Energiewende: Wissenschaftlicher Materialismus oder idealistische Luftnummer?

Eine Kritik zum Artikel „Energiewende, Bluff oder Flop?“ in NI 201

Hannes Hohn

In Nummer 201 der Monatszeitung „Neue Internationale“ der Gruppe Arbeitermacht (GAM) vom Juli 2015 geht der Autor JĂŒrgen Roth auf die Energiewende (EW) ein (she. www.arbeitermacht.de).

Die Grundaussage des Artikels kann in zwei zentralen Positionen zusammengefasst werden. Erstens skizziert Roth eine Alternative zur EW und den kapitalistischen Bedingungen, unter denen sie stattfindet. Dabei betont er u.a. die Notwendigkeit der Enteignung der Konzerne, der Arbeiterkontrolle und einer demokratischen Planung inkl. eines „Energieplans“. Diese Stoßrichtung ist korrekt. Zweitens kritisiert der Autor die Art und Weise, wie die EW konkret umgesetzt wird. Völlig richtig verweist er auf das abstruse Neben- und Gegeneinander verschiedener Maßnahmen – auf das „Kuddelmuddel“ – dieser strukturellen Umgestaltung. Auch hier kann Roth generell zugestimmt werden.

Ein Artikel zur EW – eine ja durchaus sehr konkrete Sache – mĂŒsste allerdings an programmatischen Aussagen und politischen Forderungen mehr beinhalten als nur diese „AllgemeinplĂ€tze“. Gerade daran scheitert der Artikel aber – und nicht zufĂ€llig, weil Roths Methode mehr ĂŒberhaupt nicht zulĂ€sst.

Falsche Methode

Von den technischen und naturwissenschaftlichen Fragen – und um solche geht es bei der EW zunĂ€chst einmal – wird weitgehend abstrahiert, es werden v.a. gesellschaftliche Fragen in den Mittelpunkt gerĂŒckt. Diese spielen zwar fĂŒr MarxistInnen immer eine zentrale Rolle, doch heißt das nicht, dass andere Fragen damit obsolet wĂ€ren, schon gar nicht, wenn es um Fragen der technischen ProduktivkrĂ€fte geht. Wenn es nĂ€mlich so wĂ€re, dass die „Erneuerbaren Energien“ (EE) als Basis eines Energiesystems (nicht nur des Stromsystems!) technisch aktuell und in naher Zukunft gar nicht brauchbar wĂ€ren, dann wĂŒrde sich das natĂŒrlich auch nicht dadurch Ă€ndern, wenn die Arbeiterklasse herrschen und eine Planwirtschaft betreiben wĂŒrde.

Roth (wie alle Linken und „GrĂŒnen“) umgeht diese Frage, indem er einfach unterstellt, dass die EE (v.a. Wind und Solar) a priori als gut und nĂŒtzlich eingeschĂ€tzt werden. Die erste Frage muss aber sein, ob das ĂŒberhaupt so ist – und eine EinschĂ€tzung muss konkret anhand von Fakten bewiesen werden. Roth leistet das nicht. Anstatt von einer sachlichen Analyse der technischen (und insbesondere systemtechnischen) und naturwissenschaftlichen Fragen geht er von Ideologie aus.

Als Folge dieses durchaus unmaterialistischen Herangehens fehlen dem Artikel auch jegliche konkreten Aussagen und Forderungen zur EW. So hat der Artikel auch ĂŒberhaupt keine Relevanz fĂŒr die aktuelle politische Praxis: er verbleibt im Abstrakten. Um nur einige Fragen zu nennen, auf die ein Artikel eingehen sollte:

* Sind wir aktuell fĂŒr oder gegen den weiteren Ausbau der EE? Der Artikel Ă€ußert sich kritisch zu Bio-Gas-Anlagen, doch fordert er den Ausstieg daraus? Nein!

* Wie stehen wir zu den EE-Subventionen?

* Wie stehen wir zu den Protesten der Bevölkerung gegen WindrÀder oder Stromtrassen?

Vor allem zwei grundsĂ€tzliche Fragen behandelt der Artikel ĂŒberhaupt nicht und erweist sich schon dadurch als dem Thema unangemessen:

* Die EW ist praktisch nur eine Stromerzeugungswende, weil sie an der Struktur des PrimĂ€renergieverbrauchs fast nichts Ă€ndert und auch gar nicht Ă€ndern kann. So ist z.B. Öl mit ca. 33% der HauptenergietrĂ€ger in Deutschland (v.a. als Treibstoffgrundlage und zum Heizen), wĂ€hrend Windstrom nur ca. 1,5% Anteil am Gesamtenergieaufkommen hat, Solarstrom noch weniger (Stand 2014). Alle Vorstellungen, dass Verkehr und Heizungen aktuell oder in den nĂ€chsten 20-30 Jahren auf andere EnergietrĂ€ger umgestellt werden könnten, sind reine Utopie, entbehren jeder wissenschaftlich-technischen Grundlage – unbezahlbar sind sie ohnedies. Und selbst, wenn eine solche Umstellung möglich wĂ€re, mĂŒsste das anhand von Fakten bewiesen werden.

