Die Produktrevolution

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Karl Marx hat die Entwicklung des Kapitalismus und dessen Funktionsweise analysiert, darunter auch Aspekte des Übergangs vom Handwerk zur Manufaktur und schließlich zur industriellen Großproduktion. Doch die Frage der VerĂ€nderungen des Gebrauchswertes der Produkte interessierte Marx kaum. Dabei vollzog sich auf diesem Gebiet eine unerhörte UmwĂ€lzung.

Dass die Untersuchung der Produkte als Gebrauchswerte nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, ist unserer Ansicht nach drei GrĂŒnden geschuldet. 1. war die kapitalistische industrielle Massenproduktion zu MarxÂŽ Zeiten noch nicht durchweg so weit entwickelt, dass die neue QualitĂ€t der Erzeugnisse so sichtbar war wie etwa heute. In manchen Bereichen Ă€hnelten die Produkte noch stark den frĂŒheren, handwerklich-manufakturell hergestellten, in anderen Bereichen vollzog sich die VerĂ€nderung gerade erst. So waren etwa Möbel in der Herstellung und im Design noch „feudal“ und wiesen noch fast gar keine Merkmale der heutigen Massen-Möbel-Herstellung (z.B. IKEA-Möbel) auf.

2. spielten fĂŒr MarxÂŽ Analyse andere Faktoren der kapitalistischen Ökonomie (KapitalverhĂ€ltnis, Lohnarbeit, Wertkategorien, Makroökonomik usw.), welche fĂŒr die Funktionsweise der Wirtschaft zentral waren, eine wichtigere Rolle. 3. schließlich haben sich Marx und Engels – ob begrĂŒndet oder nicht – nirgends ausfĂŒhrlicher dazu geĂ€ußert, wie eine „kommunistische“ Ökonomie bzw. die Wirtschaft der Übergangsgesellschaft beschaffen sein soll.

Es wĂ€re die Aufgabe der MarxistInnen nach Marx gewesen, dessen Konzeption weiter zu entwickeln. Dazu hĂ€tten sie einerseits auf die Erfahrungen mit der Entwicklung des „modernen“ Kapitalismus/Imperialismus zurĂŒckgreifen und andererseits die konkreten Entwicklungen in den diversen „Übergangsgesellschaften“ (UdSSR, Ostblock, China usw.) berĂŒcksichtigen können. Betrachten wir aber die „marxistische“ Literatur zur Ökonomie, so stellen wir fest, dass die Frage des Charakters der Produkte kaum eine Rolle spielt. Insofern wollen wir mit diesem Artikel dazu beitragen, die Diskussion dazu anzuregen, weil wir meinen, dass die Produkturevolution ein zentrales Element der nachkapitalistischen Ökonomie sein muss.

Produkte im Kapitalismus

Jede Massenproduktion erfordert einen hohen Grad an Standardisierung der hergestellten Produkte, sie braucht einheitliche Maße und Normen, Gebrauchsvorschriften usw. Was nĂŒtzen z.B. Maschinenschrauben, wenn sie nicht in standardisierten GrĂ¶ĂŸen hergestellt werden? Und was nĂŒtzen sie, wenn nicht entsprechend dieser GrĂ¶ĂŸen passende SchraubenschlĂŒssel hergestellt wĂŒrden? Ihr allgemeiner Gebrauch und damit auch deren Massenproduktion wĂ€ren schlechterdings unmöglich. Erst die Massenproduktion fĂŒhrt aber dazu, dass effizienter und billiger produziert werden kann als in der Kleinproduktion. Ohne industrielle Massenproduktion ist entwickelter Kapitalismus, ist die AnhĂ€ufung und der Umschlag großer Kapitalmengen fast unmöglich.

Produkte aus kapitalistischer industrieller Massenproduktion weisen eine Reihe von Merkmalen auf, die sie sowohl von der vor-, als auch von der nachkapitalistischen Ökonomie unterscheiden. Dazu gehören u.a.:

  • hohes Level an Standardisierung;
  • Baugleichheit der Einzelprodukte einer Serie (GrĂ¶ĂŸe, Form, Material) bei gleichzeitig etlichen Varianten (Farbe, „Extras“) und bei zugleich vielen fast gleichen Produkten verschiedener Hersteller;
  • Verzicht auf „unnĂŒtzes“ Dekor;
  • Tendenz zur Einsparung von Ressourcen (Rohstoffe, Energie, Arbeit) bei Herstellung und Nutzung der Produkte;
  • Platz fĂŒr Kennzeichnung des Herstellers bzw. des Unternehmens (Markenzeichen, Logo) und Werbung;
  • Bevorzugung des Ersatzes eines kaputten oder fehlerhaften Produkts statt der Reparatur;
  • Widerspruch zwischen QualitĂ€t (als Voraussetzung fĂŒr den Kauf) und dem geplanten Ausfall (Sollbruchstelle) als Voraussetzung fĂŒr die Neuproduktion;
  • eindimensionale, isolierte FunktionalitĂ€t, tw. ohne RĂŒcksicht auf gesellschaftliche Dimension des Gebrauchs (Ressourcenverbrauch, Recyclingmöglichkeit, tw. KompatibilitĂ€t usw.).

Diese Merkmale kapitalistischer Produkte spiegeln einerseits den privaten Charakter der Produktion und das Ziel der Gewinnoptimierung wider und andererseits die Tatsache, dass  stĂ€ndig Neuproduktion erzwungen werden muss, um die Kapitalakkumulation in Gang zu halten. Bei all dem muss gewĂ€hrleistet sein, dass die Benutzung der Produkte im gesellschaftlichen und nicht mehr nur im privaten Rahmen erfolgt, also massenhaft. So muss etwa ein Autohersteller auch dafĂŒr sorgen, dass Reparatur und Service sichergestellt sind.

Anhand der aufgefĂŒhrten Merkmale wird deutlich, dass die Produkte aus (feudaler) Handwerks- oder Manufakturproduktion die meisten dieser Charakteristika noch nicht aufwiesen. Sicher mussten Gewehre oder Kanonen einer Armee schon im Mittelalter möglichst einheitliche Kaliber haben, um die Munitionsnutzung und -versorgung absichern zu können. Doch fĂŒr die große Mehrzahl der (handwerklichen) Produkte waren solche Merkmale uninteressant, wenn nicht sogar störend. Möbel z.B. wurden meist fĂŒr individuelle KĂ€ufer hergestellt und sollten individuell sein.

Erst die Mechanisierung der Gesellschaft, die Durchdringung aller Lebensbereiche mit Maschinen und GerĂ€tschaften aller Art ermöglichte und erzwang standardisierte Produkte und Verfahren. NĂ€gel gab es schon in der Antike, sie mussten nicht standardisiert sein, genausowenig HolzdĂŒbel im Haus- oder Schiffsbau. Bei (Maschinen)schrauben oder heutigen DĂŒbeln jedoch sieht das ganz anders aus.

Ein anderes Beispiel sind elektrische GerĂ€te, die alle an dieselbe StromstĂ€rke angepasst sein mĂŒssen. Das erfordert zugleich ein Erzeugersystem fĂŒr Strom, das diese gleichbleibende QualitĂ€t liefern kann. So hat in Deutschland das Stromsystem eine Netzfrequenz von 50 Hz. Um diese stabil zu erhalten, bedarf es bestimmter technischer Voraussetzungen, z.B. große rotierende Massen in Gestalt der Turbinen der Großkraftwerke und eines Netzmanagements. Ein solches System ist nur durch gesellschaftliche Übereinkunft (Normierung) möglich. Diese nennen wir Gesellschaftliche Produktivstrukturen (GPS). Die Beschaffenheit der Produkte im Kapitalismus steht in enger Wechselbeziehung zu bestimmten GPS. (she. Was sind gesellschaftliche Produktivstrukturen?)

