Freitags auf die Straße! Doch für welches Ziel?

Der folgende Text wurde als Flyer bei den Fridays-Demos verteilt.
Die Redaktion

Seit Wochen demonstrieren weltweit Millionen Jugendliche bei den Friday for Future-Demos (FfF) für mehr Klima- und Umweltschutz. Wir wollen hier einige zentrale Thesen der Bewegung hinterfragen. Wir begrüßen das Engagement von Jugendlichen für politische und gesellschaftliche Fragen. Ja, es wäre sehr wichtig, dass die SchülerInnen auch zu anderen Fragen, etwa zum Schulsystem, aktiv werden würden.

Wir wollen hier einige Positionen und Argumente, die auf den Friday-Demos vertreten werden, unter die Lupe nehmen.

„Die Politik redet nur, tut aber nichts, um die Klimakatastrophe abzuwenden“

Es ist Aufgabe von Politik, wichtige Themen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In puncto Klima macht sie das, gerade in Deutschland, seit 30 Jahren. Bereits 1988 wurde der Weltklimarat IPCC gegründet. Seitdem gab es hunderte Klima-Konferenzen. Weltweit wurden Gesetze und Regelungen zum Klimaschutz erlassen, die tw. auch umgesetzt werden, z.B. in Deutschland das EEG. Es wurde sehr viel Geld ausgegeben – v.a. das der Lohnabhängigen -, um die Energiewende (EW) voran zu treiben. Bisher wurden allein in Deutschland 300-500 Milliarden Euro aufgewendet, um „Erneuerbare Energien“ (EE), also Windräder, Solarpaneele oder Biogasanlagen zu installieren. Die EW ist ein riesiges Investitionsprogramm. Von „Nichtstun“ kann also keine Rede sein. Das Problem ist ein ganz anderes: die CO2-Emissionen sinken (fast) nicht – trotz aller Milliardeninvestitionen.

„Der Klimawandel ist menschengemacht“

Selbst wenn, sind nicht „die Menschen“ schuld. Die Gesellschaft ist keine Ansammlung von Individuen, sie teilt sich in Klassen, die sich v.a. dadurch unterscheiden, ob ihnen die Produktionsmittel (Betriebe, Banken, Medien usw.) gehören und sie deshalb einen entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft haben oder nicht. Die Besitzer (Großaktionäre) eines Autokonzerns haben natürlich weit mehr Einfluss als die Autofahrer, der Verlagsinhaber prägt die öffentliche Meinung stärker als die LeserInnen.

Entscheidend ist, nach welchen Regeln und Gesetzen die Wirtschaft funktioniert: Bestimmt demokratische Planung die Produktion oder blinde Konkurrenz? Bestimmt die Mehrheit der ProduzentInnen und KonsumentInnen darüber, was und wie produziert wird, oder eine Minderheit von Kapitaleignern? Entscheidend ist, wer, d.h. welche Klasse, herrscht. Wenn bei FfF mitunter der Kapitalismus kritisiert und verantwortlich gemacht wird, so ist das völlig berechtigt.

„Die Konzerne sind schuld“

Natürlich bestimmen heute Mega-Konzerne wie Google, Huawei, Volkswagen, Toyota und Großbanken und Fonds die Wirtschaft, aber auch Gesellschaft, Politik und Medien. Das herrschende Bewusstsein einer Gesellschaft ist immer das Bewusstsein der Herrschenden, sagte Karl Marx einmal treffend. Insofern sind die Konzerne tatsächlich für die „Übel“ der Welt und deren sozial und ökologisch zerstörerische Dynamik verantwortlich. Doch dabei bedienen sie sich des Staates, die weder neutral noch unabhängig sind, sondern mehr oder weniger „Handlanger“ des Kapitals.

Der Bourgeoisie ist es grundsätzlich egal, womit sie Profit macht. Sie verdient an der Kohleverstromung genauso wie am Bau von Windrädern; ihr ist es egal, ob Dieselautos oder E-Autos gebaut werden. Es muss nur genug Nachfrage geben bzw. wenn es die nicht gibt, wie bei E-Autos, wollen sie, dass diese Nachfrage künstlich vom Staat angekurbelt wird. So richtig es ist, für die Überwindung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Herrschaft der Konzerne einzutreten, so falsch ist es zu glauben, dass dadurch das Klima gerettet werden könnte. Bereits heute fließen ungeheure Mengen Kapital in die Klimaschutz-Wirtschaft investiert, wo besonders hohe und sichere Renditen locken, weil der Staat diese garantiert und subventioniert. Klimaschutz und EW – ob sinnvoll oder nicht – sind insofern v.a. gigantische Konjunkturprogramme.

