Warum Sozialismus?

Vorwort der Redaktion:
Der hier dokumentierte Text „Why Socialism?“ von Albert Einstein erschien zuerst 1949 in den USA in der Zeitschrift „Monthly Review“. Einstein ist zwar als Physiker berĂŒhmt, weit weniger bekannt ist aber, dass er auch immer ein politisch denkender und handelnder Mensch war. Einstein verstand sich in einem allgemeinen Sinn als Sozialist, auch wenn er sich fast nie öffentlich zu den Debatten und Problemen der Linken und der Arbeiterbewegung positioniert hat. Doch er war sich nicht nur der Verantwortung der Wissenschaft fĂŒr die Gesellschaft bewusst, er ging auch davon aus, dass der Kapitalismus nicht das letzte Wort der Geschichte sein kann und soll.

Einstein war kein Marxist. Er hat sich weder in diesem Sinn geĂ€ußert noch hat er sich systematisch mit dem Werk von Marx beschĂ€ftigt. Doch Einsteins soziales Denken war unzweifelhaft sowohl materialistisch als auch revolutionĂ€r in dem Sinn, dass er die als „normal“ angesehenen Grundlagen des Kapitalismus – Privateigentum, Profit, Konkurrenz – als untauglich fĂŒr eine lebenswerte, humane Gesellschaft angesehen und die „ewigen Werte“ als an historisch bestimmte Bedingungen geknĂŒpft verstanden hat.

Als Naturwissenschaftler war Einstein bewusst, dass man sich der Wahrheit immer nur weiter annĂ€hern kann, und die Entwicklung darin besteht, alte Theorien zu widerlegen oder durch bessere zu ersetzen, wie es etwa auch Poppers VerstĂ€ndnis vom Fortschritt durch das Falsifizieren von Erkenntnissen war. In diesem Sinn schreibt Einstein: „Die wahrnehmbaren ökonomischen Fakten gehören zu dieser Phase (des Kapitalismus, Anm. d. Red.) und selbst diejenigen Gesetze, die wir aus ihnen ableiten können, sind nicht auf andere Phasen anwendbar. Da es gerade das Ziel des Sozialismus ist, diese rĂ€uberische Phase menschlicher Entwicklung zu ĂŒberwinden und ĂŒber sie hinaus zu gelangen, kann die heutige ökonomische Wissenschaft wenig Licht auf die zukĂŒnftige sozialistische Gesellschaft werfen.“ Wir wissen nicht, ob Einstein das als Replik auf MarxÂŽ intensives BemĂŒhen ansah, aus der Analyse des Kapitalismus dessen ökonomische Tendenz zum Zusammenbruch bzw. zum Sozialismus abzuleiten. Jedenfalls verweist dieser Gedanke Einsteins auf den Umstand, dass sich Marx weit mehr der Analyse der „Vergangenheit“ gewidmet hat, als der sozialistischen Zukunft, deren Problemen und TriebkrĂ€ften.

Angesichts der Dogmatisierung des Marxismus v.a. durch den Stalinismus erscheint die folgende Aussage Einsteins fast prophetisch: „Aus diesen GrĂŒnden sollten wir uns davor hĂŒten, die Wissenschaft und wissenschaftliche Methoden zu ĂŒberschĂ€tzen, wenn es um Menschheitsprobleme geht; und wir sollten nicht davon ausgehen, dass Experten die einzigen sind, die das Recht haben, sich zu Fragen zu Ă€ußern, die die Organisation der Gesellschaft betreffen.“

Auch die Kritik Einsteins an der kapitalistischen Produktionsweise beinhaltet einen deutlichen Seitenhieb auf die RealitĂ€t des Stalinismus: „Doch ist daran zu erinnern, dass eine Planwirtschaft noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen. Die Verwirklichung des Sozialismus erfordert die Lösung einiger Ă€ußerst schwieriger sozialpolitischer Probleme: Wie kann angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und ökonomischer Macht eine BĂŒrokratie daran gehindert werden, allmĂ€chtig und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des Individuums geschĂŒtzt und somit ein demokratisches Gegengewicht zur BĂŒrokratie gesichert werden?“

Warum Sozialismus?

Von Albert Einstein

Ist es ratsam fĂŒr jemanden, der kein Experte auf dem Gebiet ökonomischer und sozialer Fragen ist, sich zum Wesen des Sozialismus zu Ă€ußern? Ich denke aus einer Reihe von GrĂŒnden, dass dies der Fall ist.