Der Kapitalismus hat ohne Frage zu einer „Revolution der Produkte“ gefĂŒhrt, wie es in keiner Gesellschaft vorher hinsichtlich des Ausmaßes und der Zeitrelation der Fall war. Wenn wir handwerkliche Produkte aus dem 12. Jahrhundert mit welchen aus dem 17. vergleichen, werden wir oft keinen großen Unterschied feststellen. Vergleichen wir Erzeugnisse von 1820 mit denen von 1920, sieht es ganz anders aus. Und sehr viele Produkte, die heute hergestellt werden, gab es selbst vor nur 30 Jahren noch nicht. Die wesentlich höhere Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft, die stĂ€ndige UmwĂ€lzung des Wissens und der Technologie fĂŒhren einerseits zu neuen Produkten, wie sie andererseits diese zur Voraussetzung hat.

Gerade die Schaffung neuer Produktsparten (Flugzeuge, Autos, Computer, Haushaltstechnik usw.) fĂŒhrte im 20. Jahrhundert dazu, dass das Kapital neue Marktsegmente und Verwertungsbereiche nutzen konnte. Die Annahme (etwa von Rosa Luxemburg), dass der Kapitalismus nicht mehr expandieren könne, d.h. der Verwertungsprozess zum Erliegen kommen wĂŒrde, weil nach der Schaffung des Weltmaktes keine „jungfrĂ€ulichen“ Gebiete zur Kapitalisierung mehr vorhanden wĂ€ren, erwies sich als falsch. Denn nicht die Erweiterung des Weltmarktes in geografischer Hinsicht kennzeichnet den Kapitalismus – das war nur fĂŒr die Aufstiegsphase relevant -, sondern die UmwĂ€lzungen innerhalb des Marktes, d.h. die VerĂ€nderungen in der Produkt- und Nachfragestruktur. Die Nachfrage nach Pferdekutschen ist in den vergangenen 100 Jahren sehr stark gesunken, wĂ€hrend der Bedarf an PKW enorm gestiegen ist.

Die Ablösung von Produkten durch andere sowie die Etablierung ganz neuer Produktsparten bedeutet, dass das Kapital immer wieder neue AnlagesphĂ€ren findet. Sicher gibt es andererseits einen Trend zur SĂ€ttigung von MĂ€rkten, d.h. es ist nur noch ein Wandel in der Warenstruktur zu beobachten, aber kaum Ausweitung. Parallel dazu existiert auch ein Trend, dass bestimmte Bereiche des Weltmarktes – die unterentwickeltsten Teile der „Dritten Welt“ – mangels Kaufkraft, durch Verschuldung usw. aus dem Weltmarkt „herausfallen“. Stillstand oder Verlangsamung des Verwertungsprozesses trat in den ĂŒber 150 Jahren industriellen KapitalismusÂŽ seit Marx jedoch nicht ein.

Kommunistische Produkte

Wenn wir also konstatieren können, dass die Durchsetzung und Entwicklung des Kapitalismus mit einer Revolutionierung der Produkte verbunden war, mĂŒssen wir uns fragen, inwiefern das auch fĂŒr die kommunistische Gesellschaftsformation zutrifft.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen muss sein, dass in der Übergangsgesellschaft grundsĂ€tzliche VerĂ€nderungen an der ökonomischen Basis von statten gehen: das Privateigentum an Produktionsmitteln wird abgeschafft, Konkurrenz und Marktbeziehungen sind als wesentliche Antriebe der Produktion ĂŒberwunden und durch eine gesamtgesellschaftliche Planung ersetzt usw. Die Erzeugung von Waren zur Erwirtschaftung von Gewinn durch den Verkauf wird durch die Erzeugung von GebrauchsgĂŒtern fĂŒr die Befriedigung von BedĂŒrfnissen abgelöst. So wird auch die Herrschaft der Produzenten (der Kapitaleigner) durch die Dominanz der Konsumenten ĂŒber die Produktion ersetzt.

Haben diese VerÀnderungen nun auch Auswirkungen auf die Erzeugnisstruktur? Ja, und zwar in verschiedener Hinsicht. Wir können hier nicht auf alle Aspekte eingehen, wollen jedoch einige zentrale Fragen beleuchten.

Eine entscheidende Frage fĂŒr die kapitalistische Ökonomie ist, dass jeder Produktion eine „Nachproduktion“ folgt, weil sonst der Kapitalumschlag nicht weitergehen kann. Diese, an sich simple Feststellung hat große Bedeutung fĂŒr das jeweilige Produkt. Bei GĂŒtern, die schnell verbraucht werden, wie Lebensmittel oder Energie ergibt sich eine Folgeproduktion automatisch, nicht so bei langlebigen Produkten, insbes. KonsumgĂŒtern. WĂŒrde etwa ein PKW eine normale Nutzungsdauer von 30 Jahren haben und nicht wie heute ca. 15, wĂŒrde es der Auto-Industrie „schlecht“ gehen, d.h. sie wĂ€re wesentlich kleiner. Denn sobald der Automarkt gesĂ€ttigt ist und nicht mehr expandiert, weil die Nachfolge- bzw. Ersatzpoduktion erst nach langer Zeit notwendig wird, muss insgesamt weniger hergestellt werden. Gleiches gilt im Prinzip auch fĂŒr viele andere GĂŒter. Der Kapitalist muss also bestrebt sein, die Produkte so zu gestalten, dass sie so schnell wie möglich ersetzt werden mĂŒssen, also Neuproduktion erfolgen kann. Ein probates Mittel dazu ist der bewußte Einbau von Sollbruchstellen und die Benutzung von Materialien oder Verarbeitungstechniken, die einen schnellen Verschleiß oder den Ausfall des GerĂ€tes bewirken. Es werden bewußt minderwertige GĂŒter angeboten, die aber tw. billiger sind als andere.

Das „Verschleiß-Interesse“ des Kapitalisten wird andererseits dadurch eingedĂ€mmt, dass allzu schlechte Erzeugnisse keine KĂ€ufer finden und die Konkurrenz den Marktanteil ĂŒbernimmt. Eine sehr hĂ€ufig angewandte Methode, alte Produkte zu entwerten und durch neue zu ersetzen bzw. deren Marktanteil als Konkurrent ĂŒbernehmen zu können – ist die „Erneuerung“ von Produkten. Ein typisches Beispiel dafĂŒr ist der Handy-Sektor. Fast im Jahrestakt kommt eine „neue Generation“ auf den Markt, die sich jedoch meist nur marginal von frĂŒheren unterscheidet. Da das Handy aber nicht nur einen praktischen Zweck erfĂŒllt, sondern in hohem Maße auch Prestige-Objekt und durch permanente Werbekampagnen zu einem wichtigen Teil des konsumorientierten „Lifestyles“ geworden ist, wird ein hyperaktives Konsumentenverhalten erzeugt und der Umstieg auf das neueste Modell gefördert. Die Bilder von jungen Leuten, die vor dem Apple-Store zelten und stundenlang in der KĂ€lte ausharren, um als erste das neueste iPhone zu erhalten, sind so absurd wie real.

