Kernkraft: Irrweg oder Ausweg?

Paul Pfundt

Sollen die letzten drei AKW in Deutschland noch länger als geplant am Netz bleiben, um die befürchtete Energiekrise im Hebst und Winter abzumildern? Diese Frage treibt gegenwärtig Politik und Medien um. Selbst im „grünen“ Milieu das bisher strikt für den Ausstieg aus der Kernenergie war, beginnt man einzuknicken. Umfragen zeigen inzwischen eine Mehrheit für eine kurzzeitige oder sogar generelle Weiternutzung der Kernenergie.

Wir wollen hier die grundsätzliche Frage betrachten, ob Kernenergie überhaupt eine für die Zukunft sinnvolle Option ist. Gegen die zivile Nutzung der Kernkraft gibt es mehrere zentrale Argumente. Sehen wir sie uns genauer an.

„Kernenergie dient auch militärischen Zwecken“

Die Nutzung der Kernspaltung diente tatsächlich zuerst militärischen Zwecken – warum sollte es unter kapitalistischen Bedingungen auch anders sein? Kernreaktoren wurden zuerst als Antriebe von U-Booten vorgesehen, für die zivile Stromerzeugung sind sie weniger geeignet. Die für Kernwaffen benötigten Stoffe Uran 238 und Plutonium können in AKW erzeugt werden. Doch diese sind dafür nicht unbedingt nötig, heute wird waffenfähiges Material zumeist anders, z.B. mittels Gaszentrifugen, gewonnen. Zudem existiert bereits ein so riesiges Arsenal an Kernwaffen in immer mehr Ländern, dass ein Ausstieg aus der Stromerzeugung in AKW daran gar nichts ändern würde.

Für Marxisten besteht die Lösung des Problems der Kernwaffen nicht in einem Verbot einer Technik. Es würde wohl auch kaum jemand Flugzeuge verbieten wollen, weil es auch Bomber gibt. Notwendig ist nicht der Kampf gegen Technologien, sondern darum, dass die Arbeiterklasse die Nutzung (oder in Ausnahmefällen auch die zeitweilige Nichtnutzung) bestimmter Produktivkräfte bestimmt und nicht Staat und Kapital. Das bedeutet, dass es objektive, unabhängige und effiziente Kontrollstrukturen braucht, um eine militärische Nutzung kerntechnischer Anlagen zu erkennen und durch Mobilisierungen zu verhindern. Diese Kontrollorgane müssen bestehen aus: demokratisch bestimmten Vertretern der Beschäftigten der AKW, von Gewerkschaftern, Anwohnern und Experten des Vertrauens. Keinesfalls darf die Kontrolle in den Händen der Konzerne, der Politik und des Staates liegen, weil diese letztlich den Profit- und Herrschaftsinteressen des Kapitals verpflichtet oder fachfremd sind. Nicht Aktionen gegen AKW, sondern gegen Militärstützpunkte sind notwendig.

Bezeichnend ist diesbezüglich die Politik von Greenpeace. Früher richtete sich die Organisation v.a. gegen Atomtests in der Südsee und war damit auch durchaus erfolgreich. Damals verfolgte Greenpeace noch eine in Teilen anti-imperialistische und anti-militaristische Agenda. Später verkam das Engagement zu einem medienwirksamen Spektakel, das nicht mehr antikapitalistisch, sondern rein öko-reformistisch war und außerdem tw. Probleme erfand oder unwissenschaftlich überhöhte, um für Schlagzeilen zu sorgen. Heute ist Greenpeace ein Öko-Propaganda-Konzern, der Milliarden an Spendengeldern meist von betuchten Leuten einnimmt und verwaltet. So ist Greenpeace längst Teil jenes Systems geworden, das es einst bekämpft hat.

„Kernenergie ist ein Auslaufmodell“

Nach den Unfällen in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 verstärkte sich die Kritik an der Kerntechnik. Nur einige wenige Länder, darunter Deutschland, stiegen aus dieser Technik aus. Viele Länder und Unternehmen nahmen die Unfälle stattdessen zum Anlass, die Kerntechnik weiterzuentwickeln und bestehende Anlagen zu verbessern.

