Neues aus der Klippschule

RIO zur Klimakrise

Hanns Graaf

Die „Revolutionäre Internationalistische Organisation“ (RIO), dt. Sektion der „Trotzkistischen Fraktion – Vierte Internationale“ (FT-CI), stellt ihre Sicht auf die sog. „Klimakrise“ in Form eines „ABC des Marxismus: K wie Klimakrise“ dar. (www.klassegegenklasse.org/abc-des-marxismus-k-wie-klimakrise)

Wir wollen hier zeigen, dass RIOs Sicht der Dinge weder etwas mit dem realen Klima noch mit Marxismus zu tun hat.

Zunächst ist schon bezeichnend genug, dass RIO glaubt, dieses Thema, das sehr umfangreich ist und mit – fĂĽr linke Gruppen eher unĂĽblichen – naturwissenschaftlichen und technischen Fragen verbunden ist, mit sage und schreibe nur 216 (!) Wörtern abhandeln zu können. Zwar liegt sprichwörtlich in der KĂĽrze oft die WĂĽrze, doch hier handelt es sich wohl einfach nur um Oberflächlichkeit.

Klimakrise?

Schon der erste Satz offenbart das: „Die Klimakrise ist ein Ausdruck der aktuellen gesamtökologischen Krise.“ Inwiefern ist das so? Mit keinem Wort wird hier irgendetwas Konkretes ausgesagt. Zudem macht der Begriff „Klimakrise“ keinen Sinn, denn es gibt wohl klimatische Veränderungen, aber eine Krise des Klimas kann es nicht geben. Da sich das Klima unaufhörlich wandelt und immer für diesen oder jenen Bereich der Natur bzw. der Gesellschaft  Herausforderungen bringt, wäre das Klima an sich eine permanente Krise.

Doch hier geht es nicht um Wortklauberei, sondern um ein offensichtlich falsches Verständnis von Klima. RIO scheint zu glauben, dass das „vorindustrielle“ Klima stabil oder kaum veränderlich gewesen wäre und erst durch den Einfluss des Menschen (Verbrennung fossiler Stoffe) Veränderungen eingetreten wären, die ĂĽber das „übliche“ MaĂź klimatischer (Temperatur)Schwankungen hinaus gehen. Das wird uns seit Jahrzehnten durch Politik, Medien und alarmistische „Wissenschaftler“ eingetrichtert. Doch diese Position widerspricht den Fakten der Klimageschichte. Allein im Holozän, der seit ca. 10.000 Jahren herrschenden gegenwärtigen Warmperiode, gab es mindestens 5 Abschnitte, in denen es genauso warm war wie heute, meist sogar wärmer – ohne jeden Einfluss des Menschen. Von einmaligen oder auĂźergewöhnlichen Ă„nderungen kann also keine Rede sein. Dieser Umstand wird uns medial immer verschwiegen, u.a. weil die Darstellung der Temperaturentwicklung immer erst 1880 oder noch später beginnt. Anfang des 19. Jahrhunderts ging aber die sog. „Kleien Eiszeit“, eine der kältesten Abschnitte des Holozäns, gerade zu Ende. Dass die normale Wiedererwärmung danach also ein ganz normaler Prozess ist, wird somit ausgeblendet. Es handelt sich hier also um LĂĽgen durch Auslassung.

Es ist auch sehr bezeichnend, dass der Weltklimarat IPCC neuerdings gar nicht mehr in den Medien erwähnt wird, nachdem man uns jahrelang fast täglich mit dessen Klima-Apokalypse traktiert hat. Warum dieser Wandel? Weil im letzten Bericht des IPCC, dem AR 5 von 2013, einige Positionen enthalten sind, die der medialen Klimakatastrophen-Theorie widersprechen. So wird u.a. darauf verwiesen, dass die Klima-Modelle versagt haben, dass es einen Stillstand (Hiatus) der Erwärmung ab etwa 2000 gab, dass eine Zunahme von Wetterextremen nicht beobachtet wird usw. Nun, man kann diese Positionen für falsch halten, aber sie totzuschweigen spricht weder für Ehrlichkeit noch für Wissenschaftlichkeit. Doch von all dem hat RIO mit Sicherheit nicht die geringste Ahnung, wie ihre Publikationen insgesamt klar zeigen.

