Unsere neue Broschüre Der Ukrainekrieg – Vorspiel eines neuen Weltkriegs ist ab sofort bestellbar.

Beiträge zu Marxismus und Gesellschaft
Unsere neue Broschüre Der Ukrainekrieg – Vorspiel eines neuen Weltkriegs ist ab sofort bestellbar.

Vorbemerkung: Dieser Text führt die Reihe von Beiträgen zur Frage, wie die Politik von Revolutionären im Betrieb und in der Gewerkschaft aussehen könnte, weiter.
Redaktion Aufruhrgebiet
Hanns Graaf
Karl Marx empfahl statt der Losung „Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk“ die Forderung „Nieder mit dem Lohnsystem!“. Marx und Engels wandten sich stets gegen Auffassungen, die den gewerkschaftlichen Kampf für überflüssig hielten. Sie sahen als Hauptergebnis des gewerkschaftlichen und des Klassenkampfes auf ökonomischem Gebiet nicht diese oder jene Verbesserung an oder die Verhinderung von Verschlechterungen; der Haupteffekt war für sie die „immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter“ (Marx) und ihr wachsendes Klassenbewusstsein.
Marx schrieb in „Lohn, Preis, Profit“: „Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.”
Diese Marx-Äußerung benennt keine Taktik, sondern steht allenfalls für den Wunsch, dass auch die Gewerkschaften revolutionär eingestellt sein sollten. Trotzdem wird das Zitat von vielen Marxisten als Begründung für ihre eigene Politik benutzt. Das zeigt aber nur deren Dogmatismus. Warum? Sicher ist es richtig zu versuchen, die Gewerkschaften als Instrumente der Revolution zu nutzen. Nur liegt zwischen Absicht und Möglichkeit oft ein Abgrund. Das Problem dabei ist, dass sie fast nie revolutionär sind – zumindest nicht vor der Revolution. Marx meint, sie „verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen (…) statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als Hebel zur (…) endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.” Das stimmt so nicht! Auch ein Kleinkrieg ist ein Kampf – auch wenn er allein nicht zum Sieg führt. Marx und Engels selbst sagen an anderen Stellen, dass Gewerkschaften – auch die reformistischen – Schulen des Klassenkampfes sind. In einer Schule kann man viel lernen, auch viel Falsches. Doch niemand wird wohl behaupten, dass das Schulschwänzen eine bildungspolitische Alternative wäre. Notwendig ist vielmehr, die Lehrer, die Falsches unterrichten, zu kritisieren.
„Marxismus und Gewerkschaften“ weiterlesenHanns Graaf
In vielen Diskussionen wird auf die Hufeisentheorie Bezug genommen. ChatGPT erklärt sie wie folgt: „Die Hufeisentheorie in der Sozialwissenschaft (…) besagt, dass sich extreme politische Positionen, obwohl sie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, in bestimmten Aspekten ähneln können. Die Theorie vergleicht die politische Landschaft mit einem Hufeisen: Während die Mitte eher in der Mitte des Hufeisens liegt, befinden sich die extremen Positionen an den Enden, die sich jedoch in ihrer Radikalität und manchmal auch in ihren Methoden ähneln können. Das bedeutet, dass extreme politische Gruppen, egal ob links oder rechts, manchmal ähnliche Verhaltensweisen zeigen, wie etwa Intoleranz oder autoritäre Tendenzen. Die Hufeisentheorie wird oft genutzt, um zu erklären, warum sich extremistische Bewegungen trotz ihrer Gegensätze in bestimmten Aspekten ähneln können.“
Im Zusammenhang mit der Hufeisentheorie wird lt. ChatGPT auch oft die Ansicht vertreten, „dass die Kategorien „links“ und „rechts“ nicht mehr vollständig zeitgemäß sind (…) einige (…) argumentieren, dass diese klassischen Einteilungen oft zu vereinfacht sind und die komplexen politischen Positionen heute nicht mehr ausreichend abbilden. Zum Beispiel wird kritisiert, dass die Begriffe oft nur noch auf wirtschaftliche oder soziale Fragen reduziert werden, während moderne politische Bewegungen vielfältige Themen wie Umwelt, Digitalisierung, Identitätspolitik oder globale Gerechtigkeit umfassen. Außerdem könne die Einteilung in „links“ und „rechts“ manchmal dazu führen, dass wichtige Unterschiede innerhalb der Gruppen übersehen werden, oder dass politische Positionen in der heutigen Zeit schwer eindeutig zuzuordnen sind.“
Auch in der Linken und in der (reformistischen) Arbeiterbewegung haben diese Theorien Einzug gehalten. So weigert sich z.B. das BSW, sich als „links“ zu bezeichnen, obwohl die meisten seiner Positionen zwar nicht antikapitalistisch, aber durchaus Kapitalismus-kritisch sind (was beim BSW freilich in der Praxis, für den Klassenkampf, nicht viel bedeutet).