2021 waren weltweit ca. 442 Reaktoren in 33 Ländern in Betrieb. Allein China plant den Bau von 150 Kernreaktoren in den nächsten 15 Jahren. Auch in etlichen anderen Ländern sind AKW in Planung oder im Bau. Obwohl demnächst zahlreiche Reaktoren ihr technisches Laufzeitende erreichen und daher vom Netz gehen werden, wird die Anzahl der Reaktoren weltweit eher zu- als abnehmen. Die inzwischen verfügbaren neuen Minireaktoren ermöglichen daneben ganz neue Einsatzbereiche der Kernenergie, die deren Verbreitung fördern wird. Die gegenwärtig schon genutzten oder kurz davor stehenden Anlagen der Generation III und IV werden zu einem Boom der Kerntechnik führen.

In den letzten Jahren hat die technische Entwicklung auf dem Gebiet der Kerntechnik stark an Dynamik zugenommen. Verschiedene neue Versionen von Reaktoren wurden entwickelt und sind tw. schon seit Jahren in Betrieb. Diese neuen Kerntechnikgenerationen haben gegenüber der aktuell fast durchgängig eingesetzten Kerntechnik der Generation II enorme Vorteile bezüglich Sicherheit, Energieausbeute, Kosten und Abfallvermeidung bzw. -wiedernutzung. Wäre nicht bisher die militärische Nutzung der Kerntechnik und der kommerziell lukrative Verkauf der „alten“ Kerntechnik entscheidend gewesen, wären diese technologischen Fortschritte schon viel eher eingetreten. Hier zeigt sich, dass der Kapitalismus die Produktivkraftentwicklung oft gewaltig hemmt.

„Kernenergie ist inhärent unsicher“

Die Analyse der Unfälle von Tschernobyl und Fukushima hat gezeigt, dass die Kerntechnik nicht per se unsicher ist, sondern die Kontrolle über Bau und Betrieb der AKW tw. nicht funktionierte. Es handelt sich also um ein gesellschaftliches, nicht um ein technisches Problem. Natürlich ist auch die Kerntechnik – wie jede Technik – nicht zu 100% sicher. Doch selbst die bisherigen kerntechnischen Unfälle haben nicht jene katastrophalen Folgen gehabt, die ihnen Kernkraftgegner andichten. So gab es in Fukushima keinen einzigen Toten oder Verletzten durch Strahlung. Tote gab es dort nur durch die völlig überzogenen und tw. unsinnigen Evakuierungsmaßnahmen von Alten und Schwerkranken. Hintergrund dieser fatalen Maßnahmen ist eine „Strahlenphobie“, welche die Wirkung von radioaktiver Strahlung maßlos übertreibt.

Mit den neuen Techniken ist im Prinzip jedes Problem, das die gegenwärtige Kerntechnik noch hat (oder haben soll), gelöst. Ein Beispiel dafür ist das Projekt des DualFluidReaktors (DFR) (https://de.wikipedia.org/wiki/Dual-Fluid-Reaktor).

Wie schon oben dargelegt, ist nicht der Ausstieg aus einer Technologie die Lösung, sondern deren technische Weiterentwicklung. Unfälle ermöglichen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden. Allein die große Zahl von Reaktoren, die jahrzehntelang unfallfrei funktioniert haben, straft die These von der Unbeherrschbarkeit der Kerntechnik Lügen. Schon seit Jahrzehnten existieren Reaktoren, bei denen der gefürchtete Supergau technisch unmöglich ist (z.B. der Kugelhaufenreaktor). Doch ihre Weiterentwicklung und Anwendung wurden blockiert. Doch jetzt ist der Bann gebrochen. Die Entwicklung neuer, deutlich besserer und inhärent sicherer Reaktoren hat spürbar an Dynamik gewonnen.

„Die Vorräte an Spaltmaterial gehen zur Neige“

Eine verbreitete These der Kernkraftgegner besagt, dass die Kernenergie schon deshalb keine Zukunft hätte, weil die Reserven an spaltbarem Material nur noch wenige Jahrzehnte reichen würden. Diese Behauptung ist falsch.

Da zuletzt viel Uran aus abgerüsteten Atomwaffen zur Verfügung stand, sanken die Preise. Einige Uranminen wurden daher stillgelegt. Entsprechend sanken die „nachgewiesenen Reserven“, und es wurde darauf verzichtetet, neue Lagerstätten zu erkunden. Aktuell kommt man auf nachgewiesene Reserven von 11,3 Mio. t. Diese würden für 150 Jahre reichen. Hinzu kommen bekannte Uranlager von 22 Mio. t in Phosphaterzen. Zusammen reichen diese Vorkommen (bei heutigem Verbrauch) für fast 500 Jahre. Die nutzbaren Reserven nehmen außerdem zu. Von 2017-19 wuchsen sie um 1,0%, von 2015-17 sogar um 4,5%.