Gesellschaftliche Ursachen

Als Ursache der vermeintlichen Klimakrise wird die kapitalistische Produktionsweise ausgemacht – eine andere gibt es derzeit ja auch nicht. „An ihr“, so RIO weiter, „wird die absolute Unfähigkeit des vermeintlich effizienten Kapitalismus deutlich, die vorhandenen Ressourcen fĂĽr den Umbau zu einer post-fossilen Gesellschaft einzusetzen.“

Den Kern der „Klimakrise“ sieht RIO also in der Nicht-Ăśberwindung der Abhängigkeit von fossilen Stoffen durch den nicht stattfindenden „Umbau zu einer post-fossilen Gesellschaft“. M.a.W.: eine Energiewende hin zu 100% „Erneuerbare“ wäre notwendig. Wie ĂĽblich in der grĂĽnen und linken Szene ficht es auch RIO nicht an, ob Kohle, Ă–l und Gas als Hauptenergieträger – sie sichern heute ĂĽber 90% des globalen Primärenergieverbrauchs – ĂĽberhaupt durch Sonne, Wind u.a. „Erneuerbare“ abgelöst werden können. Und dem widersprechen nicht nur die technischen Realitäten und die Naturgesetze, sondern einfach auch die niedrigere Arbeitsproduktivität der „Erneuerbaren“ (v.a. von Wind- und Solaranlagen) gegenĂĽber den traditionellen Techniken. Umso mehr ist die einzige Energiequelle mit noch enormem Produktivitätsreserven die Kernenergie, die RIO aber auch ablehnt.

RIO versucht sich auch an einer Erklärung, warum der Kapitalismus an dieser Aufgabe scheitert: „Die ökonomischen Naturverhältnisse sind im Kapitalismus vom Wachstumszwang bestimmt.“ Hier graust es jedem Marxisten. Erstens: was sind „ökonomische Naturverhältnisse“? Naturverhältnisse  sind nie ökonomisch, wie ökonomische Verhältnisse nie natürlich sind. Zwischen Natur und Ökonomie, d.h. dem Menschen, gibt es einen wechselseitigen und widersprüchlichen Zusammenhang; ein „ökonomisches Naturverhältnis“ jedoch gibt es nicht.

Zweitens: Der Kapitalismus unterliegt einem Verwertungszwang, welcher der Profiterzeugung und -maximierung dient und über die Markt-Konkurrenz vermittelt ist. Der Begriff “Wachstumszwang“ ist viel zu ungenau, spiegelt aber die „grüne“ Auffassung wider, dass nicht der Kapitalismus „an sich“, d.h. das Privateigentum, das Problem wäre, sondern nur dessen „Expansionsdrang“. Insofern  gäbe es „Grenzen des Wachstums“ usw. die einzuhalten wären, wie uns der Club of Rome u.a. Öko-Reformisten einzureden versuchen. Die Quintessenz dieser Weltverbesserer heißt jedes Mal „Gürtel enger schnallen“ und „Verzichten“.

Angebliche „Marxisten“ wie RIO äffen diesen Unfug einerseits nach, andererseits sind sie für den Kommunismus, ohne zu begreifen, dass dieser gemäß den „grünen“ Prämissen gar nicht möglich wäre, es sei denn als eine Gesellschaft verallgemeinerter Armut. Zum Glück gibt es diese „Grenzen des Wachstums“ nicht, jedenfalls nicht so, wie ständig behauptet wird. Was es gibt, sind ständig neue Probleme und Herausforderungen, für deren Überwindung immer neue Mittel ersonnen werden. Dass der Kapitalismus diesen Lösungsprozess oft negativ beeinflusst und oft blockiert, ist ein Grund, warum er überwunden werden kann und muss.

RIO sieht das völlig anders. Für sie „kollidiert“ der Kapitalismus „zwangsläufig mit den stofflich begrenzten und geschlossenen Kreisläufen im Ökosystem Erde.“ Hier wird zunächst ignoriert, dass auch der Kapitalismus nicht nur ökologische Probleme schafft oder vergrößert, sondern permanent auch bestimmte ökologische Probleme minimiert oder löst. Zum anderen gibt es keine „stofflich begrenzten und geschlossenen Kreisläufe im Ökosystem Erde“. „Begrenzt“ macht als Begriff ja nur Sinn, wenn a) die Natur selbst mehr Ressourcen benötigen würde, als sie selbst besitzt, was natürlich keinen Sinn macht; oder aber b) der Mensch mehr Ressourcen benötigt, als der Planet Erde besitzt. Auch das ist aber falsch.

