Was ist die Klimabewegung?

Hanns Graaf

Der 20. September 2019 erlebte die bisher größten Kundgebungen zur „Klimarettung“ weltweit mit mehreren Millionen TeilnehmerInnen. Auch in Deutschland gab es an vielen Orten Demonstrationen u.a. Aktionen. Allein in Berlin kamen über 100.000 zum Friday for Future (FFF)-Protest. Ohne Frage ist FFF aktuell die stärkste soziale Bewegung in Deutschland. Die Massivität und die starke mediale und politische Wirkung von FFF sind Anlass, über den Charakter und die Perspektiven von FFF nachzudenken.

Massenbewegung FFF?

Nur in sehr wenigen Ländern, v.a. in Deutschland, haben die Aktionen wirklich Massencharakter und gehen über das Milieu der KlimaaktivistInnen und ihrer Strukturen („grüne“, linksbürgerliche Bewegungen, Parteien und NGOs) hinaus. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass die Bewegung weiter wächst. Das ist schon deshalb denkbar, weil bürgerliche Politik und Medien sowie bestimmte Teile des „grünen“ Kapitals die Bewegung massiv unterstützen und propagieren oder sich zumindest nicht dagegen stellen. So gab es z.B. in New York, wo zehntausende SchülerInnen demonstrierten, offiziell schulfrei. Auch in Deutschland gab es viele Schulen, Firmen und staatliche Verwaltungen, die ihre MitarbeiterInnen stundenweise freigestellt haben. Insofern ist FFF auch kein Streik im eigentlichen Sinn.

Der Autor erinnert sich noch lebhaft an mehrere Berliner Schulstreiks der vergangenen Jahre, die eindeutig links und tw. mit starker Repression durch die Schulverwaltungen konfrontiert waren. Schon das provoziert die Frage, warum Politik, Staat und tw. Unternehmen auf FFF so positiv reagieren? Sicher spielt dabei eine Rolle, dass der Druck von FFF inzwischen recht hoch ist und Staat und Politik sich in puncto Klima keine Blöße geben wollen. Auch wenn FFF der Regierung sehr kritisch gegenüber steht, unterstützt sie diese zugleich bei ihren Klimaschutz-Maßnahmen und treibt sie vor sich her. In Deutschland ist das sehr gut daran zu sehen, dass FFF v.a. eine Forcierung der Energiewende (EW) fordert – eine Wirtschaftspolitik, die schon seit 20 Jahren massiv vorangetrieben wird und bereits 3-400 Milliarden Euro gekostet hat. Wenn FFF behauptet, die Regierung tue nichts für den Klimaschutz, so geht das meilenweit an der Realität vorbei. Das Problem der deutschen Klimapolitik (deren Notwendigkeit einmal unterstellt) ist vielmehr, dass die EW objektiv ungeeignet ist, CO2 einzusparen. Dass FFF dieses Problem nicht erkennt, zeigt nur, wie weltfremd und naturwissenschaftlich-technisch ungebildet deren Hirten und Schäfchen sind.

Ein besonderes Merkmal von FFF ist, dass die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung, v.a. die Gewerkschaften, kaum Teil der Bewegung sind. Natürlich sind auch Lohnabhängige bei FFF dabei, doch nicht als selbstständiger Teil mit eigenen Strukturen und Forderungen, sondern nur als Manövriermasse, als „Anhängsel“. Das hat auch damit zu tun, dass die Gewerkschaften (sprich: deren Apparate) keine konsistente und offensive Position zu Klimafrage einnehmen, dass sie herumeiern und mehr oder weniger die „große Politik“ anderen überlassen. Es hat aber v.a. damit zu tun, dass FFF sich 1. kaum um die Interessen und Probleme der Lohnabhängigen kümmert, 2. die Arbeiterklasse nicht als Subjekt von sozialen Prozessen ansieht und 3. die Kosten der „Klimarettung“ schamlos den Massen aufbürdet.

Nicht nur die EW, sondern auch das aktuelle „Klimapaket“ der Bundesregierung“ zeigt das anschaulich. Der Autor war selbst bei FFF in Berlin dabei und konnte sich nicht nur davon überzeugen, dass kein(e) RednerIn das Problem der Belastung der Massen benannte, sondern einige sogar noch weit höhere Belastungen forderten – nach dem Motto „Koste es, was es wolle und egal, wer zahlt“. In dieser Hinsicht ist FFF – v.a. deren „grüne“ InitiatorInnen, aber auch ihre gutgläubige Gefolgschaft – eine reaktionäre, gegen die sozialen Interessen der Massen gerichtete Bewegung. Insofern ist es nicht nur einleuchtend, sondern sogar gut, wenn die Lohnabhängigen FFF zum großen Teil sehr skeptisch sehen oder es sogar ablehnen.