Das Gros der Uranvorräte liegt im Meer: etwa 4,5 Milliarden (!) Tonnen. Dieses Uran kann schon heute herausgefiltert werden, ist aber derzeit noch wesentlich teurer als Uran aus dem Bergbau. Würde man schon heute dieses teure Ozean-Uran als Brennstoff nutzen, würde sich der Preis von „Atomstrom“ verteuern – aber nur um 0,01 Cent pro Kilowattstunde.

Allein die aktuell genutzten Förderstandorte reichen noch für mehrere Jahrzehnte, die bekannten und nutzbaren Reserven reichen bei heutigem Verbrauch noch bis ins nächste Jahrhundert. Zu diesen Vorkommen kommt noch hinzu, dass das „Resturan“ aus AKW – fälschlich „Atommüll“ genannt, obwohl es ein energetisch hochwertiger Stoff ist – wiederverwendet werden kann. Die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe erfolgt schon lange. Der „Atommüll“, wozu auch Uran aus alten Atomwaffen zählt, kann inzwischen durch technisch verbesserte Prozesse genutzt werden und dient schon heute als Brennstoff für AKW, z.B. in der russischen Anlage BN 800. Mit dem Programm “Megatons to Megawatts” wurden von 1994 bis 2013 rund 500 Tonnen waffenfähiges Uran aus USA und Russland zu Kernbrennstoff abgereichert und zur Stromerzeugung verwendet.

Neben Uran kann auch Thorium als Rohstoff verwendet werden. Dieses fällt in größeren Mengen beim Abbau seltener Erden als Nebenprodukt an. Es muss allerdings erst zu Uran aufgearbeitet werden. Davon, dass den AKW demnächst der Brennstoff ausgehen wird, kann also überhaupt keine Rede sein. Zudem werden derzeit nur max. 5% der Energie des Spaltmaterials genutzt, würde diese Quote steigen, reichten die Reserven entsprechend länger.

„Radioaktivität ist generell schädlich“

Das Phänomen der Radioaktivität ist sehr gut untersucht. Sehr viele Studien zeigen, ob bzw. in welchem Maße sie für Organismen schädlich ist. In früheren Epochen der Erdgeschichte war die Radioaktivität deutlich höher. Daher haben die Zellen die Fähigkeit entwickelt, sich gegen Radioaktivität zu schützen. Während hohe Strahlendosen (abhängig von der Einwirkzeit und der Strahlungsart) Schäden bis zum Tod hervorrufen können, haben niedrige Dosen sogar biopositive Effekte. Dieses Wirkung ist wissenschaftlich und empirisch nachgewiesen (Hormesis-Theorie). Trotzdem behaupten bestimmte Kreise, dass jedes kleinste Quantum Radioaktivität schädlich sei (LNT-Theorie). Diese letztere Auffassung führt zu einer völlig übertriebenen Atomphobie, behindert die Nutzung der Möglichkeiten der Nuklearmedizin und erhöht die Kosten beim Umgang mit Kerntechnik.

Bei einer Dauerbestrahlung von unter 0,5 Sv konnte das Kernforschungszentrum Karlsruhe bei Untersuchungen keine nachteiligen Auswirkungen erkennen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat den Grenzwert der Zumutbarkeit aber vorsichtshalber auf 0,02 Sv/a festgelegt. Viele Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass eine um 5 bis 10 mSv/a erhöhte Strahlungsdisposition positive biologische Prozesse anregt und z.B. die Photosynthese beschleunigt. Es zeigt sich, dass an Orten mit einer leicht erhöhten (über den Grenzwerten liegenden) Strahlungsintensität die Menschen sogar gesünder sind und Heilungsprozesse schneller ablaufen. Jahrzehntelange Untersuchungen bei Menschen, die dauerhaft, aber kontrolliert erhöhter Strahlung ausgesetzt sind (Besatzungen von Atom-U-Booten, Medizinpersonal, Belegschaften von AKW, Flugpersonal, Radiummalerinnen), zeigen keine anormalen Auswirkungen.

Woher kommt die Strahlenbelastung? Etwa 45% erzeugt die Medizin (ein Ganzkörper-CT erzeugt so viel Strahlung wie 200 Flüge nach Japan); 30% entstammt Radongas, das aus dem Gestein aufsteigt; 10% kommen aus dem Weltraum; 14% sind irdischen (natürlichen) Ursprungs und 1% entstammt „künstlicher“ Radioaktivität (kerntechnische Unfälle, Kernwaffenversuche usw.)