In gewissem Sinn hatte der Mensch schon immer das Problem, dass bestimmte Ressourcen an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten fĂĽr bestimmte BedĂĽrfnisse nicht (mehr) ausreichend vorhanden waren. So z.B. im ausgehenden Mittelalter Holz. Hörte die soziale Entwicklung deshalb auf? Verschwand der Wald? Nein! Holz wurde als Rohstoff durch Metall, Kohle und Stein abgelöst. Genauso heute das Ă–l. Anstatt dass es zur Neige geht, wie der Club of Rome behauptet, nimmt der Umfang der Vorräte sogar zu. Warum? Weil die Methoden zur Erforschung und Nutzung von Ă–llagerstätten sich permanent verbessern. Wenn eines Tages das Ă–l doch zur Neige gehen sollte (was in den nächsten mindestens 100 Jahren aber nicht der Fall sein wird), so wird die Menschheit auf andere Energiequellen und -techniken umsteigen, die nicht nur Ă–l, Gas und Kohle ersetzen, sondern sogar wesentlich effektiver sein werden als die fossile Verbrennung. Die „Erneuerbaren“ kommen dafĂĽr – v.a. auf Grund ihrer kaum vorhandenen technischen Produktivitätsreserven – nicht in Frage (she. dazu unten).

Falsches Naturverständnis

Naturwissenschaftlich gesehen ist auch die Behauptung, dass es nur „geschlossene Kreisläufe im Ă–kosystem Erde“ gäbe, falsch. Ein – klimatisch relevantes – Beispiel: Die Klimageschichte zeigt, dass im Laufe von Milliarden von Jahren der CO2-Gehalt der Luft immer weiter abgenommen hat und im 19. Jahrhundert ein „historisches“ Tief erreicht war, bei dem die Photosynthese gerade noch funktioniert. Ein weiteres Sinken des CO2-Pegels um etwa 100 ppm hätte die Photosynthese vieler Pflanzen (fast) zum Erliegen bringen können. Gerade in Bezug auf eine wesentliche Grundlage jeden Lebens auf der Erde ist die Natur eben nicht immer ein geschlossener Kreislauf. Schon jetzt ist nachweisbar, dass (von allen anderen Wirkungen hier einmal abgesehen) mehr CO2 zu mehr BegrĂĽnung, also zu mehr Wachstum und zu mehr Erträgen in der Landwirtschaft gefĂĽhrt hat. Davon hören wir von den Klimaalarmisten natĂĽrlich nichts. Stattdessen prophezeien sie ein gravierendes Artensterben und verschweigen oder verdrängen dabei (absichtlich?), dass der Hauptgrund fĂĽr das heutige Artensterben der Mensch – genauer: die kapitalistische Wirtschaftsweise ist und nicht klimatische Ă„nderungen. Genauso verhält es sich bei den sog. „KlimaflĂĽchtlingen“.

Obwohl RIO unkritisch an den „grünen“ Erklärungsmustern methodisch anknüpft, postulieren sie zugleich: „Grünes“, „qualitatives“ oder „entkoppeltes“ Wachstum sind Illusionen in eine Lösung der Klimakrise innerhalb des Kapitalismus.“ Natürlich fehlt auch hier wieder jeder Beweis oder Beleg für diese These. Allein die Tatsache, dass es einen zunehmend größeren Sektor von Umwelt-Technologien und -unternehmen, Ressourcen sparenden Techniken und Recycling gibt, sollte Anlass sein, die Behauptung von RIO zu hinterfragen. Dass der Kapitalismus „die ökologische Frage“ löst (und auf wessen Kosten?), ist zumindest höchst unwahrscheinlich. Doch dass der Kapitalismus die Umwelt so weit ruiniert, dass das Überleben der Menschheit in Frage gestellt wird (Stichwort: Klimakatastrophe), ist genauso wenig ausgemacht, ja sogar höchst unwahrscheinlich, denn warum sollte die Bourgeoisie ihre eigenen Produktions- und Lebensgrundlagen vernichten? Bisher ist nie eine Gesellschaftsordnung untergegangen, weil sie nicht mehr funktioniert hätte, sondern weil sie von einer Ordnung mit mehr Entwicklungspotential abgelöst wurde. Dafür, dass der Kapitalismus „an sich selbst“ scheitert, gibt es keinen Beweis, es sei denn, an sich selbst meint am Proletariat, seinem Totengräber.

