FundstĂĽck I

Zeit ist es, was uns fehlt. Nur Zeit und weniger harte Arbeit. Damit wir auch einmal über uns selbst nachdenken können und nicht nur vor uns hinstarren und hinglotzen wie die Ochsen, die kauen und kauen und stieren und stieren und ziehen und ziehen und sonst nichts weiter zu tun wissen, als sich mit dem Schwanz die Fliegen wegzuscheuchen. Manchmal denke ich, dass wir viel elender sind, als Ochsen. Die Ochsen wissen es vielleicht nicht besser, aber wir wissen, dass alles besser sein kann; denn wir haben Dörfer gesehen und Städte und andere Menschen, die nicht so elend und unwissend sind wie wir.

B. Traven: Die Rebellion der Gehenkten

Stunde der Obskuranten

Hanns Graaf

„Die nächste Eiszeit könnte ausbleiben“, so ĂĽberschrieb die Berliner Zeitung am 15.10.15 einen Beitrag zur Klimafrage. Sie bezog sich auf eine ĂĽber dpa verbreitete Ă„uĂźerung von Prof. Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdamer PIK (Potsdam-Institut fĂĽr Klimafolgenforschung) auf dem 9. „MĂĽnchener Klimaherbst“.  „Stunde der Obskuranten“ weiterlesen

Eine politische Zwangsehe?

Vereinigung von KPD und SPD zur SED vor 70 Jahren

Hannes Hohn

Am 21. April 1946 schlossen sich in der sowjetischen Besatzungszone KPD und SPD zur SED zusammen. Die Bewertungen dieses Ereignisses sind konträr genug: eine Seite bejubelt diese Vereinigung als Ăśberwindung der Spaltung der Arbeiterklasse und richtige Konsequenz aus den blutigen Erfahrungen des deutschen Proletariats unter dem Faschismus; die Gegenseite lehnt die SED-GrĂĽndung als Zwangsvereinigung ab.  „Eine politische Zwangsehe?“ weiterlesen

Aschenputtels Arbeit

Kampf gegen FrauenunterdrĂĽckung

Hannes Hohn

„Waschen, bügeln, fegen, die Staubflöckchen unter den Möbeln hervorkehren, damit hält man zwar den Tod nicht auf, kommt aber nicht zum Leben.“ (Simone de Beauvoir)

Haushalt ist Frauensache – immer noch. lt. Statistischem Bundesamt wenden Frauen in der BRD etwa 20 Stunden pro Woche fĂĽr Hausarbeit auf, Männer nur 7. Trotz dieses Ungleichgewichts drĂĽckt diese Zahl jedoch auch aus, dass Männer im Zuge des Fortschreitens der Emanzipation mehr Hausarbeit ĂĽbernehmen als in frĂĽheren Jahrzehnten. Dass auch ein Mann den Kinderwagen schiebt oder Einkaufen geht, ist nicht mehr ungewöhnlich. Das alles gilt aber eher fĂĽr höher entwickelte Länder, in groĂźen Teilen der Welt sieht es damit noch wesentlich schlechter aus.  „Aschenputtels Arbeit“ weiterlesen

Entree

Hanns Graaf

Was wollt ihr hier? Was hat euch grad zu mir verschlagen?
Seid ihr von Welt-Erklärern nicht bedient?
Der Zeiten Gang schlägt, unverdaut, uns auf den Magen.
Wisst: Wenn es um den Kopf geht, geht es um den Kragen,
Sind Orden oder Narben schnell verdient.

Soll ich euch maln ein Weltbild fĂĽr den Wechselrahmen?
Sucht ihr nach paĂźgerechten Idealn?
Ein Notausgang fĂĽrs Publikum nach all den Dramen?
Oh, blinde Hoffnung, die wir stets umsonst bekamen.
Doch wer auf mich hört, muss dafür bezahln.

Historia verkehrt noch auf den alten Trassen.
Ob künftig dieser Weg den Wagen trägt?
Sagt, wollt ihr die Geschichte einfach fahren lassen?
Und bleibet hocken? Wollt nicht in die Speichen fassen
Dem Karren, der uns in den Abgrund schlägt?

Habt ihrs euch überlegt? Wollt ihr noch länger bleiben
Im Saal, in dieser engen, dunklen Welt?
Von meinem Singen zittern nicht die Fensterscheiben.
Was ich umschreib, das ist nicht einfach umzuschreiben.
In Ewigkeit bleibt alles – bis es fällt.

1988