Anstatt der v.a. in Deutschland erzeugten Strahlenangst ist ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und realen Erfahrungen beruhender Umgang mit Radioaktivität erforderlich, der einen sicheren Umgang sichert und die großen Vorteile der Kerntechnik nutzbar macht.

„Das Problem der Endlagerung ist ungelöst“

Die Dimension der Endlagerung radioaktiver Stoffe wird von Medien und Politik völlig schief und übertrieben dargestellt. Weltweit ist nur etwa 1% aller gefährlichen Abfälle radioaktiv. Die restlichen 99% fallen u.a. beim Bergbau (giftige Schwermetalle in Klärschlämmen) und in der Chemieindustrie an. Diese Giftstoffe bleiben ewig giftig, während die Radioaktivität mit der Zeit unterschiedlich schnell abnimmt. Radioaktive Abfälle sind vergleichsweise gut transportier- und lagerbar, v.a. im Vergleich zu Klärschlämmen. Letztere haben durch die Havarie von Rückhaltebecken bereits mehrfach zu dramatischen Umweltkatastrophen geführt. Schäden durch undichte Endlager für radioaktive Stoffe gab es hingegen nicht bzw. ergaben sich durch Undichtigkeiten keine Verseuchungen, weil die radioaktiven Abwässer bis zur Unmessbarkeit verdünnt wurden.

Die USA erzeugen 20% ihres Stroms mittels AKW. Das gesamte Abfallvolumen, das bisher dadurch entstanden ist, würde in einer Tiefe von weniger als 10 m auf ein einziges Fußballfeld passen. Ein unlösbares Problem? Wohl kaum. Nur ein winziger Prozentsatz der abgebrannten Brennelemente ist tatsächlich giftig und muss speziell behandelt bzw. gelagert werden.

Aus dem Atomlager Asse wurde durch die Förderung von Kalisalz (Kalium 40 ist radioaktiv) etwa genau so viel Radioaktivität heraus geholt, wie später durch Einlagerung von schwach aktiven Stoffen wieder hinein gebracht wurde (nach 100 Jahren sind die 250 g Pu-241 verschwunden, die heute noch den überwiegenden Teil der Aktivität darstellen). Mit dem Kalisalz wird auf unseren Äckern genau so viel Radioaktivität verteilt, wie es in der Tiefe der Asse als Gefahr dargestellt wird.

Die Problematik der „End“lagerung wird grundsätzlich in einen falschen Zusammenhang gestellt. Immer wird auf die Halbwertzeit von bis zu mehreren 10.000 Jahren verwiesen. Doch wie lange die radioaktiven Reststoffe gelagert werden müssen, hängt gar nicht von dieser Halbwertzeit ab, sondern davon, wie schnell die Menschheit in der Lage sein wird, Abfälle zu vermeiden oder aber sie wieder zu nutzen. Dabei geht es um Jahre oder Jahrzehnte und nicht um Jahrhundert oder gar Jahrtausende. Es existieren bereits heute Techniken, um radioaktive Reststoffe wieder zu nutzen und in den technischen Kreislauf zurück zu führen bzw. deren Radioaktivität (und damit die Halbwertzeit) deutlich zu minimieren. Doch anstatt diese Techniken (auch im Sinne der Ressourcenschonung, von der so oft die Rede ist) zu entwickeln, wird das von der Anti-Atom-Bewegung massiv behindert.

Jedes „Endlager“ wird – entgegen anerkannten internationalen Fachgutachten – von den Atomgegnern als unsicher eingestuft. Die Suche nach geeigneten Endlagern wird von ihnen behindert und damit verteuert und in die Länge gezogen. Der „grüne“ Obskurantismus erhöht auch hier nicht die Sicherheit, sondern verhindert eine Lösung.

Abgebrannte Brennelemente enthalten noch 98% ihrer Energie, die mit den herkömmlichen Reaktoren heute noch nicht genutzt werden kann. Allerdings werden derzeit weltweit Reaktoren der Generation IV entwickelt, die auch diese bisher nicht genutzte Energie in Strom und Wärme umwandeln können. Allein in den deutschen Zwischenlagern steht so viel radioaktives Material, dass mit den neuen Dual-Fluid-Reaktoren Deutschland für 350 Jahre mit Strom versorgt werden könnte. Frankreich recycelt seit Jahrzehnten abgebrannte Kernbrennstoffe. 17% des französischen Stroms stammen aus recyceltem Kernbrennstoff.

