szene wird nicht selten das Beispiel des „Verpackungsfreien Einkaufs“, bei dem die Kunden ihre Verpackung selbst in den Laden mitbringen, sehr positiv dargestellt. Sicher ist es in bestimmten Bereichen möglich und sinnvoll, dass Kunden ihre Verpackung selbst mitbringen und wiederverwenden, z.B. Einkaufsbeutel. Das hat in der DDR jahrzehntelang problemlos funktioniert. Doch man stelle sich das Chaos vor, wenn in einem Supermarkt, wo täglich hunderte oder tausende Menschen einkaufen, Jede(r) anfängt, sein Müsli selbst ins Gläschen abzufüllen. Der grundsätzliche Fortschritt des kapitalistischen Handels, weit produktiver und zu sein und eine weit größere Warenvielfalt anbieten zu können, als der alte „Tante Emma-Laden“, würde hier zurückgestutzt zugunsten völlig unrationeller Mini-Lädchen von Kleinstkapitalisten. Hier offenbart sich die reaktionäre kleinbürgerliche „grüne“ Ideologie sehr deutlich.

Diese mutet zwar bizarr an, ist jedoch nicht untypisch für die vorherrschende „ökologische“ Denke der Mittelschichten, die das Massenbewusstsein stark beeinflusst. Nicht die Gesellschaftsordnung und ihre Produktionsweise werden als Problem angesehen, sondern nur einzelne ihrer Aspekte. Die ausgeprägte Technologie- und „Fortschrittsfeindlichkeit“ der „grünen Szene“ setzt nicht auf die Weiterentwicklung und Verbesserung von Technologien und sozialen Prozessen, sondern auf deren Verteufelung bzw. Ersetzung durch – vermeintlich – ökologischere Teil-Lösungen. Als Motivierung dieser „nachhaltigen“ und „grünen“ Technologien, die aber oft gerade das Gegenteil von ökologisch sind, dient häufig eine völlig unwissenschaftliche Darstellung bzw. Übertreibung von Problemen: der „Alarmismus“. So ist der Ökologismus – trotz meist positiver Absichten und oft auch als Reaktion auf reale Probleme – letztlich Ausdruck von Irrationalismus, eine reaktionäre Utopie, eine Sackgasse der Entwicklung und keineswegs fortschrittlich.

Viele Losungen, die als „umweltgerecht“ gelten, sind es überhaupt nicht. So wird meist statt der Deponierung die Müllverbrennung als sinnvoll angesehen, obwohl die Vermeidung des Mülls besser als beide Varianten wäre. Auch Plastik, das biologisch abbaubar ist, also praktisch zu Kompost wird, ist kompletter Unsinn, denn wie die Müllverbrennung zieht sie eine – meist gar nicht erforderliche – Neuproduktion nach sich. Immer noch gilt auch der Tetrapack als umweltfreundliche Verpackung, weil er wieder in seine Einzelkomponenten Pappe, Aluminium usw. zerlegt und aufgearbeitet werden kann. Wie viel besser wäre doch aber eine Pfandflasche, die nicht zerstört und dann quasi wieder neu zusammen gebaut werden muss?!

Umweltschutz konkret

Nicht der Kampf gegen Kunststoffe, sondern der Kampf gegen den Kapitalismus und seine ineffiziente und oft unökologische Produktionsweise bietet eine grundsätzliche Lösung für die vielen Umweltprobleme. Nicht die Abschaffung von Kunststoffen, sondern die Ausnutzung ihrer oft wunderbaren Eigenschaften und ihre Weiterentwicklung sind die technische (!) Grundlage der Lösung des Plastikmüll-Problems. Ob die Technik, bestimmte Materialien und Verfahren, nützlich sind und der Gesellschaft Vorteile bringen oder ob sie auch oder v.a. als Destruktivkräfte wirken, hängt jedoch nicht von ihnen selbst, sondern von den Strukturen der Gesellschaft ab, in denen die angewendet werden. Diese Gesellschaftlichen Produktivstrukturen (GPS) – z.B. das Pfandsystem – müssen geändert werden! Gerade in dieser Frage weist der links-kleinbürgerliche Ökologismus aber in die falsche Richtung oder ignoriert diese Frage – aus drei Gründen: 1. vermeidet er es, die Eigentumsfrage zu berühren. Das geschieht allenfalls dadurch, dass man gegen große Konzernstrukturen wettert, an deren Stelle jedoch kleinteiliges Privateigentum setzt (der Windmüller). 2. verkennt er die zentrale Rolle der Arbeiterklasse, ohne deren aktive Rolle eine wirkliche „Ökologisierung“ der Gesellschaft unmöglich ist. 3. glaubt er, dass die ökologischen (und andere) Probleme im Rahmen des Kapitalismus lösbar wären und blendet die Frage einer System-Alternative aus.

Die Systemfrage aufzuwerfen heißt jedoch nicht, passiv auf den großen revolutionären Knall zu warten; es bedeutet, schon jetzt dafür einzutreten, das Müll-Problem zumindest zu entschärfen und Staat und Kapital zu Zugeständnissen zu zwingen. Dazu kann es notwendig sein, Kunstoffprodukte durch andere zu ersetzen und das Recycling zu verbessern. Letztendlich muss aber darum gehen, geschlossene Stoffkreisläufe ohne Abfallprodukte zu etablieren. Dazu müssen die Unternehmen auch per Gesetz gezwungen werden. Doch selbst solche Regelungen haben nur dann Sinn, wenn sie auch durchgesetzt werden und nicht, wie etwa bei der Abgas-Schummel-Software bei PKW, vom Kapital umgangen werden. Staat und Kapital haben sich in dieser Frage als wenig brauchbar für eine effektive Kontrolle erwiesen. Daher sollte diese den Beschäftigten und Organen der Arbeiterklasse und der Bevölkerung sowie Experten ihres Vertrauens obliegen.

Der Schlüssel für die Vermeidung bzw. Minimierung von Plastikabfällen ist jedoch a) ein anderes, auf längere Haltbarkeit und Wiederverwendbarkeit ausgerichtetes Produktdesign und b) die Etablierung eines durchgehenden Pfandsystems für Verpackungen.

Anstatt Unsummen für die völlig unsinnige und unwirksame Vermeidung von CO2-Emissionen auszugeben, wäre es notwendig, diese Mittel einzusetzen, um v.a. in der „3.Welt“ (zu der angesichts des niedrigen Recycling-Levels hier auch die USA gehören) Recycling-Systeme und Wasseraufbereitungsanlagen zu installieren. Doch bevor Luft und Wasser gereinigt werden können, müssen die Köpfe der Umweltschützer, der Arbeiterbewegung und der Linken von den kleinbürgerlichen „grünen“ Phrasen gesäubert werden.

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