Betrachten wir die Frage zunĂ€chst vom Standpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnis. Es mag scheinen, als gĂ€be es keine wesentlichen methodologischen Unterschiede zwischen Astronomie und Ökonomie: Wissenschaftler beider Gebiete versuchen, allgemein akzeptable Gesetze fĂŒr eine begrenzte Anzahl von PhĂ€nomenen zu entdecken, um deren Zusammenhang so verstĂ€ndlich wie möglich zu machen. Aber in Wirklichkeit existieren solche methodologischen Unterschiede. Die Entdeckung allgemeiner Gesetze im Bereich der Ökonomie wird dadurch erschwert, dass die zu betrachtenden ökonomischen PhĂ€nomene von vielen Faktoren beeinflusst sind, die einzeln schwer zu beurteilen sind. Außerdem waren die Erfahrungen, die sich seit Beginn der „zivilisierten Periode“ der menschlichen Geschichte angesammelt haben – wie wir wissen -, stark von Faktoren beeinflusst und beschrĂ€nkt, die keineswegs ausschließlich ökonomischer Natur sind. Zum Beispiel verdanken die meisten der grĂ¶ĂŸeren Staaten ihre Existenz Eroberungen. Die erobernden Völker machten sich selbst – gesetzlich und wirtschaftlich gesehen – zur privilegierten Klasse des eroberten Landes. Sie sicherten sich das Monopol an Landbesitz und ernannten Priester aus ihren eigenen Reihen. Diese Priester, die die Macht ĂŒber das Erziehungswesen hatten, machten die Teilung der Gesellschaft in Klassen zu einer Dauereinrichtung und schufen ein Wertesystem, dass die Menschen seitdem – in einem hohen Grad unbewusst – in ihrem sozialen Verhalten leitete.

Wenngleich diese historische Tradition eigentlich der Vergangenheit angehört, haben wir nirgendwo das, was Thorstein Veblen die „rĂ€uberische Phase“ der menschlichen Entwicklung nannte, wirklich ĂŒberwunden. Die wahrnehmbaren ökonomischen Fakten gehören zu dieser Phase und selbst diejenigen Gesetze, die wir aus ihnen ableiten können, sind nicht auf andere Phasen anwendbar. Da es gerade das Ziel des Sozialismus ist, diese rĂ€uberische Phase menschlicher Entwicklung zu ĂŒberwinden und ĂŒber sie hinaus zu gelangen, kann die heutige ökonomische Wissenschaft wenig Licht auf die zukĂŒnftige sozialistische Gesellschaft werfen.

Zweitens ist der Sozialismus auf ein sozial-ethisches Ziel ausgerichtet. Wissenschaft kann jedoch keine Ziele schaffen, geschweige denn sie den Menschen einflĂ¶ĂŸen: Wissenschaft kann bestenfalls die Mittel liefern, mit denen bestimmte Ziele erreicht werden können. Aber die Ziele selbst werden von Persönlichkeiten mit hochgesteckten ethischen Idealen erdacht und – wenn diese Ziele nicht eine Totgeburt, sondern vital und kraftvoll sind – werden sie von den vielen Menschen ĂŒbernommen und weitergetragen, die, teilweise unbewusst, die langsame Entwicklung der Gesellschaft bestimmen.

Aus diesen GrĂŒnden sollten wir uns davor hĂŒten, die Wissenschaft und wissenschaftliche Methoden zu ĂŒberschĂ€tzen, wenn es um Menschheitsprobleme geht; und wir sollten nicht davon ausgehen, dass Experten die einzigen sind, die das Recht haben, sich zu Fragen zu Ă€ußern, die die Organisation der Gesellschaft betreffen.

Der Mensch ist gleichzeitig ein Einzel- und ein Sozialwesen. Als ein Einzelwesen versucht er, seine eigene Existenz und die derjenigen Menschen zu schĂŒtzen, die ihm am nĂ€chsten sind, sowie seine persönlichen WĂŒnsche zu befriedigen und seine angeborenen FĂ€higkeiten zu entwickeln. Als ein Sozialwesen versucht er, die Anerkennung und Zuneigung seiner Mitmenschen zu gewinnen, ihre Freuden zu teilen, sie in ihren Sorgen zu trösten und ihre LebensumstĂ€nde zu verbessern.

Allein die Existenz dieser vielfÀltigen, hÀufig widerstreitenden Bestrebungen macht den speziellen Charakter des Menschen aus, und die jeweilige Kombination bestimmt, inwieweit ein Individuum sein inneres Gleichgewicht erreichen und damit etwas zum Wohl der Gesellschaft beitragen kann. Es ist gut vorstellbar, dass die relative Kraft dieser beiden Antriebe hauptsÀchlich erblich bedingt ist. Aber die Persönlichkeit wird letztlich weitestgehend von der Umgebung geformt, die ein Mensch zufÀllig in seiner Entwicklung vorfindet, durch die Gesellschaftsstruktur, in der er aufwÀchst, durch die Traditionen dieser Gesellschaft und dadurch, wie diese Gesellschaft bestimmte Verhaltensweisen beurteilt.

