China: Der Generalstreik in Hongkong und Kanton, 1925/26

Vorwort: Wir übernehmen den Artikel mit freundlicher Genehmigung von der Infomail 1305 vom 16.3.26 der Gruppe ArbeiterInnenmacht. Die gegenderte Schreibweise wurde übernommen. Redaktion Aufruhrgebiet

Peter Main

Der 15 Monate andauernde Generalstreik in Hongkong, der längste der Geschichte, spielte eine entscheidende Rolle in Chinas zweiter Revolution. Der 20. März markiert den hundertsten Jahrestag eines Wendepunkts im Streik, als Tschiang Kai-schek seinen ersten Schritt zur Macht machte. Peter Main erklärt den Verlauf des Streiks und warum dies kein Jahrestag ist, den man feiern sollte.

Am 15. Mai 1925 tötete der Vorarbeiter einer japanischen Firma in Shanghai einen Streikenden. Die weit verbreiteten Proteste gipfelten in einer Demonstration am 30. Mai, bei der 16 Demonstrant:innen von der britischen Polizei erschossen und 100 verletzt wurden. Am folgenden Tag wurde die Gewerkschaft Shanghai General Union gegründet und rief zu einem Generalstreik in der Stadt auf, mit einem Aufruf an die Arbeiter:innen in ganz China, sich dem Streik anzuschließen.

Die rasante Entwicklung in Hongkong zeigte, wie große Fortschritte in letzter Zeit beim Aufbau der Arbeiter:innenbewegung in der Kolonie gemacht worden waren, vor allem unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Am 11. Juni gründeten lokale Gewerkschaftsführer:innen ein Komitee für die Streikvorbereitung. Aufbauend auf den Erfahrungen eines erfolgreichen Streiks im Jahr 1922 wurde ein Aufruf zur Unterstützung an die Regierung in Kanton (Stadt Guangzhou) gerichtet, die von Präsident Sun Yat-sen und der Nationalistischen Partei, der Kuomintang (KMT), geführt wurde.

An einer Versammlung der Allchinesischen Gewerkschaft in Hongkong nahmen auch Delegierte des Zweiten Arbeiter:innenkongresses teil, der zu dieser Zeit in Kanton stattfand. Dort verkündete das Vorbereitungskomitee seine Absicht, einen Generalstreik in Hongkong auszurufen.

Grundlage des Streiks war eine Kombination aus wirtschaftlichen und demokratischen Forderungen:

  • Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit
  • Gleiche Rechte für alle Nationalitäten
  • Ein Ende der Auspeitschungen
  • Wahlrecht für Chines:innen
  • 8-Stunden-Tag und Mindestlohn
  • Rücknahme der jüngsten Mieterhöhung
  • Freiheit, überall auf der Insel zu wohnen, einschließlich des Peak (höchster Berg auf Hongkong).

Am 15. Juni kündigte die Regierung in Kanton an, den Streikenden Unterkunft und Unterstützung zu gewähren. Die Gewerkschaft der Seeleute erklärte daraufhin, sie werde den Transport nach Kanton organisieren.

Die Kantoner Ortsgruppe der Gewerkschaft der Seeleute handelte als erste und rief am 18. Juni alle ihre 1.000 Mitglieder auf den Routen zwischen Hongkong, Kanton und Macau (Macao) zum Streik auf. In den folgenden zwei Wochen verließen 50.000 Arbeiter:innen Hongkong in Richtung Kanton. Als Reaktion darauf rief die Regierung von Hongkong den Ausnahmezustand aus und sicherte sich die Befugnis, die Kontrolle über lebenswichtige Dienste zu übernehmen.

Am 23. Juni marschierten in Kanton rund 60.000 Menschen bei einer massiven, streikfreundlichen Demonstration auf die britische Konzession auf der Insel Shamian zu. Als sie das gegenüberliegende Ufer erreichten, eröffneten britische und französische Soldaten das Feuer mit Maschinengewehren, töteten 52 Menschen und verletzten 170.

Es wurde ein Generalstreik und ein Boykott aller britischen, französischen und japanischen Waren und Firmen ausgerufen, und Tausende weitere Arbeiter:innen verließen Hongkong. Am 1. Juli schlossen sich 5.000 Mitglieder der Mechanikergewerkschaft dem Streik an. Bis zum 9. Juli hatten schätzungsweise 100.000 Menschen Hongkong verlassen.