Die EW, d.h. die Ausweitung von EE (egal unter welchen gesellschaftlichen VerhĂ€ltnissen) bedeutet, dass der Aufwand fĂŒr Stromtransport, Speicherung, Umformung und Neubau von EE-Technik (die deutlich mehr technischen und Energieaufwand, nicht nur fĂŒr die Herstellung,  benötigt als herkömmliche Energie-Technologien) notwendigerweise steigt – technisch/naturwissenschaftlich bedingt – und dazu fĂŒhrt, dass dafĂŒr mehr physikalische Arbeit aufgewendet werden muss. M.a.W.: fĂŒr dieselbe Menge Strom, die der Endverbraucher erhĂ€lt, muss deutlich mehr Strom hergestellt werden, der dann durch die diversen notwendigen Prozesse (Speicherung usw.) „verloren“ geht. D.h. die Energiebilanz wird schlechter oder, anders ausgedrĂŒckt, die ProduktivitĂ€t sinkt! Es ist wohl ein einmaliger historischer Akt, dass der „Fortschritt“ einen solchen Salto rĂŒckwĂ€rts vollziehen soll.

Konkret in Zahlen bedeutet das: Wenn Wind- und Solarstrom in Deutschland aktuell nur einen sehr kleinen Anteil am PrimĂ€renergieverbrauch hat, dann könnte selbst eine Verzehnfachung der Zahl von WindrĂ€dern und Solarpaneelen diesen Anteil nicht ausreichend steigern, um die EE zur Grundlage des Energiesystems zu machen. Roth geht auf diese wichtigen Fragen ĂŒberhaupt nicht ein und beweist schon allein damit, dass er das zentrale Problem nicht verstanden hat.

Ein Stromsystem, das zu 100% auf EE beruht (in Deutschland also v.a. auf Wind und Solar) wĂŒrde fĂŒr den gleichen Stromverbrauch aufgrund der Verluste durch Stromtransport, Speicherung, Umformung also deutlich mehr Strom erzeugen mĂŒssen als derzeit. SchĂ€tzungen reichen von 20-40% Mehrproduktion. Es ist gerade so, als ob der Fortschritt im Verkehrswesen darin bestehen sollte, dass eine Familie statt 2 kĂŒnftig 3 Autos benutzen mĂŒsste, um dieselben Transportleistungen zu erbringen. Können MarxistInnen fĂŒr einen solchen „Fortschritt“ plĂ€dieren?! Ein solches Unterfangen ist umso absurder, als die realen Entwicklungen in der Kernspaltungstechnologie schon heute zeigen (natĂŒrlich nur Jenen, die nicht an einer abstrusen Atom-Phobie leiden), dass die Energie- und damit verbundene Umweltprobleme der Zukunft mittels Atomtechnologie lösbar sind – und zudem viel besser als mit den EE. Selbst bei Roth klingt das ja an, ohne dass er aber konkret wird oder gar grundsĂ€tzliche SchlĂŒsse ziehen wĂŒrde.

Von fehlender Sachkenntnis …

Nach diesen allgemeineren AusfĂŒhrungen nun zu verschiedenen konkreten Fragen, die im Artikel aufgeworfen werden.

Roth schreibt: „Selbst die Union/FDP-Bundesregierung beschloss nach der Havarie des Kernkraftwerks in Fukushima den beschleunigten Ausstieg aus der Atomkernspaltungsenergie zugunsten der „erneuerbaren Energien“ (EE). Eigentlich ein vernĂŒnftiger Weg, sollte man denken, denn wenn die große Mehrheit der KlimaforscherInnen Recht hat, kann so dem Treibhauseffekt gegengesteuert werden.“

Das ist unlogisch, denn in puncto „Klimaschutz“ sind AKW perfekt, denn sie emittieren nun mal kein CO2, was man sonst auch immer gegen die aktuelle Nukleartechnik sagen mag.

Zur Speicherfrage bemerkt Roth richtig: „Solar- und Windkraft erzeugen aber nur unstetig Strom – je nach Wetter und Tageszeit. Es mĂŒssen also Reservekraftwerke vorgehalten werden.“ Was das kostet und welche technischen Folgen das hat, interessiert den Autor allerdings nicht. Da, wo es konkret wird, beendet Roth stets seine Überlegungen. Jede EE-basierte Stromerzeugung, die sich nicht auf immens aufwĂ€ndige und teure Speichertechnik stĂŒtzen kann, mĂŒsste fast zu 100% durch traditionelle Reservekraftwerke gepuffert werden – es sei denn, es gĂ€be genĂŒgend Speichermöglichkeiten. Da es aber gar nicht so selten Wetterlagen gibt, wo tagelang fast kein Wind- noch Solarstrom erzeugt wird, mĂŒsste der Gesamt-Strombedarf fĂŒr mehrere Tage gespeichert werden. Das aber ist allein schon finanziell und technisch unmöglich. M.a.W.: zusĂ€tzlich zum EE-System benötigten wir also ein zweites, konventionelles System (das allerdings fast nie voll ausgelastet und daher immer unökonomisch wĂ€re, von anderen z.B. ökologischen Nachteilen abgesehen).

