Fundstück LXXIII

Denn was weiß man, wo eine Beteiligung beinah immer nur eine (Fern-)Sehbeteiligung ist? Was weiß man, wo man vor lauter Vernetzung und Online nur Wissensbesitz hat, ohne jenes tatsächliche Wissen, welches allein durch Lernen, Schauen und Lernen, entstehen kann? Was weiß der, der statt der Sache einzig deren Bild zu Gesicht bekommt, oder, wie in den Fernsehnachrichten, ein Kürzel von einem Bild, oder wie in der Netzwelt, ein Kürzel von einem Kürzel?“

Peter Handke

Fundstück LXVII

Theorien über die Wirtschaft sind bekanntlich die verhurtesten Lehren, die es gibt. In keiner anderen Wissenschaft spielen so viele materielle Interessen in Gutachten, Konzepte und schließlich Gesetze hinein, sind die Vorurteile derart ideologisch, ja glaubens-fundamentalistisch aufgeladen wie in der Ökonomie. Die Existenz von Interessen wird dabei gemeinhin heftiger bestritten als die des Heiligen Geistes.

Daniela Dahn

Fundstück LXV

Für den Laien und manchmal auch für den Experten unterscheiden sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse kaum von Glaubenssätzen. Man glaubt Dinge ohne Analyse und häufig ohne Beweise – das heißt, wir machen uns nicht die Mühe, die Dinge selbst zu überprüfen, sondern glauben, was unsere Hohepriester der Wissenschaft und für wahr verkaufen. Und obwohl die Hohepriester manchmal auch nicht mehr als wir wissen, liefern uns ihre leidenschaftlich vorgetragenen Belehrungen die Schablonen, durch die wir die Welt betrachten. Wenn sie sich irren, irren auch wir.

Stephen L. Carter