Hannah Behrendt
Die Arbeiterbewegung hat sich schon früh gegen Frauenunterdrückung gewandt und viele Verbesserungen der Situation von Frauen – nicht nur proletarischer, sondern aller Frauen – erkämpft. Sie hat entscheidende Impulse für die Frauenbefreiung gegeben. Allein die Einführung vieler Verbesserungen, Reformen und Rechte im Interesse von Frauen als Folge von Klassenkämpfen und Revolutionen – selbst gescheiterten – belegt das. Auch der 8. März als Internationaler Kampftag der Frauen, der erstmals 1911 stattfand, ist ein Beispiel dafür. Der Kampf für die Interessen von Frauen sollte nicht nur den Effekt haben, Verbesserungen zu erreichen, er sollte auch die Organisierung, das Selbst- und das Klassenbewusstsein proletarischer Frauen heben. Zugleich veränderte er auch die Einstellung der männlichen Arbeiter und beförderte die Überwindung bornierter und frauenfeindlicher Einstellungen bei ihnen.
Die folgende Episode zeigt, wie problematisch die Stellung von Linken zur Frauenfrage aber oft war: Jeanne Deroin war eine bekannte Gestalt der 1848er Revolution in Frankreich. Sie organisierte Arbeiterinnen und forderte politische und soziale Rechte für Frauen. Sie war Mitbegründerin der Zeitung „La Voix des femmes“ (Die Stimme der Frauen). Als Deroin 1849 als erste Frau zur Nationalversammlung kandidierte, spottete der französische Anarchist Proudhon, eine weibliche Abgeordnete sei ungefähr so sinnvoll wie eine männliche Amme. Ferdinand Lassalle, der Begründer der ersten deutschen Arbeiterpartei, des „Allgemeinen deutschen Arbeitervereins“ (ADAV), trat gegen die Frauenarbeit auf und sah die Rolle der Frau auf Familie, Haushalt und Kinder beschränkt. Auch viele männliche Arbeiter waren früher gegen die Beschäftigung von Frauen, weil diese ihnen den Job wegnähmen oder als Billigarbeiterinnen den Lohn drücken würden.
Frauenunterdrückung
Die Frauenunterdrückung hat verschiedene Aspekte, u.a.:
- die sexuelle Unterdrückung und Ausbeutung;
- die soziale Benachteiligung durch schlechtere Löhne, behinderte „Karrieren“, Bindung an Kinder, Haushalt und Familie usw.;
- frauenfeindliche Ideologien, Erziehung und Traditionen (Sexismus, bürgerlicher Konservatismus, Religion u.a.);
- Einschränkungen der demokratischen Teilhabe durch rechtliche Nachteile und/oder praktische Probleme, diese Rechte wahrzunehmen.