Wenn die großen Energiekonzerne dadurch „bekämpft“ werden, dass an deren Stelle tausende kleine Windmüller und Solarstromerzeuger treten, so ändert das am Gesamtsystem wenig, denn auch diese wollen und müssen Gewinn machen und stehen untereinander in Konkurrenz. Im Gegenteil: das früher stark staatlich reglementierte, einheitliche, relativ billige und sehr sichere Stromsystem wird durch die EW komplizierter und viel teurer – und zudem werden seine technischen Grundlagen dabei unterminiert.

„Uns droht eine Klimakatastrophe, wenn wir nicht sofort etwas ändern“

Das Klima hat sich schon immer geändert, oft viel schneller und dramatischer als heute – ohne jeden Einfluss des Menschen. Gegen den Klimawandel zu sein, ist in etwa so sinnvoll, wie gegen das Wetter zu sein. Heute wird fast nur über die Klimaveränderung der letzten 100-150 Jahre geredet. Seit 1850 hat es eine Erwärmung von ca. 0,9 Grad gegeben. Die höchste gemessene „globale“ Temperatur (tatsächlich gibt es weder ein globales Klima noch eine globale Temperatur, es gibt nur Klimazonen) wurde offiziell 2016 mit 14,8°C angegeben. Diese Temperatur wie das aktuelle Temperaturniveau bewegen sich damit völlig im Rahmen der Klima-Schwankungen der letzten 12.000 Jahre, der Klimaperiode des Holozän (Abb.1), in der wir uns seit Ende der letzten Eiszeit befinden.

M. J. Schwab, GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ), Projekt Natürliche Klimavariationen
In Historischen Zeiten (KIHZ), 2003, URL: https://epic.awi.de/29987/1/KIHZ_pdf_de.pdf

Wir sehen, dass es im Holozän meist so warm war wie heute oder sogar wärmer und wir sehen, dass die Temperaturen geschwankt haben. Die gegenwärtige Klimaveränderung ist also alles andere als dramatisch, wenn man sie in einem größeren Rahmen betrachtet. Die Klimakatastrophen-Panik dient nur dazu, diverse Maßnahmen zu begründen, um die Menschen abzuzocken und Teilen des Kapitals neue Profiquellen zu erschließen (EW).

Vor etwa 180 Jahren ging eine besonders kalte Phase, die „Kleine Eiszeit“, zu Ende. Die seitdem bis ca. 2000 erfolgte Erwärmung begann also auf einem besonders niedrigen Niveau. Mit der Industrialisierung erhöhte sich der Ausstoß an CO2, so dass sich dessen Anteil an der Atmosphäre von ca. 300 auf 400 ppm (parts per million) erhöhte. Heute macht CO2 nur 0,04% (!) der Luft aus. In knapp 200 Jahren ist auf 10.000 Luftmoleküle ein nur einziges (!) CO2-Molekül hinzu gekommen. Kann dieses Wundermolekül zu einer Katastrophe führen?! Der Mensch fügt den Gesamt-CO2-Emissionen nur 2-4% hinzu, der große Rest ist natürlichen Ursprungs. Aber CO2 ist kein „Umwelt-Gift“, sondern Grundlage der Photosynthese, mehr CO2 fördert also Pflanzenwachstum und Artenvielfalt.

Doch: Schädigt CO2 das Klima? Laborversuche zeigen, dass CO2 die Eigenschaft hat, die langwellige Strahlung, die von der Erde Richtung Weltall abgestrahlt wird, zu absorbieren. Daraus wird abgeleitet, dass CO2 die Atmosphäre erwärmt. Es gibt dafür jedoch keinen wissenschaftlichen Beweis, wie selbst der IPCC zugibt. Auch die Klimageschichte zeigt keinen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2 – und wenn, dann eher umgedreht, d.h. der CO2-Pegel folgt der Erwärmung. Diese Kausalbeziehung zeigen nicht nur Eisbohrkern-Analysen, sondern auch der allgemein anerkannte Fakt, dass wärmere Meere mehr CO2 ausgasen.