BezĂŒglich der Regelbarkeit von Kraftwerken schreibt Roth: „Bestens geeignet sind hier Erdgaskraftwerke, die schnell zugeschaltet und abgekoppelt werden können. Die Grundlastkraftwerke Braunkohleblöcke, AKWs können das nicht. Sie laufen im Dauerbetrieb, AKWs sind zudem nur mit Volllast betriebsfĂ€hig und nicht regelbar.“ Das stimmt so nicht. AKW und Kohlekraftwerke sind durchaus regelbar, reagieren aber trĂ€ger und werden sofort deutlich unproduktiver und damit unrentabler. Kohlekraftwerke werden auch nicht auf Null herunter gefahren, sondern laufen auf „Sparflamme“, weil sonst ein Hochfahren in angemessener Zeit gar nicht möglich wĂ€re. Diese – durch die EE-EinfĂŒhrung bedingte – Betriebsweise bedeutet aber, dass 1. Kohle verbrannt wird, ohne dass ĂŒberhaupt nennenswert Strom produziert wird; 2. dass dabei durch den technisch „ungĂŒnstigeren“ Verbrennungsprozess besonders viele Emissionen (darunter CO2) entstehen und dass 3. die Anlagen stĂ€rker verschlissen werden. Die Backup-Lösung ist also in jeder Hinsicht unökonomisch, umweltschĂ€dlich und besonders teuer.

Dieses Beispiel zeigt sehr gut, welch fatale Folgen verschiedener Art der Ausbau der EE nach sich zieht. Das grundsĂ€tzlich fehlerhafte EE-System benötigt diverse Zusatz- oder „Reparatur“mechanismen, um ĂŒberhaupt anwendbar zu sein. Die durch die natĂŒrlichen UmstĂ€nde (z.B. Tag-Nacht-Wechsel, Windstille) objektiv bedingten und also auch nicht durch technische Entwicklung ĂŒberwindbaren Probleme von Wind- und Solaranlagen fĂŒhren tendenziell dazu, dass mehr Stromtransport, mehr Speicherung, mehr Umformung von Energie erfolgen muss. Je umfangreicher die EinfĂŒhrung von EE voran schreitet, desto grĂ¶ĂŸer wird dieses Problem.

Eine weitere Folge der EE ist deren Einspeisung von „Flatterstrom“, der nie kontinuierlich und nie in der gebrauchten Menge erzeugt wird und auch nicht werden kann. Nur deshalb sind ja ĂŒberhaupt Backup-Kraftwerke nötig. Der unstet erzeugte Wind- und Solarstrom fĂŒhrt zu enormen Einspeisungsschwankungen, die in der Tendenz die NetzstabilitĂ€t untergraben und die Aufwendungen fĂŒr das Netz-Management deutlich erhöhen. 2015 waren eine Mrd. Euro Kosten allein fĂŒr die Netzstabilisierung durch die EE-Einspeisung entstanden – Tendenz steigend.

Weiter fĂŒhrt Roth aus: „Starken betriebswirtschaftlichen Anreizen fĂŒr einen schnellen Ausbau regenerativer Erzeugungssysteme stehen vollkommen unzureichende zur Schaffung von Speichersystemen, zum Erhalt von Backup-KapazitĂ€ten (Gaskraftwerke) und schwierige RechtsverhĂ€ltnisse zur Schaffung der notwendigen ÜbertragungskapazitĂ€ten (Netze) gegenĂŒber.“

Das ist korrekt, nur wird hier ausgeblendet, warum dieses Dilemma ĂŒberhaupt existiert bzw. es wird angedeutet, dass die Probleme nur Resultat „schwieriger RechtsverhĂ€ltnisse“ oder des „Kuddelmuddels aus Marktliberalismus, keynesianischer Subventionspolitik, BĂŒrokratismus mit einer Prise gehĂ€tschelter Ökoromantik“ wĂ€ren. Daneben – und vor allem – sind es aber technische Probleme und die astronomischen Kosten, die eine Rolle spielen. Und je weiter die EE-Förderung voran getrieben wird, desto grĂ¶ĂŸer werden diese, denn wir sollten nicht vergessen, dass die heute schon enormen Kosten (she. Strompreisentwicklung) fĂŒr die EW entstanden sind, ohne dass bisher nennenswert in Netze und Speicherung investiert wurde – die großen Brocken kĂ€men also erst noch.


 und RechenschwÀche

Im Abschnitt zu den Kosten hĂ€uft Roth einen ganzen Berg Unsinn auf. Er schreibt: „Zudem werden die EE-ProduzentInnen zur Vermarktung an der Stromgroßhandelsbörse gezwungen, die aufgrund des zunehmenden StromĂŒberschusses dort sinkende Preise erzielen.“ Die EE-Produzenten erhalten eine Subvention per EinspeisegebĂŒhr (die weit ĂŒber dem Normaltarif liegt und von den Verbrauchern ĂŒber den Strompreis gezahlt wird) – unabhĂ€ngig davon, ob ihr Strom gebraucht wird oder nicht, unabhĂ€ngig davon, was er real oder an der Strombörse kostet. Hier sind die „normalen“ Marktbeziehungen außer Kraft gesetzt. Das Kostenproblem betrifft v.a. die Verbraucher – private wie auch die Wirtschaft -, welche die enormen Kosten der EW per höheren Strompreis bezahlen. Allein 2015 kostete die EW ĂŒber 30 Milliarden Euro!