Ein Beispiel mag das illustrieren. In Berlin gibt es die MieterInnen-Bewegung „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. Ein Grund für die Verteuerung von Wohnen und Bauen sind die Vorschriften zur „Energetischen Haussanierung“, sprich Dämmung. Diese „Klimaschutzmaßnahme“ soll lt. FFF noch weiter ausgebaut werden. Inzwischen pfeifen aber die Spatzen von den Dächern, dass die Dämmmaßnahmen meist total überzogen sind und die behaupteten Energie-Spareffekte gar nicht eintreten. Auch hier wurde mittels gezinkter Gutachten der Dämmstoffhersteller und der Bauwirtschaft ein neues lukratives Geschäftsfeld etabliert – auf Kosten der BewohnerInnen. Und Medien, Politik und auch die linke Szene waren blöd oder korrupt genug, diesen verbrecherischen Schwachsinn jahrelang zu propagieren. Die Interessen der MieterInnen sind also in etlichen Fragen entgegengesetzt dem, was FFF fordert.

In vielen Ländern, v.a. in den Entwicklungsländern, gibt es keine Klimabewegung, sehr wohl aber eine Umweltbewegung. Während letztere mit realen Problemen wie Landraub, Vergiftung von Wasser und Böden, Rodungen von Tropenwäldern usw. ringt, ist das Klimaproblem weitgehend irreal und nur behauptet, weil die derzeitige Erwärmungsphase seit ca. 1850 weder neu noch ungewöhnlich ist, was – entgegen den penetranten Behauptungen von „Experten“ – sowohl an den historischen Klimadaten wie an den aktuellen Manipulationen der Temperaturdaten (Wärmeinseleffekt!) gut ablesbar ist.

FFF und die Systemfrage

Die durchaus antisoziale Ausrichtung von FFF folgt ganz logisch aus deren Verhältnis zum Kapitalismus. Zwar fehlt es in der Bewegung, v.a. an der Basis, durchaus nicht an anti-kapitalistischen Einstellungen, doch dafür umso mehr bei deren kleinbürgerlichen FührerInnen. Die Kritik am Kapitalismus bezieht sich aber meist auch nur auf einige Seiten, auf einige Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsweise, nicht jedoch auf deren Grundlagen (Privateigentum, Lohnarbeit, Ausbeutung, Konkurrenz, Warenproduktion usw.).

Die unerhört teuren Klimaschutzmaßnahmen müssen von irgendwem bezahlt werden. Wenn man aber, wie FFF, das Kapital nicht angreifen, geschweige denn enteignen will, dann muss die Zeche eben jemand anders bezahlen – und da bleibt nur die Steuern zahlende Bevölkerung übrig. Diese Orientierung gab es schon immer: nicht nur bei der Öko-Szene, sondern bei (fast) allen Parteien, die immer gern neue Steuerquellen auftun.

Die Strategie von FFF ist der „Green new deal“, ein „ökologischer Kapitalismus“. Dieser soll durch einen starken Staat umgesetzt werden, der „ökologisch“ durchregiert, alle möglichen Zwangsmaßnahmen für die Massen durchsetzt und tw. auch Lockangebote ans Kapital macht. Die EW zeigt das sehr deutlich. Die immensen Kosten für die „Erneuerbaren Energien“ (EE) werden zum großen Teile über den Strompreis (der sich seit 2000 mehr als verdoppelt hat) von den Massen getragen. Nutznießer dieser gigantischen Umverteilung von unten nach oben sind die kleinen und großen EE-Investoren: Mittelschichtler, Kleinbürger, aber auch große Konzerne und das riesige Milieu aus Leuten und Institutionen, die „irgendwie mit Klimaschutz“ zu tun haben. Das sind in Deutschland inzwischen Hunderttausende. Sie bestimmen oder beeinflussen heutzutage die Medien, staatliche Institutionen und die Politik.