Politik, Medien und gewisse „Experten“ suggerieren, dass immer mehr CO2 immer mehr Erwärmung bedeute. Das ist falsch! Die Atmosphäre ist jetzt schon weitgehend mit CO2 gesättigt, mehr CO2 erhöht diesen Sättigungsgrad noch. Das bedeutet, dass die Heizwirkung des CO2 tendenziell abnimmt und sich der Nulllinie nähert (falls CO2 überhaupt wärmt). So könnte es zwar noch einige Zehntel Grad wärmer werden, eine Klimakatastrophe mit einem Temperaturanstieg von 3, 5 oder 6 Grad, wie von einigen „Alarmisten“ behauptet, ist jedoch physikalisch unmöglich. Abb. 2 zeigt den möglichen Temperaturanstieg bei Erhöhung des CO2-Levels der Atmosphäre anhand der Daten des internationalen „Modtran-Programms“ der Atmosphärenphysik.

Modtran-Programm zwischen 400 und 800 ppm

„Der Meeresspiegel steigt bedrohlich an“

Der Meeresspiegel steigt schon seit ca. 12.000 Jahren, als am Ende der letzten Eiszeit riesige Eismassen schmolzen, und lag 120 Meter tiefer als heute. Zwar bewirkt eine Erwärmung der Luft eine thermische Ausdehnung des Meerwassers, jedoch kann diese allein niemals zu einem Anstieg von mehreren Metern führen. Das wäre nur durch eine starke Eisschmelze möglich. 90% des Festlandeises liegen in der Antarktis, ca. 8% auf Grönland. Dort herrschen derart tiefe Temperaturen – in der Antarktis ca. 40°C minus -, dass auch eine Erwärmung von einigen Grad niemals zum Abschmelzen dieser Eismassen führen kann.

Seit hunderten Jahren steigt der Meeresspiegel 15-25 cm – pro Jahrhundert. Eine Zunahme des Anstiegstempos wird oft behauptet, aber nicht gemessen! Die Medienberichte über versinkende Südseeinseln stehen im Widerspruch zu den gemessenen Pegelwerten oder die Inseln heben oder senken sich aufgrund tektonischer Bewegungen. Genauso verhält es sich mit den Meldungen über die Zunahme von Extremwettern (Stürme, Starkregen, Dürre usw.) – es sind Fake-news. Solche Ereignisse – und sogar weit schlimmere – gab es auch schon früher. Selbst der Weltklimarat IPCC stellte in seinem letzten großen Bericht AR 5 (2013) fest, dass eine Zunahme von Extremwetterereignissen nicht festgestellt werden kann.

„Wir müssen sofort aus der Kohleverstromung aussteigen“

In Deutschland wird Strom zu 38% aus der Verbrennung von Braun- und Steinkohle erzeugt, etwa genauso viel erzeugen die EE, davon Wind 20%“. Es hat 20 Jahre gedauert und Unsummen gekostet, um diesen EE-Anteil zu erreichen. Um Kohle- und Kernenergie – die zusammen die Hälfte des Stroms erzeugen – zu ersetzen, brauchte es sogar bei verdoppeltem Ausbautempo der EE theoretisch noch etwa 20 Jahre. Doch selbst dann gibt es ein Megaproblem: es fehlen für ein Stromsystem auf Basis von EE die Netzinfrastruktur und die Speichertechnik. Deren Ausbau käme noch weit teurer als die EW und wurde erst kaum begonnen. Ohne größere Netze und Speicher ist aber ein Stromsystem auf Basis der EE technisch unmöglich. Warum?

Es gibt Phasen von bis zu 10 Tagen (fast) ohne Wind und Sonne (Inversionswetterlagen). Dann muss der Strom – keine Durchschnittsmenge, sondern der Spitzenverbrauch – entweder von traditionellen (Reserve)kraftwerken erzeugt oder/und Speicherstrom genutzt werden. Zur Verdeutlichung: das größte dt. Pumpspeicherkraftwerk (PSW) Goldisthal, das heute eine Milliarde kosten würde, speist so viel Strom ins Netz wie ein mittleres Kohlekraftwerk – aber nur für 9 Stunden. Von solchen PSW würden aber hunderte gebraucht! Speicherung, Umformung und Transport von Energie stellen physikalische Arbeit dar, d.h sie sind mit Energieverlust verbunden. Und: die Elektrifizierung des Straßenverkehrs würde den Strombedarf noch verdoppeln.

Die „grünen Experten“, die uns einreden, die EW und der Kohleausstieg müssten und könnten viel schneller erfolgen, sind entweder Scharlatane oder bewusste Lügner. In Bremen gibt es z.B. eine „grüne“ Initiative, welche die sofortige Abschaltung der beiden Bremer Kohlekraftwerke fordert. Das würde bedeuten, dass die Bremer Industrie still steht und die Fernwärmeversorgung der Stadt zusammenbricht!