„Der Pferdefuß der Hufeisentheorie“ weiterlesenHanns Graaf
Der Krieg ist nicht einfach Ergebnis „falscher Politik“, sondern Folge ökonomischer Interessen und Zwänge. Es geht darum, den riesigen Kapitalen immer größere Rohstoff- und Ausbeutungsquellen, Absatz- und Investitionsmöglichkeiten zu sichern. Der globale Charakter der imperialistischen Kapitale verstärkt die Tendenz zur Ausweitung und Zuspitzung von Konflikten.
„Thesen zum Ukrainekrieg“ weiterlesenVorbemerkung: Dieser Text führt die Reihe von Beiträgen zur Frage, wie die Politik von Revolutionären im Betrieb und in der Gewerkschaft aussehen könnte, weiter. Teil 1 erschien hier.
Redaktion Aufruhrgebiet
Hanns Graaf
Betriebe sind immer noch die Orte, wo das Gros der Wertschöpfung stattfindet und das Industrieproletariat konzentriert ist. Allerdings haben sich in den vergangenen Jahrzehnten dort große Veränderungen vollzogen. Mit der Agenda-Politik ab den 2000ern vergrößerte sich in Deutschland die Schicht prekärer Beschäftigung deutlich, tarifgebundene Beschäftigungsverhältnisse gingen zurück. Der Anteil von migrantischen Beschäftigten, der schon mit der „Gastarbeiterwelle“ deutlich zugenommen hatte, stieg mit der Massenmigration ab 2015 noch einmal an. Auch der Anteil von Frauen an der Erwerbsarbeit ist heute höher als früher. Das Bildungsniveau der Arbeiterklasse nahm nach 1945 stark zu: waren in den 1950ern noch 2/3 der Beschäftigten un- oder angelernt, sank deren Anteil bis 2000 auf ca. 15%. Die Zahl der in der Industrie Arbeitenden sank relativ und absolut, während die Beschäftigtenzahl im sog. Dienstleistungssektor (der aber oft auch „industriell“ ist: Verkehr, Logistik, Reparatur usw.) anstieg. Die Zahl von Großbetrieben mit über 1.000 Beschäftigten nahm ab: 1976 gab es 1066 solcher Betriebe, 2008 nur noch 642.
Neben der Arbeiterklasse hat sich eine Millionen starke lohnabhängige Mittelschicht etabliert, die über keine Produktionsmittel verfügt und Lohn erhält, aber – anders als der „normale“ Lohnabhängige – eine Funktion im Herrschafts- und Organisationsapparat erfüllt. In imperialistischen Ländern besteht ein erheblicher Teil der Arbeiterklasse aus der gegenüber dem Rest der Klasse besser gestellten Arbeiteraristokratie. Diese stellt das Gros der Gewerkschaftsmitglieder und der Betriebsräte (BR). Sie sind einerseits ideell wie organisatorisch oft vom Reformismus dominiert, andererseits besser organisiert als andere Teile der Lohnabhängigen und objektiv besonders kampfstark.
„Kommunistische Betriebsarbeit“ weiterlesenHannah Behrendt
Es ist eigentlich verwunderlich, dass im „aufgeklärten“ 21. Jahrhundert eine stark religiös geprägte politische Bewegung wie der Islamismus von Bedeutung sein kann. Warum das so ist, wollen wir hier beleuchten.
Unter dem Begriff „Islamismus“ werden verschiedene Milieus und Akteure subsumiert: radikale Gläubige, die eine Umgestaltung der (westlichen) Gesellschaft zu einem islamischen Gottesstaat wollen, islamische Attentäter, die mit Gewalt gegen „Ungläubige“ vorgehen, über Gruppierungen wie Al Quaida oder den IS, die mittels Terror und militärischer Gewalt ihre Ziele durchsetzen wollen, bis zur Hamas, die ein Teil des völlig berechtigten Befreiungskampfes der Palästinenser ist, jedoch völlig untaugliche Mittel anwendet und eine reaktionäre Gesellschaftsvorstellung hat.
