1921: Revolution am Wendepunkt

Zur Geschichte der Russischen Revolution

Hanns Graaf

Die Russische Revolution befand sich nach ihrem Sieg im Oktober 1917 in einer sehr prekären Situation. Schon Anfang 1918 begann der Bürgerkrieg, der bis 1921 andauerte. Er wurde von allen Seiten sehr brutal geführt. Erhebliche Teile der ohnehin schlechten Infrastruktur wurden zerstört. Mehrere Millionen Bewaffnete und Zivilisten kamen durch Kampfhandlungen, durch Hunger und Epidemien um. Der Weltkrieg war für Sowjetrussland zwar im März 1918 durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk beendet, doch es verlor dadurch große Gebiete und viele Ressourcen. „1921: Revolution am Wendepunkt“ weiterlesen

ABC des Marxismus XXXII: Was ist der Staat?

Der Staat (hier im Sinne eines staatlichen Apparats) umfasst verschiedene Bereiche: die Regierung u.a. exekutive Organe wie Militär, Polizei und Verwaltung sowie dem Staat unterstellte Strukturen wie Universitäten, Institute, staatliche Medien und Unternehmen. Das Parlament, die Justiz und politische Gremien werden formal oft nicht als Teil des Staatsapparates gesehen, sind mit ihm aber eng verbunden. Der Marxismus benutzt für alle diese Elemente den Begriff des „Überbaus“ der Gesellschaft, der sich über der „Basis“, d.h. den sozial-ökonomischen Verhältnissen erhebt. „ABC des Marxismus XXXII: Was ist der Staat?“ weiterlesen

Lenin-Szenen I

Hanns Graaf

Zum Bild „Abgesandte der Bauern bei Lenin“ von W. A. Serow

 

Die Staatsmacht sitzt auf
Kante mit den
Bauern: Lausepelze, Muschiks.
Deputierte.

Zugeschnürt die Kehlen, Bündel
Zwiebeln, Zweifel, Wodka, Wut und
Speck! Ja,
Bauchspeck in der
Zeitung. Rote
Siege und Hurra und

Hunger, dieser

Hunger.

Lenin: Abgetragner Anzug. Angespannt. Mit
Block und Blei.

Den Boden gabt ihr uns und
Nehmt uns nun das Korn.

Ihr habt das Land, die Stadt
Die leeren Mägen.

Euer Kommunismus?
Konfiszieren!

Gefressen werden oder
Fressen.

Andre nehmen, was wir
Säten – für Papiergeld!

Das sind die Unkosten, Bürger, der
Anderen Welt!

Rutschen auf den
Schonbezügen.

Nein, kein
Tee … Genosse.

Telefon,
Wladimir Iljitsch!

Deutschland? Nein, am
Apparat, am andern Ende
Stalin.

Marxismus und Verstaatlichung (Teil 3)

Hanns Graaf

4. Lenins Beitrag zur marxistischen Staatstheorie

Bevor wir uns der Darstellung der Beziehung von Staat und Wirtschaft bei Lenin zuwenden, sind einige allgemeine Anmerkungen zu seiner Staatsauffassung nötig. Die umfassendste Darlegung seiner Positionen erfolgte in „Staat und Revolution“ (SuR) im Sommer 1917. Dieses Werk schrieb Lenin, um – mitten in der Revolution – die neue revolutionäre Orientierung seiner „April-Thesen“ theoretisch zu unterfüttern. Es ging ihm dabei darum, Marx´ Positionen zur Staatsfrage darzulegen und deren Entstellung durch die Opportunisten der II. Internationale, darunter Kautsky, zu entlarven. „Marxismus und Verstaatlichung (Teil 3)“ weiterlesen

ABC des Marxismus XXV: Was ist Bolschewismus?

Die bürgerliche Ideologie, die auch in der Linken verbreitet ist, setzt oft Bolschewismus mit Stalinismus und bürokratischer Tyrannei gleich oder behauptet, dass der Bolschewismus notwendigerweise zum Stalinismus führen musste. Doch beide Vorwürfe sind falsch. „ABC des Marxismus XXV: Was ist Bolschewismus?“ weiterlesen