Revolution der Windenergie?

Paul Pfundt

Angesichts der anhaltenden – wenn auch unbegründeten – Ängste vor einer Klimakatastrophe und der gleichzeitig stärker in den Fokus rückenden Probleme der Windenergie gibt es verschiedene Ansätze, die Windenergie anders zu nutzen als durch die bekannten Windräder. Diese haben verschiedene Nachteile: Vernichtung von Flugtieren, Stroboskopeffekt (schnell wechselnder Schattenwurf), Infraschall, Verschandelung der Landschaft usw.
Der spanische Ingenieur David Yáñez hatte deshalb die Idee für eine andere Art „Windmaschine“, die aus Wind Strom erzeugt, und gründete dafür die Firma Vortex Bladeless. Die neuen Windanlagen haben kein Flügel mehr und es wird kein Generator mehr angetrieben, der den Strom erzeugt. Stattdessen ist der Turm so konstruiert, dass er sich im Wind verbiegt und schwingt. Der Strom wird mittels eines piezoelektrischen Effekts aus der oszillierenden Bewegung gewonnen.

Diese Konstruktion hat fraglos große Vorteile: es ist keine technisch aufwändige Motorgondel nötig und es entfallen bewegliche Teile, was die Wartungskosten mindert. Auch die Herstellung der Anlage ist deutlich billiger als bei herkömmlichen Windrädern und die Errichtung ist einfacher. Zwar muss auch diese Anlage fest im Boden auf einem Fundament verankert sein, doch die aufwändige Installation einer Motoren-Gondel entfällt.

Zunächst sind nur kleine Anlagen von ca. drei Meter Höhe geplant. Eine solche Anlage soll nur 2-300 Euro kosten. Allerdings liefert sie auch nur 100 Watt. Ein kleiner Windpark mit 1.000 Watt (= ein Kilowatt) und 10 Anlagen würde dann ca. 2.500 Euro kosten. Bei größeren Anlagen würden die Kosten allerdings aufgrund der höheren statischen Belastungen und der größeren Fundamente exponentiell steigen.

Probleme

Diesen Vorteilen stehen allerdings große Nachteile gegenüber. Obwohl die Hersteller davon reden, dass ihre Anlagen – abhängig von der Materialermüdung – länger halten sollen als Windräder, geben sie zugleich eine Laufzeit von 15-20 Jahren an, was ziemlich genau derer von Windrädern entspricht. Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von 60 Jahren gerechnet, die Investitionskosten auf das Dreifache steigen. Rechnet man mit, dass nicht nur der Neubau, sondern auch der zweimalige Abbau der Altanlage kostet, ergeben sich Gesamtkosten, die etwa 4 Mal so hoch liegen wie bei einer einzelnen Anlage. Demgegenüber laufen Großkraftwerke, egal ob Kohlekraftwerke oder Kernkraftwerke, meist 6-8 Jahrzehnte oder sogar länger, ohne dass größere Umrüstungen oder Ersatzinvestitionen notwendig sind.
Ein weiterer Nachteil gegenüber Windrädern ist, dass die neuen „Windschwinger“ deutlich weniger Leistung erbringen als diese. D.h. für die gleiche Menge Strom sind deutlich mehr Anlagen nötig. Um nur ein 3-Megawatt-Windrad durch die kleinen 3-Meter-Anlagen zu ersetzen, wären davon etwa 30.000 Stück notwendig.

Will man nicht das Land noch mehr verspargeln als bisher schon, bräuchte es größere Anlagen. Diese sind auch schon in Planung – wie das Verhältnis von Vorteilen und Nachteilen und die Kosten bei solchen größeren Anlagen aussehen, weiß heute aber noch niemand.

Trotz dieser u.a. Unwägbarkeiten kursieren aber schon wieder euphorische Meinungen über die flügellosen Windsammler. So könnte ein solcher Miniwindpark mit 10 Anlagen a 3 Meter einen Haushalt mit Strom versorgen. Dabei wird – wie immer – vergessen, dass der Wind nicht immer oder in ausreichender Stärke weht. Dann müsste entweder auf das normale Stromnetz zurückgegriffen werden – womit die Idee der „Strom-Autarkie“ schon ad absurdum geführt wäre – oder der „Überschuss-Strom“ müsste gespeichert werden, was den Wirkungsgrad senkt (Speicherverluste) und erhebliche Zusatzinvestitionen erfordert. Auch die neue Windtechnik ist also mit den alten Problemen konfrontiert – und kann sie nicht lösen!

Wieder einmal zeigt sich: ob mit oder ohne Flügel – die Windenergienutzung ist kein Ausweg, sondern eine Sackgasse. Gerade wurde berichtet, dass allein in Thüringen 100 Windräder vor der Abschaltung stehen, weil der Förderzeitraum zu Ende geht, d.h. es werden keine EEG-Subventionen an die Betreiber mehr bezahlt. In den nächsten Jahren stehen in Deutschland tausende Windräder vor der Abschaltung, weil entweder die Förderung ausläuft oder die Grenze der technischen Laufzeit erreicht ist. Selbst ein forcierter Bau neuer Windräder könnte also nur die Altanlagen ersetzen. Allen Behauptungen zum Trotz, dass Windenergie billiger wäre als traditionelle Stromerzeugung, zeigt sich, dass selbst nach 20 Jahren Energiewende, technischen Innovationen und der Verbilligung durch die Massenherstellung Windanlagen nur mit hohen Subventionen rationell betrieben werden können – von ihrer Inkompatibilität für das Stromnetz abgesehen.

Die Hauptursache hierfür liegt aber in der Technologie: einerseits im relativ geringen Energiegehalt von Wind pro Flächeneinheit, d.h. pro technischer Anlage, und andererseits in den hohen Herstellungs- bzw. Erneuerungskosten der Anlagen in Relation zur real eingespeisten Strommenge.

Ein Gedanke zu „Revolution der Windenergie?“

  1. …“regenerative“ Energien in all ihren potetiellen Erscheinungsformen haben dieselben Probleme und sind deshalb, gerade für eine industriebasierte Wirtschaft und Gesellschaft schlicht ein Irrweg…
    …es sei denn man hat das Ziel selbige zu zerstören und nutzt diese Energieformen nur als „Werkzeug“, neben vielen anderen, um sein ideologisch-religiöses Ziel zu erreichen…
    …dieses „Ziel“ jedoch bleibt nebulös, keiner der Protagonisten kann eine wirklich handfeste Zukunftsvision formulieren, sieht man vom üblichen befremdlichen Geschwurbel, mit dem wir Tagein Tagaus aus allen Kanälen bombardiert werden, ab…

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