Die Organisation einer solchen Zahl von Streikenden und ihren Familien konnte natürlich nicht lokalen Initiativen überlassen werden, und am 6. Juli berief die All China General Union unter Führung der KPCh eine Versammlung aller Streikenden ein, um einen Delegiertenrat mit 800 Mitgliedern zu wählen. Dieser traf sich während des gesamten Streiks jeden zweiten Tag. Aus ihm wurde ein Streikkomitee mit 13 Mitgliedern gewählt, die alle Delegierte und abwählbar waren. Es war in drei Abteilungen gegliedert: Exekutive, Streikpostenorganisation und, besonders wichtig, eine Abteilung für Gesetzgebung und Justiz.

Das Hauptquartier für das Streikkomitee stellte die Kantonregierung zur Verfügung, die auch die rechtliche Autorität des Streikkomitees und seiner Streikposten anerkannte, das Gesetz durchzusetzen und Gerichte einzurichten, um diejenigen zu verurteilen, die gegen die Streikvorschriften verstießen. Die einzige Einschränkung seiner Befugnisse bestand darin, dass es die Todesstrafe nicht vollstrecken durfte.

Der Delegiertenrat übernahm die Verantwortung für die Organisation der medizinischen Versorgung, der Freizeitangebote, der Schulen für die Familien der Streikposten sowie der Brigaden zur Organisation der Lebensmittelversorgung und der Jugendaktivitäten. Außerdem betrieben sie eine Arbeiter:innenhochschule für Kader und acht Schulen für Streikende. Insgesamt wurden 2.200 paramilitärische Streikposten in fünf Brigaden organisiert, die bewaffnet und befugt waren, die Vorschriften zu vollstrecken, um jeglichen Schmuggel und Streikbruch zu unterbinden. Die Regierung stellte ihnen zudem 12 Kanonenboote sowie Motorboote zur Verfügung, mit denen sie die Küstenblockade von Hongkong durchsetzen konnten.

Von Kanton aus organisierten die Streikenden eine Blockade von Hongkong und den New Territories (größte der 3 Regionen Hongkongs), wodurch jegliche Lebensmittelversorgung sowie das Anlegen von Schiffen unterbunden wurden. Auf der Insel selbst gingen die Lebensmittelvorräte zur Neige, und Zivilist:innen, hauptsächlich europäische Auswander:innen, wurden mobilisiert, um lebenswichtige Dienste zu übernehmen, doch dies verlief chaotisch und war wenig produktiv. Die Regierung richtete ein „Amt für Arbeitsschutz“ ein, das Streikbrecher:innen zum vierfachen des normalen Lohns plus drei Mahlzeiten am Tag anwarb. Bis Ende Juli hatte sich die Lage in Hongkong und Kowloon (Teil der Sonderverwaltungszone Region Hongkong) stabilisiert, doch der Streik war nun fest verankert.

Der Fokus verlagerte sich auf den Boykott der Kolonie. Zunächst wurden alle ausländischen Waren und Schiffe blockiert. Streikposten mobilisierten sich entlang der Küste von Guangdong (Provinz Kanton), durchsuchten Schiffe und ließen Waren erst weiterfahren, nachdem eine Zahlung an den Streikfonds geleistet worden war. Obwohl dies sehr effektiv war, erzürnte es unweigerlich Teile der kantonesischen Bourgeoisie, die den Streik zunächst unterstützt hatten; die Blockade von Hongkong war nämlich sehr gut für ihre Geschäfte! Als Reaktion darauf wurde vereinbart, nur die britische Schifffahrt zu blockieren. Die Erklärung des Freihandels für andere Länder erklärt vielleicht Japans Spende von 8.000 Pfund an den Streikfonds.

Am 12. August veröffentlichte das Streikkomitee seine Küstenvorschriften, in denen alle Waren aufgeführt waren, die blockiert werden sollten, und Streikposten organisiert wurden, um die Blockade durchzusetzen. Das Ergebnis war ein dramatischer Rückgang der Zahl der Schiffe, die in Hongkong anlegen konnten. Im Jahr 1924 hatten im gleichen Zeitraum etwa 240 Schiffe angelegt, 1925 waren es nur noch 27, und die Tonnage sank von 2.000.000 Tonnen auf 270.000.

