Der Einfluss der AMO auf die Temperatur

Paul Pfundt

In seinem letzten Kurzbericht behauptet der „Weltklimarat“ IPCC, dass die gesamte (!) Erwärmung der letzten Dekaden auf die Menschen und deren CO2-Emissionen zurückgeführt werden könnte. Das ist aber schon deshalb fraglich, weil das IPCC bisher immer gesagt hat, dass nur ein großer oder der größte Teil der Erwärmung auf CO2 zurück geführt werden könne, also auch andere, natürliche Faktoren eine Rolle spielen. Hieran zeigt sich schon, dass es mit dem Wahrheitsgehalt und der Seriosität der IPCC-Wissenschaft und umso mehr mit dem Alarmismus der vielen Klimapropagandisten in Politik und Medien nicht weit her ist. Doch was stört mich mein Geschwätz von gestern?

Wie wollen uns in diesem Beitrag damit befassen, was Meeresströmungen mit der Temperatur zu tun haben. Dazu schauen wir uns die für Nord- und Mitteleuropa besonders relevante „Atlantische multidekadische Oszillation“ (AMO) an.

Was ist die AMO?

Die AMO ist eine zyklische Zirkulationsschwankung der Strömungen im Nordatlantik. Die meisten  WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass eine Änderung des Tempos der thermohalinen Zirkulation die Ursache für die AMO ist. Diese hängt ihrerseits mit den allgemeinen Klimaschwankungen und v.a. mit der Zyklik der Sonne zusammen. Die AMO führt zu einer Veränderung der Temperaturen an der Wasseroberfläche im Nordatlantik. Das beeinflusst die Temperatur der aufliegenden unteren Schicht der Atmosphäre. Die Periodizität der AMO schwankt um Phasen von 50-60 Jahren und hat wärmere und kältere Perioden. Die große Wirkung auf die Temperatur (und die Niederschläge) ergibt sich aus der enormen Menge der von der AMO umverteilten Energie. Die AMO ist ein schwankender, aber zugleich auch kontinuierlicher Vorgang, bei dem permanent warmes Wasser aus den Tropen nach Norden geleitet wird. Im Rahmen der AMO treten mitunter kurzzeitige Ereignisse wie die El Ninos oder El Ninas auf. Die stärksten El Ninos der letzten Zeit traten 1998 und 2015 auf, die kurzfristig zu erheblichen Temperaturspitzen in unseren Breiten geführt haben. V.a. die Sommertemperaturen werden von der AMO gesteuert. Die Wintertemperaturen hingegen sind eng an die Nordatlantische Oszillation (NAO) gekoppelt, die  unregelmäßiger pulsiert. AMO und NAO erzeugen jedoch keine Erwärmung, sondern bewirken nur zyklische Variationen der Temperatur. Schauen wir uns die AMO der letzten ca. 170 Jahre an (für länger zurückliegende Zeiträume gibt es keine ausreichenden Daten, die eine genauere Bestimmung der AMO zulassen).

Wir erkennen einen sinus-förmigen Verlauf, der aus 3 warmen und 2 kalten Phasen besteht. Der Startpunkt der Grafik, das Jahr 1856, fällt mit dem Beginn der Industrialisierung und dem zunehmenden Ausstoß von CO2 durch den Menschen zusammen. Da etwa 2/3 der letzten 170 Jahre der AMO durch Warmphasen geprägt sind, kann es nicht verwundern, dass diese Phase wärmer ausfällt als die davor liegende, die auch als „Kleine Eiszeit“ bezeichnet wird. Dazu fällt auf, dass der Anstieg von einem besonders schwachen (kalten) Moment der AMO um 1970 zum Temperatur-Pik von 1998 (El Nino) besonders steil ist. Das ist genau jene Phase forcierter Erwärmung, welche von den Klimaalarmisten um das IPCC als Beweis für eine sich anbahnende Klimakatastrophe herangezogen wird.

Auffällig ist auch, dass es innerhalb der Phasen sehr heftige Schwankungen gibt. Wenige Jahre oder auch nur ein einzelnes Jahr können völlig vom Charakter der jeweiligen Phase abweichen. Besonders drastisch war das etwa 1915 der Fall. Dieses Phänomen der starken kurzfristigen Pegelausschläge ist insofern interessant, weil es zeigt, dass das Klima tatsächlich eine Kopplung von zyklischen und chaotischen Vorgängen ist und einzelne dieser Veränderungen sich kurzfristig nicht direkt auf einzelne Faktoren wie etwa die Sonne oder auch das CO2 zurückführen lassen. Dass man auf den (auch) chaotischen Charakter des Klimageschehens überhaupt hinweisen muss, verweist nur darauf, zu welch absurden Auswüchsen die Klimapropaganda geführt hat, die glaubt, im CO2 den klimatischen Hauptübeltäter gefunden zu haben und das Klima in Modellen erfassen zu können.