Wirklich absurd wird es dann in folgender Passage: „2011 flossen 30 Mrd. Euro Subventionen fĂŒr EE, fast genau soviel (26 Mrd.) fĂŒr die Stromerzeugung aus Kohle und Gas und am meisten (35 Mrd.) fĂŒr Atomstrom. Von 1970 bis 2014 erfolgten staatliche Förderungen in Höhe von 327 Mrd. Euro an Steinkohle, 219 Mrd. an Atomenergie, 102 Mrd. an Erneuerbare und an die angeblich subventionsfreie Braunkohle 95 Mrd.“

Leider wird hier keine Quelle genannt, was die Nachvollziehbarkeit des Ganzen unmöglich macht. Auch ist nicht klar, was diese Subventionen sind. Das Gros der EE-Förderung, die EinspeisegebĂŒhren, bezahlt der Verbraucher, nicht der Staat. Streng genommen handelt es sich also nicht um Subventionen, sondern um staatlich festgelegte Preise und Verbraucher-Abzocke. Zudem gibt es auch sehr andere Zahlen, die Roths Angaben ĂŒberhaupt nicht stĂŒtzen. Außerdem mĂŒssen wir bei allen Kostenangaben zur EW sehr misstrauisch sein, weil die Zahlen entsprechend den jeweiligen politischen und ökonomischen Interessen der Autoren im Grunde immer „frisiert“ sind.

Doch zurĂŒck zu Roths Versuch zu zeigen, dass nicht die EinfĂŒhrung der EE fĂŒr die enorme Stromkostensteigerung (haupt)verantwortlich sei und die traditionellen Energietechniken nach seiner Rechnung noch teurer wĂ€ren. Die Gesamtzahlen fĂŒr 2011 sollen hier nicht kommentiert werden. Hier nur etwas zur Atom-Branche. 2011 erhielt sie angeblich 35 Mrd. Euro. Von 1970-2014 (also 44 Jahre lang) erhielt sie insgesamt angeblich 219 Milliarden. Wenn wir nun diese Zahl durch 44 teilen, erhalten wir im Durchschnitt knapp 5 Mrd. Euro pro Jahr. Dabei sind die Subventionen der „Atom-Anfangsjahre“ (Forschung, Entwicklung, Neu-Bau) zudem noch deutlich höher als in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Wie passen diese 5 Milliarden im Durchschnitt zu den angeblichen 35 Milliarden Atom-Subventionen, die angeblich allein 2011 gezahlt wurden?!

Hier bindet uns der Autor einfach einen riesengroßen BĂ€ren auf. Anstatt auf das riesige Kostenproblem der EW zu kommen (was weitgehend auch fĂŒr einen Arbeiterstaat gelten wĂŒrde, es sei denn, man hielte diesen fĂŒr eine Art Schlaraffenland), suggeriert er hier, dass es das ja gar nicht gibt und es jedenfalls nicht durch die EE entstanden wĂ€re. Das hat mit der RealitĂ€t nichts zu tun!

Die Strompreise sind in Deutschland seit dem Beginn der Energiewende deutlich stĂ€rker gestiegen als der Gesamtpreisindex, auch im internationalen Vergleich steigt Deutschland immer höher. Die Stromkostenerhöhungen betreffen – anders, als es links-grĂŒne „Rechnungen“ Glauben machen wollen – sowohl die Privatkunden als auch die Wirtschaft, trotz der Ausnahmen fĂŒr Teile der Wirtschaft. Die einzigen Ursachen dafĂŒr sind ist die EinfĂŒhrung der EE und des EEG.

An anderer Stelle gibt Roth das indirekt selbst zu: „Dass „reine“ Marktwirtschaft den Einstieg in die EE niemals ermöglicht hĂ€tte, sieht man an den ĂŒber den Strompreis kassierten Subventionen – ein Großteil der Ökologiebewegung sieht das nicht.“ Letzteres stimmt, doch Roth selbst sieht auch nur die HĂ€lfte. Immerhin rĂ€umt Roth hier ein, dass ohne Subventionen die EE (Wind, Solar und  Bio-Energie) nicht konkurrenzfĂ€hig wĂ€ren, m.a.W.: sie sind unproduktiver als alle herkömmlichen Techniken.

In diesem Zusammenhang verwundert es dann auch nicht, wenn Roth nirgends ein einziges konkretes, Kosten-relevantes Beispiel bringt. Auch hier spiegelt sich sein methodisch falsches Herangehen wider, mit dem er glaubt, ohne konkrete Analyse und ohne BerĂŒcksichtigung von Fakten allgemeine SchlĂŒsse ziehen zu können.

