Fundstück XIX

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Das Zeitalter der verfallenden bürgerlichen Gesellschaft, das Zeitalter der Wissenschaft par excellence, ist das unwissenschaftlichste, durch das die Gesellschaft je gegangen ist.

Joseph Weber, Die Krise des sozialen Bewußtseins in unserer Zeit

Katastrophismus statt Analyse

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Eine Kritik am „Revolutionär-Kommunistischen Manifest“ der RCIT

Hanns Graaf

Die Revolutionär-Kommunistische Internationale Tendenz (RCIT), eine vor einigen Jahren aus der Liga für die Fünfte Internationale (LFI) nach der Spaltung deren österreichischer Sektion entstandene trotzkistische Organisation, geht in ihrem Grundsatzprogramm, dem „Revolutionär-Kommunistischen Manifest“ auch auf die angeblich drohende Klimakatastrophe ein. Wir wollen hier auf diesen Teil des RCIT-Manifests eingehen. „Katastrophismus statt Analyse“ weiterlesen

Fundstück XVIII

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Ich weiß: in intellektuellen Kreisen wird Skepsis und Pessimismus schon seit mehr als einem halben Jahrhundert für viel vornehmer gehalten als der Glaube an eine große Sache der Menschheitsentwicklung, mögen ihre Erscheinungsweisen übergangsmäßig noch so problematisch sein.

Georg Lukacs, Solschenizyn

ABC des Marxismus VII: Was ist das Proletariat?

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Als „Proletarii“ galten im antiken Rom die besitzlosen und lohnabhängigen, aber freien Bürger. In der Französischen Revolution bezeichnete man den „Vierten Stand“, die Unterschicht, oft als „Proletarier“. Vom Proletariat als Klasse sprach um 1820 zuerst der französische Sozialist Saint-Simon. Heute wird statt vom „Proletariat“ meist von der Arbeiterklasse oder von Lohnabhängigen gesprochen. „ABC des Marxismus VII: Was ist das Proletariat?“ weiterlesen

Schwanebecker Elegie I

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Hanns Graaf

Rostloks durchkreuzen den Ostblock. Elektrifizierteste Länder
Minus die Kommune. Gleisbetten, Lüste versteint.
Linientreu, unantastbar die Drähte der Leitungen oben.
Umgeformter Strom. Nahverkehr pendelt sich ein.

Rötliches Preußen. Schwellenland. Gleise verlaufen im Sande.
Reichsbahnstahl von Krupp. Festestes Volkseigentum.
Wälder kuschen. Wartburgs am Schlagbaum warten auf Öffnung.
Übergang beschrankt. Wieviele Wagen im Stau?

FAHRAUSWEISE! Flink geht das Einlochen. Wegen der paar
Märker soviel Streß? MUSS SEIN, WO KÄMEN WIR HIN?Schaffnergemuffel. ES GEHT UMS PRINZIP. Oder ums Ganze,
Denke ich halblaut. Pst! Der da hinterm ND.

REVOLUTIONEN SIND DIE LOKOMOTIVEN DER stehet
Groß am Abstellgleis. AUSSTEIGEN! ZUG ENDET HIER.
ALLE TOILETTEN les ich VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN.
STERNBURG, HALB UND HALB pisse ich illegal hin.

ALLES UMSTEIGEN! WEITERFAHRT NACH Ist das noch unsere Richtung?
Letzter Mohn verglüht zwischen dem Schotter am Damm.
Dornenhecken wuchern am altroten Backstein des Bahnhofs.
Aufgegeben längst. Hier hält schon lange nichts mehr.

Haben wir alles? Irgendwas fehlt uns doch! Ringsherum Schweigen.
Nichts erhebt sich hier. Ebenen, sandig und flach.
Zugdurchfahrt. TRETEN SIE ZURÜCK Schneidende Stimme
VON DER BAHSTEIGKANTE! Hör oder träume ich das?

Dickicht. Spärliche Schneisen. Flachwurzler. Einsame Spitzen
Oben über uns. Honnimoon Abendgestirn.
Schienenstoßstaccato. Die Lichtungen schwinden. Im Dämmer
Bleibt das Land zurück. WANDLITZ. Letzte Station.

1989

Die Strahlenschutzkommission hat den Gesetzgeber kritisiert – darf sie das?

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von Dr. Lutz Niemann
(mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Im Jahre 2008 hatte Sigmar Gabriel ein neues Thema in die öffentliche Diskussion gerückt, die „marode ASSE“. Er hatte ein NULL-Ereignis zu einem Skandal gemacht, mit fleißiger Mithilfe der Medien in Deutschland. Es ging dabei um die Endlagerung schwach radioaktiver Abfälle in der ASSE. Dieses Thema hatte sich als sehr zugkräftig erwiesen, um Stimmung und Emotionen bei den Bürgern zu wecken. Aber zunächst eine kurze Wiederholung der physikalischen Tatsachen und der Kampagne. „Die Strahlenschutzkommission hat den Gesetzgeber kritisiert – darf sie das?“ weiterlesen

Fundstück XVII

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Es gibt tausend Bestimmungen, die wir nicht einhalten. Wenn wir anfangen wollen, uns nach allen Bestimmungen zu richten, haben wir ein Chaos.

Christoph Hein, Horns Ende

Die Lüge von den schwindenden Ressourcen

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Hanns Graaf

Eine zentrale These der „grünen“ Szene, von Teilen des Reformismus und dem Gros der Linken ist die Auffassung, dass die Ressourcen zur Neige gehen. Dafür steht auch der Slogan von der Erde, die zu klein für unsere Lebensweise wäre und wir mehrere Erden (ver)brauchen würden. Lebten und wirtschafteten wir weiter so wie jetzt, müssten wir schon bald an die „Grenzen des Wachstums“ stoßen. Nicht zufällig war auch der Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972 so betitelt. „Die Lüge von den schwindenden Ressourcen“ weiterlesen

Fundstück XVI

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Ja, ich hasse und verachte das Vorgesetztentum in der Welt. Es ist an allem Barbarischen schuld seit vielen tausend Jahren. Es ist das Prinzip des Bösen, das Prinzip der blöden Väter, die mit ihrer Menschlichkeit allein nicht auskommen und der Gewalt bedürfen, um sich zu behaupten, das Prinzip der wahnsinnigen Greise, die heute Europa zugrunde richten. Haben sie bemerkt, dass von denen, die heute Entscheidungen treffen, nicht einer weniger als fünfzig Jahre alt ist?

Arnold Zweig, Der Streit um den Sergeanten Grischa

 

Aufbruch ins Nichts

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Eine Kritik am Offenen Brief der RCIT

Hannes Hohn

Am 9.1.2017 veröffentlichte die „Revolutionär-Kommunistische Internationale Tendenz“ (RCIT) einen Offenen Brief an alle wirklichen Revolutionäre. (….) Darin werden diese aufgefordert, sich zu vereinen, damit wir den Aufbau einer Führung für den Kampf gegen die reaktionäre Offensive der herrschenden Klasse vorantreiben können. Aus Anlaß des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution soll eine internationale Konferenzorganisiert werden, welche die Grundlage für die gemeinsame kollektive Arbeit zur Bildung einer Revolutionären Weltpartei legen soll. Das Zusammenkommen für eine solche gemeinsame Initiative zur internationalen Organisierung von Revolutionären ist nur auf der Grundlage einer Einigung über die wichtigsten politischen Fragen des gegenwärtigen weltweiten Klassenkampfes möglich. „Aufbruch ins Nichts“ weiterlesen