Temperatur und AMO

Vergleichen wir nun die Temperaturentwicklung der Nordhemisphäre mit dem Verlauf der AMO. Wir können hier auf Werte für die globale Temperatur zurückgreifen, weil die globale Erwärmung v.a. auf der Nordhalbkugel stattfindet auch die meisten Messungen (Bodenstationen) von dort herstammen.

Quelle: https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Klima%C3%A4nderungen_in_Europa

Wir sehen eine kühle Phase bis etwa 1930 sowie eine markante Erwärmung von 1910 bis in die 1940/50er Jahre, der eine längere Abkühlung bis Ende der 1980er (in Europa) folgte. Dann begann eine deutliche Erwärmung. Auch die folgende Grafik vom Umweltbundesamt zeigt eine ähnliche Entwicklung.

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-lufttemperatur#steigende-durchschnittstemperaturen-weltweit

Beide Grafiken widerlegen übrigens jüngere Behauptungen der Medien, wir hätten inzwischen eine  globale Erwärmung von ca. 1,5 Grad. Das trifft noch nicht einmal zu, wenn wir von den Temperatur-Maxima anstatt von Durchschnittswerten ausgehen.

Wir sehen eine relativ gute allgemeine Korrelation zwischen AMO und Temperatur. Daraus lässt sich allerdings nicht direkt ableiten, dass die AMO die Temperaturen stark bestimmt, wie das etwa die Alarmisten hinsichtlich der Korrelation von Erwärmung und CO-Anstieg behaupten, denn jede Korrelation kann auch eine zufällige sein bzw. es können auch noch andere Faktoren mitspielen. Zudem beeinflusst die Lufttemperatur die Wassertemperaturen wie auch umgedreht das Wasser die Luft. Allerdings ist die von den Meeresströmungen transportierte Energie weit größer als der Umfang der energetischen Veränderungen in der Lufthülle.

Markant sind einzelne Spitzenwerte bei der AMO, die auffällig mit Temperaturspitzen übereinstimmen. So etwa die besonders starken Positivausschläge Ende der 1870er, der Tiefpunkt bei AMO und Temperatur um 1910, der Spitzenwert von 1915, die längere Warmphase in den 1940ern, die Kalt-Delle Anfang der 1970er oder der El Nino von 1998. All diese Ereignisse können kaum nur Zufall sein.

Der Vergleich der Grafiken zeigt aber auch, dass der starke Erwärmungstrend in den 1980/90ern so nicht völlig erklärt werden kann. Hier zeigt sich wieder, dass es methodisch fatal ist, nach monokausalen Erklärungen zu suchen, wie es bei den Alarmisten üblich ist. Wir müssen z.B. bei den jüngeren Temperaturdaten der Bodenstationen berücksichtigen, dass ab dem 20. Jahrhundert eine massive „Zusatz“erwärmung in den Großstädten stattgefunden hat, der „Wärmeinseleffekt“. Da die meisten Messstationen in diesen Hotspots stehen, entstehen höhere  Durchschnittstemperaturwerte. Würden wir – was in der Klimaforschung in Zeiten des Alarmismus nicht erfolgt – diesen Wärmeinseleffekt rausrechnen, würde die Erwärmung etwas niedriger ausfallen.

Wenn wir nun noch den Faktor Sonnenaktivität berücksichtigen, wird klar, warum wir eine relativ starke Erwärmung ab den 1980ern hatten. Die Sonnenaktivität war in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nämlich besonders hoch. Wenn man nun noch bedenkt, dass sich die solaren Schwankungen immer etwas zeitverzögert auswirken, dann rundet sich das Bild weiter ab. Ein anderer Faktor ist die Bewölkung. Ist sie stärker, führt das zur Abkühlung. Verschiedene neuere Studien deuten an, dass die Bewölkung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts über Deutschland bzw. Mitteleuropa abgenommen hat. Auch das würde die starke Erwärmung ab den 1980ern erklären.