Ein anderes Mittel, um den Neukauf – und damit die Neuproduktion – zu erzwingen, ist die  mangelhafte oder gĂ€nzlich fehlende KompatibilitĂ€t von Produkten oder Komponenten davon, was die Wiederverwendung oder die Reparatur fast unmöglich macht. Obwohl immer nur eine Komponente defekt oder verschlissen ist, wird das gesamte GerĂ€t weggeworfen und durch ein neues ersetzt. Die MĂŒllentsorgung belastet in der Regel ja nicht den Hersteller, sondern direkt oder indirekt die Verbraucher.

Die Produkte einer nachkapitalistischen Wirtschaft hingegen mĂŒssen andere Eigenschaften aufweisen, wenn sie den verĂ€nderten BedĂŒrfnissen dieser Gesellschaft genĂŒgen sollen. Schlechte QualitĂ€t, „WegwerfmentalitĂ€t“, die unĂŒbersehbare Vielfalt von im Grunde gleichen Produkten usw. sind Merkmale, die den BedĂŒrfnissen des Kommunismus und der Konsumenten diametral entgegenstehen.

Es ist einsehbar, dass es sehr schwer, ja im Grunde unmöglich ist, eine völlig andere, bessere Gesellschaft als den Kapitalismus aufzubauen, wenn die Produkte denselben Gebrauchswertcharakter wie vorher haben. Betrachten wir etwa Wohnungen oder PKW, so liegt es auf der Hand, dass es dabei um wesentliche Teile der Produktion geht und die gesamte Lebensweise stark davon beeinflusst wird. So, wie der Kapitalismus eine Revolutionierung der Produkte bewirkte, muss auch jede anti-kapitalistische UmwĂ€lzung eine solche „Revolution der Dinge“ vollziehen.

Der andere Charakter, das höhere Niveau der hergestellten Produkte ist dann zugleich auch der dingliche Ausdruck eines qualitativ anderen VerhĂ€ltnisses der Produktion zur Gesellschaft. WĂ€hrend die bĂŒrgerliche Ökonomie eine Tendenz zur Produktion um der Produktion willen bzw. um der permanenten Erzeugung von Profit hat, dient die Produktion im Arbeiterstaat  den Gebrauchswert-BedĂŒrfnissen der Konsumenten. Geht es im Kapitalismus beim Design der GĂŒter darum, möglichst viel Profit herauszuschlagen und möglichst viel Neuproduktion zu generieren, so spielt in der nachkapitalistischen Gesellschaft nur noch – oder historisch gesehen: wieder – nur der Gebrauchswert eine Rolle und das Anliegen, die BedĂŒrfnisse mit möglichst wenig produktivem Aufwand und wenig Ressourcenverbrauch zu befriedigen.

Unter „BedĂŒrfnis“ wird in Kapitalismus und Kommunismus grundsĂ€tzlich etwas sehr Verschiedenes verstanden. FĂŒr den Kapitalisten sind nur zwei „BedĂŒrfnisse“ relevant: das „BedĂŒrfnis“, ein Produkt zu kaufen und das BedĂŒrfnis, dieses Produkt zu gebrauchen und dabei zu verschleißen. Kurz: es geht um das BedĂŒrfnis in Form von „Kaufkraft“. Der Kommunismus hingegen muss und kann unter „BedĂŒrfnis“ das gesamte BedĂŒrfnis-Geflecht verstehen, das mit der Verwendung eines Produkts verbunden ist. Benutze ich ein Produkt, so habe ich natĂŒrlich – zumindest indirekt – auch das BedĂŒrfnis, dass dieses Produkt, nicht kaputt geht, dass es kompatibel ist, dass dessen Entsorgung oder Wiederverwendung problemlos möglich ist usw. Als „BedĂŒrfnis“ zĂ€hlt dann nicht mehr nur das individuelle BedĂŒrfnis und die so aktivierte Kaufkraft, sondern auch das gesellschaftliche BedĂŒrfnis, z.B. nach Umwelterhaltung und nach VerkĂŒrzung der notwendigen Arbeitszeit. Diese BedĂŒrfnisse und die daraus erwachsenden Eigenschaften von Produkten interessieren den Kapitalisten wenig, die kommunistische Gesellschaft aber umso mehr.

ZunĂ€chst erfordern die Einsparung notwendiger Arbeit und die Schonung von Ressourcen, dass die Produkte von hoher QualitĂ€t und damit langlebig sind, dass sie dem höchsten Niveau von Standardisierung angepasst und untereinander möglichst kompatibel sind. Mit Langlebigkeit ist natĂŒrlich nicht gemeint, dass es keine technische Verbesserung oder Erneuerung mehr gibt, sondern dass sie dann erfolgt, wenn es wirklich eine relevante Verbesserung gibt und keine nur Ă€ußerliche oder marginale wie etwa bei PKW-Modellen, die oft nur an eine neue Marketingstrategie angepasst werden und dafĂŒr ein etwas anderes Outfit erhalten, wĂ€hrend die technischen Komponenten fast unverĂ€ndert bleiben.

Dazu kommt, dass der Gebrauch der Produkte in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft primĂ€r auf den Gebrauch durch den einzelnen KĂ€ufer ausgerichtet ist. Doch menschliches Leben allgemein und selbst der Gebrauch – oder im allgemeinen Sinne das „Schicksal“ eines Produkts – spielt sich letztlich gesellschaftlich ab. Es ist eine verkĂŒrzte Auffassung, dass nur die Produktion – trotz ihres im Kapitalismus privat-eigentĂŒmlichen Rahmens – vergesellschaftet wĂ€re. Das trifft genauso auf die SphĂ€re der Konsumtion zu. Diese gesellschaftliche Dimension wird im Kapitalismus weitgehend ausgeblendet. Das Ruinieren der Umwelt, die Vergeudung von Ressourcen, die MĂŒllberge – all diese „Nebenkosten“ kapitalistischer Produktion werden meist nicht vom Unternehmer getragen, sondern der Gesellschaft aufgehalst. Der Kommunismus kann also auch auf dieser Ebene den Widerspruch zwischen dem einerseits privaten Charakter der Produktion und deren zugleich gesamtgesellschaftlichen Dimension positiv auflösen.

Die Stellung der Mehrheit der Menschen im Kapitalismus als unterdrĂŒckte und ausgebeutete Individuen drĂŒckt sich auch und gerade darin aus, dass sie ihre BedĂŒrfnisse als gesellschaftliche – und eben nicht nur private – Wesen kaum artikulieren, geschweige denn befriedigen können. Die Frage, welche BedĂŒrfnisse nach bestimmten GĂŒtern und Dienstleistungen der Mensch hat, wird ihm in erheblichem Maße vorgegeben, aufgezwungen, indoktriniert – sein „BedĂŒrfnis“ wird auf das bornierte Verlangen des privaten Waren-KĂ€ufers zurecht gestutzt.

Karl Marx schrieb in dieser Hinsicht folgende bemerkenswerten SĂ€tze: „In der bĂŒrgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgehĂ€ufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehĂ€ufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensprozeß der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern. In der bĂŒrgerlichen Gesellschaft herrscht also die Vergangenheit ĂŒber die Gegenwart, in der kommunistischen die Gegenwart ĂŒber die Vergangenheit.“

Einige Beispiele

Wir wollen nun hier wenigstens an einigen wenigen Beispielen exemplarisch darstellen, was es bedeutet, welche grundsĂ€tzliche Dimension es hat, die Gebrauchseigenschaften von GĂŒtern zu Ă€ndern.