Der abstrakte Begriff „Gesellschaft“ bedeutet fĂŒr den einzelnen Menschen die Gesamtheit seiner direkten und indirekten Beziehungen zu seinen Zeitgenossen und zu allen Menschen frĂŒherer Generationen. Das Individuum ist in der Lage, selbststĂ€ndig zu denken, zu fĂŒhlen, zu kĂ€mpfen, zu arbeiten; aber es ist in seiner physischen, intellektuellen und emotionalen Existenz derart abhĂ€ngig von der Gesellschaft, dass es unmöglich ist, es außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens zu betrachten. Es ist die „Gesellschaft“, die den Menschen Nahrung, Kleidung, Wohnung, Werkzeuge, Sprache, die Formen des Denkens und die meisten Inhalte dieser Gedanken liefert; sein Leben wird durch die Arbeit möglich gemacht und durch die Leistungen der vielen Millionen Menschen in Gegenwart und Vergangenheit, die sich hinter dem Wort „Gesellschaft“ verbergen.

Es ist deshalb offensichtlich, dass die AbhĂ€ngigkeit des Individuums von der Gesellschaft ein Faktum der Natur ist, der nicht aus der Welt geschafft werden kann – genau wie im Falle der Ameisen und Bienen. Doch wĂ€hrend der gesamte Lebensprozess von Ameisen und Bienen bis ins kleinste Detail an starre, erbliche Instinkte gebunden ist, sind die sozialen Muster und die sozialen Verbindungen der Menschen sehr variabel und empfĂ€nglich fĂŒr verschiedenste VerĂ€nderungen. Das GedĂ€chtnis, die FĂ€higkeit, Neues zu versuchen, die Möglichkeit der mĂŒndlichen Kommunikation haben beim Menschen Entwicklungen ermöglicht, die nicht von biologischen Erfordernissen diktiert wurden. Solche Entwicklungen Ă€ußern sich in Traditionen, Institutionen und Organisationen, in der Literatur, in wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, in Werken der Kunst. Das erklĂ€rt, weshalb der Mensch in einem gewissen Sinne sein Leben selbst beeinflussen kann und dass in diesem Prozess bewusstes Denken und Wollen eine Rolle spielen kann.

Der Mensch erwirbt mit der Geburt durch Vererbung eine biologische Grundlage, die wir als fest und unabĂ€nderlich betrachten mĂŒssen. Dies schließt die natĂŒrlichen Triebe ein, die fĂŒr die menschliche Spezies charakteristisch sind. DarĂŒber hinaus erwirbt er wĂ€hrend seines Lebens eine kulturelle Grundlage, die er von der Gesellschaft durch Kommunikation und durch viele andere EinflĂŒsse ĂŒbernimmt. Diese kulturelle Grundlage ist im Lauf der Zeit Änderungen unterworfen, und sie bestimmt zu einem großen Teil die Beziehungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Die moderne Anthropologie hat uns durch vergleichende Untersuchungen „primitiver“ Kulturen gelehrt, dass das soziale Verhalten der Menschen sehr unterschiedlich sein kann und jeweils von den vorherrschenden kulturellen Mustern und den in der Gesellschaft vorherrschenden Organisationstypen abhĂ€ngt. Auf diese Tatsache können diejenigen ihre Hoffnung bauen, die das Los der Menschen verbessern wollen: Menschen sind nicht durch ihre biologische Konstitution dazu verdammt, einander zu vernichten; sie sind nicht auf Gedeih und Verderb einem schrecklichen, selbst auferlegten Schicksal unterworfen.

Wenn wir uns fragen, wie die Gesellschaftsstruktur und die kulturellen Einstellungen des Menschen geĂ€ndert werden sollen, um das menschliche Leben so befriedigend wie möglich zu machen, sollten wir uns immer der Tatsache bewusst sein, dass es bestimmte Bedingungen gibt, die wir nicht verĂ€ndern können. Wie bereits erwĂ€hnt, sieht die biologische Natur des Menschen in der Praxis keine Änderung vor. Des weiteren haben technologische und demografische Entwicklungen der letzten Jahrhunderte Bedingungen geschaffen, die bleibend sind. Bei einer relativ hohen Bevölkerungsdichte und mit Blick auf die Waren, die fĂŒr ihre Existenz unentbehrlich sind, sind eine extreme Arbeitsteilung und ein hoch zentralisierter Produktionsapparat unbedingt notwendig. Die Zeiten, in denen Individuen oder relativ kleine Gruppen völlig autark sein konnten – und die in der RĂŒckschau so idyllisch erscheinen -, sind unwiderruflich vorbei. Es ist nur eine leichte Übertreibung, wenn man sagt, dass die Menschheit jetzt sogar eine weltweite Gemeinschaft in Bezug auf Produktion und Verbrauch bildet.

