Fundstück VI

Wir haben uns einen Menschentypus zurechtgezimmert – je nach Epoche einen anderen – und klammern uns so sehr daran, dass wir alles, was ihm nicht gleicht, als krank oder monströs erachten.

Ist nicht einer der Gründe für unsere eigenen Qualen die Entdeckung, die wir früher oder später machen, dass auch wir ihm nicht gleichen?

George Simenon, Der verlorene Sohn

Fundstück V

Es scheint kein Unsinn zu sein, wenn man sagt, dass alle Kunst irgendwann einmal Massenunterhaltung wird; und wird sie das nicht, stirbt sie und wird vergessen.

Ramond Chandler, Oscar-Abend in Hollywood

Fundstück III

Vergesst nicht, dass diejenigen Menschen euch am besten dienen werden, die ihr aus eurer eigenen Mitte wählen werdet, die das gleiche Leben wie ihr führen und die gleichen Leiden ertragen wie ihr (…) Vermeidet vom Schicksal Begünstigte, denn selten nur will derjenige, der ein Vermögen besitzt, im Arbeitenden seinen Bruder sehen. Wählt eher diejenigen, die sich um eure Stimmen nicht bewerben; der wahre Verdienst ist bescheiden, und es ist Sache der Wähler, ihre Kandidaten zu kennen, und nicht der Kandidaten, sich erst vorzustellen.

Aus dem Aufruf des ZK der Nationalgarde der Pariser Kommune vom 25.3.1871 am Vorabend der Wahlen.

Fundstück II

Die Sklaverei war ein Holocaust – und zwar einer, der 245 Jahre andauert. Genauso wie die Ausmerzung der amerikanischen Ureinwohner ein Holocaust war, nicht weniger schlimm als der Holocaust im Zweiten Weltkrieg oder der Völkermord an den Armeniern. Natürlich hat jedes dieser schrecklichen Ereignisse seine ganz eigene, nicht vergleichbare Geschichte. Aber letztlich ging es in allen Fällen um rassistisch motivierten Völkermord.

Filmemacher Quentin Tarantino in Berliner Zeitung 17.1.13

Fundstück I

Zeit ist es, was uns fehlt. Nur Zeit und weniger harte Arbeit. Damit wir auch einmal über uns selbst nachdenken können und nicht nur vor uns hinstarren und hinglotzen wie die Ochsen, die kauen und kauen und stieren und stieren und ziehen und ziehen und sonst nichts weiter zu tun wissen, als sich mit dem Schwanz die Fliegen wegzuscheuchen. Manchmal denke ich, dass wir viel elender sind, als Ochsen. Die Ochsen wissen es vielleicht nicht besser, aber wir wissen, dass alles besser sein kann; denn wir haben Dörfer gesehen und Städte und andere Menschen, die nicht so elend und unwissend sind wie wir.

B. Traven: Die Rebellion der Gehenkten