Wir alle benutzen HaushaltsgerĂ€te. WĂŒrden wir die vielen verschiedenen Typen und Varianten der diversen Hersteller vergleichen (was natĂŒrlich keinem Verbraucher möglich ist und schon allein deshalb die Auffassung, dass „der Verbraucher“ mitbestimmen könnte oder der „Kunde“ gar „König“ wĂ€re, ad absurdum fĂŒhrt), wĂŒrden wir feststellen, dass ein großer Teil dieser GerĂ€te MĂ€ngel aufweist, die eigentlich dazu fĂŒhren mĂŒssten, dass deren Produktion eingestellt wird. Das aber passiert im Kapitalismus eher selten. Die „Stiftung Warentest“ z.B. zeigt in ihren Berichten stĂ€ndig, wie mangelhaft viele Produkte sind – und doch werden sie weiter hergestellt. Vor allem aber wird erst im Nachhinein getestet, nicht schon vor Produktionsbeginn oder anhand von Nullserien.

Ein erster Schritt in der Ökonomie der Übergangsgesellschaft wĂ€re es also, die Herstellung aller Produkte einzustellen, deren Gebrauchseigenschaften mangelhaft sind. So haben viele Kaffeemaschinen eine sehr mangelhafte Wasserstandsanzeige oder der Deckel zum WassereinfĂŒllen ist so unpraktisch angebracht, dass das EinfĂŒllen zum Jonglieren gerĂ€t usw.  Die Produktpalette mĂŒsste – entsprechend den realen Gebrauchswertanforderungen – möglichst klein sein, so dass Standardisierung und der Vorteil der Großproduktion voll zum Tragen kommen können. Zugleich kann es deshalb aber auch beliebig viele Varianten von Kaffeemaschinen z.B. hinsichtlich der Farbe geben, was obigen Forderungen keinen Abbruch tut. Diese Vielfalt gibt es im Kapitalismus, wo es angeblich alles gibt, in Wahrheit aber nur sehr eingeschrĂ€nkt. Welche bzw. wieviele Typen und Varianten nötig sind, mĂŒssen die Konsumenten entscheiden und mit den Interessen der Produzenten, d.h. den Anforderungen der Produktion, abgleichen.

Das Problem mit einer Kaffeemaschine beginnt dann, wenn deren Leben endet, d.h. wenn sie kaputt geht. Sollte es ĂŒberhaupt Ersatzteile geben, so sind diese so teuer, dass eine Neuanschaffung „sinnvoller“ ist. Zudem ist natĂŒrlich nie die komplette Maschine kaputt, sondern nur eine Komponente, z.B. die Glaskanne oder die Heizspirale. Ergebnis dessen ist, dass die gesamte Maschine im MĂŒll landet und damit die Neuproduktion von Kaffeemaschinen notwendig wird. Dasselbe erleben wir bei Waschmaschinen oder KĂŒhlschrĂ€nken. Was fĂŒr den kapitalistischen Hersteller sehr angenehm, ja notwendig ist, wird fĂŒr die NutzerInnen zum teuren Ärgernis und fĂŒr die Gesellschaft ebenfalls.

Ein anderes Beispiel sind Verpackungen. In Rom gibt es riesige Halden aus zerbrochenen  TongefĂ€ĂŸen aus der Zeit der Antike. Eine kaputte Amphore oder ein Krug konnten nicht repariert, sondern nur weggeworfen werden. Heute gibt es viele Werkstoffe, die praktisch fast endlos nutzbar sind, ohne kaputt zu gehen. Oder sie können repariert oder recycelt werden. MĂŒllhalden wĂ€ren so an sich fast unnötig – doch wir erzeugen heute weitaus mehr MĂŒll als frĂŒher. Und ein Großteil des MĂŒlls besteht aus Verpackungen. Diese Verschwendung von Ressourcen, die damit verbundenen gesellschaftlichen Kosten und die Umweltprobleme könnten sofort stark minimiert werden. Dazu sind u.a. standardisierte Mehrwegverpackungen sinnvoll und ein optimaleres VerhĂ€ltnis von Inhalt und Verpackung. So ergeben sich etwa Form und GrĂ¶ĂŸe von Cornflakes-Packungen daraus, dass eine möglichst große Vorderfont fĂŒr Logo und Werbung vorhanden sein muss. Ohne diesen Zweck könnte die Verpackung bei gleichem Inhalt deutlich kleiner ausfallen.

Noch absurder sieht es bei Bierflaschen aus. Inzwischen haben viele Hersteller eigene  Flaschenformen. Diese mĂŒssen nach der RĂŒcknahme einzeln wieder nach Herstellern sortiert werden. Ähnliche AbsurditĂ€ten gibt es bei der Etikettierung. Obwohl im Grunde ein Etikett zur Kennzeichnung und Information ausreichen wĂŒrde, haben die meisten Biersorten 2 oder sogar 3 Etiketten und manche noch eine Silberfolie am Flaschenhals. Der dadurch nötige erhöhte Produktions- und Recyclingaufwand muss und kann im Arbeiterstaat abgeschafft werden.

NatĂŒrlich kollidiert eine vernĂŒftige Art des Verpackungswesens mit den bornierten Interessen der privaten EigentĂŒmer (z.B. Werbung) und den schlechten bzw. oft gar nicht vorhandenen Strukturen des Pfandsystems bzw. Recyclings. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein anderes Produktdesign unmöglich ist, wenn nicht auch die EigentumsverhĂ€ltnisse und die gesellschaftlichen Produktivstrukturen (GPS) geĂ€ndert werden.

Ein weiteres Beispiel sind Möbel. Die heute ĂŒblichen Spanplatten-Möbel sind kaum  kompatibel, wiederverwendbar oder verĂ€nderbar. GefĂ€llt ein Schrank nicht mehr oder ist ein Teil kaputt (meist billige mechanische Verbindungen, Scharniere usw.), kann er nur „entsorgt“, d.h. weggeworfen werden. Die StĂ€dte sind voll von solchem SperrmĂŒll. Eine nachkapitalistische Ökonomie muss diesen Wahnsinn beenden – alle technischen Vorraussetzungen und geeignete Materialien dafĂŒr gibt es bereits heute, doch sie werden nicht genutzt, weil sie dazu fĂŒhren wĂŒrden, dass die Möbelproduktion und der Möbelhandel erheblich kleiner werden wĂŒrde – eine Horrorvorstellung fĂŒr das Kapital, ein Segen fĂŒr die Arbeiterklasse (und die Umwelt).

Wenn wir die Dinge, die uns umgeben, genauer betrachteten, wĂŒrden wir feststellen, dass fast jedes Produkt verbessert werden könnte. Mit anderen Worten: die Produktrevolution ist keine Sache, die lediglich ein paar Ausnahmen betrifft, sie berĂŒhrt fast die gesamte Produktpalette und hat damit in Wahrheit eine riesige Dimension – hinsichtlich der Gebrauchseigenschaften wie hinsichtlich der Auswirkungen auf die Produktion und der Strukturen der Gesellschaft (Handel, Recycling usw.) Grundlage dafĂŒr, dass die Gebrauchseigenschaften von Produkten wirklich gut sind, ist, dass die NutzerInnen direkt ihre WĂŒnsche artikulieren können, damit die ProduzentInnen sie bereits vor der Produktion berĂŒcksichtigen können.