Dies gab dem Handel anderer Länder und den chinesischen Unternehmen einen enormen Schub. Bis Ende August beliefen sich die Verluste für den Handel in Hongkong auf schätzungsweise 15.000.000 Pfund. Gleichzeitig stieg der Handel in Kanton und Shanghai, was als Vorteil der Allianz zwischen der KPCh und der KMT begrüßt wurde. Auch die Auswirkungen auf die Binnenwirtschaft Hongkongs waren beträchtlich: Bis Ende 1925 gab es 3.000 Insolvenzen.

Organisation

Die Unterstützung für den Streik war enorm. Alle bei der Regierung Kantons registrierten Streikenden erhielten Kost und Logis. Auch die in Kanton ansässigen Gewerkschaften unterstützten ihre Mitglieder und stellten ihnen Unterkünfte zur Verfügung. Die Regierung schloss alle Spielhöllen, damit deren Räumlichkeiten als Schlafsäle genutzt werden konnten. Obwohl viele Streikende aus Hongkong in ihre Heimatdörfer in Guangdong zurückkehrten, blieben etwa 270.000 Menschen, einschließlich ihrer Angehörigen, in Kanton-Stadt. Insgesamt flossen 4,9 Millionen Dollar in den Streik, davon stammte etwa die Hälfte von der Kantonregierung, 1,5 Millionen Dollar aus dem übrigen China, 400.000 Dollar aus dem Verkauf beschlagnahmter Waren und 200.000 Dollar aus Geldstrafen, die gegen Streikbrecher:innen verhängt wurden.

Es ist klar, dass die Befugnisse des Delegiertenrats weit über die eines gewöhnlichen Streikkomitees hinausgingen. Er wurde gemeinhin als „Regierung Nr. 2“ bezeichnet, und seine Entscheidungen waren für alle Streikenden verbindlich. Einer der Anführer:innen des Streikkomitees, Teng Tschung-hsia (Deng Zhongxia), verglich ihn öffentlich mit den Sowjets von 1917, obwohl er einräumte, dass das Ziel die demokratische Wiedervereinigung Chinas sei, nicht der Sturz des Kapitalismus. Die Akzeptanz dieses Ziels war auch die Grundlage für die Unterstützung der und durch die KMT.

Nach dem Tod von Sun Yat-sen im August 1925 begannen sich jedoch Spaltungen innerhalb der KMT abzuzeichnen. Die dominierende Fraktion wurde von Liao Zhongkai und Wang Jingwei angeführt, die als linker Flügel der Partei galten. Der rechte Flügel, in der Führung vertreten durch Hu Hanmin, hatte sich stets gegen die Beziehungen zur Kommunistischen Partei gewehrt und war nun alarmiert über das Ausmaß der Gewerkschaftsbildung und der Organisation der Arbeiter:innenklasse. Zu Beginn hatten alle den Streik wegen der offensichtlichen Vorteile für das chinesische Kapital unterstützt, doch die längerfristigen Auswirkungen wurden immer deutlicher.

Am 25. August wurde Liao ermordet, was das Ausmaß der sich abzeichnenden Spaltungen offenlegte. Obwohl dies die Linke alarmierte und Hu Hanmin dazu veranlasste, Kanton zu verlassen, organisierte sich die Rechte weiter. Am 25. November versuchte der Militärchef der KMT, eine Entwaffnung der Streikposten durchzusetzen. Er hatte keinen Erfolg, doch der Konflikt wurde gelöst, indem die Streikposten in die Armee integriert und der militärischen Disziplin unterstellt wurden, anstatt der des Streikkomitees.

Die Spannungen innerhalb der Regierung führten im Januar 1926 zur Einberufung eines außerordentlichen Kongresses der KMT. Das Ergebnis wurde von der Linken, einschließlich der KPCh, als Erfolg begrüßt. Tschiang Kai-schek, der aufgrund seiner Ausbildung und der Unterstützung aus Moskau als Linker galt, wurde in das Zentralkomitee gewählt, und KPCh-Mitglieder erhielten das Mandat als Leiter:innen des Zentralhauptquartiers, der Organisationsabteilung und der Bäuer:innenabteilung. Zudem waren KPCh-Mitglieder die Sekretär:innen der Abteilungen für Propaganda, Frauen, Jugend und Arbeiter:innen.