Rio zur Ă–kologie-Bewegung

Ein weiteres Problem macht RIO bei der Ökologiebewegung aus: „Trotz großer Anstrengungen blieb die Ökologiebewegung bislang politisch weitestgehend macht- und perspektivlos.“ Zunächst  verwundert bei einem „ABC des Marxismus“, dass der Klassencharakter der Ökobewegung nicht betrachtet wird. So bleibt natürlich unbedacht und unkritisiert (!), dass die Ökobewegung im Kern eine bürgerliche Bewegung ist, die sich strukturell auf die Mittelschichten und Teile des Kapitals und des bürgerlichen Staates stützt. Die Arbeiterklasse spielt darin weder strukturell noch ideell eine wichtige Rolle. Es gibt allerdings eine direkte Verbindung zwischen dem „allgemeinen“ Reformismus der „offiziellen“ Arbeiterbewegung und dem „speziellen“ Öko-Reformismus der „grünen“ Szene. Von all dem hören wir von RIO nichts.

„Trotz groĂźer Anstrengungen blieb die Ă–kologiebewegung bislang politisch weitestgehend macht- und perspektivlos.“ Das ist komplett falsch. Wie z.B. die Energiewende in Deutschland und einigen anderen Ländern zeigt, werden seit vielen Jahren weltweit jährlich (!) ca. 100 Milliarden Dollar fĂĽr den Klimaschutz ausgegeben. Dieses immense Investitionsprogramm (v.a. in die „Erneuerbaren Energien“, EE) spricht nicht gerade fĂĽr die These von RIO. Auch die immer umfangreicher werdenden staatlichen MaĂźnahmen zum Umweltschutz zeigen, dass die „grĂĽne“ Strategie weit mehr ist als nur eine ideelle Chimäre. Nicht nur, aber nicht zuletzt hat die „grĂĽne Szene“ (und daneben natĂĽrlich auch Proteste und Kämpfe der Bevölkerung) dazu gefĂĽhrt, dass nicht nur viele ökologische Standards, Vorschriften usw. besser geworden sind, auch die ökologische Situation hat sich – v.a. in den imperialistischen Ländern – in vielen Bereichen verbessert. Freilich soll damit nicht geleugnet werden, dass in der „3.Welt“ die Situation oft schlechter geworden ist.

Das allgemeine Problem besteht aber nicht darin, dass die „Grünen“ zu wenig Einfluss hätten, das Problem besteht eher darin, dass die Arbeiterbewegung (und insbesondere ihr revolutionärer Teil, soweit es den überhaupt gibt) so wenig Einfluss hat bzw. sich dem „grünen“ Kleinbürgertum unterordnet. An letzterem Übelstand haben auch radikale Linke wie RIO einen großen Anteil, weil sie selbst den „grünen“ Bewegungen und Ideologen hinterher rennen.

Dieses Herangehen kann anhand der Art der Kritik von RIO an der Ökologiebewegung abgelesen werden. RIO schreibt: „Ihre Strategie muss stattdessen künftig auf einer Strategie zur Überwindung des Kapitalismus basieren.“ Das bedeutet nichts anderes als die Illusion, einer vom Klassencharakter her bürgerlichen Bewegung ein anti-kapitalistisches Programm überhelfen zu wollen. Viel Spaß dabei! Anstatt einer realistischen Strategie, die punktuelle Kooperation und grundsätzliche Kritik an und z.T. sogar den Kampf gegen bestimmte Idiotismen der „grünen Szene“ miteinander verbindet, will RIO diese Szene reformieren. Und diese Absurdität wird dann als revolutionäre Politik verkauft!

NatĂĽrlich bezieht sich RIO auch auf die Arbeiterklasse – die vorher komischerweise aber nicht erwähnt wird: „Betriebliche Kämpfe mĂĽssen zu Kristallisationspunkten des ökologisch-antikapitalistischen Widerstandes werden.“ Ganz allgemein weist das in die richtige Richtung. Jedoch liegt der Fehler hier darin, dass es gerade in Bezug auf die Umweltfrage auch um gesamtgesellschaftliche MaĂźnahmen geht, die weit ĂĽber den betrieblichen (und nationalen) Rahmen hinausgehen. Das ist in der Regel der Wirkungskreis des bĂĽrgerlichen Staates, der hier als „ideeller Gesamtkapitalist“ agiert. Diese Funktion des Staates geht u.a. damit einher, dass es eine permanente Kungelei zwischen Staat, diversen Kapitalgruppen, Politik, Medien und dem Wissenschaftsbetrieb gibt. Dabei bleiben nicht nur oft die Interessen der Umwelt und der Bevölkerung auf der Strecke, teilweise leiden auch jeder Sachverstand und die Wissenschaft darunter.