Es liegt auf der Hand, dass diese Revolutionierung der Produkte den angenehmen und höchst wichtigen Nebeneffekt hat, dass die Neuproduktion von GĂŒtern – z.T. sogar drastisch –  eingeschrĂ€nkt werden kann. Die Reduktion der notwendigen Arbeit und der sparsame Umgang mit Ressourcen sind also zwingend damit verbunden, den Gebrauchswert der Produkte zu Ă€ndern. Ein zweiter „angenehmer Nebeneffekt“ dieses gesellschaftlichen BemĂŒhens wĂ€re es, dass – ohne deshalb einen höheren technischen Standard haben zu mĂŒssen – die ArbeitsproduktivitĂ€t der Übergangsgesellschaft schlagartig gegenĂŒber jener des Kapitalismus steigen wĂŒrde, weil die BedĂŒrfnisse mit weniger Aufwand und sogar besser befriedigt werden könnten.

Es zeigt sich also, dass die „Produktrevolution“, dass das konsequente Setzen des Gebrauchswerts und des Gebrauchswert-Interesses als Anspruch und Norm eine durchaus wesentliche Seite und eine wichtige Grundlage der Entwicklung einer nachkapitalistischen Gesellschaft ist.

Erfahrungen mit dem Stalinismus

Auch die Erfahrungen mit den stalinistischen Gesellschaften bestĂ€tigen das durchaus – in doppelter Hinsicht. Einerseits gab es in diesen bĂŒrokratischen Staatswirtschaften durchaus AnsĂ€tze dazu, in der oben geschilderten Weise Produkte zu verbessern. So gab es kein ökonomisches Interesse daran, bei GebrauchsgĂŒtern Sollbruchstellen einzubauen, die deren Lebensdauer kĂŒnstlich verkĂŒrzten, wie es im Privat-Kapitalismus durchaus ĂŒblich ist. Das war schon deshalb so, weil es eine permanente Unterkonsumtion und damit kaum Absatzprobleme fĂŒr die Betriebe gab. Allerdings – und das ist die andere Seite der Medaille – konnte davon, dass eine Produktrevolution wirklich ein gesellschaftliches Anliegen und Projekt war, keine Rede sein – schon deshalb nicht, weil es an demokratischen Strukturen mangelte, durch welche die KonsumentInnen ihre BedĂŒrfnisse artikulieren und zu einem ökonomischen Faktor hĂ€tten machen können. Im Gegenteil: viele Produkte hatten deshalb noch schlechtere Gebrauchseigenschaften als jene im Kapitalismus.

Auch in der nachkapitalistischen Gesellschaft ist das Abgleichen der Interessen von Konsumenten und Produzenten, d.h. den ArbeiterInnen, nicht einfach. Obwohl alle Produzenten auch Konsumenten sind, gilt das umgekehrt nicht. Zudem sind die Interessen von Produzenten und Konsumenten verschieden. FĂŒr die Produzenten wĂ€re es natĂŒrlich ideal, immer dieselbe Sorte von Schuhen herzustellen, wĂ€hrend die Konsumenten modische Abwechslung wollen. Es gilt also, Strukturen und Mechanismen zu finden, die es erlauben, einen Ausgleich, einen Kompromiss zwischen diesen Interessen herzustellen. Dasselbe Interessen-Problem besteht auch hinsichtlich der Partial-Interessen einer Belegschaft und denen der Gesellschaft oder denen verschiedener Regionen oder LĂ€nder. Die Interessen-Konflikte verschwinden auch nicht mit der Revolution. Diese schafft lediglich die Grundlagen dafĂŒr, sie perspektivisch zu lösen.

Wenn Kommunismus auch bedeutet, dass die Herrschaft des Produzenten (Kapitalisten) ĂŒber  die Ökonomie und die Konsumenten, d.h. die Herrschaft des Tauschwerts ĂŒber den Gebrauchswert, ĂŒberwunden ist, dann heißt das konkret, dass die Konsumenten und ihre BedĂŒrfnisse der wichtigste Faktor fĂŒr die Produktion sind. Im Stalinismus aber war das Proletariat nicht nur als Produzent, sondern auch als Konsument enteignet.

Der Stalinismus setzte die Einzelleitung des Betriebes (bzw. die Leitung durch ein Management) durch. Damit war fast jede Möglichkeit der Einflussnahme der Belegschaft auf die Produktion eliminiert. Praktisch war damit die Arbeiterklasse – gefasst nicht als Abstraktum, sondern als Konkretum einer betrieblichen Belegschaft – enteignet. Diese Enteignung auf betrieblicher Ebene hĂ€tte nun wenigstens dadurch „ausgeglichen“ werden können, dass die Gesamtklasse per demokratischer Planung wenigstens ĂŒber die Makro-Ökonomie entscheidet, doch auch das war nicht gegeben. Die Entscheidung traf die BĂŒrokratie von oben nach unten. Auch auf dieser „zentralen“ Ebene war das Proletariat also enteignet und den Konsumenten war die Mitsprache verwehrt.

Es gelang im Stalinismus zwar weitgehend, die fĂŒr den Kapitalismus typische aberwitzige Vielzahl gleichartiger Produkte zu minimieren, doch das „Design“, der Gebrauchswert des Produkts, war eben auch hier nicht Ausgangspunkt und zentrales Element der Planung. Der Vorwurf, dass die bĂŒrokratische Planung oft stark einer „Tonnendideologie“ folgte, ist vollauf berechtigt. Das „Kreieren“ guter Produkte, d.h. guter Gebrauchswerteigenschaften, kann ĂŒberhaupt nicht durch eine „von oben planende“ StaatsbĂŒrokratie erfolgen. Diese Aufgabe kann nur durch die Kooperation von Produzenten (den Betrieben) und den in Verbraucherkomitees oder per Internet usw. „assoziierten Konsumenten“ effektiv durchgefĂŒhrt werden.

Wenn wir die sowjetische Wirtschaft der 1920er und 1930er Jahre mit der EinfĂŒhrung der Planmechanismen – der erste FĂŒnfjahresplan begann 1928 – betrachten, so sehen wir von Beginn an jene katastrophalen Tendenzen, welche die gesamte Geschichte der stalinistischen Ökonomie prĂ€gen: Tonnenideologie, Ineffizenz, Überhang der Schwer- und RĂŒstungsindustrie, Unterentwicklung des KonsumgĂŒterbereichs usw.. Diese MĂ€ngel spiegeln ganz genau die Enteignung von Konsumenten und (proletarischen) Produzenten wider. Im Kapitalismus sind diese natĂŒrlich auch enteignet, doch durch die Konkurrenz am Markt gibt es dort einen Mechanismus, durch den ein gewisses Maß an indirektem Einfluss der Konsumenten gesichert wird. Die Herrschaft der BĂŒrokratie ĂŒber die Gesellschaft im Stalinismus hat aber sogar diesen – gewiss mangelhaften – Mechanismus durch einen noch schlechteren ersetzt.