FFF begreift nicht, dass die EW und die Implantierung der EE ein bombastisches Investitions- und Konjunkturprogramm darstellen; sie begreift nicht, dass sie nur die nützlichen Idioten bestimmter Teile des Kapitals und der bürgerlichen Politik sind. Das Madigmachen von Autos mit Verbrennungsmotor (Fahrverbote, CO2-Abgaben, Zusatzsteuern, E-Autoförderung usw.) oder der (forcierte) Kohleausstieg sind ein gigantisches Programm der Kapitalentwertung, das notwendig ist, um Ersatzinvestitionen durchführen zu können. Doch den Autokonzernen ist es grundsätzlich egal, welche Autos sie verkaufen, ob Diesel, Benziner, E-Auto oder Wasserstoffantrieb. Für sie ist es „nur“ eine Frage der technologischen und logistischen Umstellung. Wenn es dann noch einen staatlichen Zwang zum Umsteigen gibt inkl. Kaufprämien, Forschungszuschüsse usw., dann fallen für VW und Co. Weihnachten und Ostern zusammen. Dass E-Autos die teils realen, teils aber auch herbeigeredeten Verkehrsprobleme nicht lösen und für den „Klimaschutz“ sogar kontraproduktiv sind, wissen die FFF-Begeisterten natürlich nicht. Hier hat die EW-Propaganda bei der Indoktrinierung der Bevölkerung ganze Arbeit geleistet. Allein schon völlig unwissenschaftliche Begriffe wie „Erneuerbare Energie“, „Irgendwo weht immer Wind“, „Stromsee“ oder „Netze als Stromspeicher“ zeigen, dass unseren Meinungsmachern oft selbst ein Minimum an Sachverstand fehlt.

Diese Fakten verweisen ganz deutlich darauf, was FFF ist. Es ist eine (klein)bürgerliche Bewegung, was Programm, Führung und soziale Basis anbelangt. Sie ist eine Bewegung, die einen Rückschritt in puncto Produktivkraftentwicklung darstellt – in doppelter Hinsicht. Zum einen hinsichtlich der „Produktivkraft Mensch“, dem Proletariat, das überhaupt nicht als Klasse oder als Subjekt angesehen wird, sondern nur als Malochermasse, die keine Produktionsmittel besitzt und nichts zu sagen hat. Zum anderen ist FFF auch deshalb reaktionär, weil sie technische Entwicklungen bzw. Technologien befürwortet, die als Grundlage eines modernen, effektiven und ökologischen Verkehrs- und Energiesystems absolut ungeeignet sind.

Ein Beispiel: der Ressourcenverbrauch (und damit auch der Energieaufwand für die Herstellung) von Windrädern oder Solarstromzellen ist wesentlich höher als bei allen traditionellen Erzeugern. U.a. deshalb sind die Kosten der EE auch deutlich höher. Letzteres allein schon deshalb, weil Wind- und Solaranlagen wegen ihrer schwankenden Einspeisecharakteristik überhaupt nur als Grundlage des Stromsystems nutzbar wären, wenn es ein wesentlich größeres Netz und riesige Speicherkapazitäten gäbe, die aber nicht nur jeden Kostenrahmen sprengen, sondern auch an den realen topografischen und technischen Bedingungen scheitern.

Wenn der Regierung zögerliches Handeln beim Klimaschutz vorgeworfen wird, so wird dabei vergessen, dass selbst deren Experten – entgegen dem medialen Kasperletheater – inzwischen dämmert, dass die EW bereits jetzt gescheitert ist und deren Weiterführung das Stromsystem unterminiert. Unbemerkt von der Öffentlichkeit und den selbsternannten „Experten“ von FFF hat die Bundesregierung in den letzten Jahren diverse Gesetze und Verordnungen verabschiedet, die bei einem Blackout wirksam werden sollen. Wie dicht wir heute schon an diesem Horrorszenario Blackout sind, ist den FFF-DemonstrantInnen, deren Wissen über das Stromsystem sich offenbar darauf beschränkt, dass der Strom aus der Steckdose kommt, völlig unklar.

Eine Bewegung wie FFF, die Ziele verfolgt, die der Gesellschaft und der Bevölkerung schaden, kann nicht als fortschrittlich bezeichnet werden: sie ist objektiv reaktionär – egal, welche hehren Absichten sie auch verfolgen mag.