Wer sich etwa in der Klimafrage damit beschäftigt, wie und vom wem die gegenwärtige CO2-Treibhaustheorie etabliert wurde, der könnte einen ganz klaren Zusammenhang zwischen kommerziellen und staatlichen Interessen und Strukturen und der „Klimawissenschaft“ erkennen – wohlgemerkt: wer sich damit befasst. Die Linke tut das nicht und hat allein schon deshalb davon auch keine Ahnung und geht den Klima-Untergangs-Szenarien auf den Leim.

Deshalb muss der „ökologische“ Kampf nicht nur gegen das Kapital, sondern auch gegen den bürgerlichen Staat geführt werden. Gerade das verabsäumt die gesamte Linke. Auch bei RIO heißt es dazu nur: „Anstatt Arbeitende über ihre Gewerkschaftsbürokratien als Hemmnisse im Kampf für das Klima zu betrachten, gilt es, mit den Arbeitenden eine gemeinsame revolutionäre Perspektive sowohl gegenüber dem Kapital als auch der Gewerkschaftsbürokratie aufzubauen.“ Vom Staat als dem wichtigsten Akteur ist hier gar nicht die Rede, stattdessen aber von der Gewerkschaftsbürokratie, die für die Klimapolitik weit weniger relevant ist.

Der staatlichen BĂĽrokratie muss – gerade in der Klimapolitik – die Kontrolle ĂĽber Forschung, Institutionen usw. entrissen werden, weil diese v.a. dazu fĂĽhrt, dass die „Wissenschaft“ fast nur noch Gefälligkeiten abliefert. Medial bekannte Klima-Dummschwätzer wie Schellnhuber oder Latif sind da nur die besonders obskuren Beispiele einer Pseudo-Wissenschaft, die mit ihren Voraussagen zwar immer weit daneben liegt, trotzdem aber weiter Millionen und Meriten einheimst. Das alles ist auch damit verbunden, dass die wissenschaftliche Debatte, d.h. die sog. „Klimakritiker“, die einen weit bedeutenderen Teil der Klimawissenschaft repräsentieren, als uns Glauben gemacht wird, verleumdet und ignoriert werden. So wird verschwiegen, dass es zahlreiche Petitionen von zehntausenden WissenschaftlerInnen gibt, darunter dutzende Naturwissenschafts-Nobelpreisträger, die den offiziellen Klima-Alarmismus als falsch oder zumindest völlig ĂĽbertrieben ablehnen. Vor allem aber dient der ganze Alarmismus als Konjunkturprogramm und zur Abzocke der Massen. Die völlige Wirkungslosigkeit der Energiewende in Deutschland, in die schon mehrere hundert Milliarden Euro geflossen sind, offenbart den kompletten Wahnsinn des „Klimaschutzes“.

Katastrophale Erwärmung?

Von all den wissenschaftlichen Argumenten, die gegen die These von der bevorstehenden Klimakatastrophe ins Feld geführt werden könnten, hier nur eine.

Gesetzt, es wäre so, dass mehr CO2 in der Atmosphäre überhaupt zu mehr Erwärmung der unteren Luftschicht führte, so gibt es zwischen CO2-Gehalt und Erwärmungszunahme aber keinen linearen  Zusammenhang. Das ist in der Klimawissenschaft allgemein akzeptiert (hindert aber Schellnhuber, den Chef des PIK, nicht etwa daran, von einem linearen Zusammenhang zu schwafeln, was keinem Journalisten auffällt, weil diese (fast) immer fachlich völlig inkompetent sind). Die Mehrheit der (Treibhaus)Klimatologen geht davon aus, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre zu einer Erwärmung von etwa 1° Celsius führt (Klimasensitivität). In etwa 150 Jahren ist das CO2-Level von knapp 300 auf heute 400 ppm (parts per million) gestiegen. Eine weitere Verdoppelung auf 800 ppm würde also ein weiteres Grad Erwärmung bringen. Doch um diese 800 ppm zu erreichen, müssten mehr fossile Stoffe verbrannt werden, als überhaupt auf der Erde vorkommen. Zudem verbleibt das CO2 nicht ewig in der Luft, so dass nicht nur die Steigerung, sondern auch noch dieser Schwund ersetzt werden müsste. Ein völlig unrealistisches Szenario.