Trotzkis Analyse

In seinem grundlegenden Werk „Die verratene Revolution“ von 1936, in dem eine umfassende Analyse der UdSSR vorgenommen wird, fĂŒhrt Leo Trotzki eine Reihe von Beispielen an, wie es um die ProduktqualitĂ€t bestellt war. Er stellt fest: „Ein der Sowjetindustrie eigenes Gesetz kann man so formulieren: das Erzeugnis ist in der Regel um so schlechter, je nĂ€her es zum Massenverbraucher ist. In der Textilindustrie ist nach den Worten der Prawda ÂŽder Prozentsatz des Ausschusses schĂ€ndlich groß, das Sortiment armselig, die niedrigen Sorten herrschen vorÂŽ. Periodisch machen sich in der Sowjetpresse Klagen ĂŒber die schlechte QualitĂ€t der Massengebrauchsartikel Luft.“

BezĂŒglich der QualitĂ€t der Autoproduktion schreibt Trotzki: „Von je 100 Wagen sind nur 55 im Betrieb, die anderen sind in Reparatur oder warten darauf. Die Reparaturkosten ĂŒbersteigen die Kosten aller neu hergestellten Wagen um das Zweifache.“

Trotzki bemerkt ganz richtig, dass die Ursache dieser Probleme auch in der zu niedrigen allgemeinen „Kultur“ der ProduzentInnen, sprich ihrer mangelhaften Qualifizierung usw. liegt. Doch er geht nicht der Frage nach, warum es solches QualitĂ€tsprobleme vor der Revolution nicht gab. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Konkurrenz und Marktbeziehungen verhinderten, dass in relevantem Umfang Ausschuß hergestellt werden konnte. Und wenn, dann waren Vertragsstrafen bzw. PreisnachlĂ€sse fĂ€llig. Notfalls wurden dafĂŒr die Gerichte bemĂŒht. Doch bei einer Planung von oben nach unten, die i.w. QuantitĂ€ten erfasst, fĂ€llt mit Notwendigkeit die Frage der QualitĂ€t unter den Tisch der Planer.

Dazu kommt, dass es keine effektive und unabhĂ€ngige Justiz gab, die StreitfĂ€lle zwischen Herstellern oder zwischen Herstellern und Konsumenten regeln konnte. An deren Stelle trat die BĂŒrokratie als „Schiedsrichter“ und Kontrolleur. Doch – um mit Marx zu sprechen – wer kontrollierte die Kontrolleure? Die Produzenten und Konsumenten jedenfalls nicht – und auch nicht der Markt. Wirkliche Arbeiterkontrolle, genauer: wirkliche VerfĂŒgungsgewalt der Arbeiterklasse ĂŒber die Produktion hĂ€tte ja bedeutet, dass die Entscheidungen der BĂŒrokratie nicht nur hĂ€tten kritisiert oder aufgehoben werden können. Mehr noch: die BĂŒrokratie, d.h. ein Staatsapparat, der die Produktion lenkt, wĂ€re gar nicht mehr, zumindest nicht in diesem Ausmaß, nötig gewesen. Das Fehlen eines „Rechtsstaates“ aber war auch schon fĂŒr Lenin kein Problem – im Gegenteil: er sah in ihm nichts anderes als ein bĂŒrgerliches “Relikt“.

Das permanente QualitĂ€tsproblem entstand auch dadurch, dass es keinen wirklichen Wertmesser in der Ökonomie gab – weder ein reales Preissystem noch eine Arbeitszeitrechnung -, so dass die Leistung eines Betriebes oder des einzelnen Arbeiters gar nicht real verglichen werden konnte. Die „VergĂŒtung“ der Produzenten war gewissermaßen vom Produkt und dessen QualitĂ€t abgekoppelt. Gute oder schlechte QualitĂ€t konnte so nicht angemessen entlohnt werden. HĂ€tte man von Anfang an die Produktion und die Planung von unten, d.h. von den unmittelbaren Produzenten auf betrieblicher Ebene ausgehend, geregelt, wĂ€re eine effektive Beinflussung der ProduktqualitĂ€t weit besser möglich gewesen.

Zur ProduktqualitĂ€t gehört eine bestimmte ZuverlĂ€ssigkeit und Haltbarkeit der Erzeugnisse, die u.a. in Form von Garantien des Herstellers kodifiziert und damit auch ĂŒberprĂŒfbar und einklagbar sind. Liefert ein Betrieb Ausschuß, muss sich das natĂŒrlich auch negativ im Betriebsergebnis niederschlagen. Wenn aber die Produktion und ihre Rahmenbedingungen „vom Plan“, von „oben“ vorgegeben sind, wenn also die Selbstbestimmung der Belegschaft gegen Null geht, dann kann diese eine KĂŒrzung ihrer Löhne aufgrund von Ausschußproduktion natĂŒrlich nur als weitgehend „unverschuldet“ betrachten und daher nur als Bestrafung ansehen. Das Resultat davon ist einerseits GleichgĂŒltigkeit und Verantwortungslosigkeit – also Entfremdung – der ArbeiterInnen, die andererseits vom Staat mit schĂ€rferen Vorschriften und Strafen beantwortet werden. Ein Teufelskreis.

Das Dilemma resultiert auch aus der spezifischen Art der bĂŒrokratischen Planung. Trotzki schreibt dazu: „In der offiziellen Statistik werden Automobilerzeugung und Automobilreparatur zu einer Gesamtsumme der Industrieproduktion addiert; vom Gesichtspunkt des ökonomischen Effekts wĂ€re eher Subtraktion als Addition am Platze.“

Was Trotzki offenbar nicht versteht, ist die Tatsache, dass eine Planung bzw. die Statistik gar nicht anders kann, als alle produktiven Verausgabungen der Gesellschaft zu erfassen, also muss neben der Autoproduktion natĂŒrlich auch die Autoreparatur als „Produktion“ aufgefĂŒhrt werden. Das Reparatur-Problem kann nur dadurch gelöst werden, dass die ProduktqualitĂ€t steigt, nicht durch eine andere Art von Bilanzierung oder Statistik. Hier offenbart sich auch ein falsches VerstĂ€ndnis der Wirkung von Planung. Die Planung selbst hat fast ĂŒberhaupt keine produktive Wirkung ausser in dem Sinn, dass ohne „Planung“ im allgemeinen Sinn  natĂŒrlich jede Art von Produktion unmöglich ist. Planung hat aber nur dann eine „sozialistische“ QualitĂ€t, wenn sie einen anderen Inhalt hat, nĂ€mlich die Produktion nicht von Tauschwerten, sondern von Gebrauchswerten zu planen. Nicht nur die Produzenten, sondern auch die Konsumenten werden zum Subjekt der Planung. Durch die allumfassende Verstaatlichung wurde aber gerade diese Art von Planung, d.h. deren „sozialistischer“ Inhalt, verhindert.

Wozu die Allmacht der BĂŒrokratie in der UdSSR fĂŒhrte, sollen einige Beispiele illustrieren.

Beispiel Wohnungswesen

Die Wohnungsnot in den StĂ€dten war eines der grĂ¶ĂŸten sozialen Probleme der Sowjetrepublik und besteht tw. bis in die Gegenwart. 1928 heißt es dazu offiziell: „Es werden bei uns viele Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen gebaut, wĂ€hrend der Arbeiter nur ein Zimmer bewohnen kann. Das Ergebnis ist, dass Arbeiterfamilien des öfteren alle Zimmer vermieten und selbst in der KĂŒche oder in einer kleinen Kammer hausen. Dieser Umstand trĂ€gt natĂŒrlich keineswegs zur Erhaltung der HĂ€user bei. In Leningrad befinden sich erst kĂŒrzlich erbaute Arbeiterwohnungen in einem Ă€ußerst verwahrlosten und verfallenen Zustande.“ (Koserenko, Die nĂ€chsten Aufgaben des Wohnungsbaues, Ekonomitscheskaja Shisn, 18.1.28, zit. nach: I.Iljin (Herausgeber) „Welt vor dem Abgrund. Politik, Wirtschaft und Kultur im kommunistischen Staate“, Eckart-Verlag Berlin, 1931)

Die gebauten Wohnungen hatten also Gebrauchseigenschaften, die den Interessen der Massen in einer Situation großer Wohnungsnot ĂŒberhaupt nicht entsprachen. Was die BĂŒrokratie als sinnvoll ansah, war es also durchaus nicht. Und dem Maurer vor Ort konnte egal sein, was er baut, denn er kann die BedĂŒrfnisse im gesellschaftlichen Maßstab gar nicht kennen und selbst wenn, konnte er die Planung ja nicht beeinflussen.