Es wäre allerdings falsch zu ignorieren, dass FFF durchaus auch positive Ziele und Anliegen hat: etwa mehr Umweltschutz, Verminderung des Plastikmülls usw.. Zweifellos sind das Anliegen, die unterstützenswert sind. Auch dieser Blog bietet dazu mehrere Beiträge, z.B. zur Frage des Plastikmülls (https://aufruhrgebiet.de/2018/11/plastikmuell-welche-loesung/). Das Problem an FFF ist aber, dass diese Fragen eher randständig sind und alles dem Klimaproblem und der EW untergeordnet wird. Völlig zu recht stellen KritikerInnen an FFF daher fest, dass die EW erhebliche neue Probleme, auch ökologische, schafft und dass das Geld für die EW zur Behebung anderer, wirklicher Probleme verwendet werden sollte.

Kohleausstieg sofort?

FFF fordert einen schnellen bzw. sofortigen Kohleausstieg. Doch die Tatsachen zeigen die Absurdität dieser Forderung. In Deutschland wird Strom zu 38% aus der Verbrennung von Braun- und Steinkohle erzeugt, etwa genauso viel erzeugen die EE, davon Wind ca. die Hälfte. Es hat 20 Jahre gedauert und Unsummen gekostet, um diesen EE-Anteil zu erreichen. Um Kohle- und Kernenergie – die zusammen 50% des Stroms erzeugen – zu ersetzen, brauchte es sogar bei verdoppeltem Ausbautempo der EE theoretisch noch mehr als 20 Jahre. Doch selbst dann gibt es ein Megaproblem: es fehlen für ein Stromsystem auf Basis von EE die Netzinfrastruktur und die Speichertechnik. Deren Ausbau käme noch weit teurer als bisher die EW und wurde erst kaum begonnen. Ohne größere Netze und Speicher ist aber ein Stromsystem auf Basis der EE technisch unmöglich. Warum?

Es gibt Phasen von bis zu 10 Tagen (fast) ohne Wind und Sonne (Inversionswetterlagen). Dann muss der Strom – keine Durchschnittsmenge, sondern auch der Spitzenverbrauch – entweder von traditionellen (Reserve)kraftwerken erzeugt oder/und Speicherstrom genutzt werden. Zur Verdeutlichung: das größte deutsche Pumpspeicherkraftwerk (PSW) Goldisthal, das heute eine Milliarde kosten würde, speist so viel Strom ins Netz wie ein mittleres Kohlekraftwerk – aber nur für 9 Stunden. Von solchen PSW würden aber hunderte gebraucht! Speicherung, Umformung und Transport von Energie stellen physikalische Arbeit dar, d.h. sie sind mit Energieverlust verbunden. Und: die Elektrifizierung des Straßenverkehrs würde den Strombedarf verdoppeln, die Umstellung auf fossilfreie Heizeneregie würde ihn nochmals enorm vergrößern.

Die „grünen Experten“, die uns einreden, die EW und der Kohleausstieg müssten und könnten viel schneller erfolgen, sind entweder Scharlatane oder bewusste Lügner. In Bremen gibt es z.B. eine „links-grüne“ Initiative, welche die sofortige (!) Abschaltung der beiden Bremer Kohlekraftwerke fordert. Das würde bedeuten, dass die Bremer Industrie stillsteht und die Fernwärmeversorgung der Stadt zusammenbricht!
Es gibt ein zweites Mega-Problem: die Netzstabilität. Ohne Strom sind Produktion und soziales Leben unmöglich. Selbst ein kurzzeitiger Ausfall richtet immense Schäden an. Im Stromsystem müssen Erzeugung und Verbrauch sekundengenau (!) völlig gleich sein. Die Netzspannung beträgt 50 Hertz, schwankt sie nur um 1-2 Hertz (und kann diese Schwankung nicht sofort ausgeglichen werden), bricht das Netz zusammen. Die gleichbleibende Netzspannung von 50 Hertz wird v.a. durch die riesigen mechanischen Schwungmassen der Großturbinen der Kraftwerke erreicht. Werden diese durch Wind- und Solaranlagen ersetzt, die weder einzeln noch im Verbund eine solch stabile Lauf- und Einspeisecharakteristik haben, ist ein sicherer Netzbetrieb unmöglich bzw. es werden umfangreiche Zusatzmaßnahmen nötig. Seit Beginn der EW ist die Zahl der Eingriffe zur Netzstabilisierung gewaltig gestiegen. Wir nähern uns also einem Black out immer mehr an …

Eine Bewegung, die (wenn auch ungewollt) für ein solches Desaster sorgt, kann schwerlich unterstützt werden.