Obgleich fĂŒr MarxistInnen natĂŒrlich nie die „Kostenfrage“ unkritisch akzeptiert werden darf, ist es doch so, dass die Kosten in letzter Instanz ein gar nicht so ganz ungenauer Ausdruck dessen sind, wie rational, mit wie viel Aufwand an Ressourcen verbunden ein technisch-ökonomischer Prozess tatsĂ€chlich ist.

Im Abschnitt „Energiewende?“ finden sich weitere Aussagen, die davon zeugen, dass Roth die RealitĂ€t von den olympischen Höhen seiner Pro-EE-Ideologie nicht immer genau erkennen kann.

So schreibt er: „Mit ihren restlichen AKWs und den alten fossilen Kraftwerken ließ sich locker mit den aufkommenden EE ankonkurrieren“. An sich stimmt das insofern, als diese Kraftwerke eben nicht nur sehr viel rationeller Energie erzeugen als die EE – und ohne riesige Aufwendungen fĂŒr  Netzausbau, Umformung und Speicherung -, sondern auch noch bedarfsgerechter. Allerdings fragt man sich, warum die Aktien- und Börsenwerte und die Bilanzen der großen Energie-Konzerne  jahrelang so stark gefallen sind, Konzerne wie RWE und e.on sich gerade zerlegen und sich tw. aus dem KerngeschĂ€ft zurĂŒck ziehen (wollen)?! Aktuell betrifft das z.B. Vattenfall, der seine Braunkohle-Sparte verkauft hat. Warum soll deren Verlust von ĂŒber 25% des Strommarktes seit 2000 an die EE keine Rolle spielen? All das spricht keineswegs dafĂŒr, dass RWE und Co. (und auch viele Stadtwerke, denen erhebliche Anteile an den Konzernen gehören) „locker ankonkurrieren“ konnten. Und dass deren Kraftwerkparks „betriebswirtschaftlich abgeschrieben“ sind, spricht – nebenbei bemerkt – dafĂŒr, dass deren Laufzeiten deutlich lĂ€nger sind als die von WindrĂ€dern und Solaranlagen und traditionelle Kraftwerke sich eben im Gegensatz zu diesen Subventionsruinen wirklich rechnen, d.h. Aufwand und Nutzen (nicht nur hinsichtlich der Kosten) in einem vernĂŒnftigen VerhĂ€ltnis stehen. Doch bezeichnender Weise stellt Roth solche Überlegungen gar nicht erst an. Er betĂ€tigt sich nur als Makro-Ökonom, der von den einzelnen ökonomischen und technischen Komponenten keine Ahnung hat. Nach dem Motto: Wozu wissen, wie ein Windrad genau funktioniert, wenn ich weiß, dass Wind weht. Wozu wissen, wie die Kosten wirklich sind, wenn der Wind doch umsonst weht?

Roth weiter: „Statt vernĂŒnftigen Netzausbaus in der FlĂ€che werden Superstromtrassen bevorzugt.“ Offenbar hat der Autor keine Ahnung, warum es – bei Zugrundelegung des weiteren EE-Ausbaus und der Abschaltung der AKW – durchaus notwendig ist, Stromtrassen zu bauen und ein „Netzausbau in der FlĂ€che“ (was immer das bedeuten soll, denn ein solches Netz gibt es natĂŒrlich schon) das eben nicht leisten kann. Das Dilemma ist nun aber, dass auch die Superstromtrassen mit derartigen Problemen verbunden sind, dass deren Bau eher Probleme schafft, als welche zu lösen. NatĂŒrlich stellt sich Roth auch gar nicht erst die naheliegende Frage, welcher Strom denn ĂŒberhaupt durch die zusĂ€tzlichen Leitungen fließen soll, wenn gerade Windflaute ist und die Sonne nicht scheint?!

Zur Zukunft der EW fĂŒhrt Roth aus: „die nicht mehr benötigten Kohlekraftwerke der Konzerne sollen in einen KapazitĂ€tsmarkt ĂŒberfĂŒhrt werden, bezahlt ĂŒber den Strompreis.“ Das ist falsch. In den „KapazitĂ€tsmarkt“ sollen Kraftwerke ĂŒberfĂŒhrt werden, die sehr wohl noch gebraucht werden (wenn Wind und Sonne versagen) – als Backup-Kraftwerke. Da diese nicht immer laufen dĂŒrfen und daher tendenziell unrentabel sind, mĂŒssen sie subventioniert werden. Wenn sie wirklich nicht mehr gebraucht wĂŒrden, könnten sie nĂ€mlich einfach abgeschaltet werden.

Weiter behauptet Roth, dass „auf den fossil-atomaren Stromsockel ein grĂŒner Überschussdeckel gestĂŒlpt (wurde)“. Auch das ist in dieser Formulierung falsch. Real wurde der Anteil der EE (Wasserkraft, die es schon vorher gab, ausgenommen) von 2000-15 von ca. 1 auf 22% erhöht. Sicher ist richtig, dass ein Teil davon Überschussstrom ist, dem kein Verbrauch gegenĂŒber stand, doch ein erheblicher Teil des EE-Stroms ersetzt tatsĂ€chlich anderen Strom. Das Gros des EE-Stroms ersetzte abgeschaltete AKWs und tw. Gaskraftwerke, deshalb blieb der Kohlestrom-Sockel fast unangetastet.