Zudem weiß die Wissenschaft, dass ein großer Teil der Absorptionsbanden des CO2 bereits gesättigt ist, d.h. eine weitere Anreicherung hätte keine zusätzlichen Effekt. Im Prinzip verhält sich die Sache wie bei einem Fenstervorhang: wenn das Zimmer völlig dunkel ist, wird es durch zusätzliche Vorhänge nicht noch dunkler.

Fazit: Selbst wenn der Mensch durch seine CO2-Emissonen einen Zusatzbeitrag zur Erwärmung leisten wĂĽrde, so existiert kein natĂĽrlich-physikalischer Mechanismus einer permanenten Erwärmung. DafĂĽr spricht auch das Stefan-Bolzmann-Gesetz, nach dem – populär ausgedrĂĽckt – fĂĽr eine kontinuierliche Erwärmung immer größere Energiemengen erforderlich wären, da die Abstrahlung (AbkĂĽhlung) mit der 4. Potenz zunimmt. Anders gesagt: Nur wenn die Sonnenaktivität permanent zunehmen wĂĽrde, wäre eine grundlegende Erwärmung möglich. Das ist jedoch nicht der Fall.

Von all dem hat RIO sicher keine Ahnung – wenn doch, so fragen wir uns, warum RIO sich dann noch nie fundiert zur Klimafrage geäuĂźert hat.

In der Schlusspassage des ABC heißt es: „Erst in einer sozial und ökologisch geplanten Wirtschaft ließe sich das riesige Potenzial erneuerbarer Energien tatsächlich entfalten und mit der Überwindung der heutigen Arbeitsgesellschaft die Voraussetzung für eine nachhaltige Gesellschaft schaffen, die sich vom Massenkonsum befreit.“

Welch markanter Schlusspunkt mit gleich drei Fehlern in einem Satz!

Wunderglaube an die Erneuerbaren

Die EE haben kein „riesiges Potenzial“. Hier spielt wieder die Klein-Fritzchen-Annahme eine Rolle, dass Wind und Sonne ja unendlich verfügbar und zudem umsonst seien. Natürlich sind Wind und Sonne quasi unendlich vorhanden, doch darum geht es gar nicht. Auch Kohle ist noch für 4-500 Jahre vorhanden, Rohstoffe für die Kernspaltung sind noch für tausende Jahre vorhanden. Doch entscheidend ist die technische Leistungsfähigkeit und Charakteristik von Wind- und Solaranlagen.  Und da zeigen sich gravierende Nachteile, die auch im Zuge der technischen Weiterentwicklung  nicht überwunden werden können. Diese sind u.a.:

