Der Begriff „Defätismus“ ist vom französischen „défaitisme“ abgeleitet und steht für Niederlage oder Miesmacherei. Ursprünglich meinte der Begriff „Defätismus“ eine Haltung, die sich gegen Kriegstreiberei wendet und für militärischen Ungehorsam eintritt. Der Begriff „Revolutionärer Defätismus“ bezeichnet im Marxismus eine Taktik von Revolutionären zum Krieg, bes. gegenüber dem imperialistischen Krieg
Mit der Epoche des Imperialismus haben Militarismus, Rüstung und Krieg an Bedeutung gewonnen, weil die Kapitalverwertung nur noch global erfolgen kann und zu einem weltweiten Kampf um Märkte, Ressourcen und Einflusssphären führt. Aufrüstung und Militarisierung sind zudem wichtige Bereiche der kapitalistischen Wirtschaft geworden. Nationalismus und Militarismus dienen auch zur Ablenkung von sozialen Problemen und vom Klassenkampf und binden die Bevölkerung an „ihre Nation“, sprich an ihre Bourgeoisie.
In der Aufstiegsphase des Kapitalismus gab es noch Kriege zur Durchsetzung der nationalen Souveränität, die einen, wenn auch durch den bürgerlichen Rahmen begrenzten, fortschrittlichen Charakter hatten. So unterstützten Marx und Engels 1870 den Krieg Preußen-Deutschlands gegen Frankreich, weil ein deutscher Sieg die nationale Einigung Deutschlands und die Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse (und damit die Stärkung der Arbeiterklasse) beförderte. Sie lehnten es aber ab, Deutschland auch dann noch zu unterstützen, wenn es den Krieg zu Eroberungen und Reparationen missbrauchen würde.
Ende des 19. Jahrhunderts hatte der inzwischen imperialistische Kapitalismus jede fortschrittliche historische Funktion verloren. Kriege zwischen imperialistischen Staaten dienten nur noch der Sicherung oder Ausweitung der Macht des jeweiligen Bourgeoisie und müssen daher von der Arbeiterbewegung abgelehnt und bekämpft werden, so dass sie verhindert oder möglichst schnell beendet werden. Die bürgerliche Propaganda von „westlichen Werten“, der „Sicherung der Demokratie“ usw. muss entlarvt werden, weil es immer nur um die Pofit- und Machtinteressen des Kapitals geht. Die Arbeiterklasse muss die Kriegführung des eigenen Staates behindern, sie darf den Klassenkampf gegen die eigene Bourgeoisie nicht einstellen – selbst auf die Gefahr der militärischen Niederlage hin. In diesem Sinn sagte Karl Liebknecht angesichts des 1. Weltkriegs: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“
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