Hans-Joachim Dammschneider vom Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften in der Schweiz erklärt in einer Studie: „Der viel diskutierte Einfluss der Sonne auf das Klimageschehen existiert, ist jedoch wohl komplizierter als angenommen. Schwankungen der solaren Aktivität wirken sich zunächst auf die atlantischen Klimazyklen aus. Das Sonnensignal nimmt sozusagen einen Umweg, bevor es sich zeitlich und räumlich verzerrt auf das Klimageschehen auswirkt.“

Auch der Geologe und Co-Autor Sebastian Lüning betont: „Streckenweise finden wir einen faszinierenden Gleichlauf zwischen Sonne und Klima. Allerdings ist dieser direkte und einfach zu erkennende Einfluss auf wenige Monate im Jahr, auf wenige Regionen Europas und auf bis zu fünf aufeinanderfolgende Jahrzehnte beschränkt. Wir sehen sozusagen nur die Spitze des Eisberges.

Bezüglich der AMO muss natürlich auch noch bedacht werden, dass die Verteilung der vom Nordatlantik beeinflussten Luftmassen eine wichtige Rolle spielt. Ob West- oder Ostwinde vorherrschen, beeinflusst das Wetter, die Temperaturen und den Niederschlag etwa in Mitteleuropa sehr stark.

Methodik

Auch die Methodologie der Klimaforschung spielt eine große Rolle. Ein Problem der IPCC-nahen Klimaforschung besteht darin, dass zu kurze Zeiträume betrachtet werden und damit nicht das „Klima“, sondern nur ein zeitlich sehr kurzer Ausschnitt betrachtet wird, meist die Zeit ab 1850 oder ab 1880. Schauen wir uns aber nur die Periode der letzten 10.000 Jahre an, das Holozän, so sehen wir, dass es Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts besonders kalt war. Wir sind also mit unserer aktuellen Erwärmung faktisch aus dem Klimakeller aufgestiegen. So sieht die Erwärmung natürlich besonders dramatisch aus. Blicken wir im Holozän noch weiter zurück, so merken wir, dass es bereits mehrere Warmphasen wie heute gab. Von einer „beispiellosen“ und „außergewöhnlichen“ Erwärmung kann keine Rede sein.

Wichtig ist die AMO als Klimafaktor auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Klimas. Die Alarmisten betonen immer wieder, dass wir aufgrund der Erhöhung der CO2-Emissionen in den nächsten Jahrzehnten bzw. bis Ende des Jahrhunderts ein Erwärmung von mehreren Grad erleben werden. Wenn wir uns aber die Zyklen der AMO anschauen, dann können wir eher davon ausgehen,  dass der jetzige positive AMO-Zyklus demnächst zu Ende geht. Wir wissen natürlich nicht genau, wann und in welchem Maße dieser Zykluswechsel stattfindet. Doch klar ist, dass eine weitere „lineare“ Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten nicht stattfinden wird und eher mit einer Abkühlung zu rechnen ist. Darauf weist auch die Aktivität der Sonne hin, die sich aktuell in einer Phase sehr niedriger Aktivität befindet, die voraussichtlich noch anhalten wird. Das führte seit etwa 2000 schon dazu, dass die weitere Erwärmung aufhörte und wir ein Temperaturplateau haben. Nur der sehr starke El Nino von 2015/16 führte zu einem Temperatur-Zwischenhoch, das aber wieder vorbei ist.

Wir haben gezeigt, dass neben anderen natürlichen Ursachen auch die AMO (u.a. Meeresströmungen, v.a. die Pazifische Dekadische Oszillation, PDO) einen starken Einfluss auf das Klimageschehen hat. Davon, dass CO2 zu 100%  die Klimaerwärmung erklären könnte, kann also überhaupt keine Rede sein. Wie weit von der Realität und von seriöser Wissenschaft der Klima-Alarmismus entfernt ist, wird auch daran deutlich, dass Meeresströmungen wie die AMO in den offiziellen alarmistischen Statements kaum eine Rolle spielen – in der wirklichen Klimaforschung dagegen schon. Es erscheinen immer mehr Studien dazu und verbessern unser Verständnis klimatischer Zusammenhänge. Was uns von Politik, den meisten Großmedien und dem üblichen Halbdutzend von „Klimaexperten“ erzählt wird, ist zum erheblichen Teil unwissenschaftlicher Mumpitz, der – bewusst oder unbewusst – den Interessen großer und kleiner „grüner“ Investoren und Geschäftemacher dient.

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