Bei Wikipedia heißt es: „Islamismus ist eine politische Ideologie, die auf einer bestimmten Interpretation des Islam basiert und darauf abzielt, Staat und Gesellschaft nach islamischen Prinzipien zu gestalten. Es ist wichtig, den Islamismus von der Religion des Islam zu unterscheiden, da nicht alle Muslime Islamisten sind. Islamisten glauben, dass der Islam nicht nur eine Religion, sondern auch eine umfassende Lebensordnung ist, die alle Bereiche des Lebens bestimmen soll. Islamismus ist eine politische Ideologie, die den Islam als Grundlage für die Gestaltung von Staat und Gesellschaft sieht.“
Der islamkritische Autor Hamed Abdel-Samad unterscheidet drei Formen von Islamismus: 1. den „archaischen Konservatismus“, der nicht-gewalttätig ist und sich eher gegen die eigene Gruppe richtet; 2. den „Eskapismus“ (Jugendliche, die nicht integriert sind) und 3. den „religiösen Avantgardismus“ als Vorhut einer politisch-religiösen Revolution, der oft gewalttätig ist.
„Elemente und Wurzeln des Islamismus“ weiterlesenDagmar Henn
Vorbemerkung: Wir übernehmen diesen Beitrag von rtnewsde.com. Redaktion Aufruhrgebiet.
Zehn Jahre ist sie jetzt her, diese Kreuzung aus „Macht hoch die Tür“ und „Ihr Kinderlein kommet“ der märkischen Pfarrerstochter. Und allüberall wird Bilanz gezogen. Aber meist wird bei dieser Bilanz ordentlich Kosmetik betrieben.
Klar, man hätte die Uhr danach stellen können. Zehn Jahre nach Ex-Kanzlerin Merkels berühmtem Zitat „Wir schaffen das“ wird jetzt in den Medien auch brav geliefert. Wie bei der Tagesschau, in der geradezu gejubelt wird: „Die meisten Geflüchteten von 2015 haben einen Job“, und dann kommt einer der üblichen Taschenspielertricks.
Den liefert sogar das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) mit der Aussage, die Beschäftigungsquoten hätten sich „weitgehend dem Niveau des Bevölkerungsdurchschnitts in Deutschland angenähert“, weil 64% der 2015 Eingetroffenen inzwischen einer abhängigen Beschäftigung nachgingen: 76% der Männer, aber nur 35% der Frauen. Dass der Schnitt dann 64% ist, ergibt sich daraus, dass 60% der Ankömmlinge Männer waren.
„Wenn Merkels „wir haben das geschafft“ so aussieht, will man gar nicht erst wissen…“ weiterlesenHanns Graaf
Dieser Beitrag widmet sich der Revolutionstheorie. Er vergleicht die Position von Marx zur Revolution von 1848 mit der Volksfrontpolitik Stalins ab den 1930er Jahren.
Die Revolution von 1848 war eine bürgerlich-demokratische Revolution, in der das damals noch tw. revolutionär eingestellte Bürgertum die Führung inne hatte. Die kämpfende Basis aber stellte schon damals das Proletariat. Mitte des 19. Jahrhunderts war es aber nach Zahl und Organisation oft noch nicht in der Lage, die Führung der Bewegung zu übernehmen und als eigenständige Kraft zu agieren.
Marx war das – trotz seines grundlegenden revolutionären Optimismus – durchaus bewusst. Der „Bund der Kommunisten“ war nur eine sehr kleine Kaderorganisation, die wenig Einfluss hatte. Marx´ Agieren 1848 hatte v.a. zwei Ziele: 1. sollte das Programm der proletarischen Revolution entgegen den Vorstellungen einer nur bürgerlichen in der Vorhut des Proletariats verbreitet werden. 2. sollte die Arbeiterklasse dazu angeregt werden, sich eigenständig zu organisieren und möglichst viele eigene Positionen zu erringen, um die Revolution bei nächster Gelegenheit unter eigener Regie und mit eigenen Zielen weiterzuführen. Nie hat Marx dafür plädiert, dass die Arbeiter sich den Bürgerlichen unterordnen, auf ihre Ziele verzichten oder gar in eine bürgerliche Regierung eintreten sollen.
