Arbeiterstaat oder Staatskapitalismus? Zum Klassencharakter der Sowjetunion

Anmerkungen zu Trotzkis Analyse

Hanns Graaf

Der Klassencharakter der UdSSR wird bekanntlich von Autoren und Organisationen der Linken sehr unterschiedlich eingeschätzt. Die Positionen reichen von der Kennzeichnung der stalinschen Sowjetunion als „sozialistisch“ ĂĽber deren Charakterisierung als deformierter oder degenerierter Arbeiterstaat oder die Einordnung als „bĂĽrokratischer Kollektivismus“ bis dahin, die UdSSR als Staatskapitalismus anzusehen. Diese unerhörte Spannweite an Einschätzungen allein in der sich auf Marx beziehenden Linken (von anderen Richtungen wie dem Anarchismus oder den diversen bĂĽrgerlichen und sozialdemokratischen Einschätzungen ganz abgesehen) ist umso verwirrender, als selbst innerhalb dieser Richtungen groĂźe Unterschiede bestehen, so auch im Trotzkismus, wo sehr verschiedene Positionen vertreten werden. Dazu kommt noch, dass selbst bei gleichen Einschätzungen des Klassencharakters der UdSSR das methodische Herangehen oder der Zeitpunkt, ab dem diese Einschätzung zutreffen wĂĽrde, stark differieren. „Arbeiterstaat oder Staatskapitalismus? Zum Klassencharakter der Sowjetunion“ weiterlesen

Staatskapitalismus statt Sozialismus (Teil 2 von 2)

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Der Staat als EigentĂĽmer

Beim Staatseigentum das Eigentumsrecht nicht von Einzelpersonen wahrgenommen, sondern von einer Gruppe, der BĂĽrokratie. Doch auch im modernen „Privat“-Kapitalismus befinden sich die groĂźen Kapitale meist nicht in individueller Hand, sondern sind „Gruppeneigentum“ in Gestalt der Anteilseigner einer AG oder GmbH. Freilich sind die einzelnen Unternehmensanteile bzw. Aktien letztlich häufig privates Eigentum einer konkreten Person. Oft gibt es auch Formen „verschränkten“ Gruppeneigentums, z.B. wenn Fonds Aktienpakete halten. Der moderne Finanzmarkt zeigt geradezu einen Trend dazu, dass die einzelnen Eigentumsrechte oft nur schwer zu identifizieren sind. „Staatskapitalismus statt Sozialismus (Teil 2 von 2)“ weiterlesen

Staatskapitalismus statt Sozialismus (Teil 1 von 2)

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Schon Anfang und Mitte der 1920er Jahre begann in der internationalen Linken eine Diskussion ĂĽber den Klassencharakter der UdSSR. Mit dem Aufstieg Stalins und der Etablierung jener Strukturen, die wir heute „Stalinismus“ nennen, spitzte sich diese Diskussion noch zu. Die einen sahen die UdSSR als mehr oder weniger „sozialistisch“ an, andere, v.a. Trotzki, bezeichneten sie als „degenerierten Arbeiterstaat“, wieder andere, darunter z.B. RätekommunistInnen und AnarchistInnen, verstanden die UdSSR als Staatskapitalismus. Bis heute trennt die Frage der Charakterisierung der UdSSR und des „Ostblocks“ die Linke in gegensätzliche Lager. „Staatskapitalismus statt Sozialismus (Teil 1 von 2)“ weiterlesen

Die Produktrevolution

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Karl Marx hat die Entwicklung des Kapitalismus und dessen Funktionsweise analysiert, darunter auch Aspekte des Ăśbergangs vom Handwerk zur Manufaktur und schlieĂźlich zur industriellen GroĂźproduktion. Doch die Frage der Veränderungen des Gebrauchswertes der Produkte interessierte Marx kaum. Dabei vollzog sich auf diesem Gebiet eine unerhörte Umwälzung. „Die Produktrevolution“ weiterlesen

ABC des Marxismus XIV: Was ist Stalinismus?