Welche Position zu FFF?

Das Anschwellen der Bewegung könnte schneller wieder zu Ende sein, als es sich viele AktivistInnen vorstellen mögen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Herrschenden forcieren ihre tw. ohnehin schon laufenden Klimaschutzbemühungen. Das ist umso wahrscheinlicher, als v.a. die Massen für die „Klimarettung“ zahlen sollen – ein Investitionsprogramm par excellence für das Kapital und die Konjunktur. FFF verlöre damit mehr oder weniger ihr Thema. Daraus folgt, dass die Massen, die für eine nicht von ihnen, sondern von der kapitalistischen Produktionsweise verschuldete (angebliche) „Klimakrise“ zahlen sollen, in Konflikt mit der Klimabewegung geraten. Das kann zur Spaltung der Bewegung führen: in einen offen bürgerlichen Teil, der Klimaschutz fordert „koste es, was es wolle“ zu Lasten der Massen und in einen „linkeren“ Teil, der sich stärker gegen das Kapital richtet. Dazu kommt, dass es immer offenbarer wird, dass es die angebliche Klimakatastrophe gar nicht gibt – außer in den Hirnen und der manipulierten „Wissenschaft“ im Dienste „interessierter Kreise“. Es ist noch ein weiteres Szenario denkbar: dadurch, dass FFF informell dominiert wird und es innere Demokratie mit verbindlichen und transparenten Strukturen nicht gibt, ist es erfahrungsgemäß nur eine Frage der Zeit, wann die Bewegung Risse bekommt.

Die Erfahrungen mit früheren Protestbewegungen (gegen die Wiederbewaffnung der Bundeswehr, gegen die Pershing 2-Stationierung u.a.) zeigen, dass sich Regierung und Kapital in Deutschland nicht so einfach von bloßen Protesten beeindrucken lassen. Dazu braucht es massive Streiks. Diese können aber nur von der Arbeiterklasse durchgeführt werden. Da FFF aber keinen Bezug zum Proletariat hat und auch deren Organisationen sich für Streiks nicht engagieren, bleibt dieser Weg versperrt. Es ist zudem auch absurd anzunehmen, dass die Beschäftigten gerade in den Energie-intensiven Branchen (Hüttenindustrie, Zement, Papier, Chemie usw.) eine Politik unterstützen werden, welche die Energiepreise hochtreibt, damit die Konkurrenzfähigkeit „ihrer“ Standorte unterminiert und ihre Lebenshaltungskosten erhöht.

FFF ist nicht links. Davon könnte gesprochen werden, wenn sich FFF gegen den Kapitalismus als System, d.h. gegen das Privateigentum an Produktionsmittels und den Staat, oder gegen die negativen Auswirkungen des Systems für die Massen richten würde. Das ist bei FFF jedoch nicht der Fall – zumindest nicht bei den dahinter stehenden, die Bewegung informell beherrschenden kleinbürgerlichen Kräften. Eine wichtige Funktion von FFF u.a. „grünen“ Bewegungen ist, Jugendliche und politische aktive Menschen von der Linken und der Arbeiterbewegung zu isolieren und sie bürgerlichen Zwecken und Methoden unterzuordnen. Dass das bisher leider sehr gut gelungen ist, liegt auch daran, dass die reformistisch beherrschte Arbeiterbewegung (SPD, Linke, Gewerkschaften) das Umweltthema lange vernachlässigt hat. Die „radikale Linke“ wiederum zeigt sich unfähig zur eigenständigen Analyse und kritischen Reflexion in der Klimafrage und passt sich der „grünen“ Ideologie weitgehend an, anstatt eine Alternative dazu darzustellen.