Ich bin nun an dem Punkt angelangt, kurz anzudeuten, was fĂŒr mich das Wesen der Krise unserer Zeit ausmacht. Es betrifft das VerhĂ€ltnis des Individuums zur Gesellschaft. Das Individuum ist sich seiner AbhĂ€ngigkeit von der Gesellschaft stĂ€rker bewusst als je zuvor. Aber es erfĂ€hrt diese AbhĂ€ngigkeit nicht als etwas Positives, Organisches, als Schutzgewalt, sondern eher als eine Bedrohung seiner naturgegebenen Rechte oder sogar seiner ökonomischen Existenz. Außerdem ist seine Stellung in der Gesellschaft derart, dass seine egoistischen Triebe stĂ€ndig hervorgehoben werden, wĂ€hrend seine von Natur aus schwĂ€cheren sozialen Triebe schwĂ€cher werden und immer mehr verkĂŒmmern. Alle Menschen leiden unter diesem Prozess der Verschlechterung – ganz gleich welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben. Als unwissentliche Gefangene ihrer eigenen Ichbezogenheit fĂŒhlen sie sich unsicher, einsam und des ursprĂŒnglichen, einfachen und schlichten Lebensgenusses beraubt. Der Mensch kann den Sinn seines kurzen und bedrohten Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden.

Die ökonomische Anarchie der heutigen kapitalistischen Gesellschaft ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels. Vor uns sehen wir eine riesige Gemeinschaft von Produzenten, deren Mitglieder unaufhörlich bestrebt sind, einander die FrĂŒchte ihrer kollektiven Arbeit zu berauben – nicht mit Gewalt, aber im Allgemeinen in getreuer Einhaltung der gesetzlich feststehenden Regeln. Die Produktion ist fĂŒr den Profit da – nicht fĂŒr den Bedarf. Es gibt keine Vorsorge dafĂŒr, dass all jene, die zu arbeiten fĂ€hig und bereit sind, immer Arbeit finden können. Es gibt fast immer eine „Heer von Arbeitslosen“. Der Arbeiter lebt dauernd in der Angst, seinen Job zu verlieren. Da arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt darstellen, ist die Produktion von KonsumgĂŒtern beschrĂ€nkt, und große Not ist die Folge. Technologischer Fortschritt fĂŒhrt hĂ€ufig zu mehr Arbeitslosigkeit statt zu einem Milderung der Last der Arbeit fĂŒr alle. Das Gewinnmotiv ist in Verbindung mit der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten fĂŒr InstabilitĂ€t in der Akkumulation und Verwendung des Kapitals verantwortlich, und dies bedeutet zunehmende Depressionen. Unbegrenzte Konkurrenz fĂŒhrt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zur LĂ€hmung des sozialen Bewusstseins von Individuen. Diese LĂ€hmung des Individuums halte ich fĂŒr das grĂ¶ĂŸte Übel des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet darunter. Dem Studenten wird ein ĂŒbertriebenes Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung fĂŒr seine zukĂŒnftige Karriere anzusehen.

Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass es nur einen Weg gibt, diese Übel loszuwerden, nĂ€mlich die Errichtung eines sozialistischen Wirtschaftssystems, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielen orientiert. In solch einer Wirtschaft gehören die Produktionsmittel der Gesellschaft selbst und ihr Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die Produktion den BedĂŒrfnissen der Gemeinschaft anpasst, wĂŒrde die Arbeit auf alle verteilen, die arbeiten können. Sie wĂŒrde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen Lebensunterhalt garantieren. Die Bildung hĂ€tte zum Ziel, dass die Individuen zusĂ€tzlich zur Förderung ihrer eigenen angeborenen FĂ€higkeiten und anstelle der Verherrlichung von Macht und Erfolg in unserer gegenwĂ€rtigen Gesellschaft Verantwortung fĂŒr ihre Mitmenschen entwickeln.

Doch ist daran zu erinnern, dass eine Planwirtschaft noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen. Die Verwirklichung des Sozialismus erfordert die Lösung einiger Ă€ußerst schwieriger sozialpolitischer Probleme: Wie kann angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und ökonomischer Macht eine BĂŒrokratie daran gehindert werden, allmĂ€chtig und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des Individuums geschĂŒtzt und somit ein demokratisches Gegengewicht zur BĂŒrokratie gesichert werden?

In unserem Zeitalter des Übergangs ist Klarheit ĂŒber die Ziele und Probleme des Sozialismus von grĂ¶ĂŸter Bedeutung. Da unter den gegenwĂ€rtigen UmstĂ€nden die freie und ungehinderte Diskussion dieser Probleme einem machtvollen Tabu unterliegt, halte ich die GrĂŒndung dieser Zeitschrift fĂŒr ausgesprochen wichtig.

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