In den folgenden zwei Monaten führte Tschiang Kai-schek erfolgreich Militärexpeditionen durch, um den Süden und Westen der Provinz Guangdong unter die Kontrolle von Kanton-Stadt zu bringen, was seinen Ruf sowie die Bedeutung und die Einnahmen der Regierung von Kanton innerhalb Chinas stärkte.

In der Nacht des 20. März jedoch beschlagnahmte Tschiang unter dem Vorwand, er habe einen kommunistischen Plan zur Machtübernahme aufgedeckt, ein Kanonenboot, besetzte das Hauptquartier des Streikkomitees, verhaftete fünfzig Mitglieder der KPCh und erzwang die Entwaffnung der Streikpostenbrigaden. Weder die KPCh noch das Streikkomitee waren darauf vorbereitet, aber auch die Regierung von Kanton nicht. Wang Jingwei erklärte sich bereit, als Parteivorsitzender und Regierungschef zurückzutreten und die Macht an Tschiang abzugeben, der daraufhin neue Vorschriften erließ:

  • die Befugnisse des Streikkomitees einzuschränken;
  • von der KPCh zu verlangen, die Namen aller Mitglieder in der KMT anzugeben;
  • die Anzahl der KPCh-Mitglieder in jedem Ausschuss auf ein Drittel zu begrenzen;
  • den Streikpostenbrigaden ihre rechtlichen Befugnisse zu entziehen;
  • jede Kritik an Sun Yat-sens „Drei Volksprinzipien“ zu verbieten;
  • und die Einrichtung eines Schlichtungsausschusses, der das Streikkomitee bei den Verhandlungen mit der Regierung von Hongkong ersetzen sollte.

Die beiden ranghöchsten Führer der KPCh zu dieser Zeit, Chen Duxiu und Peng Shuzhi, befanden sich in Shanghai, doch als sie von Tschiangs Putsch erfuhren, schlugen sie vor, dass die KPCh die KMT verlassen, aber eine Einheitsfront mit deren linkem Flügel bilden solle. Eine Sitzung des Zentralkomitees entschied jedoch, dass hierfür die Zustimmung Moskaus eingeholt werden müsse.
Ohne dass irgendjemand in der KPCh davon wusste, hatte die Lage in China die Spaltung innerhalb der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) vertieft – im Wesentlichen zwischen Trotzki, der ebenfalls einen Bruch mit der KMT forderte, und Stalin, der darauf bestand, die Einheit mit der KMT im Interesse der geplanten Nordexpedition zur Vereinigung des restlichen Landes aufrechtzuerhalten.

Stalins Position war auf dem 14. Parteitag im Januar erheblich gestärkt worden und seine Linie wurde angenommen. Trotz ihrer Bedenken war die KPCh daher gezwungen, Tschiangs Erklärung zu akzeptieren, dass die Ereignisse vom 20. März lediglich ein „Missverständnis“ gewesen seien. Dennoch blieben Tschiangs neue Vorschriften in Kraft, was eine völlige Verschiebung des Kräfteverhältnisses sowohl in Kanton allgemein als auch im Streik im Besonderen zur Folge hatte.

Die Folgen für den Streik zeigten sich bald. Im April fanden Treffen zwischen der Regierung von Hongkong und Kanton statt, bei denen das Streikkomitee ausgeschlossen war, und im Juli begannen formelle Verhandlungen zur Beendigung des Streiks. Die KMT-Delegation ließ sofort alle zentralen Forderungen der Streikenden fallen – Streikgeld, Wiedereinstellung und keine Schikanen – und schlug stattdessen ein Darlehen von 10 Millionen Dollar vom Vereinigten Königreich an Kanton vor, als Gegenleistung für die Beendigung des Boykotts. Britannien erkannte die Tragweite von Kantons Sinneswandel und lehnte jeden Vorschlag für ein Darlehen ab, woraufhin die Verhandlungen scheiterten.