Wie impotent der staatliche Wohnungsbau war, zeigt auch das folgende Beispiel. 1924-27 schuf der private Wohnungsbau (der oft illegal und mit enormen Materialbeschaffungsproblemen konfrontiert war) eine WohnflĂ€che von 7,8 Mill. Quadratmetern, wĂ€hrend der staatliche Wohnungsbau im gleichen Zeitraum und mit dem Aufwand weit grĂ¶ĂŸerer Geldmittel nur 6,4 Mill. Quadratmeter herstellte.

Mit der Durchsetzung des Stalinismus wurden immense Ressourcen dafĂŒr verwendet, unsinnige Prestigeobjekte zu errichten. So ist z.B. der Kontrast zwischen den pompösen (und zugleich oft hĂ€ĂŸlichen, im ZuckerbĂ€ckerstil gestalteten) Metro-Stationen in Moskau und Leningrad oder den landesweit errichteten „KulturpalĂ€sten“, die v.a. der BĂŒrokratie dienten, und der kĂ€rglichen Wohnsituation der meisten Menschen schockierend. Andere Projekte wie z.B. der Weißmeer-Kanal wurden mit riesigem Aufwand (darunter dem Einsatz von zehntausenden Zwangsarbeitern) realisiert – oft ohne dass sie irgendeinen Nutzen hatten und zudem noch permanent enorme Instandhaltungskosten erzeugten.

Dieselbe AbsurditĂ€t in der Gestaltung von Wohnungen zeigte sich auch in Berlin, in der Gestaltung der „Stalinallee“ (heute Karl-Marx-Allee) in den 1950ern. Mit immensem Bauaufwand wurde relativ wenig Nutzraum geschaffen, weil sehr viel „reprĂ€sentativer Schnickschnack“ gebaut wurde und die WohnrĂ€ume mit weit ĂŒber 3 Metern viel zu hoch waren. Schlechtes Produktdesign fĂŒhrte so zur enormen Vergeudung von Material und Arbeitskraft (und Heizenergie bei der Nutzung) fĂŒr relativ wenig Nutzen.

Trotzki betont, „ein erfolgreicher sozialistischer Aufbau (ist) undenkbar ohne Einschaltung des unmittelbaren persönlichen Interesses der Erzeuger und Verbraucher in das Plansystem“. Doch wie auch Lenin stellt auch er sich letztlich die Wirtschaftslenkung so vor, dass ein zentralisierter Staatsapparat das entscheidende Subjekt dabei ist. Die „Erzeuger und Verbraucher“ dĂŒrfen sich dabei „einschalten“, dĂŒrfen „mitwirken“. Arbeiterdemokratie ist hier also nicht die Grundlage und der eigentliche Mechanismus, der die Produktion bestimmt – er ist lediglich ein schönes „Attribut“ der Staatlichkeit. Hier – wie in der gesamten bolschewistischen Gesellschaftskonzeption –  zeigt sich auch das einseitige, falsche und unmarxistische StaatsverstĂ€ndnis von Lenin und Trotzki und dessen fatale Folgen in der Praxis.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass es entscheidend ist, was geplant wird – welche Produkte mit welchen konkreten Gebrauchseigenschaften. Die stalinschen 5-Jahr-PlĂ€ne waren nicht nur, wie Trotzki richtig analysiert, dadurch gekennzeichnet, dass sie unerhörte Diskrepanzen aufwiesen und oft mit viel Verschwendung verbunden waren. V.a. wurden oft schlechte Produkte hergestellt. Wenn die Ausschußquote in der Industrie zwischen 10 und 30% lag, wie man selbst den offiziellen damaligen Quellen entnehmen kann (die sicher noch viel geschönt haben), dann wĂ€re es fast besser gewesen, diese Produkte nicht zu produzieren, weil man so wenigstens keine Ressourcen vergeudet hĂ€tte.

Ein anderer Aspekt der bĂŒrokratischen Planung gerade der 1920/30er Jahre war, dass der besonders  forcierte Ausbau der Schwerindustrie (der sicher notwendig war) selbst das Gros der Produktion der Schwerindustrie verbrauchte. Um ein Stahlwerk zu bauen, braucht man v.a. Zement und Stahl. Diese Ressourcen fehlten damit natĂŒrlich in anderen Bereichen. Hinzu kam, dass ein erheblicher Teil der Produktion der Schwerindustrie in die RĂŒstung floss, d.h. der restlichen Wirtschaft und der KonsumgĂŒterindustrie verloren ging – und das in einer Zeit, als der Imperialismus ausser Stande war, die UdSSR anzugreifen. Als dann Hitler 1941 die UdSSR ĂŒberfiel, erwies sich, dass die Rote Armee materiell der Wehrmacht in allen Belangen (Flugzeuge, Panzer, Artillerie) hoch ĂŒberlegen war. Diese „ÜberrĂŒstung“ nutzte freilich gar nichts, weil durch Stalins extrem dumme Politik alles zunichte gemacht wurde.

Die Ausweitung der wirtschaftlichen Basis der UdSSR unter Stalin stellte sich bei genauer Betrachtung also auch als unerhörte Vergeudung und Fehllenkung von Ressourcen dar. Dabei ist noch zu bedenken, dass durch die Zwangskollektivierung, die parallel zum ersten 5-Jahr-Plan stattfand, mehrere Millionen Menschen durch Hunger und Terror umkamen, also millionenfach Arbeitskraft vernichtet wurde und die Agrarproduktion, die sich gerade erst wĂ€hrend der NÖP etwas erholt hatte, erneut dramatisch einbrach. Diese Negativeffekte wiegen die „Erfolge“ der Industrialisierung jener Zeit weitgehend auf. Zudem wurde ein erheblicher Teil des gesellschaftlichen Produkts von der BĂŒrokratie selbst verbraucht.

Die Herrschaft der BĂŒrokratie und die Enteignung aller Produzenten (auch der Bauern) fĂŒhrte also zu einer Wirtschaftsentwicklung, die in Wahrheit insgesamt (also ĂŒber den Bereich der Industrie hinaus) weit davon entfernt war, besonders dynamisch zu sein und an den wirklichen BedĂŒrfnissen der Menschen wie denen der Wirtschaft zum Teil weit vorbei ging.

In großen Teilen der der Linken – ob sie sich nun auf Stalin oder auf Trotzki beziehen oder nicht -, ist es ĂŒblich, von den großen Erfolgen der Industriealisierung zu sprechen, und allenfalls bestimmte bĂŒrokratische Verirrungen, Überspitzungen und Disproportionen zu kritisieren. Zugleich wird darauf verwiesen, dass Russland durch den Zarismus extrem rĂŒckstĂ€ndig war und eine positive soziale Entwicklung ohne Revolution gar nicht hĂ€tte stattfinden können. So schreibt Trotzki in der „Verratenen Revolution“: „Russland betrat die Bahn der proletarischen Revolution, nicht weil seine Wirtschaft zuerst fĂŒr die sozialistische UmwĂ€lzung reif gewesen wĂ€re, sondern weil sich diese auf kapitalistischer Grundlage ĂŒberhaupt nicht weiterentwickeln konnte. Die Vergesellschaftung des Eigentums an den Produktionsmitteln war notwendige Voraussetzung vor allem, um das Land aus der Barbarei herauszufĂŒhren“.

