Schulische Digitalisierung: Künstlich erzeugte Entwicklungsstörungen

Vorbemerkung: Diesen Beitrag übernehmen wir mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Redaktion Aufruhrgebiet

Magda von Garrel

Vorüberlegungen

Künstlich erzeugte Entwicklungsstörungen sind kein neuzeitliches Phänomen. Im schulischen Umfeld haben sie als Folge struktureller Hürden schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Als Beispiel sei die oft nicht gelingende Herausbildung eines stabilen Selbstbewusstseins genannt, von der v.a. diejenigen Schülerinnen und Schüler betroffen sind, die dem Unterrichtsstoff aus unterschiedlichen Gründen nicht in dem geforderten Maß folgen können und daraufhin mit innerschulischen Sanktionen (schlechte Noten, Sitzenbleiben oder erzwungener Wechsel auf eine andere Schulform) überzogen werden.

Aber auch elterliche Erziehungsstile und -prioritäten können massive Entwicklungsstörungen bei den Kindern hervorrufen (Vernachlässigung, Überbehütung, körperliche und seelische Misshandlungen, hoher Erwartungsdruck und/oder anderweitige Überforderungen). Besonders verheerende Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben die Corona-Maßnahmen mit sich gebracht, die nicht nur deutliche Lernrückstände, sondern auch diverse Traumata in Form gravierender Angst- oder Kontaktstörungen zur Folge hatten.

Dieser Hintergrund muss bei der nachfolgenden Erörterung der von den deutschen Bildungsministern auf Landes- und Bundesebene forcierten Strategie einer bereits im Kita-Bereich zu startenden schulischen Digitalisierung mitbedacht werden: Bei einer vollständigen Umsetzung dieser Pläne kommen zu den ohnehin schon zahlreichen Gefährdungspotenzialen noch viele digitalisierungsbedingte Entwicklungsstörungen mit dauerhaft einschränkenden Wirkungen hinzu.

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Positionen zum Schulsystem

Hannah Behrendt

Mit der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise wurde es notwendig, dass auch die Arbeiterklasse über eine mehr oder weniger fundierte Bildung verfügt, um den Anforderungen von Wissenschaft und Technik in Produktion und Gesellschaft gerecht zu werden. So entstand ein allgemeines Bildungssystem, zu dem wesentlich auch der Bereich der Schule gehört. Die schulische Ausbildung der künftigen Lohnarbeiter und Spezialisten obliegt fast ausschließlich dem staatlichen Bildungssystem, da die Bourgeoisie diese Aufgabe nicht direkt übernehmen will bzw. kann.

Das derzeitige Schulsystem in Deutschland ist u.a. dadurch gekennzeichnet,

  • dass es überwiegend dem Staat untersteht (staatliche, aber auch Schulen privater oder institutioneller Träger), der Inhalte und Formen der Bildungsvermittlung bestimmt;
  • dass es in sich differenziert ist (mehrgliedriges Schulsystem);
  • dass das vermittelte Wissen – adäquat der Arbeit im Kapitalismus – einen Doppelcharakter hat: einerseits notwendiges Wissen und Fähigkeiten zur Meisterung des Lebens, andererseits bürgerliche Ideologie (Normen, Rechtfertigung des Kapitalismus, „Untertanengeist“ usw.);
  • dass das Ziel von Schule einerseits die ideelle Reproduktion der Lohnarbeiterklasse und andererseits die „Züchtung“ einer Minderheit zur akademisch-intellektuellen Elite (lohnabhängige Mittelschicht) als Teil des Herrschaftsapparats ist.
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