Am 3. September räumte eine Landungstruppe der Royal Navy die Streikposten gewaltsam von den Kantonkais. Nach wochenlanger demoralisierender Ungewissheit blies die KMT-Regierung den Streik am 10. Oktober offiziell ab. Gemäß den Anweisungen aus Moskau verteidigte die KPCh dies als notwendig, um alle Ressourcen auf den Nordfeldzug zu konzentrieren, den Tschiang am 26. Juli gestartet hatte.

Der Generalstreik brach also nicht nur ab, sondern er endete in einer Niederlage, da keine der Forderungen der Streikenden erfüllt wurde. Einige „lokale“ Streiks dauerten zwar noch an, oft mehrere Monate lang, aber die Unternehmer:innen in Hongkong gingen sehr schnell gegen bekannte Militante und Streikaktivist:innen vor.

Das ist jedoch nicht das ganze Bild. In ganz China, vor allem aber südlich des Jangtse(kiang)-Flusses, gab der Streik sowohl der Arbeiter:innen- als auch der Bäuer:innenbewegung einen enormen Schub. Gruppen, die zur Organisation der Solidarität gegründet wurden, entwickelten sich schnell zum Kern von Gewerkschaften und Bäuerinnen:verbänden.

Die politische Wirkung lässt sich am Wachstum der KPCh ablesen, die Ende 1924 1.000 Mitglieder hatte (und in Hongkong nur 10!), Ende 1926 aber bereits rund 30.000. Da die meisten nicht wussten, wie der Streik endete, begrüßten Millionen Menschen begeistert die Aussicht, dass die Regierung Kantons, die sich am 1. Juli zur Regierung ganz Chinas erklärt hatte, diesen Anspruch nun in die Tat umsetzen würde.

Die öffentliche Haltung der KPCh, die Moskaus Anweisungen folgte, stärkte zweifellos das Ansehen sowohl der KMT-Regierung als auch von Tschiang selbst. Die Beibehaltung der Strategie der Unterordnung unter Tschiang und die Weigerung, den Putsch vom 20. März als das anzuerkennen, was er war, ließ die gesamte Arbeiter:innenbewegung unvorbereitet auf seinen späteren Verrat zurück. Als die Arbeiter:innen von Shanghai im April 1927 die Kontrolle über ihre Stadt übernahmen, wandte sich Tschiang gegen sie, genau wie zuvor in Kanton, und ebnete damit den Weg für den Weißen Terror, der rund 300.000 Tote forderte und die KPCh für die nächsten zwanzig Jahre aus den Städten vertrieb.

Erklärung – die KMT und die KPCh

Die Nationalistische Partei, auf Chinesisch Kuomintang, abgekürzt KMT, war ursprünglich eine Unterstützerorganisation für Sun Yat-sen, der in den Wirtschaftskreisen der Provinz Guangdong breite Unterstützung genoss und in der Provinzhauptstadt Kanton eine Regierung bilden konnte. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) wurde 1921 unter der Führung von Chen Duxiu und Li Dazhao gegründet, die beide stark vom Vorbild der Russischen Revolution beeinflusst waren. Unter dem Einfluss von Vertreter:innen der Kommunistischen Internationale (Komintern) stimmten Chen und Li 1923 widerwillig zu, dass die KPCh der KMT beitreten sollte, und ihre Mitglieder trugen maßgeblich dazu bei, diese bei einer Gründungskonferenz im Januar 1924 in eine moderne politische Partei umzuwandeln, wobei mehrere KP-Mitglieder Führungspositionen einnahmen. Organisatorisch brachte dies für beide Parteien sehr schnelle Ergebnisse, wobei KP-Mitglieder eine führende Rolle beim Aufbau lokaler Ortsverbände und Gemeindegruppen, bei der Veröffentlichung von Flugblättern und Zeitungen sowie bei der Organisation von Massenversammlungen und Demonstrationen übernahmen. Politisch führte dies jedoch dazu, dass der Unterschied zwischen kommunistischer und nationalistischer Politik heruntergespielt wurde, was sich als katastrophal erweisen sollte, da sowohl der antiimperialistische Kampf als auch der Klassenkampf in der Zweiten Revolution von 1925-27 ihren Höhepunkt erreichten, was zur blutigen Niederlage der Arbeiter:innen- und Bäuer:innenorganisationen und zum Sieg von Tschiang Kai-schek führte.

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