Mit dem Begriff „Stalinismus“ wird einerseits eine Strömung in der Arbeiterbewegung bezeichnet, andererseits das Gesellschaftssystem der Länder des „realen Sozialismus“ in der UdSSR, China, Osteuropa usw. „ABC des Marxismus XIV: Was ist Stalinismus?“ weiterlesen

Was sind gesellschaftliche Produktivstrukturen?

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Der Kapitalismus hat zu einer radikalen Umwälzung der Produktionsverhältnisse und einer unerhörten Ausweitung der Produktivkräfte gefĂĽhrt. Diese Dynamik war u.a. durch folgende Aspekte geprägt: die Generalisierung von Lohnarbeit und Warenproduktion, die Schaffung von nationalen Märkten und des Weltmarkts und die Durchsetzung der industriellen Massenproduktion. Alle diese Entwicklungen bedingen einander, denn Massenproduktion von Waren benötigt die groĂźe Industrie, groĂźe Kapitalmengen und einen groĂźen Markt. „Was sind gesellschaftliche Produktivstrukturen?“ weiterlesen

ABC des Marxismus X:
Wer war Che Guevara?

FĂĽr viele Linke ist Che, wie er meist genannt wird, ein Vorbild oder gar eine Ikone. Doch er steht fĂĽr ganz unterschiedliche „Verdienste“: er war einer der FĂĽhrer der Kubanischen Revolution, er war ein mutiger und selbstloser antiimperialistischer Kämpfer. Manche sehen ihn als Stalinisten, andere als „unbewuĂźten Trotzkisten“. „ABC des Marxismus X:
Wer war Che Guevara?“
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Ein stalinophiler Ausrutscher?

Zu einem Artikel der Gruppe Arbeitermacht

Hanns Graaf

Der Trotzkismus kann fĂĽr sich in Anspruch nehmen, gegen den Stalinismus gekämpft und dessen unterdrĂĽckerische, reaktionäre und konterrevolutionäre Rolle entlarvt zu haben. Das ist unbestreitbar, auch wenn man nicht allen seinen Analysen zustimmen mag. Umso verwunderlicher ist es daher, wenn eine trotzkistische Gruppe Leuten eine Plattform gibt, die offen eine Relativierung und Beschönigung des Stalinismus betreiben. „Ein stalinophiler Ausrutscher?“ weiterlesen

Staates Kinder

Erziehung in der DDR

Hannes Hohn

In der Linken taucht die Frage der Vergesellschaftung der Hausarbeit, wenn ĂĽberhaupt, oft nur als Forderung auf, um das ungenĂĽgende oder teure Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu verbessern. Zuweilen wird dabei auf das Beispiel der DDR verwiesen, wo es diesbezĂĽglich tatsächlich bessere Bedingungen als in der BRD gab. Spätenstens sei den 1970ern war fĂĽr jedes Kind ein Krippen-, Kindergarten- und Hortplatz vorhanden. Frauen war es in der DDR so leichter möglich, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Der Autor kann sich noch lebhaft an die Verwunderung von Studierenden aus der BRD, die in der DDR zu Gast waren, erinnern, als sie hörten, dass viele Studentinnen während des Studiums Kinder bekamen und wie gut die Betreuungsmöglichkeiten waren. „Staates Kinder“ weiterlesen

ABC des Marxismus Teil V: Was ist die „Diktatur des Proletariats“?

Der Begriff “Diktatur” weckt negative Assoziationen. Wir sind dabei an undemokratische, unterdrĂĽckerische Verhältnisse erinnert, an den Stalinismus oder den Faschismus. Doch die Diktatur des Proletariats – auch Arbeiterstaat, Räterepublik oder Ăśbergangsgesellschaft genannt – ist das Gegenteil solcher Diktaturen. „ABC des Marxismus Teil V: Was ist die „Diktatur des Proletariats“?“ weiterlesen