Die Spanische Revolution (6/6)

Die Kollektivierung der Industrie

Hanns Graaf

Die kollektivierten Betriebe produzierten mehr als vor der Kollektivierung, v.a. im Rüstungssektor, wo die Produktion um 30-40% stieg. Im September 1936 gab es 25 Rüstungsfabriken, im Juli 1937 bereits 300 und 1938 tausende. Insgesamt waren etwa 3 Millionen in ländliche oder städtische Kollektivunternehmen eingebunden (bei ca. 25 Mill. Einwohnern). Auch im Dienstleistungssektor gab es einen Produktivitätszuwachs. In den Verkehrsbetrieben Barcelonas etwa fuhren 100 Straßenbahnen mehr als zuvor, die Eigenproduktion von Ausrüstungsgegenständen stieg von 2 auf 98%. Die selbstgebauten Wagen waren leichter und größer als die alten, so dass die Einnahmen um 15-20% gesteigert werden konnten, obwohl die Fahrpreise heruntergesetzt worden waren. In den befreiten Gebieten trafen Räte und Versammlungen Entscheidungen – ohne eine separate Bürokratie.

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ABC des Marxismus XXXVIII: Was sind Genossenschaften?

In den Kämpfen von Unterdrückten und in sozial-revolutionären Konzepten gab es immer das Bestreben, die Fremdbestimmung über soziale Strukturen, sei es durch den Staat, durch die Kirche, durch Privateigentümer usw. zu beenden und an deren Stelle die Selbstverwaltung zu setzen. Diese Bestrebungen nahmen verschiedene Formen an: demokratische Kontrolle, Arbeiterkontrolle, Streikkomitees, Räte usw.. Das Selbstverwaltungsstreben ist Ausdruck der Überwindung von Verhältnissen, die Marx mit dem Begriff der „Entfremdung“ beschrieben hat. Damit meinte er, dass die Menschen die Verhältnisse nicht selbst-bewusst bestimmen, sondern sie von ihnen „beherrscht“ werden. Das Privateigentum über die Produktionsmittel ist dabei von zentraler Bedeutung. Erst dessen Enteignung ermöglicht die volle Kontrolle über Produktion und Verteilung durch die ProduzentInnen und KonsumentInnen. Die Verwaltung von Produktion und Verteilung soll lt. Marx direkt, also möglichst ohne Dazwischentreten „Dritter“, also des Staates, erfolgen.

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Die Spanische Revolution (5/6)

Die Kollektivierung auf dem Land

Hanns Graaf

Beiträge über die Ereignisse in Spanien von 1936-39 betrachten meist den Bürgerkrieg und die verschiedenen politischen Kräfte. Weniger Beachtung finden aber die sozial-ökonomischen Umbrüche in jenen Gebieten, wo die ArbeiterInnen und Bauern den bürgerlichen Staat zerschlugen bzw. entmachteten, das Privateigentum enteigneten und das soziale und ökonomische Leben gemeinschaftlich regelten. Deshalb wollen wir hier diese Veränderungen, besonders das Entstehen kollektiver bzw. genossenschaftlicher Wirtschaftsformen auf dem Land – was in diesem 5. Teil unserer Artikelserie geschieht – und in der Industrie genauer beleuchten. Das scheint uns auch deshalb interessant, weil sie einen Vergleich mit den Ereignissen der Russischen Revolution von 1917 und der Politik der Bolschewiki erlauben.

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