Allerdings berĂŒhrt Roth hier auch ein wirklich zentrales Problem der EW bzw. generell des Ausbaus von EE (das auch fĂŒr einen Arbeiterstaat gelten wĂŒrde). Mehr EE-Strom vergrĂ¶ĂŸert nĂ€mlich die Schere zwischen Bedarf und Angebot (Unterangebot wie Überangebot) immer mehr. Der bisher noch mögliche Ausgleich durch Export oder Import wĂŒrde dadurch immer unmöglicher. Sollten nun auch die NachbarlĂ€nder noch in großem Stil EE einfĂŒhren, wĂ€re dieser Ausgleich völlig unmöglich. Europaweit wĂŒrde dann permanent entweder zu viel oder zu wenig Strom erzeugt werden. Momentan ist ein Ausgleich noch möglich und das Problem beherrschbar, weil der Anteil der EE noch gering ist. Ganz im Gegensatz zu den grĂŒnen EW-Illusionen wĂŒrde also der zweifelhafte Erfolg der deutschen EW zukĂŒnftig darauf beruhen, dass unsere Nachbarn genau diese Politik nicht mitmachen. Insgesamt bedeutet das: Je mehr „Erfolg“ die deutsche EW hat, desto unmöglicher wird sie.

Roths Visionen

Schließlich geht Roth noch auf die Zukunft ein. Wer nun aber glaubt, der Autor wĂŒrde uns hier Konkretes prĂ€sentieren, sieht sich enttĂ€uscht. Was es gibt, sind „Visionen“. Hier unterscheidet sich der Marxist Roth leider wenig von den sonnenstichigen Öko-Windbeuteln, die ebenfalls nur auf Visionen und nicht auf technische und naturwissenschaftliche RealitĂ€ten setzen und allenfalls beim Abzocken RealitĂ€tssinn offenbaren.

Schauen wir uns Roths Vorstellungen an.

Zu den „grĂŒnen“ EW-Erwartungen schreibt er: „Die Perspektive der ÖkoromantikerInnen sieht einen vollstĂ€ndigen Umstieg auf die Erneuerbaren in wenigen Jahrzehnten als realistische Vision – unter unverĂ€nderten politischen wie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wohlgemerkt! Das EEG ist ihr Zugpferd in eine „grĂŒne“ Zukunft mit dezentraler Stromproduktion: kleine, kuschelige Stadtwerke mit winzigen Blockheizkraftwerken, SolardĂ€cher, WindmĂŒhlen und Solaranlagen, Elektroautos u.v.m. Dies ist der Horizont einer KleinbĂŒrgeridylle kommunalen und genossenschaftlichen Zuschnitts im Rahmen des Kleineigentums. Offensichtlich sollen die Strommultis darĂŒber ihren Geist aufgeben und implodieren wie Dracula bei Sonnenlicht – und wohl ebenso der Staat!“

Soweit Roth hier diese reformerischen Illusionen kritisiert, liegt er tw. durchaus richtig. Nur konstruiert Roth einen grundsĂ€tzlichen Gegensatz zwischen der EE-Lobby einerseits und den Energie-Konzernen und dem Staat andererseits. Das jedoch ist falsch. Die Konzerne werden, wenn die EW weiter geht (was natĂŒrlich nicht ausgemacht ist), auch in die EE (inkl. Speicherung, Umwandlung, Netzausbau) stĂ€rker investieren. Dazu mĂŒssen sie nicht an die Klimakatastrophenszenarien glauben, sondern nur an die zu erwartenden Gewinne denken. Bisher waren die Energiekonzerne nur sehr marginal an den EE-Investitionen beteiligt, doch das Ă€ndert sich gerade. Auch an den Börsen ist weltweit zu beobachten, dass Kapital zunehmend aus der Kohle aus- und in die EE einsteigt. Ob dieser Trend allerdings anhĂ€lt, ist angesichts der zunehmenden Zahl an technischen wie kommerziellen FehlschlĂ€gen von EE-Projekten mehr als fraglich. So verbuchen auch in Deutschland immer mehr Stadtwerke, die in EE investiert haben, ein dickes Minus. Auch dazu hat Roth nichts zu sagen. Weil fĂŒr ihn offenbar nur die Frage relevant ist, wer als PrivateigentĂŒmer von EE fungiert – Kleininvestoren oder Konzerne -, interessiert ihn die in dem Fall durchaus wichtigere Frage, was das Eigentum sachlich ĂŒberhaupt ist und welche Folgen deren Ausbau fĂŒr die energetische Grundlage der Gesellschaft hat, ĂŒberhaupt nicht. Und diese Sichtweise halten die Gruppe Arbeitermacht und ihr Autor Roth gar noch fĂŒr marxistisch!