Das ist eine fĂŒr einen Marxisten recht seltsame Position. NatĂŒrlich haben die ArbeiterInnen die Revolution begonnen, weil die VerhĂ€ltnisse dafĂŒr „reif“ waren, wenn auch vielleicht nicht in dem Maße wie in entwickelteren LĂ€ndern. „Unreif“ wĂ€re Russland gewesen, wenn es keine Industrie und kein Proletariat gegeben hĂ€tte. Doch Russland gehörte schon vor 1914 zu den grĂ¶ĂŸten IndustriemĂ€chten der Welt und war der weltgrĂ¶ĂŸte Getreideexporteur. Die Unterentwicklung bestand v.a. darin, dass die Pro-Kopf-Produktion relativ niedrig war.

Das Wachstumstempo (nur der Industrie, in der wirtschaftlich „dominierenden“ Landwirtschaft gelang es erst nach Jahrzehnten, das Niveau von 1914 wieder zu erreichen) unter Stalin tĂ€uschte Trotzki und die meisten Linken darĂŒber hinweg, dass die Entwicklung erstens nicht ewig in Form der extensiven Erweiterung erfolgen kann und die Ausschaltung aller TriebkrĂ€fte – der bĂŒrgerlichen wie der proletarischen – frĂŒher oder spĂ€ter dazu fĂŒhren musste, dass die gesamte wirtschaftliche Dynamik immer schwĂ€cher wird. Genau das ist dann ab den 1960/70ern auch passiert.

Hinter diesen Auffassungen Trotzkis (wie auch Lenins) steht die einseitige und irrige Annahme, Russland könne und mĂŒsse eine „nachholende Entwicklung“ durchfĂŒhren. Doch die Vergesellschaftung des Eigentums an den Produktionsmitteln war eben keineswegs eine notwendige Voraussetzung, um das Land aus der RĂŒckstĂ€ndigkeit herauszufĂŒhren, sondern, um zum Kommunismus zu kommen, was freilich nicht dasselbe ist. Eine nachholende kapitalistische Entwicklung – Lenin hat wiederholt betont, dass Sowjetrussland eine „staatskapitalistische“ Phase durchlaufen mĂŒsse – fĂŒhrt jedoch nicht zum Kommunismus, sondern zum Kapitalismus.

Wirtschaftliche Entwicklung „an sich“ stellt meistens auch der Kapitalismus sicher. Das belegt auch die Enwicklung des zaristischen Russlands seit den 1860er Jahren. Dessen industrielle Wachstumsraten seit den 1880ern bis zum 1. Weltkrieg wurden nur von Deutschland und den USA erreicht. Trotz aller RĂŒckstĂ€ndigkeit gehörte Russland 1914 zu den grĂ¶ĂŸten WirtschaftsmĂ€chten der Erde. Oder schauen wir uns den fast kometenhaften Aufstieg Chinas seit den 1970ern an. Auch dort erfolgte eine atemberaubende Entwicklung, ohne dass dort die Arbeiterklasse herrscht.

Es geht darum, dass die sozialistische Vergesellschaftung notwendig ist, um die ProduktivkrĂ€fte besser und schneller entwickeln zu können als der Kapitalismus und damit diese Entwicklung der gesamten Gesellschaft und nicht nur einer Minderheit zugute kommt. D.h. alle Versuche, mittels der Entwicklung einer „bĂŒrgerlichen“ Wirtschaft zum Sozialismus zu kommen, sind zum Scheitern verurteilt. Die UdSSR ist ein schlagendes Beispiel dafĂŒr.

Einige Schlussfolgerungen

Nur eine spezifisch „sozialistische“ UmwĂ€lzung der gesamten Produktionsweise (die nicht nur die EigentumsverhĂ€ltnisse umfasst) kann zum Sozialismus fĂŒhren. Ein Aspekt dieser UmwĂ€lzung ist die Revolutionierung der Produkte. Nicht nur wie, sondern auch was sie produziert, kennzeichnet die QualitĂ€t einer Gesellschaft und ihren Klassencharakter.

Was können wir nun hinsichtlich der „allgemeinen Merkmale“ von Produkten der nachkapitalistischen Ökonomie aussagen? ZunĂ€chst einmal weisen sie auch einige grundlegende Charakteristika von kapitalistischen Produkten auf, wobei diese tw. weiterentwickelt werden, weil die bĂŒrgerlichen Rahmenbedingungen, die diese Weiterentwicklung behindern, wegfallen. Zugleich weisen „kommunistische Produkte“ aber auch generell neue QualitĂ€ten auf.

Die allgemeinen Produktmerkmale sind u.a.:

  • starker Einfluss der Konsumenten auf Produktentwicklung und -verĂ€nderung;
  • höheres Level an Standardisierung als im Kapitalismus;
  • gleiche Produktpalette aller Hersteller bei hohem Variantenreichtum (Farbe, Zusatzteile, „Extras“) entsprechend den WĂŒnschen der Verbraucher;
  • kein „unnĂŒtzes“ Dekor;
  • möglichst wenig Ressourcenverbrauch (Rohstoffe, Energie, Arbeit) bei Herstellung und Benutzung der Produkte;
  • Kennzeichnung des Herstellers bzw. des einzelnen Produktionsbereichs, aber keine Werbung;
  • Bevorzugung der Reparatur bzw. des Komponentenaustauschs vor Neuproduktion;
  • höchste QualitĂ€t und Haltbarkeit, keine „Billigprodukte“;
  • Bauart und FunktionalitĂ€t berĂŒcksichtigt die gesellschaftliche Dimension des Gebrauchs (Ressourcenverbrauch, Recyclingmöglichkeit, tw. KompatibilitĂ€t usw.);
  • Abgleichen der ProduktqualitĂ€t mit den gesellschaftlichen Produktivstrukturen.

Die Produktrevolution hat enorme Effekte fĂŒr die Produktion und die Befriedigung der BedĂŒrfnisse der Gesellschaft. Diese Effekte sind z.B.:

  • weniger Ressourcenverbrauch;
  • Reduzierung von (Neu)Produktion;
  • VerkĂŒrzung der notwendigen Arbeit;
  • Verringerung „unproduktiver“ Sektoren, die sich aus schlechten Produkten ergeben (z.B. Abfallwirtschaft);
  • bessere Befriedigung der individuellen wie gesellschaftlichen BedĂŒrfnisse.

Unter dem Strich bedeutet Produktrevolution erhebliche Steigerung der ArbeitsproduktivitĂ€t – gesamtgesellschaftlich betrachtet und nicht borniert betriebswirtschaftlich, wie im Kapitalismus ĂŒblich. Das heißt: die Produktrevolution ist nicht nur allgemein ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung der nachkapitalistischen Gesellschaft. Sie ist nicht nur eine (mögliche) Folge einer antikapitalistischen UmwĂ€lzung, sie ist auch eine wichtige Bedingung dafĂŒr, dass sich die Übergangsgesellschaft gegenĂŒber der sie umgebenden kapitalistischen „Restwelt“ ökonomisch behaupten kann.

Passend zum Thema:

Ein dreiviertel Jahrhundert fĂŒr vier Quadratmeter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.