Alten Freunden

Hanns Graaf

Wisst ihr noch, wie oft wir warn gesessen
Hier im grauen Hof, im gelben Licht?
Hatten alle Zeit im Kopf durchmessen
Bis zum DĂ€mmern. Habt ihr das vergessen?
Sagt, warum erinnert ihr euch nicht?

SpĂŒrt ihr noch das rauhe Holz, ihr HĂ€nde?
Wie viel GlÀser sind uns drauf zerschellt!
Ob die derben SprĂŒche ich noch fĂ€nde,
Die wir eingekratzt in blasse WĂ€nde,
Denen nun der letzte Putz abfÀllt.

Wisst ihr noch: die dunkelroten Weine
Stiegen uns zu Kopf. Ein Taumel GlĂŒck.
WĂ€lzten Theorie wie schwere Steine,
Stritten uns und kamen nie ins Reine.
Nein, ich nehm noch heut kein Wort zurĂŒck!

In den kahlen Ranken der Taverne
Grinsen im Gezweig wie Ironie
Bleiche Lampions wie fahle Sterne.
Dass wir einig wÀrn in Zukunftsferne,
War wohl unsre grĂ¶ĂŸte Utopie.

Seid zu Haus in andrer Herren LĂ€nder,
Wo ich euch bis jetzt nicht wieder fand.
Tragt die Haare anders, die GewÀnder.
Fremd klingt euer Wort im fremden Sender.
Hab euch nur am Namen noch erkannt.

Kies zerknirscht mir unter meinen Sohlen.
SchnellbahnlÀrm. Ein Hund, der Reste frisst.
Hab nichts zu bestellen. Unverhohlen
Schaut der Kellner. Will den Mantel holen,
Den der KleiderstÀnder schwarz gehisst.

ABC des Marxismus Teil III: Was ist Faschismus?

Der Begriff „faschistisch“ wurde erstmals von Benito Mussolini verwendet, dessen Bewegung 1922 in Italien durch die Zerschlagung der Gewerkschaften und der Arbeiterparteien an die Macht kam. WĂ€hrend der 1920er und 30er Jahre wuchsen faschistische Bewegungen in ganz Europa. In Österreich war Dollfuß ihr FĂŒhrer, in Deutschland Hitler. Der deutsche Faschismus nannte sich in demagogischer Weise „Nationalsozialismus“. „ABC des Marxismus Teil III: Was ist Faschismus?“ weiterlesen

Das Siedlungs-, Bau- und Wohnungsprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands (1922)

(Wir dokumentieren hier den Entwurf fĂŒr ein „Wohnungsprogramm“ der KPD von 1922. Obwohl dieser Entwurf nie angenommen wurde, gibt er einen guten Einblick in die programmatischen Vorstellungen der KPD jener Zeit. Die Redaktion)

Entwurf

1. Die Grundlage aller Kommunalpolitik ist die Ansiedlung von Menschen. Im kapitalistischen Zeitalter vollzieht sich die Siedlung planlos; im wesentlichen folgt sie den ZufallsbedĂŒrfnissen der Industrie; sie nimmt keine RĂŒcksicht auf die natĂŒrlichen Siedlungsmöglichkeiten, auf industrielle Standortsökonomie, keine RĂŒcksicht auf Sicherstellung der ErnĂ€hrung, auf Tauschmöglichkeit, Hygiene, Verkehr, keine RĂŒcksicht auf den proletarischen Menschen. „Das Siedlungs-, Bau- und Wohnungsprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands (1922)“ weiterlesen

Die MLPD und die „Klimaskeptiker“

Hannes Hohn

Recherchen auf linken Websites zum Thema Klima und Energie bringen wenig bis nichts Substanzielles, nur Meinungen, kaum Fakten oder gar wissenschaftliche Darlegungen. Auf der Homepage der Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) ist es genauso, doch immerhin kann man diesen VorkĂ€mpfern fĂŒr den „echten Sozialismus“ in den Fußstapfen Stalins eine gewisse Begabung fĂŒr unfreiwillige Komik nicht absprechen. „Die MLPD und die „Klimaskeptiker““ weiterlesen

Laudatio des Tages vom 10.10.2016

HaHo

Anetta Kahane schreibt regelmĂ€ĂŸig Kolumnen fĂŒr die Berliner Zeitung und ist in der Amadeu-Antonio-Stiftung aktiv. Hier wie da wendet sie sich gegen Rassismus u.a. rechtes Denken und Treiben. So weit, so gut.

Doch unser doppeltes Lob erhĂ€lt sie heute dafĂŒr, dass sie uns einen erhellenden Einblick in die Denke einer echten Reformistin gibt und wir zugleich auch mehr Klarheit darĂŒber erhalten, warum die Linke so wenig attraktiv fĂŒr viele Leute ist. „Laudatio des Tages vom 10.10.2016“ weiterlesen

ABC des Marxismus Teil II: Was bedeutet Eigentum?

Es gibt verschiedene Formen von Eigentum. Persönliches Eigentum bezeichnet Dinge, welche fĂŒr die private LebensfĂŒhrung nötig sind (Kleidung, Möbel, Wohnung, Auto). Es gibt Kollektiveigentum (z.B. Genossenschaften) und es gibt Staatseigentum (z.B. kommunale Einrichtungen oder Unternehmen in der Hand des Zentralstaats). „ABC des Marxismus Teil II: Was bedeutet Eigentum?“ weiterlesen

FundstĂŒck IX

Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und Ă€ußere ZweckmĂ€ĂŸigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der SphĂ€re der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine BedĂŒrfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die BedĂŒrfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die ProduktivkrĂ€fte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur wĂŒrdigsten und adĂ€quatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer in Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblĂŒhen kann. Die VerkĂŒrzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.

K. Marx: Das Kapital. Bd. 3

ABC des Marxismus Teil I: Was ist Ausbeutung?

Vorwort

Mit dem „ABC des Marxismus“ stellen wir in unregelmĂ€ĂŸiger Folge Artikel vor, in denen wichtige Begriffe, die im Marxismus eine Rolle spielen, erlĂ€utert werden. Wir versuchen, diese BeitrĂ€ge in kurzer und leicht verstĂ€ndlicher Form zu verfassen, um nicht oder wenig „vorgebildeten“ LeserInnen, v.a. jĂŒngeren, den Einstieg in den Marxismus und seine Art der Weltbetrachtung und -verĂ€nderung zu erleichtern. Die Texte des ABC sind in ihrer Art insofern nicht streng „theoretisch“, sondern eher populĂ€r geschrieben. Sie ersetzen nicht die genauere BeschĂ€ftigung mit dem Marxismus und das Lesen von Originaltexten von Marx, Engels u.a., sondern sollen deren VerstĂ€ndnis erleichtern. Wir verstehen das ABC als „Einstiegshilfe“, um die Gesellschaft, den Klassenkampf – schlicht den Gang der Geschichte – besser verstehen, den Kapitalismus bekĂ€mpfen und schließlich ĂŒberwinden zu können.

(Die Redaktion, 26.9.16) „ABC des Marxismus Teil I: Was ist Ausbeutung?“ weiterlesen