Das Anliegen der FFF-Demos, mehr Umweltschutz durchzusetzen, ist zwar berechtigt und unterstützenswert, doch das Ziel der Forcierung von EW und Klimaschutz ist falsch und schädlich. FFF ist daher nicht fortschrittlich. Seine Perspektive – erneuerbare Energien, Öko(massen)steuern, kleinteiliges Privateigentum, Verzicht usw. – ist sogar reaktionär, weil sie der modernen Produktivkraftentwicklung entgegensteht, weil sie neben der oder gegen die Arbeiterklasse und ihre Interessen handelt und stattdessen auf den bürgerlichen Staat und bestimmte Fraktionen des Kapitals als Subjekte des „ökologischen Wandels“ setzt. In bestimmter Hinsicht („ökologisch durchzuregieren“) ist sie auch antidemokratisch. All das trifft v.a. auf die hinter FFF u.a. Umweltbewegungen stehenden bürgerlichen Strukturen zu. Die Basis dieser Bewegungen verfolgt sicher hehre Ziele, doch ihre Tragik besteht darin, dass sie Teil einer bürgerlichen Bewegung ist, die den spezifischen Interessen von Teilen des Staates, der Politik und des Kapital dient und tw. irrationalen Zielen dient.

Klimaschutz?

Selbst wenn FFF noch stärker würde und mehr Einfluss hätte, würde das nichts zum „Schutz des Klimas“ beitragen. Warum? 1. weil es zwar ein weitere leichte Erwärmung, aber keine Klimakatastrophe geben kann, jedenfalls nicht durch das vom Menschen erzeugte CO2. Es gibt keinen wissenschaftlichen, d.h. empirischen oder experimentellen Beweis für eine relevante Erwärmungswirkung durch CO2. Fest steht aber, dass das Klima schon immer und auch heute v.a. von natürlichen Faktoren gesteuert wird (Sonne, galaktische Partikelströme, Meeresströmungen, Bewölkung, Erdbahnparameter usw.). Eine Klima-Beeinflussung durch den Menschen gibt es: in Form von Entwaldungen, Melioration, Wachstum der Städte (urban heat effect); sie ist aber sehr begrenzt. Auch der Kohlenstoffkreislauf und die CO2-Produktion, die zu 96% natürlichen Ursprungs ist, werden von der Natur dominiert, nicht vom Menschen.

Den von den Klimakatastrophisten suggerierten Wirkungszusammenhang „Mehr CO2 – mehr Erwärmung“ gibt es so nicht – schon deshalb, weil die Sättigung der Atmosphäre mit CO2 bereits sehr hoch ist, zusätzliches CO2 also immer weniger Effekt haben kann. Zudem überlappen sich die Absorptionsbanden von CO2 mit denen von Wasserdampf. Die Szenarien von 3, 5 oder mehr Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts sind also physikalisch unmöglich und werden nur von Modellen abgeleitet, obwohl das Klima als nichtlineares, chaotisches System von Modellen gar nicht hinreichend abgebildet werden kann, wie selbst das IPCC (Weltklimarat) festgestellt hat.

Doch selbst wenn es eine bedrohliche Klimaerwärmung geben würde, wären die von FFF vorgeschlagenen Maßnahmen – die Forcierung der EW mit dem Ausbau der EE – weitgehend unwirksam, weil sie die angepeilte Einsparung von CO2 eben nicht bewirken. Das beweisen die letzten 20 Jahre EW. Stattdessen erzeugen sie neue soziale, ökonomische und ökologische Probleme. Die einzige technische Lösung in puncto Einsparung von CO2 – so man das will – ist der Ausbau der CO2-freien Stromerzeugung durch Kernkraftwerke. Doch die sieht FFF ja als Teufelszeug an – ein weiteres unwissenschaftliches Dogma, dem FFF folgt.

Eine grundsätzliche Unterstützung von FFF ist also falsch. Im Gegenteil: die grundlegenden Ziele und Methoden von FFF müssen scharf kritisiert werden! Das schließt jedoch nicht aus, bestimmte konkrete Umweltschutz-Ziele zu unterstützen und dabei mit der Basis (!) von FFF zu kooperieren.

Die wichtigste Aufgabe besteht aber darin, FFF zu spalten und diejenigen Elemente, die sich als links und antikapitalistisch verstehen, von der kleinbürgerlichen Führung und ihren Konzepten wegzubrechen. Sie müssen sich auf die Arbeiterbewegung und Klassenkampfmethoden orientieren und vom Obskurantismus der „Klimarettung“ geheilt werden und sich realen Umweltproblemen zuwenden. Nicht (nur) die „Ökologiesierung“ des Kapitalismus, sondern dessen Überwindung muss die Perspektive sein! Doch das ist mit FFF nicht machbar. Ja, noch nicht einmal grundlegende ökologische Verbesserungen werden durch FFF erfolgen. Sorry, Greta, wir erlauben uns, das festzustellen.

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