Was sind gesellschaftliche Produktivstrukturen?

Ein Beitrag zur Konzeption einer nachkapitalistischen Wirtschaft

Hanns Graaf

Der Kapitalismus hat zu einer radikalen Umwälzung der Produktionsverhältnisse und einer unerhörten Ausweitung der Produktivkräfte geführt. Diese Dynamik war u.a. durch folgende Aspekte geprägt: die Generalisierung von Lohnarbeit und Warenproduktion, die Schaffung von nationalen Märkten und des Weltmarkts und die Durchsetzung der industriellen Massenproduktion. Alle diese Entwicklungen bedingen einander, denn Massenproduktion von Waren benötigt die große Industrie, große Kapitalmengen und einen großen Markt. „Was sind gesellschaftliche Produktivstrukturen?“ weiterlesen

ABC des Marxismus X:
Wer war Che Guevara?

Für viele Linke ist Che, wie er meist genannt wird, ein Vorbild oder gar eine Ikone. Doch er steht für ganz unterschiedliche „Verdienste“: er war einer der Führer der Kubanischen Revolution, er war ein mutiger und selbstloser antiimperialistischer Kämpfer. Manche sehen ihn als Stalinisten, andere als „unbewußten Trotzkisten“. „ABC des Marxismus X:
Wer war Che Guevara?“
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Ein stalinophiler Ausrutscher?

Zu einem Artikel der Gruppe Arbeitermacht

Hanns Graaf

Der Trotzkismus kann für sich in Anspruch nehmen, gegen den Stalinismus gekämpft und dessen unterdrückerische, reaktionäre und konterrevolutionäre Rolle entlarvt zu haben. Das ist unbestreitbar, auch wenn man nicht allen seinen Analysen zustimmen mag. Umso verwunderlicher ist es daher, wenn eine trotzkistische Gruppe Leuten eine Plattform gibt, die offen eine Relativierung und Beschönigung des Stalinismus betreiben. „Ein stalinophiler Ausrutscher?“ weiterlesen

Alternative zu Staat und Kirche

Die Kinderladen-Bewegung

Hannes Hohn

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren entstanden in der BRD und Berlin/West die ersten Kinderläden. Das waren selbstverwaltete, sich als „alternativ“ verstehende Kindereinrichtungen für Vorschulkinder. Träger waren Elterninitiativen, die meist die Form von Trägervereinen annahmen. Betreut wurden etwa 10-20 Kinder, weit weniger als es damals in anderen Einrichtungen üblich war, die eher Aufbewahranstalten waren als pädagogische Einrichtungen. Als Räumlichkeiten wurden anfangs oft Ladenräume genutzt, die leer standen, weil mit dem Aufkommen der großen Supermärkte viele kleine Händler aufgeben mussten. Daher auch der Name „Kinderladen“. Dem gleichen Konzept entsprangen später Schülerläden, wo eine Hort- und Hausaufgabenbetreuung  stattfand. Manchmal entwickelten sich diese Einrichtungen zu größeren Jugend-, Freizeit- und Kultureinrichtungen. „Alternative zu Staat und Kirche“ weiterlesen

Staates Kinder

Erziehung in der DDR

Hannes Hohn

In der Linken taucht die Frage der Vergesellschaftung der Hausarbeit, wenn überhaupt, oft nur als Forderung auf, um das ungenügende oder teure Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu verbessern. Zuweilen wird dabei auf das Beispiel der DDR verwiesen, wo es diesbezüglich tatsächlich bessere Bedingungen als in der BRD gab. Spätenstens sei den 1970ern war für jedes Kind ein Krippen-, Kindergarten- und Hortplatz vorhanden. Frauen war es in der DDR so leichter möglich, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Der Autor kann sich noch lebhaft an die Verwunderung von Studierenden aus der BRD, die in der DDR zu Gast waren, erinnern, als sie hörten, dass viele Studentinnen während des Studiums Kinder bekamen und wie gut die Betreuungsmöglichkeiten waren. „Staates Kinder“ weiterlesen

Das Siedlungs-, Bau- und Wohnungsprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands (1922)

(Wir dokumentieren hier den Entwurf für ein „Wohnungsprogramm“ der KPD von 1922. Obwohl dieser Entwurf nie angenommen wurde, gibt er einen guten Einblick in die programmatischen Vorstellungen der KPD jener Zeit. Die Redaktion)

Entwurf

1. Die Grundlage aller Kommunalpolitik ist die Ansiedlung von Menschen. Im kapitalistischen Zeitalter vollzieht sich die Siedlung planlos; im wesentlichen folgt sie den Zufallsbedürfnissen der Industrie; sie nimmt keine Rücksicht auf die natürlichen Siedlungsmöglichkeiten, auf industrielle Standortsökonomie, keine Rücksicht auf Sicherstellung der Ernährung, auf Tauschmöglichkeit, Hygiene, Verkehr, keine Rücksicht auf den proletarischen Menschen. „Das Siedlungs-, Bau- und Wohnungsprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands (1922)“ weiterlesen

Nazis gegen Nazis

1934: Der Röhm-Putsch

Hannes Hohn

Reichlich ein Jahr nach der Machtergreifung der deutschen Faschisten, am 30. Juni 1934, sorgte ein Ereignis für Schlagzeilen: der „Röhm-Putsch“. Es handelte sich dabei aber nicht um einen Putsch von SA-Führer Ernst Röhm gegen Hitler, sondern um einen Schlag, eine Säuberung Hitlers gegen Röhm und die SA-Führung. „Nazis gegen Nazis“ weiterlesen

Die Internationale

Hannes Hohn

„Die Internationale“ ist wohl immer noch das bekannteste Lied der Welt, obwohl es natürlich in Hitparaden und auch in den meisten Liederbüchern nicht auftaucht. Trotzdem ist das „rote“ Lied ein echter Evergreen, der inzwischen schon fast anderthalb Jahrhunderte alt ist. „Die Internationale“ weiterlesen

Der Fall Lyssenko

Geschichte der Wissenschaft

Hanns Graaf

Trofim Denissowitsch Lyssenko (1898-1976) war ein sowjetischer Agronom und Biologe, der unter Stalin großen Einfluss erlangte. Seine Theorie – später „Lyssenkoismus“ genannt – knüpft an Lamarck an. Die Genetik wurde unter Stalin als „bürgerliche Theorie“ per se abgelehnt. Nach Lyssenko werden Erbeigenschaften nicht durch Gene, sondern durch Umweltbedingungen bestimmt. Die Entwicklung der Arten erfolge nicht durch Mutation und Selektion, sondern durch die Vererbung erworbener Eigenschaften, d.h. durch Umwelteinflüsse. Einige seiner Forschungsergebnisse wurden später sogar als Fälschungen entlarvt. „Der Fall Lyssenko“ weiterlesen