Die Lüge von den schwindenden Ressourcen

Hanns Graaf

Eine zentrale These der „grünen“ Szene, von Teilen des Reformismus und dem Gros der Linken ist die Auffassung, dass die Ressourcen zur Neige gehen. Dafür steht auch der Slogan von der Erde, die zu klein für unsere Lebensweise wäre und wir mehrere Erden (ver)brauchen würden. Lebten und wirtschafteten wir weiter so wie jetzt, müssten wir schon bald an die „Grenzen des Wachstums“ stoßen. Nicht zufällig war auch der Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972 so betitelt. „Die Lüge von den schwindenden Ressourcen“ weiterlesen

Fundstück XVI

Ja, ich hasse und verachte das Vorgesetztentum in der Welt. Es ist an allem Barbarischen schuld seit vielen tausend Jahren. Es ist das Prinzip des Bösen, das Prinzip der blöden Väter, die mit ihrer Menschlichkeit allein nicht auskommen und der Gewalt bedürfen, um sich zu behaupten, das Prinzip der wahnsinnigen Greise, die heute Europa zugrunde richten. Haben sie bemerkt, dass von denen, die heute Entscheidungen treffen, nicht einer weniger als fünfzig Jahre alt ist?

Arnold Zweig, Der Streit um den Sergeanten Grischa

 

Aufbruch ins Nichts

Eine Kritik am Offenen Brief der RCIT

Hannes Hohn

Am 9.1.2017 veröffentlichte die „Revolutionär-Kommunistische Internationale Tendenz“ (RCIT) einen Offenen Brief an alle wirklichen Revolutionäre. (….) Darin werden diese aufgefordert, sich zu vereinen, damit wir den Aufbau einer Führung für den Kampf gegen die reaktionäre Offensive der herrschenden Klasse vorantreiben können. Aus Anlaß des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution soll eine internationale Konferenzorganisiert werden, welche die Grundlage für die gemeinsame kollektive Arbeit zur Bildung einer Revolutionären Weltpartei legen soll. Das Zusammenkommen für eine solche gemeinsame Initiative zur internationalen Organisierung von Revolutionären ist nur auf der Grundlage einer Einigung über die wichtigsten politischen Fragen des gegenwärtigen weltweiten Klassenkampfes möglich. „Aufbruch ins Nichts“ weiterlesen

ABC des Marxismus VI: Was ist Imperialismus?

Als „Imperialismus“ bezeichnen MarxistInnen den Kapitalismus des 20. und 21. Jahrhunderts – in zweierlei Hinsicht. Erstens charakterisieren sie die stärksten kapitalistischen Länder, welche die heutige Welt beherrschen, als „imperialistisch“; zweitens nennen sie die gegenwärtige globale Wirtschaftsordnung eine „imperialistische“. Wenn wir begreifen, was Imperialismus ist, haben wir einen Schlüssel zur Hand, um die ökonomischen und politischen Krisen unserer Welt besser zu verstehen und die tieferen Ursachen von Kriegen, Hungersnöten und Rassismus zu begreifen. „ABC des Marxismus VI: Was ist Imperialismus?“ weiterlesen

Nachtvision

Hanns Graaf

Schwarze Alleen mit Peitschenmasten.
Stacheldraht quer über Straßen gespannt.
Scheinwerferfinger durchs Nachtdunkel tasten.
Ertrunkene Schwimmlehrer treiben zum Strand.

Ein Fernzug mit Schlafwagen springt aus den Gleisen.
Ein Brückentorso ragt übern Schlund.
Helikopter, die über uns kreisen.
Gerüchte gehn von Mund zu Mund.

Pausenlos klingeln die Faxtelefone.
Vereinszimmer brüten an einem Pogrom.
Ein Chor von Knaben probt eine None.
Im stählernen Stuhl stirbt einer an Strom.

Vorm Marmorportal hocken Banker und wimmern.
Vier Verse von Trakl, die irgendwer spricht.
Ein Dauertonsummen. Testbilder flimmern.
Die Mauern der Staudämme halten noch dicht.

Ein Hoftor fällt zu, als hätt wer geschossen.
Ein Aufruf kursiert auf zehntausend Blatt.
Die Börsen bleiben auch morgen geschlossen.
Ein blutiger Mond hängt über der Stadt.

Alternative zu Staat und Kirche

Die Kinderladen-Bewegung

Hannes Hohn

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren entstanden in der BRD und Berlin/West die ersten Kinderläden. Das waren selbstverwaltete, sich als „alternativ“ verstehende Kindereinrichtungen für Vorschulkinder. Träger waren Elterninitiativen, die meist die Form von Trägervereinen annahmen. Betreut wurden etwa 10-20 Kinder, weit weniger als es damals in anderen Einrichtungen üblich war, die eher Aufbewahranstalten waren als pädagogische Einrichtungen. Als Räumlichkeiten wurden anfangs oft Ladenräume genutzt, die leer standen, weil mit dem Aufkommen der großen Supermärkte viele kleine Händler aufgeben mussten. Daher auch der Name „Kinderladen“. Dem gleichen Konzept entsprangen später Schülerläden, wo eine Hort- und Hausaufgabenbetreuung  stattfand. Manchmal entwickelten sich diese Einrichtungen zu größeren Jugend-, Freizeit- und Kultureinrichtungen. „Alternative zu Staat und Kirche“ weiterlesen

Laudatio des Tages vom 19.1.2017

HaHo

Eine zweistimmige Lobeshymne in Fortefortissimo singen wir heute Frankreichs Energieministerin Ségolène Royal, die ein wahrhaft revolutionäres Projekt zur Rettung des Weltklimas fördert, und dem Internet-Portal Klimaretter.Info, das darüber euphorisch berichtet hat. „Laudatio des Tages vom 19.1.2017“ weiterlesen

Staates Kinder

Erziehung in der DDR

Hannes Hohn

In der Linken taucht die Frage der Vergesellschaftung der Hausarbeit, wenn überhaupt, oft nur als Forderung auf, um das ungenügende oder teure Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu verbessern. Zuweilen wird dabei auf das Beispiel der DDR verwiesen, wo es diesbezüglich tatsächlich bessere Bedingungen als in der BRD gab. Spätenstens sei den 1970ern war für jedes Kind ein Krippen-, Kindergarten- und Hortplatz vorhanden. Frauen war es in der DDR so leichter möglich, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Der Autor kann sich noch lebhaft an die Verwunderung von Studierenden aus der BRD, die in der DDR zu Gast waren, erinnern, als sie hörten, dass viele Studentinnen während des Studiums Kinder bekamen und wie gut die Betreuungsmöglichkeiten waren. „Staates Kinder“ weiterlesen

Triumph oder Tragödie?

Zu einem Beitrag der Berliner Zeitung über die Energiewende

Hannes Hohn

In der Berliner Zeitung vom 28.12.2016 erschien ein Artikel zur aktuellen Situation auf dem Strommarkt. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass die hiesigen Medien überhaupt kein Verständnis für die Situation in der deutschen Stromwirtschaft haben und die Dimension der durch die Energiewende hervorgerufenen gravierenden Veränderungen nicht zu erfassen vermögen. „Triumph oder Tragödie?“ weiterlesen