Es gibt ein zweites Mega-Problem: die Netzstabilität. Ohne Strom sind Produktion und soziales Leben unmöglich. Selbst ein kurzzeitiger Ausfall richtet immense Schäden an. Im Stromsystem müssen Erzeugung und Verbrauch sekundengenau (!) völlig gleich sein. Die Netzspannung beträgt 50 Herz, schwankt sie nur um ein Herz (und kann diese Schwankung nicht sofort ausgeglichen werden), bricht das Netz zusammen. Die gleichbleibende Netzspannung von 50 Herz wird durch die riesigen mechanischen Schwungmassen der Turbinen der Kraftwerke erreicht. Werden diese durch Wind- und Solaranlagen ersetzt, die weder einzeln noch im Verbund eine solch stabile Lauf- und Einspeisecharakteristik haben, ist ein sicherer Netzbetrieb unmöglich bzw. es werden umfangreiche Zusatzmaßnahmen nötig. Seit Beginn der EW ist die Zahl der Eingriffe zur Netzstabilisierung gewaltig gestiegen. Wir nähern uns also einem Black out immer mehr an …

„Wir sind viele, wir sind laut …“

Das Anliegen der Friday-Demos, mehr Umweltschutz durchzusetzen, ist berechtigt und unterstützenswert, doch das Ziel der Forcierung von EW und Klimaschutz ist falsch und schädlich. Selbst wenn ein „Klimaschutz“ nötig wäre, sind die EW und der Ausbau der „Erneuerbaren“ dafür untaugliche Mittel. Ein sinnvolle Alternative ist nur die Kernenergie – in dem Punkt ist Greta zuzustimmen.

Klimaschutz und EW sind Konzepte, die gegen grundsätzliche naturwissenschaftliche und technische Gesetze verstoßen und letztlich nur den Profit- und Herrschaftsinteressen bestimmter Milieus aus Wirtschaft und Politik dienen. So richtig es ist, dem „Establishment“ zu misstrauen, so fatal ist es, einem anderen Teil des Establishments auf den Leim zu gehen.

In Deutschland gab es schon oft Proteste – oft erreichten sie ihre Ziele aber nicht, weil sie zu wenig Kampfkraft hatten, da die Arbeiterbewegung bzw. die Gewerkschaften nicht eingebunden waren. Politik und Kapital lassen sich aber kaum nur von Schülerprotesten beeindrucken. Erst wenn die Beschäftigten und die Gewerkschaften mit einbezogen werden, wenn es auch zu betrieblichen Streiks kommt, wird genug Druck erzeugt. Doch gerade die Lohnabhängigen, nicht zuletzt in der Energieindustrie, haben nicht nur berechtigte Angst um ihre Jobs, sie wissen auch recht gut, dass Klimaschutz und EW bisher kaum etwas gebracht heben – außer eine Verdoppelung der Strompreise und die Umlenkung von hunderten Milliarden in die Taschen von großen und kleinen Öko-Kapitalisten: die Krankenschwester finanziert sozusagen die Solaranlage auf der Villa des Chefarztes.

Mehr Umweltschutz und ökologischer Umbau der Wirtschaft und des Lebens? Ja! Klimaschutz und Energiewende? Nein!

Doch grundlegende Veränderungen sind nicht erreichbar ohne das Eingreifen der Arbeiterklasse – und sie sind nicht erreichbar ohne die Überwindung des Kapitalismus. Auch grüne Politik braucht rote Fahnen!

2 Gedanken zu „Freitags auf die Straße! Doch für welches Ziel?“

  1. Hallo Ihr „Aufruhrer“, offenbar nicht aus dem Ruhrgebiet!
    Ich bin zum ersten Mal hier auf Eurer Webseite, nachdem ich gestern beim „Aufstehen-Kongress“ zum allerersten Mal von Euch gesehen und gehört (und auch Eure beiden Broschüren erworben) habe.
    Was Ihr macht und wie, gefällt mir gut. (Dabei füge ich hinzu, dass ich naturgemäß erst einen winzigen Teil Eurer Arbeit sichten konnte.)
    Ich bin ebenfalls Marxist, historischer Materialist und (in dem Sinne, wie ich es definiere) Leninist.
    Auch das, was Euch aktuell beschäftigt, beschäftigt mich ebenfalls aktuell.
    Mehr brauch‘ ich erstmal nicht zu schreiben, denn Ihr könnt Euch durch einen Besuch auf meinem Blog Euer eigenes Bild machen, z. B. mit Suchbegriff „Thunberg“.
    https://opablog.net/
    Mit den besten Grüßen
    Klaus-Peter Kurch

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