„Revolutionäre Politik oder Volksfront?“ weiterlesenRedaktion Aufruhrgebiet
Am 11.6.25 veröffentlichten wir ein Flugblatt zum Völkermord Israel in Gaza
Dieses beginnt mit folgender Passage:
„Beim Angriff der Hamas vom 7.10.23 wurden über 1.000 Menschen getötet und ca. 200 als Geiseln verschleppt. Er traf militärische, aber v.a. zivile Ziele. Daher ist er reaktionär und Menschen verachtend, er dient nicht dem gerechten Kampf der Palästinenser, sondern schadet ihm.“
Die Bewertung der Aktion der Hamas als „reaktionär und Menschen verachtend“ wurde von einigen Lesern kritisiert. U.a. wurde dabei angeführt, dass wir damit den berechtigten Widerstand der Hamas bzw. der Palästinenser insgesamt diskreditieren und in Zweifel ziehen würden.
Wir nehmen sachliche Kritik ernst und wollen deshalb hier darauf eingehen.
„Antwort auf Kritik“ weiterlesenVorwort: Dieser Text wird als Flyer auf Palästina-Veranstaltungen verteilt. Redaktion Aufruhrgebiet
Beim Angriff der Hamas vom 7.10.23 wurden über 1.000 Menschen getötet und ca. 200 als Geiseln verschleppt. Er traf militärische, aber v.a. zivile Ziele. Daher ist er reaktionär und Menschen verachtend, er dient nicht dem gerechten Kampf der Palästinenser, sondern schadet ihm. Doch die Attacke der Hamas war nur der Anlass, nicht die Ursache für den Terrorkrieg Israels, der schon über 50.000 Tote und ca. 100.000 Verletzte gefordert und Gaza weitgehend zerstört hat. Worum es Israel geht und immer ging, sprach der israelische Politiker Moshe Feiglin gegenüber Al Jazeera schon am 26.10.23 offen aus: „Es gibt nur eine Lösung: Gaza vollständig zerstören, bevor man dort einmarschiert. Und wenn ich von Zerstörung spreche, meine ich Zerstörung wie in Dresden und Hiroshima, ohne Atomwaffe.“
Israels Krieg gegen Gaza ist nur eine neue Gräueltat in einer blutigen Reihe von Attacken gegen die Palästinenser, um sie zu vertreiben und zu unterdrücken.
Die Unterstützung Israels ist ein zentrales Element der deutschen Außenpolitik, die damit begründet wird, dass „die Deutschen“ eine historische Schuld gegenüber den Juden abzutragen hätten. Tatsächlich wird damit nur verschleiert, dass so die Existenz Israels als eines Brückenkopfes des westlichen Imperialismus in der Region gesichert werden soll. Es geht um die Kontrolle von Ressourcen, es geht um imperiale Interessen, nicht um „Werte“. Die mantraartige Betonung der historischen Schuld „der Deutschen“ – nicht etwa der deutschen Bourgeoisie und ihrer faschistischen Bluthunde – gegenüber den Juden lenkt davon ab, dass Israel und seine westlichen Unterstützer die Hauptverantwortung dafür tragen, dass der Nahe Osten seit Jahrzehnten im Chaos versinkt. Schon durch die Waffenlieferungen ist die deutsche Politik am Völkermord Israels mitschuldig. Zudem wird jede Kritik an Israel als „antisemitisch“ verunglimpft und kriminalisiert.
Israel ist kein Ausdruck der Interessen „der Juden“, sondern ein Projekt des Zionismus. Dieser setzte von Beginn an auf den Imperialismus – im Gegensatz etwa zum jüdischen „Bund“, der sich als Teil der Sozialdemokratie auf die Arbeiterbewegung und den Sozialismus bezog. Der Zionismus hält die Juden nicht nur für ein „auserwähltes Volk“, sondern sah die für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina zu vertreibenden Araber als „kulturell minderwertig“ an. Der Zionismus ist daher reaktionär und rassistisch.Der Staat Israel wäre eine Utopie geblieben, wenn er nicht in die Pläne des Imperialismus gepasst hätte. Nach dem Ersten Weltkrieg sicherten sich der britische und der französische Imperialismus mit dem Sykes-Picot-Abkommen (1916) die Vorherrschaft in der Region. Einer der Verbündeten des Imperialismus sollten dabei die jüdischen Siedler sein. In der Balfour-Deklaration von 1917 erklärte Großbritannien, dass es den Aufbau einer „nationalen Heimstatt“ für die Juden unterstützen wolle.