Roth ĂŒbersieht wie alle Linken und GrĂŒnen, dass es außer der gesellschaftlichen Ebene auch eine technische gibt. Man könnte sagen, Roth sieht immer nur die ProduktionsverhĂ€ltnisse, nicht die (technischen) ProduktivkrĂ€fte.

Ob die Stromerzeugung (oder ĂŒberhaupt das Energiesystem) dezentral strukturiert ist oder nicht, hat sicher auch mit der sozialen Struktur zu tun, aber auch – und zuerst – damit, was technisch möglich und sinnvoll ist. Die Dampfmaschine als energetische Grundlage des FrĂŒhkapitalismus war ein völlig separates, nicht mit Anlagen an anderen Orten verbundenes Energie-System. Eine Energieversorgung, die kein großes (Verteil)System braucht und Energie ĂŒberall immer verfĂŒgbar macht, kann durchaus besser und rationeller sein als ein großes Verbund-System. Insofern ist eine kleinteilige Energieerzeugung und -autarkie technisch durchaus sinnvoll. Selbst die traditionellen Kraftwerke passen sich weitgehend dem Bedarf örtlich und zeitlich an. Nur die Technik der EE steht dem diametral entgegen – solange es keine Speicherung gibt. Und selbst wenn das Speicherproblem gelöst wĂ€re, wĂŒrde das Energiesystem insgesamt wesentlich grĂ¶ĂŸer, komplizierter und damit teurer sein als jetzt. D.h. es reprĂ€sentiert insgesamt ein niedrigeres Niveau von ArbeitsproduktivitĂ€t und technischer Effizienz. Ob die „kleinteiligen“ Energieanlagen nun einzelnen WindmĂŒllern, den Kommunen, dem Staat oder den Konzernen gehören, Ă€ndert an Vielem etwas, aber nicht an deren systemtechnischen Eigenschaften.

Zur wichtigen Frage der Speicherproblematik schreibt Roth: „Die Speicherproblematik ist eine reale. Sie kann auch nur auf großer Stufenleiter minimiert bis optimal gelöst werden. FlĂ€chendeckender Netzausbau (auch international, soweit möglich) kann zum Ausgleich zwischen Überangebot und Mangel beitragen – ohne aufwĂ€ndige neue technische Speicherlösungen (Anschluss von Wasserkraftspeichern in AlpenlĂ€ndern bzw. Skandinavien, Solarstrom aus Nordafrika). Die Nutzbarmachung stillgelegter Zechen als Pumpspeicher ist eine weitere Möglichkeit, die zur Zeit untersucht wird. Voraussetzung ist ein integriertes, einheitliches Verbundnetz, das Gegenteil vom bisherigen, planlosen Nebeneinanderherwerkeln der vier deutschen Überlandnetz- und der zahllosen Verteilnetzbetreiber – „Unbundling“, ein Resultat der Strommarktliberalisierung.“

ZunĂ€chst einmal gebĂŒhrt dem Autor hier Anerkennung, weil er immerhin konstatiert, dass die Speicherfrage ein reales Problem ist. Das hört sich nach Ironie an, ist es aber nicht, denn dass diese Frage von grĂ¶ĂŸter Bedeutung ist, merkt man bei den Protagonisten und Machern der EW und den  Linken eben gerade nicht. Sie befĂŒrworten und installieren fleißig WindrĂ€der und Solarpaneele nach dem Motto „Was geht uns das Speicherproblem an? Die Zukunft wird es schon irgendwie richten.“ Wie es konkret um die Speichertechnologie und deren Entwicklungspotentiale steht, interessiert keine linke Organisation (man schaue sich deren homepages an). Sie alle schwelgen in Wunsch-Welten, von den RealitĂ€ten haben sie keine Ahnung.

Auf die entscheidende Frage, ob denn die Speicherung von Strom (oder dessen energetischen Umformprodukten) aktuell oder wenigstens in naher Zukunft möglich ist, geht aber auch Roth nicht ein. Was er uns bietet, sind wieder nur Visionen: etwas könnte, etwas wĂ€re vielleicht, es gibt AnsĂ€tze usw. Damit kann niemand ernsthaft etwas anfangen. Daher verwundert es auch nicht, dass Roth keine konkreten Schlussfolgerungen fĂŒr die technische Gegenwart und die nahe Zukunft der EW anbietet.

Wo er einigermaßen konkret wird, ist es einfach nur lĂ€cherlich: Solarstrom aus Nordafrika – wie kommt der nach Europa? Nutzung stillgelegter Zechen als Pumpspeicherwerke – hier gibt es gerade einmal erste AnsĂ€tze zur Erforschung (she. dazu www.Spektrum.de, Das Kraftwerk im Bergwerk, von R. Knauer) usw. usf.

DafĂŒr, dass das Problem so ernst ist, ist das reichlich dĂŒnn. Allein die Aufgabe, 40 Millionen PKW in Deutschland auf Elektro-Antrieb (per Batterie) oder Wasserstoffantrieb umzustellen, erweist sich als technisch, finanziell und logistisch so irreal, dass auch in 20 Jahren noch keine Lösung dafĂŒr auch nur in Sichtweite ist. Alles andere ist Illusion oder verwechselt bestenfalls die generelle technische Machbarkeit mit der massenhaften Verwendung dieser Technik in gesellschaftlichen Dimensionen.