„Kernenergie ist zu teuer“

Es ist unbestritten, dass AKW sehr hohe Baukosten haben. Doch die zuletzt bei einigen Projekten in Westeuropa zu beobachtenden Kostenexplosionen sind nicht typisch. AKW, die von Russland oder China gebaut werden, sind deutlich billiger und halten die Kosten- und Zeitpläne ein. Dass die AKW-Projekte in Westeuropa so aus den Fugen geraten, hat am wenigsten mit der Technik selbst zu tun. Woran liegt es dann? 1. behindern ständige und sich permanent verändernde Auflagen den Weiterbau; 2. ist durch den Atomausstieg Deutschlands ein wichtiger Bau- und Technologieträger ausgefallen. Das führt dazu, dass Unternehmen beim Bau von AKW kooperieren müssen, die das nicht „gewöhnt“ sind, so dass bei den sehr komplexen AKW-Bauten Problem entstehen, die es früher so nicht gab. Der Bau von AKW könnte schon heute weit einfacher und billiger erfolgen, wenn nicht die Konkurrenz und nationale Egoismen eine Vereinheitlichung der Typen und eine Serienfertigung behindern würden. Es stimmt zwar, dass der Bau von Kernkraftwerken teuer sein kann, aber eine Studie von zwei französischen Ökonomen aus dem Jahr 2015, die den Bau von AKW in der Vergangenheit in Frankreich und den USA untersuchte, stellte fest, dass die Kosten kontrolliert werden können, indem man das gleiche Design wiederholt und mit demselben Team baut. Das Problem heißt also nicht K wie Kerntechnik, sondern K wie Kapitalismus.

Wesentlicher als diese Probleme ist für die Kostenentwicklung aber, dass neue technische Innovationen die Konstruktion und den Bau von AKW deutlich vereinfachen und damit verbilligen. Minireaktoren z.B. können in einer Produktionshalle in Serie gebaut werden, was die Kosten erheblich senkt und den Bau auch sicherer macht. Die fertigen Reaktoren werden dann per Tieflader zum Einsatzort transportiert. Nach Betriebsende werden sie wieder abgeholt und im Herstellerwerk auseinandergebaut. Hier zeigt sich, welche enorme Entwicklungspotentiale die Kerntechnik noch hat.

Angeblich wären Wind- und Solaranlagen, die „Erneuerbaren Energien“ (EE) billiger als AKW. Das ist bezüglich der Baukosten auch korrekt. Hinsichtlich der Rohstoffkosten (Wind und Sonne bzw. Spaltmaterial) sieht es schon anders aus, weil der Kostenanteil für den Brennstoff bei AKW auch äußerst gering ist. Doch werden bei den Kostenvergleichen von Kerntechnik und den EE immer wesentliche Faktoren „vergessen“. So läuft ein AKW 60 oder 80 Jahre, die EE etwa nur 20. D.h., dass auf eine Gesamtlaufzeit von 60-80 Jahren gerechnet die EE 3 oder 4 Mal erneuert werden, also die Baukosten mal 3 oder 4 gerechnet werden müssen. Für ein modernes Windrad mit 4-5 Megawattstunden Leistung werden 5-6.000 Tonnen Material verbaut. Die EE-Lobbyisten verschweigen uns aber, dass ein solches Windrad praktisch nur etwa ein (!) Mw ins Netz einspeist, so dass der Ressourcenaufwand pro Megawattstunde sich real verfünffacht!

Um ein Stromsystem auf EE basieren zu können, braucht es entweder Backup-Kraftwerke, welche die Produktionsausfälle der EE bei Dunkelheit und Windflaute ausgleichen können, oder Speicher. Beides bedeutet, dass permanente Kosten hinzukommen, die ohne EE gar nicht notwendig wären. Ein auf EE beruhendes deutsches Stromsystem benötigte Speicher, die ca. 800 Milliarden kosten würden. Ein Teil dieser Speicher (Batterien) hat zudem auch nur eine Laufzeit von einigen Jahren und erzeugt so erneute Kosten für den Ersatz. Dazu kommt, dass zehn-, ja hunderttausende EE-Anlagen ein deutlich größeres Netz brauchen, das ohne EE überhaupt nicht nötig wäre. Schließlich bedeutet die Speicherung (Umformung) von Energie, dass dabei Energie „verloren“ geht und deshalb mehr Strom erzeugt werden muss, um diese Verluste zu ersetzen.

Diese Tatsachen zeigen, dass die EE – und das durch sie erzwungene technische Gesamtsystem – nicht billiger, sondern teurer ist als Kernkraft oder Kohleverstromung.

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