  • Abhängigkeit von den natĂĽrlichen Schwankungen des „Rohstoffs“ Wind und Sonne (Flauten, Nacht, bedeckter Himmel); Strom wird also nur manchmal erzeugt und zudem in nicht planbarer Menge. Die Hoffnung, dass es größere Ausgleichseffekte gibt, weil irgendwo immer Wind weht oder die Sonne scheint, hat sich absolut nicht bestätigt.
  • Die Volatilität (WillkĂĽrlichkeit) der Erzeugung bedeutet, dass a) traditionelle Back up-Kraftwerke fĂĽr die Absicherung fast der gesamten Spitzenlast (!) vorgehalten werden mĂĽssen, d.h. es existieren dann zwei Stromerzeugungssysteme, die beide oft nichts erzeugen – eine immense Vergeudung von Ressourcen und das Gegenteil von nachhaltig. Oder aber es werden b) riesige Investitionen in das Stromnetz und v.a. in die Speicherung von Strom notwendig. Letzteres ist eines der groĂźen und nicht zufriedenstellend gelösten Probleme der Physik, v.a. wenn es dabei um gesellschaftliche Dimensionen geht um nicht nur um Batterien fĂĽr Taschenlampen. Ein nur auf EE beruhendes Stromsystem (dabei trägt Strom in Deutschland nur ca. zu 25% zum Gesamtenergieverbrauch bei) wĂĽrde derartige Investitionen erfordern, dass auch die starke deutsche Wirtschaft damit völlig ĂĽberfordert wäre.
  • Wind- und Solartechnik sind deutlich teurer als andere Energietechniken. Das kann sich auch nicht durch technische Innovation grundlegend ändern, weil das Gros der Kosten gar nicht von der technischen Beschaffenheit der Anlagen selbst abhängt (Errichtungskosten, Planung, Pachten, Transport usw.). Wichtig ist dabei auch, dass die Kosten fĂĽr Wind- und Solaranlagen auf die Nutzungszeit bezogen werden mĂĽssen. Diese ist aber viel niedriger als bei allen traditionellen Anlagen. Wind- und Solaranlagen laufen 15-25 Jahre (bei permanent abnehmender Leistung),  Kohle-, Wasserkraftwerke oder KKW laufen 50-100 Jahre (wenn sie nicht vorher willkĂĽrlich abgeschaltet werden).
  • Der Ressourcenverbrauch von Wind- und Solaranlagen ist bedeutend höher als bei anderen Techniken, v.a. bei der Kerntechnik. Ein Windrad (onshore) von 2-2,5 Megawatt Nenn-Leistung benötigt ca. 5-6.000 Tonnen Material. FĂĽr eine vollständig umgesetzte Energiewende mĂĽsste sich die Zahl von Windrädern in Deutschland (derzeit ca. 26.000) um etwa 200.000 erhöhen. Das wĂĽrde bedeuten, dass allein dafĂĽr also 1.000.000.000 Tonnen Stahl, Beton, Kupfer usw. verbaut werden mĂĽssten. Nachhaltigkeit?! Allein die Umstellung aller PKW in Deutschland auf Elektroantrieb erfordert mehr Lithium fĂĽr die Batterien als in einem Jahr weltweit erzeugt wird (und die Batterien halten nur ca. 6-8 Jahre).
  • Durch den Ausbau des Netzes und die Speicherung von Strom erhöhen sich Stromverluste um 10-30%, d.h. es mĂĽsste fĂĽr den gleichen Endverbrauch entsprechend mehr hergestellt werden.
  • Die EE haben kaum noch technisches Entwicklungspotential. Zwar lässt sich der Wirkungsgrad von Wind- und Solaranlagen noch geringfĂĽgig steigern, doch das ist auch bei Kohleverbrennung der Fall. Wirklich groĂźes technisches Entwicklungspotential hat nur die Kernenergie, die derzeit nur ca. 5% der Energie des Brennstoffs ausnutzt. Schon heute ĂĽbertreffen KKW der IV. Generation, die tw. in der Praxis schon laufen (z.B. BN 800 in Russland), diese Werte deutlich.

Das Hauptproblem von Wind- und Sonnennutzung ist aber nicht die Erzeugertechnik, sondern der „Rohstoff“, dessen Energiegehalt (Energiedichte) – und hier muss pro Anlage gerechnet und nicht das globale Aufkommen betrachtet werden – ist nicht nur natĂĽrlich begrenzt, sondern deutlich geringer als bei Kohle oder Gas. Deshalb sind die EE ja auch so teuer. Hier stoĂźen wir auch auf eine andere Art, wie wir von den Medien belogen werden. Jubelnd wird uns ständig verkĂĽndet, wie viele Haushalte durch einen Windpark versorgt werden können. Dabei ist deren Zahl Null, denn ohne traditionellem Strom (Kohle usw.) wĂĽrden alle diese Haushalte stunden- und tagelang ohne Strom dastehen. Eine andere LĂĽge ist die von der Leistung. Ein Windrad (onshore) erzeugt praktisch nur etwa 15% der installierten Nenn-Leistung. Das hat mit Windflauten zu tun, aber auch damit, dass eine Generatormaschine eine exponentielle Leistungscharakteristik hat (3. Potenz), d.h. bei halber Windstärke (ca. Stärke 2-3) liefert sie nur ein Achtel der Nennleistung. Schon Mal davon gehört, GenossInnen?!

Auch der Umstand, dass Wind und Sonne umsonst sind, ist angesichts dieser Probleme ein unbedeutender Umstand. Zudem: auch Kohle, Öl oder Erze sind umsonst, erst die Nutzung, d.h. menschliche Arbeit, (Förderung, Umwandlung, Transport usw.) erzeugt Kosten. Marxisten sollten das wissen.