In seiner uns nun schon bekannten Manier stellt Roth es so dar, als wĂ€re alles nur den ProduktionsverhĂ€ltnissen und dieser besonderen kapitalistischen Art der EW geschuldet, diesem “Kuddelmuddel aus Marktliberalismus, keynesianischer Subventionspolitik, BĂŒrokratismus mit einer Prise gehĂ€tschelter Ökoromantik. Sie ist alles andere als planvoll und vernĂŒnftig.“ Diese Charakterisierung stimmt sicher, greift aber viel zu kurz. Es gibt ein objektives technisches Problem – nur fĂŒr unseren EE-beschwingten Autor gibt es das offenbar nicht.

„Das Potenzial von Sonne und Wind aber ist um ein Vielfaches höher als der Stromverbrauch“, meint Roth. „Allein bei Windkraft wird es auf 2400 TWh im Jahr geschĂ€tzt, dem Vierfachen des aktuellen Bedarfs.“ Na, das ist aber prima. Die kinetische Energie der um die Sonne rasenden Erde ist sogar noch viel viel grĂ¶ĂŸer und Gen. Roth wird bestimmt bald eine Maschine vorstellen, welche diese nutzen kann. Aber dazu „bedarf es anderer, nichtkapitalistischer VerhĂ€ltnisse“ oder vielleicht auch nur eines PolitbĂŒro-Beschlusses 


Nach der Logik der linken und grĂŒnen Szene mĂŒsste sie eigentlich auch fĂŒr die WiedereinfĂŒhrung der Segelschifferei plĂ€dieren. Nur: Warum denn wurde die Windnutzung schon vor ĂŒber einem Jahrhundert durch andere Techniken ersetzt, obwohl der Wind ja tatsĂ€chlich umsonst weht?! Um das zu verstehen, sollte man noch einmal ohne grĂŒne Brille noch Mal Marx lesen, in ein Ingenieur-Handbuch schauen oder einen Physikkurs in der Volkshochschule besuchen. Doch Vorsicht: Es wĂ€re kein Wunder, wenn der Lehrer kein Physiker sondern ein grĂŒner gelernter Soziologe ist!

2 Gedanken zu „Energiewende: Wissenschaftlicher Materialismus oder idealistische Luftnummer?“

  1. GrundsĂ€tzlich ist Roth an seiner Kritik an der Energiewende, soweit es die Planlosigkeit, WidersprĂŒche und die AbwĂ€lzungen der enormen Kosten zu Lasten der Bevölkerung geht, Recht zu geben. Ob einzelne Aussagen korrekt sind entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings setzt sich sein Beitrag nicht mit dem unterschwelligen Tenor einer menschengemachten Klimakatastrophe auseinander. Zitat: “ Eigentlich ein vernĂŒnftiger Weg, (gemeint: der Ausstieg aus der Atomkernspaltungsenergie) denn wenn die große Mehrheit der KlimaforscherInnen Recht hat, kann so dem Treibhauseffekt gegengesteuert werden.“ Wer ist diese „große Mehrheit“? Und warum „wenn“? Über 30.000 fĂŒhrenden Wissenschaftler haben sich weltweit gegen die Theorie, ich wĂŒrde eher von einer neuen Religion sprechen, einer infolge von Anreicherung von CO2 bedrohlichen ErderwĂ€rmung ausgesprochen. Zuerst sollte Roth gefragt werden ob er diese Ansicht vertritt. Anscheinend ja! Von einem Mitglied einer marxistischen Organisation ist aber zu fordern, dass er sich immer zuerst einer mit wissenschaftlichen Grundlagen beschĂ€ftigt. Frage deshalb: Ist CO2 ein Treibhausgas?

    1. Ich stimme R. Carls zu, dass Roths Kritik an der Art und Weise, WIE die Energiewende durchgefĂŒhrt wird, einige richtige Punkte benennt. Doch er ist in doppelter Hinsicht inkonsequent: erstens versteht er nur zum Teil, dass die Probleme direkt und unvermeidbar aus den technischen Charakteristika der „Erneuerbaren“ folgen, zweitens akzeptiert er die Dogmen des Atomausstiegs und der Klimakatastrophe. Ein Stromsystem – und umso mehr ein Energiesystem – auf Basis von „Erneuerbaren“ ist in jeder Hinsicht unmöglich und schĂ€dlich.

      Roths Position ist die der Kritik an bestimmten Aspekten der Energiewende – bei Zustimmung der generellen Richtung und des Inhalt der Energiewende. Frei nach dem Motto: Lasst uns die Scheiße noch besser machen.

      Und dabei hebt sich Roths Position noch geringfĂŒgig positiv vom Rest der Linken ab, denen Sachkenntnis und kritischer Verstand in Punkto Energiewende fast völlig abgehen.

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