Das Land der Palästinenser wurde den arabischen Großgrundbesitzern oft abgekauft. Die arabischen Pachtbauern wurden dabei vom Land, das ihre Vorfahren Jahrhunderte lang bearbeitet hatten, verjagt. Wenn heute pro-israelische „Linke“ die Landkäufe verteidigen, dann stellen sie das bürgerliche „Recht“ über die realen Lebensinteressen der Bauern. Die Landnahmen und die damit verbundenen Vertreibungen markierten den Beginn des Konfliktes zwischen Palästinensern und den (zugewanderten) Juden. Noch 1939 gehörten nur 5% des Bodens Juden.
1920 wurde die zionistische „Gewerkschaft“ Histadruth (Allgemeine Föderation jüdischer Arbeiter) gegründet. Ihr erster Generalsekretär und Gründer Israels war David Ben Gurion. In der Zwischenkriegszeit war sie der israelische Staat in Keimform. Sie organisierte den Ausschluss arabischer Arbeitskräfte und den Boykott arabischer Produkte. Bis 1936 unterstützte London dieses Vorgehen. Den Palästinensern wurde die Anerkennung als Nation verweigert, sie wurden als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt.
Die jüdischen Arbeiter stellten von Anfang an eine Arbeiteraristokratie dar. Der Durchschnittslohn bei ungelernten Arbeitern war doppelt so hoch wie der arabischer Kollegen, bei Facharbeitern verdiente der jüdische Beschäftigte 70% mehr. Diese rassistische Spaltung der Arbeiterklasse ist noch heute ein Grundmerkmal Israels.
Keine der „linken“ zionistischen Parteien stellte sich gegen diese rassistische Politik – die Labour-Zionisten waren sogar die Hauptverfechter der Apartheid. Die Histadruth ist eine chauvinistische Arbeitsfront, welche die jüdischen Arbeiter an Staat und Kapitalisten bindet, während sie die Klassenorganisation der arabischen Proletarier verhindert. Sie war immer bemüht, vereinigte Gewerkschaften arabischer und jüdischer Arbeiter zu verhindern. Auch als die Histadruth 1934 eine „arabische Sektion“ zuließ, änderte das ihren reaktionären Charakter nicht.
Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 stieg die Arbeitslosigkeit arabischer und jüdischer Arbeiter. Seit der Machtergreifung Hitlers nahm die Einwanderung zu – und damit auch Landkäufe und Vertreibungen. Konflikte zwischen Juden und Arabern nahmen zu. Im Oktober 1936 streikten die arabischen Hafenarbeiter – und wurden durch jüdische Streikbrecher ersetzt. Daraufhin begannen die Palästinenser, Basiskomitees zu bilden – ein Generalstreik begann, der sechs Monate dauerte. Die Streikbewegung wurde zu einer umfassenden Rebellion gegen die Briten. Doch die arabische Bourgeoisie und die Großgrundbesitzer hintertrieben den Kampf, was die Niederschlagung des Aufstands erleichterte. Der britische Terror wurde auch von jüdischen Milizen unterstützt. Schon 1940 waren 10% der Palästinenser vertrieben oder ermordet. Bis heute geht die Errichtung von jüdischen Wehrsiedlungen in der Westbank weiter – und Trump schlägt vor, alle Palästinenser aus Gaza auszusiedeln.
1945 drängten die Zionisten die USA, die Einwanderung von 100.000 Holocaust-Überlebenden zu erlauben. Aber der britische Imperialismus versuchte, dies zu blockieren und eine Teilung Palästinas zwischen den Zionisten und Transjordanien auszuhandeln, was eine Militärpräsenz Londons gestattet hätte – doch man unterschätzte die neue Allianz aus dem Zionismus und den USA. London erlitt eine Niederlage. Im Mai 1948 zogen die Briten ab.
Nun übernahmen die USA die Rolle der Briten. Sie unterstützten die Gründung Israels – wie auch Moskau. Dieses Kräfteverhältnis war für die Palästinenser katastrophal: sie wurden durch den jüdischen Terror massenhaft vertrieben.
Die Vertreibung und Enteignung der Palästinenser war die Grundlage der Entstehung Israels. Sie war keine notwendige Folge des Holocausts, sondern Teil der Pläne des Imperialismus zur Kontrolle des Nahen Ostens. Das Trauma der Juden im Faschismus konnte nicht „überwunden“ werden, indem man die Palästinenser, die am Holocaust völlig unschuldig waren, unterdrückt und vertreibt. Ein Volk, das andere unterdrückt, sagte schon Marx, kann sich nicht selbst befreien.