All das zeigt, dass die „Erneuerbaren“ eine Sackgasse und ein Rückschritt in der Produktivkraftentwicklung sind. Ihre Befürwortung folgt lediglich ideologischen Prämissen und dient der Profitmaximierung bestimmter Teile des Kapitals und der Mittelschichten. Doch die Gesetze der Physik und der Technik scheren sich einen Teufel darum. Wären die „Marxisten“ von RIO wenigstens Materialisten, könnten sie das begreifen. Sie sind weder das eine noch das andere. Daher fallen sie auch auf jede Sau, die durchs ökologische Dorf getrieben wird, herein.

Wie leider die gesamte Linke erweist sich auch RIO als völlig unfähig, die „grünen“ Weltrettungsideen kritisch historisch-materialistisch zu hinterfragen. Sie gehen offenbar davon aus, dass es nicht nötig wäre, sich mit grundlegenden technischen und naturwissenschaftlichen Fragen, um die es ja bei Klima und Energie zunächst einmal geht, zu befassen. Mit einer v.a. für Marxisten unfassbaren Leichtgläubigkeit plappern sie alles nach, was bürgerliche Medien, „Wissenschaft“ und Politik uns vorbeten. Willkommen in der katholischen Kirche!

Methodischer Abschied vom Marxismus

Die zweite wesentliche inhaltliche Entgleisung in ihrem Fazit leistet sich RIO, indem sie behaupten, die „Überwindung der heutigen Arbeitsgesellschaft (würde) die Voraussetzung für eine nachhaltige Gesellschaft schaffen, die sich vom Massenkonsum befreit.“

Selten wird deutlicher, wie bereitwillig Linke und sog. „Marxisten“ jeden Dummfug der bĂĽrgerlichen Szene ĂĽbernehmen. Eine „Überwindung der heutigen Arbeitsgesellschaft“ wĂĽrde bedeuten, dass die Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, d.h. die Reproduktion des Menschen als Gattung unmöglich wĂĽrde. Hier wird die Veränderung der „Arbeitswelt“ im Zuge der Produktivkraftentwicklung einfach mit einem Ende der „Arbeitsgesellschaft“ verwechselt. Doch dabei geht es nicht um eine terminologische Frage (Dienstleistungsgesellschaft usw.), sondern um den ideologischen Weihrauch, damit ein Ende der Arbeiterklasse, der Arbeiterbewegung, des Klassenkampfes und ein Zunahme der Atomisierung des Proletariats und der Gesellschaft behauptet  und befördert werden kann. Es geht – nicht zuletzt dem Marxismus – aber darum, die Arbeitswelt total „umzukrempeln“ und ihren ausbeuterischen, unterdrĂĽckerischen und entfremdenden Charakter  zu ĂĽberwinden, den sie – neben dem Schaffen von Gebrauchswert (Doppelcharakter der Warenproduktion) – im Kapitalismus hat. Hier ist RIO dicht bei Claudia Roth, aber nicht bei Marx.

Noch übler wird es, wenn der Kommunismus als „vom Massenkonsum befreite“ Gesellschaft beschrieben wird. Sicher sieht das „Konsumieren“ dann anders aus als heute, schon weil die Relation zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen eine gänzlich andere wäre als heute. Sinn macht diese Phrase aber erst dann, wenn man damit auch meint, dass der massenhafte Verbrauch von Gütern überhaupt minimiert werden soll; ein allgemeines Gürtel-enger-schnallen als Weg zum  Kommunismus. Nicht umsonst sprach Marx aber vom Kommunismus als einer Gesellschaft des Überflusses, der jedoch sicher nicht v.a. dadurch entstehen soll, weil der Verbrauch auf ein frühfeudales Niveau abgesenkt wird. Doch RIO ist hier durchaus konsequent, denn wer einmal die „grünen“ Thesen von den schwindenden Ressourcen usw. übernimmt, der kann logisch zu gar keinem anderen Schluss kommen. Nur hat auch das mit Marxismus nichts zu tun!

Das RIOsche „ABC des Marxismus: K wie Klimakrise“ erweist sich also als Klippschule für Gutgläubige. Und konsterniert fragen wir uns: Wer schützt den Kommunismus vor solchen Kommunisten, wer schützt Marx vor seinen Jüngern?! Vor allem sollten wir uns aber fragen, welche seltsame Geisteshaltung, welch seltsame Charaktere sich hinter dem Klimastatement von RIO verbergen, wenn ein Gruppe glaubt, zum Thema etwas sagen zu können, ohne über ein Mindestmaß an Fachkenntnis und Recherche zu verfügen?! Schuster, bleib bei deinen Leisten, Flickschuster Hände weg vom Marxismus?!

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