Laudatio des Tages vom 10.4.2019

HaHo

Es ist immer schön, wenn eine marxistische Organisation einer grünen Bewegung wie den Fridays for Future-Demonstrationen argumentativ beispringt. Hier nun ist die SAV gesprungen, auch wenn es ein Salto mortale wurde.

Da wird zuerst gefordert: „Sofortiger Ausstieg aus dem Kohleabbau, bei garantierter Beschäftigungssicherung ohne Lohnverluste!“

In Pippi Langstrumpf-Manier will sich die SAV die Welt zurecht modeln, wie es ihr gefällt. Leider gerät ihr vor lauter Phantasie – die ja im Fieberwahn besonders farbenfroh blĂĽht – die Realität etwas aus dem Blick. Aktuell wird ein Drittel des Stroms von Kohlekraftwerken erzeugt. Wenn diese sofort abgeschaltet wĂĽrden, ginge in Deutschland schlagartig das Licht aus. Denn die „Erneuerbaren“ erzeugen gegenwärtig auch ein Drittel. Die können also die Kohle nicht ersetzen. Was dann? Da helfen nur Spenden aus der SAV-Parteikasse, um – sofort (!) – 30.000 weitere Windräder zu bauen. Die dafĂĽr nötigen 30.000 x 3.000.000 Euro (das soll Eurer Kassenwart gefälligst selber ausrechnen!) sind doch wohl drin, oder?! Das ist eine Zahl mit sehr vielen Nullen, aber davon hat die SAV ja offenbar genug. FĂĽr die benötigten 30.000 x 5.000 Tonnen Material sind auch Sachspenden willkommen.

Manchmal ist die Wahrheit ganz einfach: Momentan und „sofort“ kann gar nichts die Kohle ersetzen. Ohne Kohlestrom aber sitzt auch die SAV-Versammlung im Dunkeln, aber dort fehlt es offenbar mit und ohne Kohlestrom an Erleuchtung. Das könnte die SAV z.B. von den Technikern und Ingenieuren der Kraftwerke oder des Netzmanagements erfahren, mit denen die Sozialisten eng verbunden sein sollten. Und verbunden sind sie ja – die Augen der SAV.

Wir maĂźen uns nun an, noch weitaus weiter zu denken als die SAV erlaubt. Angenommen, wir hätten 60.000 Windräder, aber es weht Mal kein Wind – und Speicher gibt es auch nicht. Hier nun tritt ein besonderer Denkmechanismus in Kraft, den man offenbar nur in SAV-Schulungen erlernen kann. Man beruft sich nämlich darauf, dass man ja fĂĽr den Sozialismus (wenn auch eventuell einen ohne Strom) eintritt, der dann irgendwie irgendwann eventuell vielleicht alle Probleme löst. Das mag sein, nur: Warum fordert die SAV dann nicht parallel zum Kohleausstieg den Einstieg in den Sozialismus?! ZurĂĽcktreten von der Tagebaukante, der Zug zum Sozialismus fährt ein! Und darin sitzen lauter fröhliche Ex-Kohlekumpel mit SAV-Parteibuch.

Doch mit dem Kohleausstieg sind natĂĽrlich leider auch alle Jobs in Kraftwerken und Tagebauen weg – und zwar sofort. Trotzdem fordert die SAV aber eine „garantierte Beschäftigungssicherung“. Wie das? Wahrscheinlich weiĂź das SAV-PolitbĂĽro Genaueres.

Weiter geht es mit den Visionen der SAV-Langstrümpfe. Sie fordern den „massiven Ausbau der Schienennetze für den Nah- und Fernverkehr und kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr!“

FĂĽr den Nah- und Fernverkehr. Die SAV denkt aber auch an alles. Einen Bahnhof fĂĽr jedes Kuhdorf! Tolle Sache, dauert nur ein paar Jahre und kostet hunderte Milliarden. Doch die werden ja fĂĽr die „Erneuerbaren“ ausgegeben – leider fast umsonst, weil die CO2-Emissionen trotzdem nicht sinken. Das Fenster, durch das die SAV in die Zukunft starrt, ist leider dasselbe, wie jenes, durch dass seit Jahren Milliarden fĂĽr die Energiewende rausgeworfen werden. Und die schöne grĂĽne Landschaft, welche die SAV zu erblicken meint, sind in Wahrheit nur grĂĽn angemalte Strauchdiebe. Aber so ist es, wenn man glaubt, dass man mit dem Zweiten besser sieht oder mit der ARD in der ersten Reihe sitzt. Dabei wissen doch alle Kinogänger, dass man von da am schlechtesten sieht und nur die dort sitzen, die zu spät kommen. Und: wer zu spät kommt, den …

Wie alle, die an jenen Marx glauben, von dem sie glauben, dass es Marx wäre, glaubt auch die SAV, dass man nur die Eigentumsfrage zu stellen brauchte, um alles zu verstehen. Dumm nur, dass außer der Eigentumsfrage noch andere Dinge zu den Produktionsverhältnissen (Plural, sic!) gehören. Und, verflixt noch mal, es gibt ja auch noch Produktivkräfte, z.B. die technischen. Doch das schert die SAV nicht, denn bei Marx steht ja nichts von Kraftwerken oder dem Stromsystem. Und sind nicht Elektronen und Turbinen überhaupt bürgerlich?!

Wenn die SAV sich schon mit dem Wesen des Eigentums und der Produktionsmittel im Energiesektor nicht weiter befasst, so hat sie doch immerhin eine klare Vorstellung davon, wie man diese kontrollieren sollte. Sie fordert: „Überführung der Energie-, Auto- und Industriekonzerne in öffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch gewählte Vertreter*innen aus den Reihen der Beschäftigten, Gewerkschaften, Verbraucher- und Umweltschutz-Organisationen und des Staats!“

Das ist doch Mal wirklich eine ausgewogene Forderung! Da kontrolliert die Arbeiterklasse ein wenig und ein wenig der bürgerliche Staat. Wie Pippi verschiedenfarbige Socken, kombiniert die SAV verschiedene Klasseninteressen, dass es uns wirklich bald zu bunt wird. Die SAV-Position ist allerdings etwas einseitig. Sollten nicht das Parlament, der Papst und der Bund für ein ehrenhaftes Hundeende „Bella ciao“ mit kontrollieren?! Die SAV muss noch viel lernen, bis sie eine ordentliche Volksfront zustande bringt.

Zum GlĂĽck ist der Schluss ihrer ausgekohlten Vision versöhnlich, denn da verkĂĽndet die SAV die „Umstellung auf eine ökologisch sinnvolle Produktion.“ Damit ist doch alles gesagt, oder? Aber was ist ökologisch – und was nicht? So viele Fragen und keine Antwort. Am ökologischsten ist natĂĽrlich – keine Produktion. Aber es darf Ausnahmen geben, etwa die geistige Produktion von Redaktionen der SAV, die Ideen in Text gieĂźen, dass man sich wĂĽnscht, Gutenberg hätte nie gelebt und der PC und das Internet (sind die nicht auch bĂĽrgerlich?) wären nie erfunden worden. Doch: Wer Visionen hat, sagte einst ein reaktionärer, aber nicht ganz dummer Mann, sollte sich in Behandlung begeben. Schlimm, wenn solche Leute recht haben.

Waren die Schildbürger auch Kommunisten, weil ihr fensterloses Rathaus, in das sie mit Säcken Licht tragen wollten, ein rotes Dach hatte?

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