1947 wurde der UNO-Teilungsplan für Palästina beschlossen. Er benachteiligte die Araber, weil die Juden, die 33% der Bevölkerung stellten, 54% des Gebietes erhalten sollten: eine Verzehnfachung des Gebietes der Juden. Doch das reichte den Zionisten nicht. Sie schürten Pogrome und führten die Vertreibung weiter. Auch der Krieg von 1948/49 diente der Ausdehnung Israels und der Verringerung der Präsenz der Araber darin. Damals rissen auch die arabischen Staaten, was sie nur erreichen konnten, an sich (Ägypten den Gaza-Streifen, Transjordanien, Ostjerusalem) – den Palästinensern blieb nichts mehr. Israel erhielt 73% des Gebietes, 750.000 Palästinenser wurden in Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten vertrieben. Die Mehrzahl von ihnen und ihre Nachfahren hausen noch heute dort. Die Vertreibung ging häufig mit offenem Terror einher. So wurden am 9.4.48 im Dorf Deir Yasin 250 Menschen getötet. Befehlshaber war der spätere israelische Premier und Friedensnobelpreisträger (!) Menachem Begin.
Israel ist ein Gendarm des Imperialismus in Nahost. Ohne diese Unterstützung, v.a. durch die USA, wäre es für Israel schwer oder unmöglich gewesen, sich zu behaupten und zu entwickeln, U.a. durch zinsgünstige Darlehen der USA wuchs Israels Wirtschaft bis 1973 daher sehr schnell. Die Einwanderung und die Finanzhilfen gestatteten eine erweiterte Akkumulation und eine industrielle Modernisierung.
Die Westbank und Gaza sind eine Quelle billiger Arbeitskräfte für Israel und ein Absatzmarkt für die israelische Landwirtschaft. Es erfolgt jedoch kein Kapitalexport in diese Gebiete, um dort eine soziale Entwicklung und Extraprofite zu generieren. Israel ist für den Imperialismus nicht profitabel, aber seine Existenz hilft, die Überausbeutung und Beherrschung der arabischer Halbkolonien in der Region zu sichern.
Inzwischen sind die israelischen Juden eine Nation geworden. Sie haben das Hebräisch als Staats- und Umgangssprache wiederbelebt. Eine nationale Kultur entstand. Ein wesentliches Element des Nationalbewusstseins der israelischen Juden ist ihre chauvinistische Haltung gegenüber den Arabern. Heute ist Israel ein hochentwickeltes, vom Zionismus indoktriniertes, hochgerüstetes und auf permanenten Krieg getrimmtes Land. Neben der rassistischen Unterdrückung und Vertreibung der Palästinenser (Siedlungspolitik) existiert aber auch in Israel selbst ein Klassenkonflikt, v.a. zwischen dem arabischen Proletariat und der jüdischen Bourgeoisie. Die zionistische Ideologie und die Siedlungspolitik haben sich aber bisher als erfolgreiches Mittel erwiesen, um die jüdischen Massen an die Herrschenden in Israel und an den westlichen Imperialismus zu binden.
Die These vom „Recht Israels auf Selbstverteidigung“ bedeutet Verteidigung des rassistischen Regimes, bedeutet Anerkennung der Vertreibung und Unterdrückung, bedeutet Verlängerung des permanenten Krieges. Ein Ende des Konflikts ist nur möglich, wenn dessen Ursachen beseitigt werden: die Unterdrückung und Vertreibung der Palästinenser. Dazu muss der aggressive, rassistische Staat Israel verschwinden und durch ein säkulares, multiethnisches Palästina, in dem Araber und Juden friedlich zusammenleben können, ersetzt werden – ein schwerer, aber der einzige Weg. Eine Zweistaatenlösung würde das rassistische Regime Israels nicht beenden und wirkliche Unabhängigkeit der Palästinenser und eine soziale Perspektive nicht sichern – genau wie „Friedenslösungen“ (z.B. die Oslo-Abkommen) unter der Regie des Imperialismus. Palästinenser und Juden haben nur eine Perspektive, wenn sie ihre Bourgeoisien, Großagrarier, Militärs, Bürokraten und religiöse Eiferer enteignen und entmachten und die Arbeiter und Bauern selbst die Macht mittels eines demokratischen Rätesystems ausüben. Dafür braucht es eine proletarisch-revolutionäre Kraft, welche den Kampf initiiert und führt – keine bornierten bürgerlich-nationalistischen und religiösen Kräfte wie die Hamas, die PLO oder die Hisbollah! Dafür braucht es unsere Solidarität! Dafür braucht es unser Engagement gegen den deutschen Imperialismus, der mitschuldig ist am Elend der Palästinenser!